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Heute bin ich ein Mann mit einer Mission. In meiner Tasche befinden sich nicht nur wie üblich Kameras, sondern auch eine Tüte mit altem Brot, feinsäuberlich in kleine Stücke zerbrochen. Mein Ziel: Der alte Stöckener Friedhof in Hannover, genauer gesagt der Ententeich. Oder von meinem Blickwinkel betrachtet: der Schwanensee.

Meine erste Begegnung mit einem Schwan hier liegt schon etwas zurück. Ich hatte mich mit meiner Retina Reflex S samt neuerworbenem Tele-Objektiv an ein Schwanennest herangepirscht und schoss Fotos, als sich der zweite Schwan (merke: ein Paar besteht immer aus zwei Schwänen) ebenselbst an mich heranpirschte und mir mittels Fauchen und Flügelschlagen zu verstehen gab, dass meine Anwesenheit nicht erwünscht sei.

Nun war ich also auf Revanche aus. Bestechungsbrot inklusive. Ich hatte unvermittelt einen freien Tag, die Sonne schien und es hätte gut der letzte schöne Herbsttag des Jahres sein können. Auf dem Friedhof angekommen konnte ich schon aus der Ferne sehen, dass sich das Kräfteverhältnis Schwan/Mensch zu meinen Ungunsten verändert hatte. Wo vorher ein brütendes Schwanenpaar war, tummelte sich nun eine ganze Familie auf dem Wasser, von der üblichen Schar Enten ganz zu schweigen.

Statt mich heranzupirschen gehe ich nun in die Offensive, stelle todesmutig meine LC-A auf 80 cm ein, greife mit einer Hand in die Brottüte, nehme Blickkontakt mit dem mutmaßlichen Oberhaut der Schwanenfamilie auf und feuere eine Breitseite Brotkrummen in seine Richtung. Der Alte beäugt mich skeptisch, lässt aber seiner Brut den Vortritt. Nun unterscheidet sich ein junger Schwan zwar in der Farbe von einem ausgewachsenen, in Neugierde und Hunger steht er aber seinen Eltern in nichts nach.

Im Folgenden wird also die Situation etwas unübersichtlich. Eine Horde junger Schwäne stürmt nun auf das Brot zu, flankiert von den aufmerksamen Eltern und begleitet von einer Horde opportunistischer Enten. Eine zweite Salve Brot lässt die Schwäne nun ihre Vorsicht ganz vergessen. Nur kurz halte ich die Stellung, dann trete ich den Rückzug an, allerdings nicht ohne Foto für Foto in Richtung der nachrückenden Vögel abzugeben. Das Manöver erzielt den gewünschten Effekt, die Gruppe des Federviehs wird in die Länge gezogen und ich habe es nur mit der vorderen Reihe zu tun.

Jetzt sehe ich mich aber zweierlei Problemen ausgesetzt. Meine LC-A braucht dringend einen Filmwechsel und mir geht auch noch das Brot aus. Ich wechsle einhändig den Film, aber wie die vereinte Wasservogelgruppe auf das Ausbleiben von Backwerk reagieren wird, mag ich mir nicht ausmalen. Ich bleibe stehen und ergebe mich meinem Schicksal. Der Anführer der Schwäne möchte am liebsten meine Tasche kontrollieren, zieht aber auf den letzten Zentimetern zurück. Langsam scheint es sich auch bis in die Nachhut herumgesprochen zu haben, dass diese Schlacht um altes Brot zu Ende ist. Unentschieden würde ich sagen. Ich ziehe ein letztes Mal die LC-A auf und biete sie dem Schwan an. Er weiß nichts damit anzufangen. Das Klicken des Auslösers scheint ihn dann schon nicht mehr zu interessieren.

Just in diesem Moment taucht am Ufer des Sees ein alter Mann mit einer Plastiktüte auf. Der Kunststoff raschelt verlockend. Wahrscheinlich wundert er sich, wo die Bewohner des Sees geblieben sind. Der Schwan würdigt mich noch eines letzten Blicks, halb Triumph, halb Vorfreude auf die nächste Schlacht. Einen wortlosen Gruß, dann wendet der ganze Schwarm. Noch immer ahnungslos und verwundert steht der alte Mann am Wasser, nicht gewahr, dass ihm die gesamte Vogelpopulation nun in die Flanke fallen wird.
Einen Warnruf habe ich schon auf den Lippen, als er seine Blick hebt und in meine Richtung sieht. Langsam ändert sich sein verdutzter Gesichtsausdruck in ein Lächeln. Er weiß, was auf ihn zukommt. Und als Veteran zahlloser Wasservogelfütterung wird er Schwänen wie Enten die Stirn bieten, er wird nicht zurückweichen bis auch das letzte Brot im Hals der Vögel steckt.

Beruhigt ziehe ich Bilanz: Mein Filmvorat ist aufgebraucht, meine Hände zwar schweißnass aber unverletzt, ich bin noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen. Und ich habe gelernt. In Zukunft werde ich mich den Schwänen stellen. Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

Geschrieben von zark

6 Kommentare

  1. spoeker

    spoeker

    schön :)

    vor fast 4 Jahre · Spam melden
  2. trashpilotin

    trashpilotin

    so toll geschrieben und so wunderbare fotos! i like!

    vor fast 4 Jahre · Spam melden
  3. eyecon

    eyecon

    Grossartige Schreibe! Wenn ein Zark schreibt weinen die Schwäne um es mal mit Karat auszudrücken!
    http://www.youtube.c(…)9LQiLwc2Lis

    vor fast 4 Jahre · Spam melden
  4. petra-pak

    petra-pak

    toller bericht, tolle fotos :-)

    vor fast 4 Jahre · Spam melden
  5. shoujoai

    shoujoai

    Super :) bei den Viechern ist Vorsicht geboten, ich konnte mal einen mit Gummibärchen anlocken, der stieg dann bis auf meinen Schoß und wurde fuchsig als ich ihm keine mehr geben wollte...

    vor fast 4 Jahre · Spam melden
  6. brommi

    brommi

    schöne fotos und super artikel *schmunzel*

    vor fast 4 Jahre · Spam melden