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Das Jüdische Museum in Berlin

Berlin ist eine sehr fröhliche Stadt. Es gibt soviel zu sehen und zu tun, dass es leicht ist, die negativen Aspekte, die Geschichte, die hinter Berlin steht, zu vergessen. Die meisten Leute, die ich kenne, besuchen das Jüdische Museum nicht. Für mich jedoch, war es einer der Höhepunkte meiner Reise. Und ich sage euch, es ist ein Fehler, dieses Museum nicht zu besuchen!

Berlin ist heute eine sehr fröhliche und schöne Stadt. Die Lage, aber auch die Vergangenheit machen es zu einer Weltstadt. Man könnte locker zwei Wochen in Berlin sein, ohne sich großartig, um die Geschichte dieser Stadt zu kümmern. Ich kenne viele Leute, die die dunklen Momente der Geschichte Berlins vergessen wollen, sich nicht daran erinnern wollen. Ich kann es auch verstehen. Aber dennoch sollte man sich eines nicht entgehen lassen, auch wenn es an einen der schlimmsten Momente der menschlichen Geschichte, den Holocaust, erinnert. Das Jüdische Museum muss man einfach besuchen, wenn man in Berlin ist!

Foto von saidseni

Das Jüdische Museum entdeckte ich eigentlich durch die seltsame Gebäudeform. Erst als ich das Museum dann besuchte, wurde mir klar, dass es aus zwei Gebäuden besteht, einem älteren und einem neueren, moderneren, die verbunden sind.

Das Zick-Zack-förmige, morderne Gebäude wurde vom Architekten Daniel Libeskind entworfen und ein Teil des Museums widmet sich dem Holocaust. Es beherbergt die Geschichte, an die sich viele lieber nicht erinnern müssen. Für mich ist es jedoch der wichtigste Teil des Museums. Durch die doch sehr seltsame, aber beeindruckende Architektur von Libeskind, ist das Museum eine Attraktion.

Libeskind versuchte – und ich denke, das ist ihm auch gelungen – durch die langen, dunklen Gänge, Unbehagen, ein beklommenes Gefühl bei den Besuchern hervorzurufen, während man durchgeht und die Sachen der Juden sieht, die verhaftet wurden (oder ein noch schlimmeres Schicksal erlitten). Wenn man durch die dunklen Gänge geht und all die furchtbaren Geschichten liest, überkommt einen ein beklemmendes Gefühl. Verstärkt wird dieses auch noch durch die Tatsache, dass das Gebäude leicht schief ist. Es fällt einem eigentlich fast nicht auf. Aber dennoch hat man immer das Gefühl, dass irgendetwas seltsam ist, dass etwas nicht stimmt. Ich persönlich wusste das schon und deshalb war es einer meiner “Must Visit” Punkte in Berlin.

Der Besuch des Jüdischen Museums beginnt mit einem Spaziergang durch die dunklen Gänge, danach gibt es drei Phasen (die Phase der Kontinuität, die Phase der Emigration und die Phase des Holocaust). Ich las Geschichten über Leute, die in dieser schrecklichen Zeit gelebt haben. Die Geschichten über Kinder berührten mich am meisten. Eine werde ich nie vergessen – und so wird es vermutlich jedem Lomographen gehen: als seine Eltern von den Nazis abgeholt wurden, gaben sie ihrem kleinen Sohn eine Kamera. Diese wurde ihm zwar später auch von den Nazis weggenommen, aber es gelang ihm, den Film zu retten, sodass die Bilder heute im Museum zu sehen sind.

Nach einer Weile an diesem dunklen, unbehaglichen Ort, sollte man vielleicht einen Garten besuchen. Aber der Garten des Exils ist kein Garten im üblichen Sinn. Erstens besteht er aus 49 Quadraten und man kann die Olivenbäume, die dort stehen, kaum erkennen. Außerdem wollte der Architekt mit diesem Garten die “Besucher völlig verwirren”. Und das ist ihm auch gelungen! Der Garten ist nicht nur leicht schief, so wie der Rest des Gebäudes, sondern er neigt sich um ganze 12°. Aber wieder spürt man, dass etwas falsch ist und kann dennoch nicht genau sagen, was es ist. Denn wenn man ihn betrachtet, würde es einem nicht auffallen. Doch jeden Moment fühlte ich mich, als würde ich gleich umfallen. Viele Leute werden von dieser Erfahrung nicht begeistert seien. Aber ich habe sie geliebt! Wenn ihr es selber ausprobiert, seid aber vorsichtig, denn durch die Desorientierung stürzen wirklich einige Leute.

Wenn man seinen Besuch im Gebäude fortsetzt, wird man Menashe Kadishman entdecken, Shalechet (Gefallene Blätter). Über 10.000 eiserne Gesichter werden am Boden angezeigt und man kann sogar über sie gehen. Aber auch das füllt sich sehr seltsam an, da alle Gesichter leidend aussehen. Der Klang der entsteht, wenn Menschen über die Gesichter gehen, ist sehr beeindruckend und lässt das ganze gleich noch künstlerischer erscheinen.

Der Besuch des modernen Teils des Museums endet mit Stiegen, die die zwei Teile miteinander verbinden. Im alten Gebäude, welches der Gerichtshof im Jahre 1735 gebaut hat, befindet sich die Ausstellung Zwei Jahrtausende deutsch-jüdische Geschichte. Jeder einzelne Aspekt der jüdischen Kultur ist hier zu sehen. Kein normaler Mensch kann sich hier alles ansehen und alles darüber lernen, aber ich würde die Ausstellung öfters besuchen, wenn ich die Gelegenheit hätte, um so viel wie möglich mitzunehmen. Diese riesige Ausstellung, auch wenn es ermüdend sein kann, sich alle Informationen und Geschichten durchzulesen, ist sehr informativ. Außerdem kann man selber entscheiden, was man sich ansehen will. Aber alles auf einmal ist einfach zuviel! Achja, und es gibt koschere Gummibärchen hier, das sollte ich wohl auch nicht vergessen zu erwähnen!

Foto von saidseni

Nach einem Besuch in diesem Museum hat man sich eine Pause verdient. Eine gute Möglichkeit dafür bietet der Garten, gleich außerhalb des Glasgebäudes, vor allem wenn man an einem so warmen Frühlingstag in Berlin ist, wie ich es war.

Eine Sache noch – wenn ihr das Jüdische Museum in Berlin einmal besucht habt, werdet ihr nie wieder ein gerades Bild aufnehmen!

geschrieben von saidseni, übersetzt von mudi

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