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Begleitet unsere LomoAmigos von Menschen für Menschen durch Afrika

Ausgestattet mit einer Fisheye No.2, Spinner 360°, einer Lomo LC-A+ und vielem Film machte sich Martina von der Organisation Menschen für Menschen Anfang des Jahres auf nach Äthiopien, um uns das Leben vor Ort in analogen Bildern näher zu bringen. Erfahrt mehr über das Hilfsprojekt der Organisation in Afrika und seht selbst welche Eindrücke Martina von der Reise mitbrachte.

NAME: Martina Hollauf
STADT: Wien
LAND: Österreich

1. Erzähl uns zu Beginn doch etwas über dich/euch und die Organisation. Für was steht Menschen für Menschen?
Menschen für Menschen ist eine Non-Profit-Organisation und leistet Hilfe zur Selbstentwicklung in Äthiopien. Gegründet wurde Menschen für Menschen 1981 von Schauspieler Karlheinz Böhm – den meisten bekannt aufgrund seiner Rolle als Kaiser Franz Joseph in der Filmtrilogie „Sissi“. Die Gründung geht zurück auf eine mittlerweile schon legendäre Wette in der Sendung „Wetten, dass..?“. Karlheinz Böhm war angesichts der Berichte über die Hungerkatastrophe in der Sahelzone so erschüttert, dass er wettete, dass „nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Deutsche Mark, einen Schweizer Franken oder sieben Österreichische Schilling für notleidende Menschen in der Sahelzone spendet.“ Karlheinz Böhm gewann diese Wette, aber es kamen dennoch 1,2 Millionen Mark zusammen, die den Grundstock des Vereins bildeten. In Österreich, Deutschland, der Schweiz und Belgien ist Menschen für Menschen mit eigenständigen Organisationen vertreten und in Äthiopien selbst sind aktuell 761 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Menschen für Menschen tätig, wobei nur fünf davon nicht aus Äthiopien stammen.

2. Was habt ihr in Afrika gemacht?
Meine Aufgaben bei Menschen für Menschen Österreich liegen im Bereich Öffentlichkeits- und Pressearbeit. Im Rahmen von Recherche- beziehungsweise Pressereisen besuchen wir immer wieder die Projektgebiete von Menschen für Menschen. Vor Ort sehen wir uns die einzelnen Maßnahmen an, die im Rahmen der sogenannten integrierten ländlichen Entwicklungsprojekte umgesetzt werden. Diese Maßnahmen sind umfassend und beziehen die Bereiche Wasserversorgung, Bildung, Infrastruktur, Landwirtschaft, Gesundheit, Soziales und Frauenförderung mit ein. Das bedeutet, dass wir uns die Situation bzw. Herausforderungen aber auch Veränderungen in unseren Projektgebieten ansehen und auch versuchen durch die Gespräche mit den betroffenen Menschen und unseren Projektarbeitern einen guten Einblick zu bekommen – auch inwieweit sich die Lebensqualität verändert hat.
Wir sehen uns fertig gestellte Quellfassungen an oder Schlammlöcher, an deren Stelle eine entstehen wird, oder besuchen eine in Bau befindliche Schule, landwirtschaftliche Schulungen oder Augenoperationen. Es geht dabei sehr stark auch darum, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Maßnahmen zu verstehen und die Auswirkungen auf die unterschiedlichen Lebensbereiche zu begreifen.

3. Wo genau und wann sind die Bilder entstanden?
Entstanden sind die Bilder während einer Pressereise im Januar. Dazu besuchten wir zwei Projektgebiete von Menschen für Menschen: Zunächst die Projektregion Ginde Beret, wo wir Anfang 2011 mit der Arbeit begannen, und anschließend die Projektregion Derra, wo wir sämtliche Maßnahmen Ende 2010 – nach 13 Jahren Projektarbeit – zur Gänze in die Hände der Bevölkerung übergeben konnten. So konnten wir uns nicht nur ein allgemeines Bild von der Projektarbeit machen, sondern ganz konkret sehen, wie die Situation der Menschen – im Falle Ginde Berets – vor der Arbeit von Menschen für Menschen ist und wie sie sich im Laufe eines Projekts zum Positiven verändert. Dabei sollte auch erwähnt werden, dass sämtliche Maßnahmen gemeinsam mit der Bevölkerung umgesetzt werden und gleich nach Fertigstellung in ihre eigene Verantwortung übergeben werden. Es ist also nicht so, dass wir nach 13 Jahren Arbeit in Derra einfach alles fallen lassen und weiterziehen. Es ist eine Entwicklung Schritt für Schritt, die von Menschen für Menschen unterstützt wird, aber von den Menschen in Äthiopien selbst getragen wird.

Am besten lässt sich das am Beispiel der sogenannten „Modellbauern“ erklären: der überwiegende Großteil der Menschen in Äthiopien lebt von Landwirtschaft und Viehzucht. Ihre Arbeit wird aber durch die fortschreitende Erosion, ausbleibende Regenzeiten, ausgelaugte Böden und veraltete Techniken erschwert und die Erträge fallen dementsprechend mager aus. Ein Modellbauer erhält also von Menschen für Menschen die Möglichkeit in landwirtschaftlichen Schulungen unter anderem über verbesserte Anbaumethoden, Bewässerungstechniken, Erosionsbekämpfung und –vermeidung unterrichtet zu werden. Außerdem lernt ein Modellbauer Getreidesorten, Früchte oder Gemüse kennen, die es bis dato in seiner Region nicht gab oder er einfach nicht wusste, wie sie anzubauen und zu pflegen sind. Zusätzlich hat er dann die Möglichkeit Saatgut oder Setzlinge zu erstehen. Die Schulung läuft sowohl theoretisch als auch praktisch ab und hilft dem Bauern schlussendlich seinen Ertrag zu steigern. Dadurch kann er nicht nur seine Familie besser und meist auch ausgewogener ernähren, sondern hat oft auch die Möglichkeit Überschuss am Markt zu verkaufen und so ein zusätzliches Einkommen zu erhalten. Jetzt kommt aber die wesentliche Idee dabei: Jeder der als „Modellbauer“ an Kursen der Organisation teilnimmt verpflichtet sich sein Wissen mit seinen Nachbarn zu teilen. Das hat den Effekt, dass immer mehr Menschen in einer Region von diesem Wissen profitieren und sich Methoden und Techniken zur Ertragssteigerung im Gebiet ausbreiten, so dass am Ende auch Bauern, die nie an einer Schulung von Menschen für Menschen teilnahmen, dieselben Techniken nutzen. Wir nennen diese Bauern auch gern „Copy Farmer“ – Entwicklung braucht Zeit und nur wenn sie von den Menschen selbst getragen wird, hat sie auch die Chance eine Eigendynamik zu bekommen.

4. Wer ist darauf zu sehen?
Die Bilder sind an sich ein Sammelsurium an Eindrücken aus den Projektgebieten: am Feld mit Bauern, zu Besuch in einer Baumschule, zu Hause bei Menschen, die mithilfe der Organisation ihre Lebensumstände verbessern, am Markt oder einfach nur schnelle Hüftschüsse unterwegs.

5. Du hattest die Lomo LC-A+, die Spinner 360° und die Fisheye No. 2 auf deiner Reise dabei. Welche Kamera hat dir am besten gefallen? Warum?
Wenn ich wählen müsste, dann die LC-A+, weil sie unkompliziert, einfach und schnell einsetzbar ist. Das Prinzip der Fisheye finde ich spannend, aber man muss doch sehr aufdringlich sein, um interessante Bilder von Menschen zu machen.

6. Wie gut vertraut bist du mit der Lomographie? Schon länger oder war das alles ganz neu für dich?
Das war meine erste Erfahrung und gleich unter verschärften Bedingungen: Filmwechseln im holpernden Geländewagen ist wahrscheinlich nur was für Fortgeschrittene.

7. Was war das lustigste Lomographische Ereignis, dass dir vor Ort passiert ist?
Dass die Ziegen immer vor der Fisheye davonliefen. Denen war ich wohl tatsächlich zu aufdringlich.

8. Gibt es unter den vielen fantastischen Bildern eines, welches dir besonders ans Herz gewachsen ist? Erzähl uns mehr davon.
Dieses Bild entstand bei einer Baumschule von Menschen für Menschen im Washa Catchment – einem Teilgebiet der Projektregion Ginde Beret. Wir hielten uns ziemlich lange in dieser Gegend auf, und wie überall waren auch dort viele Kinder unterwegs – was nicht weiter überraschend ist, denn immerhin sind über 40 % der Menschen in Äthiopien jünger als 15 (zum Vergleich: Österreich – 14,7; Deutschland – 13,5). Das Foto entstand so, wie es Lomographen – schätze ich – am liebsten haben: nicht nachdenken, einfach draufdrücken. Und das Ergebnis bringt mich jedes Mal zum Lächeln, wie es auch die Menschen in Äthiopien mit ihrer herzlichen, offenen Art geschafft haben. Das Bild ist also so etwas wie meine imaginäre Fahrkarte retour nach Äthiopien.

9. Was ist das Beste an deinem Job? Was das Schlechteste?
Der Job hat viele positive Seiten – die Erfahrung, die Vielseitigkeit, das Lernpotential – aber was am wichtigsten ist: er ist nicht umsonst. Mit meiner Arbeit kann ich Bewusstsein schaffen und eventuell, dass manche über ihren Tellerrand blicken und sich selbst engagieren. Das Credo, dass Entwicklung Zeit braucht, gilt im weiteren Sinne auch hier: niemand von uns kann die Welt verändern. Aber jeder von uns kann einen Teil dazu beitragen.
Das Schlechte an meinem Job ist, dass er überhaupt notwendig ist.

10. Gibt es eine Lomography Kamera oder einen Film, den du gerne noch ausprobieren möchtest?
Da es mein erster Ausflug in die Welt der Lomography war, bin ich im Prinzip offen für alles. Was ich aber irrsinnig spannend finde, ist die LomoKino.

11. Hast du Tipps für unsere Community auf Lager, was man beim Fotografieren mit den Kameras bzw. was man allgemein in so heißen Ländern wie Afrika beachten sollte?
Ganz so heiß war es gar nicht – die Projektregionen Ginde Beret und Derra liegen im Schnitt zwischen 1.000 bis 2.600 m Seehöhe. Die Menschen leben dort auch hauptsächlich auf den Hochplateaus, weil Malaria bzw. die Mücke die sie übertragen kann in dieser Höhe nicht verbreitet ist. Äthiopien ist aber ein sehr großes Land mit äußerst vielfältiger Beschaffenheit. Zum Beispiel liegt der höchste Punkt auf 4.533 m im Simien Nationalpark und der tiefste mit minus 125 m in der Danakil Wüste.

Das Fotografieren an sich stellt sicher keine große Herausforderung dar – man hat viel, also wirklich sehr viel, Licht. Ein wenig problematisch waren an sich nur der Staub und Sand, was den Kameras sicherlich nicht gut tut und das schon erwähnte Filmwechseln im unwegsamen Gelände. Aber das ist auch eine Frage der Übung, denke ich.

12. Welche nächsten Projekte stehen bei euch an? Gibt es eine Möglichkeit Menschen für Menschen zu unterstützen?
Anfang 2012 haben die Kollegen in Äthiopien mit der Arbeit in einem weiteren neuen Projektgebiet begonnen: Abune Ginde Beret – die Nachbarregion von Ginde Beret, wo auch einige der Bilder entstanden sind. Das heißt, hier steht Menschen für Menschen ganz am Anfang und vor den Herausforderungen, die sich meist in den Projektregionen finden: katastrophale Wasserversorgung, keine Bildungsmöglichkeiten, Erosion oder vermeidbare Krankheiten – um nur ein paar zu nennen. Die Erfahrungswerte der letzten 31 Jahre, das Wissen der Mitarbeiter und natürlich die hohe Motivation der Menschen die letztlich von der Unterstützung profitieren, schaffen aber eine sehr gute Basis, so dass innerhalb kurzer Zeit schon große Veränderungen bewirkt werden können.

Wer die Arbeit von Menschen für Menschen unterstützen möchte, hat natürlich zunächst die Möglichkeit das mit einer Spende zu machen. Über aktuelle Aktionen kann man sich auch immer auf unserer Website www.mfm.at informieren. Immer wieder beliebt ist in dem Zusammenhang auch, bei einer Geburtstagsfeier oder anderen Feierlichkeiten zugunsten der Organisation zu sammeln – statt Geschenken gibt es dann eben eine Spende z.B. für den Bau von Brunnen. Im Grunde sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt und wir sind auch immer für neue Wege und Vorschläge offen.

Weitere Informationen zu Menschen für Menschen erhaltet ihr auf der Webseite MenschenFuerMenschen.org. Dort findet ihr auch alle wichtigen Infos wie man selbst aktiv werden kann. Eure Hilfe zählt!

Geschrieben von zonderbar

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