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166+ Serie #10: Geschichte des Projektes (Teil 1)

"Es ist nur eine Kamera!", das sagte mir jemand, der sah, wie aufgeregt ich über die neue Kamera war, als ich sie ordentlich auspackte und gewissenhaft all das Zubehör der Lubitel 166+ betrachtete. In Wirklichkeit steht ein großes Stück europäischer Geschichte hinter dem Projekt dieser Kamera.

Ich denke, es wäre ein enormer Fehler, den wahren historischen Wert dieser Kamera zu unterschätzen. Es ist bewundernswert, wie viele Jahrzehnte europäischer Geschichte es ermöglicht hatten, die Voraussetzungen dieses Projektes zu schaffen. Zwei große historische Ereignisse machen es aus: das Ende des Zweiten Weltkrieges (und die Teilung Deutschlands in Ost und West) und das Ende des Kalten Krieges.

Nach dem 2. Weltkrieg erlangte die Sowjetunion Kontrolle über Ostdeutschland. Der Beginn des Kalten Krieges in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg war eine bedeutende Periode für diese Nation, die viel wissenschaftliches, technisches und militärisches Wissen erwarb.
Da besonders die optische und fotografische Industrie forciert wurde, wurden viele ostdeutsche Fabriken demontiert. Laufende Projekte aus diesen Fabriken wurden in St. Petersburg (Leningrad), der damaligen technologisch wichtigsten Stadt Russlands fortgeführt. An den neuen optischen Technologien wurde in einem Betrieb namens “GOMZ” (Gosudarstvennij Optiko-Mechaničeskij Zavod) geforscht. Dieser änderte seinen Namen 1965 in Leningradskoje Optiko-Mechaničeskoje Obedinenje, oder einfach "LOMO”, wie wir es heute kennen.

Wie in den vorigen Artikeln über die “Ahnen” der Lubitel 166+ geschrieben, brachte GOMZ ein Jahr nach Kriegsende die neue Kamera “Komsomolez” heraus, in deutlicher Anlehnung an die Voigtländer Brilliant (die eines der in Ostdeutschland aufgefundenen Projekte war). Obwohl sie eine eindeutige Kopie war, war die Kamera eine großartige Investition für ein Land, das weniger als zwei Jahre zuvor im Krieg um ein Haar davongekommen war.

Die GOMZ und LOMO Ingenieure waren auch die Schöpfer von 26 Modellen der Smena Kameras. Der Name Smena bedeutet Nachwuchs. Die ersten Smena Modelle wurden 1939 produziert, aber die erste 35mm Smena Kamera erschien 1953, in dem Jahr, in dem der sowjetische Diktator I. V. Stalin starb; manche meinen, die Wiedereinführung der Smena – Modelle in diesem Jahr hänge mit den Veränderungen in der Führung der Sowjetunion zusammen: die Bedeutung “Nachwuchs” kann politische und Historische Einflüsse haben.

Diese simple Sucherkamera war wirklich billig und aus Bakelit (wie auch viele Vorfahren der Lubitel). Aus der Wiedereinführung 1953 wurde ein großes, öffentliches Ereignis gemacht; diese Kamera hatte großen Einfluss auf die sowjetische Fotoindustrie, die optische Industrie und die Fotografie als Unterrichtsfach an den Universitäten.

Die Produktion und Forschung/Entwicklung der Smenas kam Mitte der 1990er mehr oder weniger zum Erliegen. Die letzten Modelle verloren ihre Bakelitstruktur und bekamen ein modernes Äußeres aus Plastik: Die gleiche technische Entwicklung machten auch die Vorfahren der Lubitel durch.

All diese technischen Entwicklungen werden in der Schöpfung der Lubitel 166 Universal und später der Lubitel 166+ zusammenfließen.

Das war der erste Schritt im der Entstehung des Projekts “+”, aber wir müssen bis zum Ende des Kalten Kriegs warten, bevor wir erläutern, warum unser kleines “Juwel” so ist, wie es ist.

Alessandro Panelli (auch yo.panic oder .panic) ist ein Medizin- und Chirurgiestudent, Fotograf und Schriftsteller aus Padova (Italien, nahe Venedig). Mehr über seine Arbeit und sein Leben findest du hier.

geschrieben von yopanic, übersetzt von herrspecht

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Der Originalartikel wurde in folgender Sprache verfasst: English. Den Artikel gibt es auch auf: Spanish & 日本語.