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Amber und Ashlie Chavez: Eine Symbiose des Talents

Als Geschwister, können sie viel streiten und kämpfen, aber hinter der Kamera ist das eine ganz andere Geschichte. Lerne die Schwestern und Profifotografen Amber und Ashlie Chavez kennen.

Amber und Ashlie Chavez

Vor ein paar Monaten schrieb ich ein Album Review über The Raveonettes’ Into the Night EP. Es freute mich zu hören, dass das Cover Foto von den beiden Fotografinnen Amber and Ashlie Chavez aus Los Angeles auf Film aufgenommen wurde.
Amber und Ashlie sind Schwestern, genauer Zwillingsschwestern. Ihre Zusammenarbeit hat in den letzten 10 Jahren viele charakteristische und eigenständige analoge Fotografien hervorgebracht, die in Modestrecken, auf Album Covers und sogar auf der Spin und dem Rolling Stone auftauchten.

Foto von Amber und Ashlie Chavez aus Under the Radar

Du hast richtig gehört. Trotz der Verbreitung von allem Digitalen bevorzugen Amber und Ashlie Chavez den analogen Weg. Sie fotografieren ausschließlich auf Film.

Ich hatte das Glück in Kontakt mit den wirklich talentierten und liebenswerten Ladies treten zu können und ein Interview zu führen, und sie freuten sich mir Schnipsel ihres Lebens zu zeigen und über ihre Erfahrungen als Geschwister und professionelle Fotografen erzählen zu können.

Erzählt was von euch und eurer symbiotischen Karriere als Fotografen.
Wir sind Zwillinge und 26 Jahre alt. Wir sind nicht sicher, ob wir identisch sind oder nicht. Wir habe beide einen BFA in Studio Art mit Vertiefung in Creative Photography. Wir haben unsere Kurse gemeinsam belegt und in der Dunkelkammer zusammen gearbeitet. Während einer Ausstellung, hingen unsere Werke direkt nebeneinander. Unser Professor kritisierte dass unsere Ästhetik zu ähnlich ist um die Künstler unterscheiden zu können aber der Inhalt war zu verschieden, um uns als ein Künstler wahrzunehmen. Sie drängte uns zu “trennen oder zusammenarbeiten“ um unser Potential auszuschöpfen. Wir haben uns entschieden zusammenzuarbeiten und das machen wir seitdem so. Unsere ersten erfolgreichen Werke Symbiotic beschreibt unser enorm enge Beziehung. Einige haben uns “untrennbare Einheit” genannt.

Wie habt ihr mit der Fotografie angefangen, und was war der Antrieb Fotografie als Beruf auszuüben?
Unsere Mutter war professionelle Fotografin und spezialisiert auf Familienportraits. Sie fotografierte nur analog und hat fantastische “Olan Mills”- mäßige Portraits bei den Leuten zu Hause oder im Studio gemacht. Ihr Laden hieß „A Moment in Time“. Sie war unsere wichtigste Inspiration. Wir haben ihre ganze Ausrüstung bekommen und benutzen sie heute noch.

Wie ist es mit deinem Zwilling zu arbeiten? Könntet ihr beschreiben, wie der Prozess des Konzeptes und der Entwicklung eines Fotos zusammen abläuft?
Wir sind ein perfektes Team. Wenn einer von uns in etwas nicht gut ist, so ist der andere umso besser. Eine symbiotische Beziehung.

Wie unterscheidet sich eure Arbeitsbeziehung von der Beziehung als Schwestern? Denkt ihr, dass es hilft Schwestern zu sein, wenn man zusammen arbeitet?
Um ganz ehrlich zu sein, als Schwestern streiten wir oft. Wir streiten über dies und das, gehen einander auf die Nerven, wir kennen uns zu gut um den anderen nicht zu reizen. Natürlich komplett aus Liebe. Aber wenn wir zusammen arbeiten, müssen wir das komplett außen vor lassen. Darin liegt alleine eine Kunst. Schwestern zu sein hilft bei den Shootings weil das Vertrauen da ist, wenn ich nicht richtig bei der Sache bin weiß ich, dass sie mich einfangen kann und mich zur Sache bringt.

Was liebt ihr an der analogen Fotografie? Und warum habt ihr euch entschieden am Film kleben zu bleiben trotz dessen dass viele Leute in euren Beruf zu digital übergegangen sind?
Schlicht und einfach digital ist flach, Film ist echt.

Wie unterscheidet sich dein (fotografischer) Stil von dem deiner Schwester?
Ashlie: Ich tendiere dazu etwas zurückhaltender zu sein. Wir beide bewegen uns Richtung betörende aufrichtige Bilder im tatsächlichen häuslichen/ privaten Umfeld – das macht unsere Bilder manchmal etwas düster und ein bisschen enthüllend. Aber ich versuche auch umsichtig zu sein wenn ich aussuche was ich zeigen werde. Ich möchte in keinster Weise meine Modelle bloßstellen, auch dann nicht wenn es sich um einen Künstler oder eine konzeptuelle Arbeit handelt- einfach weil das allgemeine Publikum die Bilder nicht in einen künstlerischen oder konzeptuelle Zusammenhang übersetzt.
Amber: Ich bin da weniger ängstlich, in einer reiferen Art und Weise, ich entferne mich eindeutig von irgendwelchen Schockwerten.

Folgt ihr einem bestimmten Code oder Regeln wenn ihr fotografiert?
Natürlich. Einer von uns dirigiert das Setting des Fotos, wir beide fotografieren, einer bearbeitet es. In dritter Person gesprochen, Amber leitet normalerweise die Arbeit am Foto, während wir beide mit verschiedenen Kameras die Aufnahmen machen, und Ashlie editiert und fasst das Projekt zusammen.

Gibt es irgendwelche Sachen die ihr am liebsten ablichtet? Drinnen oder draußen?
Wir bevorzugen natürliches Licht am besten nachmittags, drinnen oder draußen. Das Licht durchs Fenster ist unser allerliebstes.

Könnt ihr Fotografen oder Künstler nennen die ihr bewundert? Warum?
Eleanor Carucci, Diane Arbus, William Eggleston, Egon Shiele, Alec Soth, Joseph Cornell, Hannah Wilke, Mark Rauschenberg, Christophe Kutner, Christopher Anderson, Ingmar Bergman, Andrei Tarkovsky, Lawrence Ferlinghetti, Gabriel Garcia Marquez. Nur um ein paar zu nennen. Warum wir sie bewundern? Weil sie alle außergewöhnlich talentiert sind!

Foto von Amber and Ashlie Chavez aus stereogum

Ich muß zugeben ich bin ein Raveonettes Fan. Wie habt ihr es geschafft, an das Projekt mit ihnen heranzukommen?
Eines Tages im Jahr 2011 waren The Raveonettes in LA und brauchten ein Presse-Set und sie wählten uns einfach aus weil sie unsere Arbeit gesehen hatten und diese mochten. Also fuhren wir ins Alexandria und haben den ganzen Tag Aufnahmen gemacht. Ein Bild das wir gemacht haben wurde dann das Cover ihrer EP und ein Jahr später haben wir Aufnahmen für ihr Album Observator gemacht und seitdem arbeiten wir mit ihnen. Es ist leicht mit Sune und Sharon zu arbeiten, wir haben immer Spaß.

Könnt ihr uns was über besondere Kunden und denkwürdige Projekte erzählen?
Wir sind große Fans der Band Port O’ Brien. Sie haben sich 2011 aufgelöst und der Sänger Van Pierszalowski hat kurz danach seine Soloband Waters gegründet. Capitol Records, das Label von Waters hat uns kontaktiert und seitdem arbeiten wir regelmäßig mit ihnen. Einmal haben wir einen Deutschen Schäferhund ausgeliehen und nachts auf dem Hollywood Bowl fotografiert, nur mit dem Scheinwerfern unseres Autos. Die Woche drauf fotografierten wir vor einem Hause das mal Kurt Cobain gehörte, es war immer noch leer.

Fotos aus Ashlie Chavez

Gibt es aufregende Projekte an denen ihr gerade arbeitet oder die bald starten werden?
Vor kurzen wurden wir WeSC Aktivisten und machen gerade ihre Frühlingskampagne. Da liegt grad unser ganzer Fokus drauf.

Was ist euer Traumprojekt?
Unser Traumprojekt – Vom Fotografieren leben!

Welchen Rat habt ihr für aufstrebende Fotografen da draußen?
Schule ist nicht alles, Erfahrung ist nicht alles, und die Leute die du kennst sind auch nicht alles. Es ist alles was alles ergibt, so ist es, konzentriert euch nicht zu sehr auf eine Sache.

Irgendwelche letzten Worte?
Mache Dinge nur aus einem Grund. Egal ob es Schwarz/weiß Fotografieren ist oder ob du es am Ende in etwas in goldenen Eichenrahmen haben willst, mach es aus einem Grund heraus. So mühsam und nachdenkenswert wie analoge Fotografie ist, kannst du es dir nicht leisten, es nicht zu tun.

Was hab ich gesagt? Sind diese Frauen nicht erstaunlich? Girl Power kann nicht cooler sein als das hier. Und was ist schon cooler, als in einer kreativen professionellen Zusammenarbeit mit deiner Zwillingsschwester zu stecken? Obwohl es ein Klischee ist: “zwei Köpfe sind besser als einer,” denke ich dass es hier speziell in dem Fall von Amber und Ashlie Chavez doch zutrifft.
Wenn du mehr über ihre Arbeit wissen willst sind hier Amber und Ashlie’s Webseiten.

geschrieben von jillytanrad, übersetzt von slika

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