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Die Geschichten der Bilder #3: Kamerascheu

Portraits und Selbstportraits sind eine besondere Form der Fotografie. Einige Menschen lieben es, fotografiert zu werden und nutzen jede Gelegenheit, sich ins Bild zu drängen und in Pose zu werfen. Andere Menschen sind zu schüchtern und versuchen ihre Schönheit immer zu verstecken, wenn jemand eine Kamera zückt. Haben sie Angst zu viel zu zeigen oder einen Teil von sich zu verlieren?

“I instantaneously make another body for myself; I transform myself in advance into an image. I feel that the photograph creates my body or mortifies it. I do not stop imitating myself (…) the photograph represents that very subtle moment when to tell the truth, I am neither subject nor object but a subject who feels he is becoming an object: I then experience a micro-version of death.”

(Ein Zitat aus “Die helle Kammer – Bemerkung zur Fotografie” von Roland Barthes, S. 10-14)

Lustigerweise sagte sogar ein so großer Philosoph wie Roland Barthes, dass die Portraitfotografie irgendwie kleinen Toden ähnelt. Wir wollen uns von unserer besten Seite zeigen, wir stellen uns im Bild so dar, wie wir denken, wie andere uns sehen. Aber auf diese Weise verlieren wir einen Teil von uns.

Vor einigen Monaten fotografierte ich mich selber. Normalerweise bin ich vor der Kamera sehr schüchtern und fühle mich besser, wenn ich die am Auslöser bin. Portraits, und vor allem Selbstportraits, sind gezeichnet durchs verstellen, sie sind wie ein Versteckspiel. Wir wollen unsichtbar sein, uns auf der anderen Seite aber auch darstellen. Aber wenn wir vor der Kamera sitzen oder stehen und auf das Klicken warten, ist unsere Schüchternheit nur eine Geste.

Das erinnert mich an ein Spiel, das beinahe jedes Kind einmal gespielt hat. Ein Kind schließt seine Augen. Es kann nun nichts mehr sehen, und so denkt es in seiner kindlichen Art, dass es auch nicht von anderen gesehen werden kann. Es ist unsichtbar, so lange es möchte. Die Mutter weiß genau wo es steht und dass es versucht, einige frischgebackene Kekse zu stehlen. Sie lässt es unsichtbar sein; sie legt sogar einige Kekse mehr in seine Hand. Nun, bist du schüchtern? Schließe deine Augen, nimm deine Hände vors Gesicht, verstecke dein Kinn und deinen Mund hinter einem Schal. Sei schüchtern so lange du möchtest. Und zeige dann deine Schönheit.

Fotos und Text von Erika Grendelova. Ursprünglich stammt sie aus Slowenien, lebt nun aber in Tschechien und reist viel nach England und Finnland.

geschrieben von erikagrendel, übersetzt von vivie

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Der Originalartikel wurde in folgender Sprache verfasst: English.