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Theorie und Psychologie der Bildkomposition

Heute beschäftigen wir uns mit der Theorie und Psychologie der Bildgröße, Komposition und der Balance zwischen verschiedenen Elementen in deinen fotografischen Werken. Du wirst dich wundern, wie viel man über dieses Thema lernen kann und welchen Einfluss du auf deine Bildkomposition nehmen kannst.

Geschrieben von Diana Eftaiha

Einführung
Fotografien sind unsere Visionen, kreiert im Bildsucher, komponiert und aufgenommen mit einem Knopf. Manchmal ist die intuitiv gewählte Komposition die letztendliche und manchmal wiederum nicht. Manchmal komponieren wir unsere Aufnahmen mit der Bestrebung, unsere Vision in dem Moment festzuhalten, hin und wieder dagegen komponieren wir eine Szene mit der Absicht, das Bild später zuzuschneiden oder zu erweitern.

Die meisten 35mm-Bilder werden sehr stramm und als endgültiges Bild komponiert. Größere Formate dagegen erlauben uns ein Foto zuzuschneiden, es neu zu komponieren, ohne das die Qualität des Bildes darunter leidet. Und letztendlich sind quadratische Formate weniger praktisch als Endkomposition und werden oft später zu einer vorteilhafteren Größe zugeschnitten.

Größe und Ausrichtung des Bildes
Anders als andere Formen bildnerischer Kunst ist eine Fotografie immer an räumliche Dimensionen gebunden, die wiederum von der Größe des Bildes abhängen. Und sehr oft leiten und beeinflussen diese Begrenzungen die Bildkomposition.

Bis zur ganzen Evolution der Digitalfotografie hatte das bekannteste Bildformat ein Seitenverhältnis von 3:2, da dies das Standardformat des 35mm-Films ist (Negativgröße 36 × 24 mm). Mit dem Fortschritt der Digitalfotografie wurde das natürlichere Format mit einem Seitenverhältnis von 4:3 bald bei zum Standard bei günstigen und Mittelklasse-Kameras. Dies ermöglichte ein horizontal erweitertes Bild, das auf Computer-Bildschirmen natürlicher wirkte und eher dem Standardformat von Druckpapier entspricht.

Das 35mm-Format wurde geschickt in die Digitalfotografie übertragen, so dass eine Lücke zwischen professioneller oder hochwertiger Hobbyfotografie und anderen Arten der Fotografie entstand. Und die langlebige Popularität ist nur ein kleiner Beweis, wie schnell sich unsere Sehgewphnheiten auf diese intuitiven Kompositionen einstellt.

Horizontal oder Vertikal?
Unsere visuelle Präferenz zeigt sich meistens in einer horizontalen Perspektive (weil wir ja auch so mit unseren Augen sehen). Das ist der Grund, warum viele Fotografien horizontal statt vertikal komponiert werden. Ein weiterer, weniger fundamentaler Grund ist die Mühe, die es bereitet, eine Kamera horizontal zu halten und dabei noch eine Komposition aufzubauen.

Wenn ein Bildobjekt vertikal länger ist, dann macht es Sinn und wirkt natürlicher, wenn es auch vertikal aufgenommen wird. Wenn sich aber eine Szenerie oder ein Bildmotiv horizontal ausdehnt (oder in beide Richtungen gleich), dann wirkt eine horizontale Aufnahme natürlicher.

Positionierung innerhalb des Einzelbildes
Des weiteren ist es angenehmer für den Betrachter, wenn bei einer horizontalen Aufnahme das Bildmotiv nicht im Mittelpunkt steht, sondern stattdessen auf einer Seite des Bildes steht.
Wenn ein Bildmotiv vertikal festgehalten wird, ist es sinnvoller, wenn das Motiv ebenfalls nicht im Bildmittelpunkt steht, sondern sich weiter oben oder unten befindet. Wenn sich das Motiv weiter unten befindet, erscheint es passender und natürlicher, weil so Stabilität vermittelt wird. Oben positioniert erscheint es, als würde man nach unten blicken oder den Kopf hängen lassen.

Foto von Phototuts+
Foto von Phototuts+

Wenn ein vertikales Motiv horizontal abgelichtet wird, steht es meistens am Ende einer horizontalen Linie, so dass das Auge horizontal entlang des Bildes wandert.

Innerhalb eines quadratischen Formats wird dies komplizierter, weil das Format keinen Richtungsschwerpunkt setzt. Nur wenige Kameras bieten ein Bildformat mit einem 1:1 Verhältnis und bei solchen Formaten ist es üblich, dass die Fotografen so ein Format nicht komplett ausnutzen, sondern ihre Szene locker komponieren oder ungenutzte Stellen frei lassen, die später abgeschnitten werden können.

Die meisten Bildmotive sind nicht von Natur aus quadratisch, daher ist eine quadratische Bildkomposition immer eine Herausforderung. Da die meisten Landschaften oft horizontal wahrgenommen und aufgenommen werden, stellt eine quadratische Aufnahme eine Herausforderung dar, um den Bildfluss nicht zu stören.

Eine quadratische Aufnahme kann aber natürlich immer eine interessante oder erfrischende Abwechselung von der klassischen vertikalen oder horizontalen Aufnahme bieten. Das quadratische Format kann sogar bei symmetrischen Bildobjekten (wie im Foto unten von Elena Erda) von Vorteil sein.

Foto von Phototuts+

Platzierung des Motivs innerhalb des Bildes

Mit einem einzelnen Motiv
Wenn du nur ein einziges Motiv aufnehmen willst, erscheint es logisch, es genau in die Bildmitte zu setzen – mit gleich viel Raum um das Objekt herum in alle Richtungen. Manchmal funktioniert das auch, aber das Problem mit dieser Bildkomposition ist, dass diese Art der Bildkomposition sehr vorhersehbar ist. Es lohnt sich immer, eine Option zu wählen und mit der Positionierung des Motivs zu experimentieren, es also weiter rechts oder links zu platzieren, um dann zu sehen, was am besten wirkt.

Das ist wichtiger, wenn das Motiv verhältnismäßig klein ist, im Vergleich zum Raum um das Motiv herum. Wenn das Motiv nicht im Mittelpunkt steht, entsteht Spannung im Bild. Diese Spannung kann als psychologischer Bestandteil gesehen werden, weil es unterbewusst deinem Bild das gewisse Etwas verleiht. So vermitteln die Fotografien eine gewisse Begeisterung und lassen eine Art Drama entstehen.

Wenn sich dein Motiv nicht im Bildmittelpunkt befindet, scheint es, als ob das Motiv entweder zur Bildmitte hingezogen wird, so dass es logisch wieder ausgeglichen wäre, oder als ob das Motiv weiter von der Bildmitte weggezogen wird, zu einer Ecke der Fotografie. Das ist Theorie auf hohem Level, das stimmt, aber es lohnt sich, das zu beachten!

Mit mehreren Bildmotiven
Wenn es mehr als ein Motiv gibt, das festgehalten werden soll, dann muss deine Komposition diese einzelnen Bildelemente ausgleichen. Ich will euch ein Beispiel zeigen, das illustriert, was ich meine und welches bessere Beispiel gäbe es denn als Trey Ratcliffs berühmtes Bild: The Lonely Trinity.

In diesem Bild kannst du ganz klar sehen, wie brilliant Trey die Elemente ausgleicht, indem er die drei Hauptelemente in einer Dreieckskomposition anordnet, so dass sich die Elemente immer gegenseitig ausgleichen. Dadurch wirkt die ganze Komposition ruhig und ausgeglichen:

Foto von Phototuts+

Visuelles Gleichgewicht
Wenn man eine Fotografie ansieht, blickt man zuerst auf den Teil, der einen am meisten anspricht. Es gibt ein paar unumstrittene Fakten, die besagen, was das Interesse des Betrachters leitet und was seine Aufmerksamkeit auf sich zieht (und in welcher Reihenfolge).

Natürlich ist es ein komplexer Prozess herazszufinden, wie Menschen ein Bild ansehen, aber es gibt einen generellen Konsens darüber, was die Augen zuallererst wie magisch anzieht – entweder weil wir uns emotional oder persönlich verbunden fühlen oder weil wir uns darauf verlassen, ein Gefühl oder eine Reaktion vermittelt zu bekommen.

Gesichter sind zum Beispiel dafür bekannt, dass sie das attraktivste visuelle Element sind – vor allem die Augen und der Mund. Dorthin sehen wir nämlich, wenn wir einschätzen wollen, wie sich jemand in einer bestimmten Situation fühlt oder wie jemand reagieren wird.

Als nächstes in der Rangliste stehen Schriftzüge. Schrift vermittelt auf einem hohen Level eine Information über eine bestimmte Situation. Selbst wenn es ein Schriftzug in einer Fremdsprache ist, trägt ein Schriftzug immer eine große, ästhetische Qualität zu einem Kunstwerk bei, nur dadurch, dass er als Informationsquelle oder Element dient.

Foto von Phototuts+

Als nächstes kommen andere Elemente im Bild zu tragen, abhängig von ihrer Prominenz und dem Raum, der ihnen in der Komposition zukommt.

Zusammenfassung
Ein visuelles Kunstwerk war immer schon und wird immer ein Gegenstand individueller Interpretation bleiben. Wahrscheinlich wird es einem Künstler niemals möglich sein, den Betrachter genau in die richtige Richtung zu lenken.

Was ein Fotograf tun kann, ist dem Betrachter einen Hinweis oder einen Stoß in die richtige Richtung zu geben, damit er den Sinn eines Kunstwerkes versteht, indem er beobachtet und die visuelle Gewichtung der Elemente verstehen lernt. Wenn man diese Komponenten beachtet, kann das sehr helfen, wenn man mit einem Foto eine Geschichte erzählen, eine Emotion zeigen oder die Aufmerksamkeit der Betrachter auf einen bestimmten Punkt lenken will.

geschrieben von jeanmendoza, übersetzt von wolkers

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