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Ein kurzes Gespräch mit dem Traumlandschaftsfotografen Reuben Wu

Wenn er nicht gerade Mixe für seine Band Ladytron erstellt, experimentiert Reuben Wu mit unterschiedlichen Filmen und Kameras um atemberaubende Traumlandschaften aus natürlichen Landschaften zu erschaffen. Lies weiter und erfahre im Artikel mehr über Reuben und seine künstlerische Entwicklung.

Vielleicht hörst du diese Frage häufiger in Interviews, aber wir möchten sie trotzdem stellen: wie und wann hast du angefangen, auf Film zu fotografieren?

Nun, ich bin mit Filmkameras aufgewachsen. Als Kind war ich kein besonders leidenschaftlicher Fotograf – ich zeichnete lieber. Es war natürlicher, einen Stift auf Papier zu bringen, als Licht durch eine Linse auf den Film zu bringen, den Film fertig zu fotografieren und ihn zu entwickeln. Also lernte ich es erst lieben, als mir bewusst wurde, was für ein Potential darin steckt, Film in Kameras zu nutzen.

Was ist für dich das Besondere an analoger Fotografie? Ist an der Filmfotografie etwas Spezielles dran, das sie besonders herausstechen lässt?

Was Bilder angeht, so denke ich, dass jedes Foto herausstechen sollte, egal mit welchem Medium es aufgenommen wurde. Doch mich persönlich bereitet die Handhabung einer Kamera mit einem Film darin, mental auf die Aufgabe, die vor mir liegt, vor. Das Gewicht einer Kamera, die Mechanik, die begrenzte Anzahl an Schüssen die man zur Verfügung hat und die Körperlichkeit dessen, was man mit sich nimmt, das alles ist für mich wirklich wichtig und hilft mir, meine Fotos besser aufzubereiten. Es ist fast, als würde ich die Dinge und die Orte, die ich entscheide zu fotografieren, erst aufgrund des physischen Gewichts der Ausrüstung wirklich wertschätzen.

Als Mitglied der Band Ladytron, würdest du sagen, dass sich die Musik mit deiner Fotografie überschneidet? Oder bewegt sie sich in eine ganz andere Richtung?

Bis vor kurzem habe ich die beiden ziemlich getrennt, doch in meiner Entwicklung gibt es interessante Parallelen. Erstens, obwohl ich viel mit elektronischem und analogem Musikequipment arbeite, sind doch viele digitale Methoden mit eingebunden, um etwas zu erschaffen, das wir in einer rein analogen Welt nicht so einfach erschaffen könnten. Auf eine ähnliche Art und Weise mache ich auch meine Bilder. Moderne Tintenstrahldrucker, Trommelscanner für Negative und digitale Farbkorrektur sind bei meiner Postproduktion wichtige Faktoren und einen ganzen Satz von dem entfernt, was in der Dunkelkammer möglich ist, wenn es darum geht, wie ich mir die Präsentation meiner Arbeiten vorstelle.

Zweitens, und mehr auf den Schöpfungsprozess bezogen, ist die Komposition eines Bildes wie die Komposition eines Liedes. Beides ist implizit. Beides kann für verschiedene Menschen verschiedene Dinge bedeuten, obwohl die Bedeutung für mich sehr speziell ist.

Wie es aussieht, bist du so ziemlich immer unterwegs, mit deiner Band auf Tour oder für Projekte. Wie verbindest du die Fotografie mit deinen Reisen? An welche Orte planst du als nächstes zu reisen?

Ich bin der Band zu unseren Tourzielen immer vorangereist und habe ein oder zwei Wochen damit verbracht, die Gegend zu erkunden und zu fotografieren, oder wenn ich irgendwo als DJ gebucht war, habe ich ich davor und danach ein paar Reisetage dazugebucht und habe mir den Ort genauer angesehen. Das war ein großartiger Weg die Welt zu erkunden, nachdem ich davor von Stadt zu Stadt gekarrt worden war und immer nur ein paar Stunden zum umsehen hatte, bevor wir wieder abgereist sind. Normalerweise reise ich mit sehr leichtem (nicht Foto-) Gepäck, doch meine Fotoausrüstung ist sehr schwer und dadurch verdoppelt sich das Gewicht, aber zumindest erinnert es mich daran, was ich tue.

Deine Reisefotos, vor allem die Bilder aus Spitzbergen, haben etwas sehr traumlandschaftlliches an sich. Hast du irgendeine besondere Technik angewandt, um diese Bilder zu erschaffen? Würdest du sie unseren Lesern verraten?

Außer, eine Polaroidkamera in meiner Tasche gehabt zu haben, gibt es, fürchte ich, keine besondere Technik. Spitzbergen ist eine einzige riesige Traumlandschaft!

Ich habe eine Polaroid SLR 680, eine Polaroid 195 und mein Arbeitspferd, die Mamiya RZ67 mitgenommen. Es war so kalt, dass der Film außerhalb von meiner Jacke nicht entwickelte. Wir waren mit dem Schneemobil unterwegs, also war es wirklich harte Arbeit, die Polaroids zu entwickeln, sie zu verstauen, den Film, die Linsen, die Kameras zu wechseln und das alles, ohne etwas fallen zu lassen. Alle Filme waren abgelaufen, also entwickelten sie sowieso schon schwieriger, doch sie porträtieren meine Vision und meine Erinnerung an diesen Ort einfach perfekt.

Hast du persönliche Regeln, die für deine eigene Arbeit gelten? Teile sie doch bitte mit unseren Lesern.

Es hört sich offensichtlich an, doch einer meiner Freunde, ein talentierter Fotograf, sagte mir einmal, dass es immer nur um das Foto, und um sonst nichts geht, egal welche Kamera oder welchen Film man nutzt. Ich versuche, das immer zu berücksichtigen wenn ich mit Polaroid schieße oder interessante Filmtypen oder Kameras verwende. Man verfängt sich sehr leicht in den Nuancen des Mediums, und eine Weile lang bringt das einen auch weiter, doch dann muss man diese Laufbahn durchbrechen.

Was ist deine Herangehensweise an die Fotografie als Kunstform?

Ich glaube es passiert, wenn man einen eigenen Stil entwickelt um seine Visionen auszudrücken, während man begreift, was eine Fotografie ist, und was sie nicht ist.

Welche Künstler inspirieren dich in deiner Arbeit? Gibt es Künstler, die wir uns genauer ansehen sollten?

Lieblingskünstler seit langem sind Chris Foss, der viele Coverdesigns für die Bücher von Asimov gemacht hat, der Grafiker Moebius, die Landschaftsmaler Caspar David Friedrich & Frederic Edwin Church. James Turrell und Charles Ross. Mein Freund, der Comiczeichner Jamie McKelvie und die Malerin Samantha Keely Smith. Fotografen? Guy Bourdin.

Wenn du mit einem Künstler oder Fotografen, ob tot oder lebendig, zusammenarbeiten könntest, wer wäre das? Warum?

Tarkovsky oder Kubrick oder Herzog weil es von ihnen so viel zu lernen gäbe.

Uns ist aufgefallen, dass du auch eine Holga Kamera benutzt. Wie sind deine Erfahrungen mit dieser Kamera? Was magst du an ihr am meisten?

Anfangs nutzte ich sie ziemlich willkürlich; ich cross-entwickelte Diafilm und all das, doch dann habe ich angefangen zu experimentieren: mit schwarzweißem Infrarotfilm, einem Hoya R72 Filter über der Linse geklemmt, einem Stativ und einem Fernauslöser. Bei hellem Tageslicht belichte ich ca. 1 Sekunde lang und die Ergebnisse sind ziemlich magisch.

Hast du eine besondere Film und Kamera Kombination die du bevorzugst? Was für eine ist das?

Ich habe seit etwa einem Jahr etwas vom Kodak Aerochrome in 4×5 Format gelagert, den ich gerne mit meiner Aero-Ektar/Speed Graphic nutzen würde, und ich kann es kaum abwarten, ein paar Porträts damit zu schießen. Ich muss nur noch jemanden zum fotografieren finden.

Hast du irgendwelche Tipps für Hobbyfotografen, die versuchen, ihren eigenen Stil in der Fotografie zu finden?

Vertraue deinem eigenen Instinkt mehr als dem anderer. Sei du selbst und niemand anderes!

Hast du weitere Arbeiten, die du gerne bewerben würdest?

Meine nächste Ausstellung “Distant Suns” eröffnet am 10. Januar in der Schneider Gallery in Chicago und wird dort bis zum 22. Februar zu sehen sein. Es werden 8 meiner liebsten Fotografien von meinen Reisen ausgestellt sein. Falls jemand vorbeikommen und quatschen will, ich werde dort auch persönlich anwesend sein. Außerdem wird es am 14. Januar im Latitude in Chicago, dem digitalen Labor in dem ich meine Show produziert habe, eine Gesprächsrunde für Künstler geben.

Ein letztes Wort an unsere Leser?

Bleib sonderbar.

Vielen Dank für die Möglichkeit zu diesem Gespräch!

Ebenfalls!

Mehr über Reubens Arbeiten kannst du auf seiner Homepage und auf Tumblr erfahren.

Alle Bilder in diesem Artikel sind bezogen von Reuben Wu.

geschrieben von cheeo, übersetzt von stacy_mcpommes

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Der Originalartikel wurde in folgender Sprache verfasst: English.