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Die Zenit 3M: Knipse aus der Sputnikzeit

Die Zenit 3M hat nicht viel Schnickschnack, dafür macht es sehr viel Spaß diese alte sowjetische Kamera zu benutzen.

Als die Zenit 3M in die Läden kam, war die Sowjetunion auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Die russische Raumfahrt stellte Rekorde auf und überflügelte den Erzrivalen USA, der charismatische Regierungschef Nikita Chruschtschow verlangte Anerkennung auf den Bühnen der Welt und auch die Stärke des sowjetischen Militärs passte zu der einer Weltmacht.

Photo via Lazslo Gerencser

In dieser Zeit wurden Unmengen an Kameras in UdSSR produziert, viele davon waren weniger gute Versionen von Kameras, die Deutschland in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zu einem Vorreiter von Design und Qualität von Kameras gemacht hatten. Die Zenit 3 war der Versuch etwas ein bisschen anders zu machen. Die Ingenieure bei KMZ bauten aus der Messsucherkamera des Leica-Klons Zorki eine Spiegelreflexkamera, indem sie einen Prismensucher und eine neue Linsenfassung, die M39, einbauten.

Die Zenit 3 wurde nur für ein paar Jahre hergestellt, bevor das Design verändert und die Zenit 3M produziert wurde. Der Leica-ähnliche abnehmbare Rücken wurde durch eine Tür mit Scharnier, wie in den meisten westlichen Spiegelreflexkameras, ersetzt. Zwischen 1962 und 1970 wurden ca. 800.000 Exemplare der soliden und einfachen 3M hergestellt, bevor die Zenit E folgte.

Die Zenit 3M wurde in großen Mengen in den Westen exportiert, darunter Versionen unter den Namen Revueflex (Westdeutschland) und Global (Australien). Auch in Großbritannien waren sie weit verbreitet, deswegen gibt es sie dort heute häufig auf Kameramärkten und in Second-Hand-Läden. Und es gab mindestens einen prominenten Fan – Revolutionskämpfer Che Guevara, ein ambitionierter Fotograf, der neben seiner Zenit 3M eine Nikon Sucherkamera favorisierte.

Es gibt keine simplere Spiegelreflexkamera als die Zenit 3M. Sie hat nur wenige Einstellmöglichkeiten, ein paar Verschlusszeiten, einen Prismensucher und ein Preset-Objektiv (das bedeutet, man muss das Objektiv zwischen fokussieren und abdrücken für die richtige Belichtungszeiten öffnen), dadurch muss der Photograph alle Entscheidungen treffen.

Meine erste von diesen alten Zenits kaufte ich vor ungefähr 10 Jahren als ich anfing alte sowjetische Kameras zu sammeln. Die Kamera blieb lange unbenutzt, aber ich brachte sie für mein 35 Projekt zurück ins Leben. Leider entschied sich die Zenit auseinanderzufallen, als ich sie 2011 mit zum Notting Hill Carnival nahm. Auf einer Kamerabörse kaufte ich letztes Jahr eine Ersatzkamera für 20 Euro die perfekt funktioniert.

Die Zenit ist ein ziemlich günstiger Weg um in die analoge Fotografie einzusteigen, aber es braucht ein bisschen Übung um das Beste aus ihr rauszuholen. Da sie keinen Belichtungsmesser hat brauchst du entweder einen Handbelichtungsmesser oder musst genug über Belichtungszeiten wissen um die richtigen Einstellungen zu schätzen.

Die meisten 3Ms kommen mit einer Version des Helios-44 58/2 Objektiv, einer Kopie des alten deutschen Biotar, oder des Industar 50mm Objektiv. Das kann toll sein, wenn du dir erstmal gemerkt hast wie du sie richtig benutzt (wie das geht kannst du hier rausfinden). Diesen Objektiven fehlen die Beschichtungen moderner Objektive, also kann es Streulicht geben, aber es ist trotzdem möglich schöne Aufnahmen zu machen. Das Weitwinkelobjektiv Mir-1B 37mm ist einfach ausgezeichnet und das Jupiter-9 Portraitobjektiv ist vollkommen unterschätzt. Da diese Objektive auf keiner anderen Kamera angebracht werden können (anders als die M42-Modelle) gibt es die Objektive ziemlich billig.

Bevor meine erste 3M kaputt ging war ich mit ihr im Ace Café, einem 50er Jahre Café im Norden Londons das vor allem von Bikern und Retrofans besucht wird, bei einem Treffen von Osteuropäischen Auto-Liebhabern. An dem hellen Herbsttag lud ich einen neuen Agfa Precisa 100 Diafilm in die Kamera. Die Farben waren wunderscherschön, nicht so kräftig wie mit einem modernen, den Kontrast erhöhenden, beschichteten Objektiv, aber dafür mit einem verträumten Retrogefühl.

Der metallene Körper macht die Zenit sehr robust, so kann man sie überall mit hinnehmen, auch wenn die begrenzten Verschlussgeschwindigkeiten von höchstens 1/500 bedeuten, dass bei hellstem Sommer-Sonnenschein-Wetter nur langsame Filme benutzt werden können.

Mehr Bilder gibt es meinem Flickr set.

geschrieben von stephen73, übersetzt von nia_ffm

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Der Originalartikel wurde in folgender Sprache verfasst: English.