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Ein Interview mit Filmfotografin Julia Tröndle

Die junge österreischische Fotografin und Kunsstudentin Julia Tröndle hat Anfang des Monats zum ersten Mal unsere Aufmerksamkeit erregt durch ihre tollen Arbeiten mit poetischer Fotografie. Als wir sie um ein Interview baten, haben wir herausgefunden, dass sie nicht nur poetisch fotografiert sondern auch schreibt und auch noch ein großer Lomography Fan ist! Lest weiter um mehr über die Fotografin zu erfahren: Von ihren Anfängen in der analogen Fotografie bis zur Poetic Photography Collection - und seht auch ein paar ihrer Bilder an!

Julia Tröndle

Hallo Julia! Stell dich doch zuerst mal unserer Community vor.

Hey zusammen, mein Name ist Julia Tröndle. Ich komme aus Österreich und liebe Filmfotografie.

Wann hast du angefangen mit Fotografie zu experimentieren und wann hast du dich entschieden dieser Kunst weiter nachzugehen?

Nun, “angefangen” hab ich damit schon als ich 12 Jahre alt war und mir meine Eltern zum Geburtstag meine erste analoge Kamera geschenkt haben. Ich kann mich noch erinnern, dass ich eine Menge Fotos damit gemacht habe, nur um sie in mein Tagebuch zu kleben und kleine Beschreibungen darunter zu schreiben. Als ich 16 war habe ich meine erste Digitalkamera gekauft (Ja! Schande über mich!) aber dann habe ich ein paar echt tolle Fotos im Internet gefunden, die mit einer analogen SLR Kamera aufgenommen wurden und ich habe beschlossen mit der alten Nikon EM meines Vaters zu experimentieren. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe meine Digitalkamera danach fast gar nicht mehr angerührt. Es war der Anfang einer langen Beziehung mit der analogen Fotografie.

Bitte erzähl uns woraus deine Fotografie Ausrüstung besteht.

Ich war immer total begeistert davon, neue analoge Kameras auszuprobieren, daher war eBay bis vor kurzem mein bester Freund und es gab Zeiten da hatte ich bis zu 20 verschiedene analoge Kameras auf einmal. Aber je mehr ich mit verschiedenen Kameras experimentiert habe, desto mehr hat sich ein absoluter Liebling herauskristallisiert: die Exa Ihagee Dresden, eine Single Lens Reflex Kamera aus den 1950ern. Deshalb habe ich beschlossen die meisten anderen Kameras, Freunden und Bekannten zu geben. Behalten habe ich die Exa Ihagee Dresden, eine Polaroid Kamera, Lubitel 2, Holga, Lomo Supersampler und Actionsampler, und kürzlich habe ich in eine Fuji Instax investiert, da sie billiger ist als Polaroid Film.

Wir freuen uns zu hören, dass du ein großer Lomography Fan bist! Wie sind deine Erfahrungen bisher? Hast du eine Lieblings-Lomo Kamera? Warum?

Ich mag Lomography wirklich sehr gerne. Für mich ist es ein lustigerer und spontanerer Weg zu fotografieren, als mit meiner SLR Kamera. Ich mag die Holga sehr gerne, da ich quadratische Formate sehr mag und sie einfacher zu bedienen ist als die Lubitel. Der fehlende Bildsucher beim Actionsampler und dem Supersampler ist immer eine tolle Herausforderung und ein wenig riskant, was es noch lustiger macht.

Wie würdest du poetische Fotografie mit deinen eigenen Worten beschreiben? Warum hast du dich darauf spezialisiert?

Zuerst möchte ich klarstellen, dass ich nicht alle meine Fotografien für poetische Fotografie halte; nur ein paar davon passen in das Konzept der Poetischen Fotografie. Bei der Poetischen Fotografie geht es darum, Poesie im alltäglichen Leben zu finden. Natürlich nicht die geschriebene Poesie, es ist mehr eine visuelle Poesie: Kleine, fast unbemerkte Momente, wie ein Vorhang der sich fast unmerklich in der Hitze des Nachmittags an einem Sommertag bewegt; oder eine plötzliche Windböe, die einen Plastikbeutel von einer Seite der Straße auf die andere trägt. Es gibt auch poetische Orte, wie alte Hallen oder kleine verwilderte Hinterhöfe und ich sehe auch andere Dinge als poetisch an; Briefe, alte Regenschirme oder Hüte, um nur ein paar zu nennen.

Hast du bestimmte Lieblingsmotive?

Ich liebe es Berge zu fotografieren, die von Nebel umgeben sind. Es gibt nichts Schöneres.

Was inspiriert dich? Oder welche Fotografen oder Künstler bewunderst du?

Mich inspiriert Kunst generell. Die meisten meiner Ideen bekomme ich bei Filmen die ich sehe, oder Musik die ich höre, aus den Museen in die ich gehe, oder Kunstgalerien die ich besuche und manchmal einfach, wenn ich in der Bibliothek sitze und durch ein Kunstbuch blättere.

Erzähl uns bitte mehr über The Poetic Photography Collection.

Ich habe TPPC im April 2013 angefangen. Ich wollte eigentlich nur einen anderen Weg präsentieren, wie man die Welt sehen kann. Ich mag es, dass die Sammlung noch immer ziemlich klein ist und ich bekomme auch nicht so viele Einsendungen von Leuten, die Teil davon sein möchten. Aber TPPC hat ziemlich schnell, viele Follower bekommen und das gibt mir die Bestätigung, dass die Idee von poetischer Fotografie, nicht nur etwas in meinem Kopf ist sondern auch von anderen anerkannt wird. Ich glaube auch, dass es ziemlich einzigartig ist, denn es gibt viele Webseiten die Fotografen zeigen, aber The Poetic Photography Collection konzentriert sich mehr auf die Bilder als auf die Fotografen dahinter.

Aus Neugierde: Schreibst du selbst?

Ja das tue ich. Nicht sehr oft aber immer wieder mal und dann schreibe ich Gedichte und manchmal auch Kurzgeschichten. Als Kind wollte ich immer Autorin werden.

Was ist deine liebstes Kunst- oder Fotografieprojekt, das du je gemacht hast und warum? Gibt es eine nennenswerte Geschichte die du damit verbindest?

Ich habe einen dreijährigen Kurs für Kunstgeschichte besucht vor ein paar Jahren und dafür musste ich ein professionelles Fotobuch machen. Damals habe ich in Wien gelebt und die Stadt geliebt – deshalb habe ich das Buch über Wien gemacht. Das Resultat waren 84 Seiten voller untypischer Ansichten von Wien, da ich versucht habe sehr ruhige Seiten in dieser Großstadt zu fotografieren. Ich erinnere mich noch an diesen Nachmittag im Herbst, als ich durch einen Vorort ging, in der Nähe der Autobahn. Ich habe meine Jacke aufgemacht, weil es so ungewöhnlich warm war. Ich hatte meine Kamera in der Hand und fühlte mich einfach nur glücklich und zufrieden mit meinem Leben.

Was ist dein Traumprojekt?

Um ehrlich zu sein, denke ich nicht mehr über Projekte nach, zumindest keine Fotografieprojekte. Ich liebe es einfach, meine Kamera überall mithinzunehmen und nach schönen Dingen Ausschau zu halten die ich fotografieren kann.

Welche anderen Interessen hast du neben der Fotografie?

Ich liebe es Dinge zu machen – generell. Ich studiere Kunst mit einem Fokus auf Bildhauerei, also das ist wahrscheinlich mein größtes Hobby. Ich lese gerne und spiele Piano, da ich bei beiden meinen Kopf leerkriegen kann für eine Weile, was manchmal unbedingt nötig ist, da ich einer dieser Menschen bin, die nie aufhören kann zu denken. Ich höre mir auch immer Audiobooks an, wenn ich versuche einzuschlafen.

Was beschäftigte dich in den letzten Wochen? Hast du Projekte anstehen, von denen du uns gerne erzählen möchtest oder irgendwelche Ausstellungen?

Die letzten Wochen war ich mit meinen Kunstwerken für das Herbstsemester beschäftigt. Bezüglich Fotografie plane ich im Frühling kleine Tagesausflüge mit dem Zug zu machen – an Orte, wo ich noch nie war und ein paar Aufnahmen dort zu machen.

Hast du irgendwelche Tipps für angehende Fotografen?

Ich habe viel dadurch gelernt, mir einfach nur viele, viele Fotos anzusehen. Ich habe versucht zu analysieren warum ich manche Bilder mag und versucht diese Aspekte auch in meine eigenen Bilder einfließen zu lassen. Mein Standardbeispiel sind Indoor-Bilder, die ganz knapp neben einem Fenster aufgenommen wurden, weil man da diese tollen Lichtverhältnisse hat, die mich immer an das perfekte Licht in Filmen erinnert.

Noch ein paar letzte Worte?

Ja, ich würde mich gerne bei Julien Matabuena bedanken – er hat mich um dieses Interview gebeten. (Anmerkung: Bitte gerne!), und auch vielen Dank an Lomography, es ist ein wichtiger Teil in meiner künstlerischen Karriere. Und zuletzt, vielen Dank noch an alle, die dieses Interview bis zum Ende lesen und sich die Zeit nehmen meine Fotos anzusehen. Es bedeutet mir eine Menge.

Alle gezeigten Lomographien wurden Lomography von Julia Tröndle zur Verfügung gestellt. Sie führt ihre eigene Website Cargo Collective sowie die The Poetic Photography Collection. Ihr könnt auch ihr LomoHome hier besuchen.

geschrieben von chooolss, übersetzt von sisu14

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Der Originalartikel wurde in folgender Sprache verfasst: English.