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SoLocations: London kann so brutal sein

Es gitb wenige herausragende Bauwerke des Brutalismus und diese liegen auch noch ein gutes Stück voneinander entfernt, deswegen mache ich diesen Lomowalk am liebsten allein, um mir meine Zeit an den verschiedenen Orten selbst einteilen zu können. Hier stelle ich euch meine Route vor, die euch das beste der Brutalismus Architektur in London zeigt!

Foto von twizzer88

In der Architektur lässt man sich häufig von der Vergangenheit inspirieren, wie z.B. die Neogotik, der Neoklassizismus, das Wiederaufleben der Romantik usw. Der Brutalismus, dessen Name sich vom französischen Wort für “roher Beton” (béton brut) ableitet, kann sich nicht auf diese Wurzeln berufen. Obwohl die Gebäudes des Brutalismus häufig nicht mehr als einfache Sozialbauwohnungen oder Bushaltestellen sind, sind sie trotzdem seltsame und wundervolle Bauwerke der Zukunft.

Als Ableger der Modernisierungsbewegung zwischen 1950 und 1970 wurde der Brutalismus mit dem utopischen sozialistischen Ideal in Verbindung gebracht, welches besagt, dass bessere Häuser zu besseren Menschen führen würde. Heutzutage sind die Gebäude vielmehr ein Symbol für den Niedergang der Städte, zumal der Beton sich im feuchten Klima Großbritanniens als nicht wetterbeständig herausgestellt hat. Zudem werden inzwischen die Gebäude dafür kritisiert, dass sie sich nicht in ihre Umgebung einfügen, aber genau dieser Gegensatz macht sie für mich zu etwas Besonderem. Sie stellen einen einfallsreichen und kreativen Bruch mit der Vergangenheit dar, sowohl was den Baustil betrifft, als auch in der Definition was “gute” Architektur ausmachen sollte.

Welcher Ort eignet sich besser um die Tour zu starten als Barbican Estate in der Innenstadt. Durch seinen einheitlichen brutalistischen Baustil wirkt dieser Stadtteil wie ein riesiger Fremdkörper in der Innenstadt von London. In den 1960ern erbaut auf den Überresten der deutschen Luftangriffe im zweiten Weltkrieg, ist dieser Stadtteil vielleicht das berühmteste Beispiel in Großbritannien, und damit verdient es zurecht den Eintrag in der Grade II Liste ( Eine Liste von Bauwerken in England, die die Einteilung nach nationaler Bedeutung vornimmt). Das in sich geschlossene Gebiet beherbergt Wohnhochhäuser, ein Kunstzentrum, ein Museum, eine Konzerthalle und eine Schule, die alle durch ein Netz von Wegen miteinander auf verschiedenen Ebenen verbunden sind.

Es gibt auch einen versteckten Garten mit Wasserfällen, Brunnen und Rankenpflanzen, sollte es jemals einen Beton-Dschungel geben, dann hier.

Der nächste Stopp ist der 31 Stockwerke hohe Trellick Tower, der ebenfalls auf der Grade II Liste geführt wird, im nördlichen Kensingston: ein Wohnblock der meist für Sozialwohnungen Verwendung findet. Dem Grundsatz der modernen Architektur “Form vor Funktion” folgend, lässt sich der Fahrstuhlschacht links einfach vom Rest des Gebäudes unterscheiden.

Der Turm wurde zu etwas wie einem kulturellen Kennzeichen von London, und er taucht in verschiedenen Musikvideos auf, wie zum Beispiel in The Verve’s This is Music:

Den Versuch, das typische englische Reihenhaus in die Zukunft zu tragen, unternimmt die Alexandra Road Estate in Camden. In einer Reihe von 520 Apartments finden sich noch eine Schule, ein Gemeinschaftszentrum, ein Jugendclub, eine Heizanlage und eine Parklandschaft. Da das ganze über eine Eisenbahnstrecke gebaut wurde, dient die ausgeklügelte Zickzack Struktur als Lärmschutz. Zugegeben, dieser Stadtteil verdient etwas Liebe, aber da er ebenfalls auf der Grade II Liste steht, dürften die Chancen nicht schlecht stehen, dass er auch von zukünftigen Generationen bewundert kann.

Das Brunswick Centre in Bloomsbury sieht ähnlich aus und zeigt uns wie die Alexandra Road mit etwas Farbe aussehen könnte. Es ist eine Mischung aus Wohnungen, Cafés, Geschäften, und einem Kino.

Und zuletzt auf der architektonischen Tour haben wir noch das South Bank Centre an der Themse. Wie viele andere brutalistische Gebäude auf dieser Tour hat es eine soziale Bedeutung als Kulturzentrum. Geplant wurde es als Bühne für das “Festival of Britain” (1951), um den Briten das Gefühl zu geben, dass sie sich vom zweiten Weltkrieg erholt haben. Jedoch, vielleicht wegen seiner hervorragenden Lage, ist es nicht auf der Grade Liste.

Und damit schließt unser kurzer Spaziergang, der uns einige der besten Beispiele der brutalistischen Architektur in London zeigte. Auch wenn sie euch vielleicht nicht so gut gefallen haben, hoffe ich doch, dass ich euch zumindest zeigen konnte, wie interessant und innovativ diese Gebäude sind. Ihre Weiterbenutzung als Wohnhäuser und bei kulturellen Projekten, sowie ihr Listenstatus geben Grund zur Hoffnung. Heutzutage jedoch stehen viele Gebäudes des Brutalismus außerhalb der Hauptstadt vor einer ungewissen Zukunft: Die Preston Bus Station und die Birmingham Central Library (die beide nicht auf der Grade gelistet sind) stehen kurz vor dem Abriss.

In dem dreißigjährigen Jubiläum des englischen Erbes gibt es viele Diskussionen in den Medien. Genau wie im viktorianischen Zeitalter die antiken Bauwerke nicht geschätzt wurden, die Nachkriegsgeneration den Bauwerken des viktorianischen Zeitalters kritisch gegenüberstand, genauso verhält es sich mit der heutigen modernen Architektur, die zunehmend als ersetzbar angesehen wird. Es gibt eine Diskussion, die viktorianischen Steine des Euston Arch wiederzugewinnen, um ihn erneut aufzubauen. Werden wir in Zukunft eine Kampagne sehen, um die Preston Bus Station, die die gleichen Architekten wie das Sydney Opera House hatte, wieder aufzubauen?
Unterzeichne die Petition um die Preston Bus Station zu retten.

geschrieben von twizzer88, übersetzt von winterschlaefer

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Der Originalartikel wurde in folgender Sprache verfasst: English.