Black_friday_de
Hast du ein Konto? Anmelden | Bist du neu bei Lomography? Registrieren | Lab | Aktuelle Seite:

Was für eine Superkamera der Supersampler in Wirklichkeit ist

Der Supersampler gehört zu den Multilinsen-Lomokameras, die zu Gunsten der stark beworbenen LC-A+, La Sardina und Fisheye und deren vielfältigen Farben und Ausführungen, scheinbar in den Hintergrund gerückt sind. Aber Leuten, die mein Lomohome regelmäßig besuchen, sollte auffallen, dass viele meiner Mehrfachbelichtungen mit einer Multilinsenkamera, wie der Pop 9, der Actionsampler, des Oktomats oder natürlich der Königin von allen, der Supersampler gemacht worden. Mein Artikel ist dieser analogen Schönheiten gewidmet.

Foto von lakandula

Der Lomograph

Ich bin freiberuflicher Künstler, Pädagoge und Gutachter. Ich arbeite in Bereichen der Menschenrechte, Künste, Kultur und Entwicklung. Und ja, ich bin ein produktiver Lomograph, der wie viele andere Liebhaber der analogen Fotografie an einem Punkt angekommen ist, der schon beinahe der Sucht gleicht. Hier gibt’s ein paar Links auf denen ihr mehr über mich und was ich tue, erfahren könnt:

Mein Freund Lakandula
Interview mit Lakandula, Gewinner der Seoul Kitchen Competition

Die normale Funktion

Mein aller erster Supersampler war ein grüner Dalek. Bereits das erste Mal, als ich diese Spielzeug ähnliche Plastikkamera erblickte, war ich von ihren Fähigkeiten fasziniert. Und in meiner bisherigen Zeit als Lomograph, habe ich bereits vier dieser Kameras gekauft. Im Schnitt also eine pro Jahr. Ob die Supersampler nun wirklich diese Kurze Lebensspanne von ungefähr einem Jahr haben oder nicht, werde ich hier nicht besprechen. Solch eine Untersuchung wäre aber ein interessanter Anlass für einen weiteren Artikel!

Zurück zum Thema! Im folgenden führe ich euch einige der grandiosen Funktionen auf, die der Supersampler auf Lager hat. Dieses kompakte Plastikwunder im Hosentaschenformat, ist so leicht, man könnte es überall hin mitnehmen! Es funktioniert jeder mögliche 35mm-Film, aber Dias benutze ich damit am liebsten. Man muss keinen Fokus einstellen, und alles zwischen 0.3m und unendlich liefert schöne Ergebnisse. Anders als manche Kameras, bei denen es schnell zu Verwacklungen kommt, ist dieses bescheidene Gerät sogar dafür gemacht, eine Bewegung aufzunehmen. Das eröffnet dem Lomographen eine Menge neuer Möglichkeiten. Dein Objekt kann still oder in Bewegung sein, und du als Fotograf natürlich genauso! Du kannst deine Supersampler auch einfach in die Luft heben und sie wild umher schwenken, während du damit Bilder machst. Andere werfen sie sogar in die Luft nachdem sie den Auslöser gedrückt haben, um vollkommen zufällige Bilder zu bekommen. Auf jeden Fall eine verrückte Kamera, mit der jeder seine experimentelle Seite ausleben kann. Auch wissenswert ist, dass sie sehr starkes Licht liebt, und darum der perfekte Begleiter für Ausflüge an sonnigen Tagen ist. Es reicht, unsere nähere Umgebung zu erkunden, um auf lomographische Inspiration zu finden, die man am besten auf vier kleinen Bildern mit dem Supersampler festhält.

*Ein Vorgänger der Lomokino *

Die Supersampler kann ihre Bilder in zwei Geschwindigkeiten machen: Ein Foto alle 0.05 Sekunden, um mehr oder weniger vier mal das selbe Bild zu erhalten. Dieser Modus ist am besten, wenn man vor hat, sich schnell bewegende Objekte zu Fotografieren. Oder ein Foto alle 0.5 Sekunden, so werden Bewegungen zwischen den einzelnen Bildern sehr deutlich. Letzteres macht die Supersampler meiner Meinung nach, zu einer Art Vorgänger der Lomokino. Ihre vier 20mm Plastiklinsen sind großartig, um coole Filme zu machen. Also falls du noch keine Lomokino hast, könnte dein Supersampler eine gute Alternative sein, um deinen zukünftig Preise-gewinnenden Film zu drehen.

Hier ist ein sehr kurzer Film im „Stop-Motion“ Stil, den ich aus einigen ältere vertikal geschossenen Supersampler-Bildern zusammengeschnitten habe:

Modifikation durch Zerstörung

Nach dem ich schon einige Zeit mit der Supersampler geschossen hatte, kam ich an einen Punkt, an dem ich die Balken, die die einzelnen Bilder voneinander trennten, als störend empfand. Vielleicht wollte ich auch einfach nur herausfinden, was noch alles möglich war. Mutig entschied ich mich dazu, die innere Maske zu entfernen. Wohlwissend, dass dies niemals wieder rückgängig gemacht werden konnte. Nach der Modifikation würde ich damit leben müssen. Aber ich habe es getan! Genau wie in diesem Tipster erklärt:

The Supersampler Extreme cut

Schließlich wurde mein Mut mit sehr interessanten Ergebnissen und Bildern belohnt, die nahtlos ineinander übergingen. Ich bin die Bildteiler losgeworden, und habe dafür diese coolen surrealen Bilder erhalten. Ich liebe sie! Ich habe beobachtet, dass die Maske auch zur Kontrolle der Belichtung da war, denn nachdem ich sie entfernt hatte, musste ich immer sehr vorsichtig sein, die Bilder nicht über- zu belichten. Das tue ich, indem ich Objekte mit Gegenlicht oder zu hellem Hintergrund vermeide. Leider sind diese nicht immer einfach zu vermeiden, vor allem wenn man wieder einmal – ohne nachzudenken – Fotos schießt. Aber ich bekomme neben wenigen, etwas ausgewaschenen Bildern trotz allem noch immer atemberaubende Ergebnisse!

Fabrizio Soler von Lomography stellte mich vor die beängstigende Aufgabe, einen Artikel über meine Technik für Mehrfachbelichtungen mit dem Supersampler zu schreiben. Je mehr ich darüber nachdachte, desto nervöser wurde ich. Erwartete jemand von mir, irgendwelche weltbewegenden Techniken zu verraten? Die Wahrheit ist nämlich die: Ich denke, meine Art zu fotografieren unterscheidet sich in keiner Weise von der anderer Lomographen. Aber vielleicht macht meine verrückte Denkweise, meine wählerische Art bezüglich meiner zu fotografierenden Objekte, mein Wille zum Experimentieren und Risiken einzugehen, meine Abscheu vor der Leere (horror vacui), meine philippinischen Werte oder mein asiatisches Feingefühl den Unterschied aus? Wer weiß. Lasst mich euch nun einige Entdeckungen zeigen, die ich mit meinem Supersampler, auf dem Weg sein Potenzial voll auszuschöpfen, gemacht habe. Ich hoffe ihr profitiert von meiner Erfahrung und teilt eure später genauso!

Die perfekte Ergänzung zu anderen Kameras

Falls ihr gerne Mehrfachbelichtungen mit unterschiedlichen Kameras macht, wird der Supersampler jede andere 35mm Kamera gut ergänzen. Also überwindet eure Ängste und startet Mehrfachbelichtungen mit dem Supersampler und anderen Kameras aus eurem „Lomoarsenal“. Mit welcher der beiden man dann zuerst fotografiert, ist egal, solange ihr einige Grundregeln der Mehrfachbelichtungen beachtet.

Erstens: Unterbelichte, wann immer möglich. Dein vierlinsiges Wunder hat keine ASA-Einstellungen, und folglich werden diese Kameras Bilder machen, als wäre ASA 100 eingestellt. Sollte deine zweite Kamera eine ASA/ISO-Einstellung besitzen, stellst du den ASA-Wert an der Kamera eine oder zwei Stufen höher ein, als die Empfindlichkeit deines Filmes verlangen würde. Egal, ob du mit ihr vor dem Supersampler Bilder machst, oder anders herum.

Zweitens: Fotografiere erst dunkle Bilder, dann helle. Dein zweites Bild wird in den dunklen Teilen deiner ersten Belichtung sichtbar werden. Versuchst du es anders herum (erst hell, dann dunkel), so wird dein zweites Bild in den hellen Bereichen deines ersten Bildes sehr ausgewaschen aussehen. Prinzipiell versucht man einfach nur, kein Bild zu überbelichten (außer das ist genau was du willst!). Ich liebe es Supersampler-Mehrfachbelichtungen mit meiner Fisheye, LC-A+, Colorsplash, Horizon Kompakt , und „Super Fat Lens“ zu machen. Jede 35mm Kamera wird wunderbar dafür geeignet sein, um schöne Supersampler-Doppelbelichtungen zu machen.

Meine Objekte delokalisieren

Es bereitet mir große Freude, die Leute an den Orten, die ich bereise zu fotografieren.
Ich notiere mir nie genau, was mit meinen Filmen geschossen wurde, sondern schreibe nur einige Stichwörter auf die Rolle – normalerweise der Name eines Ortes, Anlasses oder der Gruppe Leute. Denn ich liebe es, den selben Film ein zweites Mal zu benutzen! Ich befülle meine Supersampler damit, und schieße einfach eine zweite Schicht Bilder über die alte. Nun aber an einem anderen Ort, in einer anderen Zeit! Auf diese Weise werden die Portraits der Leute, die ich fotografiert habe, delokalisiert, und landen auf den Fotos in einer komplett fremden Umgebung. Die erste und zweite Schicht Fotos haben oft nicht viel gemein. So entstehen nicht nur bezüglich der Farbe oder Gegenstände, sondern auch von der Aussage her, sehr kontrastreiche Fotos! Es ähnelt sehr den Portraits in Fotostudios, bei denen man vor Hintergründen auf einer Leinwand steht. Aber anstelle eines künstlichen Hintergrunds fotografiere ich echte Orte, und das macht den Unterschied.

Der Zufall spielt eine große Rolle, was die Kombination eines Portraits mit einem fremden Ort, in einer anderen Zeit angeht. Du weißt genau, dass dein Objekt sich in keinem Fall an diesem Ort, zu dieser Zeit hat aufhalten können, und doch scheint es so, als hätte man die Theorie, dass ein Objekt an zwei Orten gleichzeitig sein kann, widerlegt! Mit deinen delokalisierten Doppelbelichtungen wird das aber möglich!

Aus alt wird neu

Ich verbringe oft Zeit damit, Fotografien in Magazinen und Büchern anzuschauen. Ich träume dann davon, dass meine Lomographien auch eines Tages veröffentlicht werden. Dieses wunscherfüllte Denken motiviert mich dazu, „Multimediale Kunst“ aus alten Portraits von bekannten Prominenten, ob schon lange tot oder immer noch am Leben zu kreieren. Ich benutze alles von Wachsmalkreide, Ölfarben, Wasserfarben, Papiersorten, CDs bis hin zu Federn und jedem anderen Material, das eine interessante Farbe oder Textur hat, mit denen man die besagten Portraits in eine Art Collage verwandeln kann. Danach fotografiere ich diese Kreationen mit meiner Canon A1 oder meiner LC-A+, und gebe ihnen anschließend den letzten Schliff, indem ich die Filme noch einmal in den Supersampler einlege, und das Straßenleben fotografiere. Die Ergebnisse erlauben mir einen ganz anderen Boy George, Elizabeth Taylor, Elvis Presley, Mick Jagger oder James Dean, aus einer noch nie da gewesenen Perspektive zu sehen. Etwas Altes neu zu erfinden, um etwas Neues zu erschaffen, ist eine Art, das Alte zu würdigen, und ihm die Würze der Gegenwart zu verleihen. So ist es, aus alt wird neu.

Verrückte Kunst beim Pendeln

Als ein Freiberufler bin ich nur während meiner Projekte, und für einen gewissen Zeitraum angestellt. Und wenn die Projekte einige Zeit ausbleiben, muss ich sehr auf das Geld achten. So gerne ich auch die Welt bereisen und über all auf dem Globus Lomographieren möchte, wie es viele Vielflieger tun, so muss ich mich doch auf Weltreisen in meinem Gedankenreich beschränken. Träume erlauben es mir, jeden Ort, den ich mir vorstellen kann zu besuchen. Die Kunst die ich erschaffe, repräsentiert meine Träume vom Louvre, des Christo Redentors, meiner Akropolis, meiner Pyramiden, meines Manhattans, meines Shangri-las – meines Paradieses. Ich mache Kunst aus allem, was mich interessiert, und halte sie auf Film fest.

Die Fotografie hat mir die Lizenz zum Träumen und kreativ sein erteilt. Die schönen Models in Modekatalogen und die Werbetafeln entlang der EDSA (Manilas größte Verkehrsstraße) sind meine größten Musen geworden und erscheinen immer wieder in meinen Mehrfachbelichtungen. Die Supersampler war immer ein anspruchsloser Reisebegleiter, wenn es darum ging in Bussen, Taxis, Jeepneys, Rikschas oder anderen Velotaxis meinen alltäglichen Weg zu bestreiten. Passanten sind immer relativ neugierig darüber, was ich da mache. Ich zieh an einer Schnur oder drücke einen Knopf, und schon hört man die Linsen klicken. Sie haben keine Ahnung, was ich tue, während ich meine Kamera in ihre Richtung halte und einfach abdrücke, ohne durch den Sucher zu schauen. Eigentlich hat der kleine, demontierbare Sucher der Supersampler noch nie großen Nutzen für mich gehabt. Denn jedes Mal durch den Sucher zu schauen, bevor ich abdrücken kann, ist mir einfach zu anstrengend! Ich denke die Supersampler sind gemacht worden, um die Freiheit und den Spaß an der Sache zu verbreiten, den ich habe, wenn ich beim Pendeln die letzte Schicht Bilder auf meine Filme knipse. Seid aber vorsichtig, wenn ihr eure Köpfe oder Hände aus dem Fenster eines Busses steckt! Vorbeirasende Laster können sehr gefährlich sein!

Meine Kunst und diese alltäglichen Straßenszenen nebeneinander gestellt, suggerieren Bewegung, Veränderung und ein Gefühl des Lebens. Es scheint, als würden die Objekte in meinen Bildern vor Leben und Energie nur so pulsieren

Selbstgemachte Masken

Nachdem ich die originale Maske unumkehrbar ausgebaut hatte, tendierte meine Supersampler leider dazu, meine Bilder bei Doppelbelichtungen zu überbelichten. Wenn eine Linse nach der anderen auslöst, so werden die Bereiche, in denen sich die Bilder überlappen (besonders die, an denen ursprünglich die Schwarzen Trennstriche waren), viel zu hell! Ich verschaffte mir Abhilfe, indem ich versuchte, die ursprüngliche Maske, mit
schwarzem Karton zu ersetzen. Auch wenn das Problem so nicht gänzlich behoben war, sahen die Ergebnisse trotzdem schon deutlich besser aus. Weil diese selbst gemachte Maske nicht besonders fest sitzt, fängt sie manchmal an, locker zu werden und verrutscht. Aber das ist nicht unbedingt schlimm! Anstelle der immer gleichen vertikalen Trennlinien habe ich nun ab und an mal diagonale oder kurven förmige Linien im Bild, die auch echt cool und nebenbei noch einzigartig sind!

Deine Mehrfachbelichtungen einfärben

Meine Mehrfachbelichtungen sind sehr speziell. Wenn du sie das erste Mal siehst, wirst du sie lieben, oder sie gefallen dir absolut nicht. Anfangs waren sie nie dafür gedacht, besonders schön zu sein, entspannend zu wirken oder sogar minimalistische Charakteristika zu besitzen. Horror Vacui (Die Angst vor leeren Flächen) bestimmt viele meiner Lomographien. Sie stellen oft eine chaotische Ordnung oder ein ordentliches Chaos dar. Genau wie das Chaos in meinem Zimmer und auf meinem Schreibtisch, dass mir ironischerweise innere Ruhe verleiht. Ich glaube meine Kreationen stehen für das Kräfteverhältnis, das überall herrscht – wie z.B. die gleichzeitige Anwesenheit von Krieg und Frieden. Wie der wilde Sturm und sein ruhiges Auge. Die Leute verlieren sich in meinen Bildern und sehen vielleicht das Chaos, vielleicht aber auch die Ordnung. Hoffentlich sogar beides! Das sollte die Wirkung meiner Lomographien sein!

Letztens habe ich Vierfach- und sogar Fünffachbelichtungen ausprobiert. Je mehr Schichten von Belichtungen man auf dem Bild hat, desto mehr Elemente vereinen sich im Endbild. Mein Ziel ist es aber, dass die Leute meine Lomographie als gesamtes, und nicht als Summe seiner Einzelteile betrachten. Am Liebsten kombiniere ich auf diese Weise: Etwas Altmodisches, farbige Lichter, Neonschilder, geschriebene oder gedruckte Wörter, alter Portraits (Fotografien als auch Malereien), Graffitis, Warhol Kunst, sich bewegende Autos, alles, was auf der Straße passiert und alles, was mich gerade inspiriert. Ich suche aufmerksam nach aufregenden Farben und tollen Texturen, wenn ich nach Objekten zu fotografieren suche.

Bei vielen dieser Mehrfachbelichtungen war der Supersampler wie das letzte Sahnehäubchen auf dem Kuchen. Zumindest würde ich das so ausdrücken. Normalerweise benutze ich Straßenszenen, um meinen Mehrfachbelichtungen das Alltägliche zu verleihen, und nutze diesen Schritt gleichzeitig, um mit Hilfe von Filtern für etwas Farbe im Bild zu sorgen. Ich unterstelle mir selbst, dass ich mit den Farben in diesem letzten Feinschliff die vorangegangenen Schichten viel dramatischer aussehen lasse. Außerdem werden die Bilder so nicht so leicht überbelichtet und wirken seltener ausgewaschen. Rot, lila und blau sind toll, aber ich greife eher selten zu Gelb- und Grüntönen.

Nach all diesen Lobpreisungen des Supersamplers hoffe ich für euch, dass ihr jetzt ehrgeizig und inspiriert genug seid, um selbst erforschen zu wollen, was für eine Superkamera der Supersampler wahrlich ist! Nun zieht los und schießt selbst Supersampler-Mehrfachbelichtungen!
Viel Glück!

geschrieben von lakandula, übersetzt von wafflesaurus

Es gibt noch keine Kommentare

Lies den Artikel in einer anderen Sprache.

Der Originalartikel wurde in folgender Sprache verfasst: English.