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Schöne Ferien: Sechs mysteriöse Filmrollen-Funde

Gefundene Filmrollen sind immer spannend, aber noch schöner, wenn sie ein halbes Jahrhundert alt sind und dort mysteriöse nostalgische südfranzösische Urlaubsschnappschüsse von kleinen Kindern mit Strohhüten drauf sind.

So wurde vor einem halben Jahrhundert der Urlaub in Südfrankreich zelebriert.

“Hallo, ich bin ein Anfänger, was das Sammeln von Kameras betrifft, und habe eine alte Kamera mit voll geschossenen Filmrollen gefunden. Selbst mache ich damit nichts, sie liegen hier nur zum Verstauben und darum gebe ich sie weg. Interesse?”

Analoge Fotografie ist relativ neu für mich, aber mich hat der Virus gepackt. In den vergangenen Monaten sammelte ich etwa fünfundzwanzig Kameras, von seltenen Klassikern wie der Cosina CX-2 und Rollei A26 bis Plastikzeug wie die Haking Pix Panorama und Fex-Indo Viva 126. Jedes Mal hoffe ich vergeblich, dass ich in so einer ausgedienten Kamera einen vergessenen Film finde. Nur einmal hatte ich Glück, eine Rolle Kodak Gold, aber damit war noch kein Foto geschossen worden.

Mein Interesse war deshalb geweckt, als ich auf Flickr auf den oben stehenden Aufruf von einem Alexandre aus Marseille stieß. Der Bericht war ein Monat alt und es hatten schon Menschen reagiert, sodass ich davon ausging, dass die gefundenen Filme schon vergeben waren. Die Reaktionen waren allerdings eher gleichgültig, im Sinne von: “Wenn du die Portokosten bezahlst, werde ich es wohl tun, melde dich.” So ging ich das Risiko ein und schickte eine freundliche Nachricht und ein paar Tage später brachte der Postbote einen ockergelben gepolsterten Umschlag aus Frankreich.

Freudige Post aus Frankreich: sechs gefundene Filmrollen.

Sechs Rollfilme waren darin: zweimal 120, dreimal 620 und eine 127 Rolle. Mein französischer “Filmrollen-Freund” konnte mir keine weitere Information geben: Er wusste nicht mehr, aus welchen Kameras die Rollen kamen und hatte auch keine Ahnung, was darauf war. Ich studierte die Informationen auf dem Schutzpapier, googelte drauf los und entdeckte, dass es um fünf Schwarz-Weiß-Filme und eine Rolle Farbnegativ ging. Letztere ist am Schwierigsten: Agfa CNS wird schon Jahrzehnte lang nicht mehr hergestellt und kann auch nicht mehr entwickelt werden.

Die Schwarz-Weiß-Rollen waren unkomplizierter: drei Stück Kodak Verichrome Pan, auf der 127 Rolle stand “Ferrania Pancro”, und dann war da noch eine 620 Rolle mit rotem Schutzpapier mit einem Logo von der bekannten Marke Vafca darauf und dem Aufdruck “Impresionado” (Spanisch für “belichtet”). Das Klebeschild war verschwunden, sodass ich mich mit der Information begnügen musste. Ich spekulierte darauf, dass er mit den Schwarz-Weiß-Filmen vergleichbar war.

Selbst Schwarz-Weiß-Filme entwickeln ist einfach und man kann es mit auflösbarem Kaffee, Soda und Vitaminen machen.
Filme selbst entwickeln mit Caffenol C, aber diese unersetzlichen Rollfilme, die ein halbes Jahrhundert alt waren, schienen mir nicht das geeignete Material um das zum ersten Mal auszuprobieren. Darum stieg ich auf mein Fahrrad und machte mich auf den Weg zum letzten übrig gebliebenen Fotolabor in Amsterdam, das auf Schwarz-Weiß-Filme spezialisiert ist: Silver Hands .

Wim “Silver Hands” Dingemans bei der Arbeit – Foto: Peter Bouwmeester

Die Tür an der Herengracht wurde vom Besitzer Wim Dingemans geöffnet und ich trat ein in ein lebendes Museum: ein Souterrain-Labyrinth voll von Vergrößerungsgeräten, Entwicklungstanks, Spülbecken, Fotopapierboxen, trocknenden Filmrollen und prächtigen Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden. Kein Scanner oder Computer zu sehen – willst man Abzüge haben, dann kommen die aus der Dunkelkammer und auch Retuschieren geht hier noch per Hand. Dingemans ist ein hundertprozentiger analoger Unternehmer.

Er betrachtete die Rollen, bestätigte meine Vermutungen und sagte mir, dass sie wegen ihrer Altertümlichkeit einiger Anstrengung bedürften. “Ich kann natürlich nicht dafür garantieren, dass da noch etwas drauf ist, aber ich tue mein Bestes. Komm übermorgen zurück.” Am selben Abend bekam ich eine Email: “Es handelt sich um Nitratfilm, höchst entzündlich, sie sind also wahrscheinlich aus den 50er Jahren. Auf drei Rollen ist fast nichts drauf, auf zwei anderen hier und da ein Foto. Komm sie abholen.”

Eine Rolle war leer, nur Schutzpapier und kein Film. Eine 620er Rolle Verichrome bot eine Überraschung: Das einzige Foto, das darauf war, ist ein Frachthafen (Marseille?), in dem die “Viking Drive” liegt. Das Schiff wurde im Jahr 2000 gebaut – der Film war dann wohl alt, aber das Foto nicht. Auch die 127er Rolle war eine Enttäuschung: drei langweilige Fotos von einem Haus und einem Garten, die scheinbar auch vor nicht allzu langer Zeit geschossen worden waren. Das erste Foto auf der folgenden Rolle Kodak Verichrome Pan – ein großer unscharfer Kopf – war zweifellos ein Unfall. Aber daran ist schön zu sehen, wie der Druck auf dem Schutzpapier auf den Film abgefärbt hat, was zum Vintage-Feeling der folgenden Fotos beiträgt.

Danach ein Treffer: drei Fotos, vermutlich Ende der 50er Jahre/Anfang der 60er aufgenommen, von einem Mädchen auf der Terrasse und den Treppen eines hübschen Ferienhauses. Auf einem von ihnen war auch ein junger Mann, wahrscheinlich der Fotograf der übrigen Fotos, der nun vermutlich den Selbstauslöser gebraucht hatte. Vor allem das erste Foto, auf dem die junge Dame selbstbewusst und breit lachend auf einer Balustrade posiert, ist prächtig. Auf dem dritten Foto scheint sie vom Fotografieren genug zu haben. Ihr Freund anscheinend auch, da der Rest der Rolle leer blieb.

Die folgende Rolle mit dem spanischen Aufdruck lieferte ein noch schöneres Ergebnis: auch wieder sorgfältig gestellte Schnappschüsse, dieses Mal von einer Familie. Papa mit Mütze, Mama mit gepunkteten Kleid und zwei kleine Kinder in identischen kurzen Hosen, erneut vor einem Ferienhaus und einem Busch aufgenommen. Auf einem von den Fotos ist auch ein dunkelhaariges Mädchen zu sehen, vermutlich die Fotografin der anderen Fotos. Eins von den Kindern ist auf dem Foto nicht zu sehen und drückt wahrscheinlich auf den Auslöser. Mit mäßigem Erfolg: Es ist das einzige verschwommene Foto.

Die nostalgischen Fotos werfen allerlei Fragen auf: Wer sind die Menschen, wo kommen sie her, was machten sie dort und wie haben sie ihre Kameras verloren? Das junge Paar und die Eltern leben vielleicht nicht mehr, aber die Kinder müssen nun um die sechzig sein. Vielleicht fänden sie es toll, ihre Fotos ein halbes Jahrhundert später zum ersten Mal zu sehen.

Darum startete ich mittels Facebook eine Suche. Der Aufruf wird mehrmalig von FreundInnen, Bekannten und Fremden geteilt, aber meine Versuche mittels meiner französischen und spanischen FreundInnen von Lomography bleiben erfolglos und der Aufruf hat die Grenzen bis jetzt nicht überschritten. Willst du mithelfen? Teil dieses Foto auf Facebook oder Twitter. Tust du es? Andernfalls bleibt die Identität der süßen Kinder mit den Strohhüten für immer unbekannt.

geschrieben von sandergroen, übersetzt von halftheworld__away

2 Kommentare

  1. sandergroen

    sandergroen

    @halftheworld__away: Vielen Dank für die Übersetzung!

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  2. halftheworld__away

    halftheworld__away

    Gerne!
    vor mehr als ein Jahr · Spam melden

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