Unterwegs im Lomography Archiv

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Frage: Hast du dich je kopfkratzend gefragt, wo all die Bilder auf diesen riesigen LomoWalls herkommen? Lies weiter, um die Geheimnisse des Lomographischen Archivs zu lüften, einer Sammlung von mehr als 600.000 analogen Fotos!

Das Wort Archiv kommt von “Archon”, einem Begriff, der einen obersten altgriechischen Richter beschrieb. Archive sind ähnlich wie Büchereien, doch der Unterschied liegt in ihrer Funktion – “Archivaufnahmen sind normalerweise unveröffentlicht und meist sogar einzigartig, während von Büchern und Magazinen viele identische Kopien existieren.”

Wikipedia-Beitrag: Archiv

Was aber beide gemeinsam haben, ist ein schwerwiegendes Problem: Alles in Ordnung zu halten, sauber und aufgeräumt. Eine der größten Herausforderungen für die, die im LWA (Lomography World Archive) arbeiten.

Das Lomography Archiv

Ich muss gestehen, dass das lomographische Archiv auf den ersten Blick nicht den schönsten Eindruck macht. Dennoch eröffnet es eine wunderbare Eleganz, wenn man einmal hineingetaucht ist. Es mag wie eine leichte Aufgabe erscheinen, Fotos in Umschlägen zu sortieren, wird aber ein Albtraum, wenn es um 20, 50, 100 Fotos geht, gesammelt von verschiedenen Leuten für verschiedene Projekte, Boxen mit Negativen, Abzügen und inzwischen auch Scans. Plötzlich sieht man sich vollkommen neuen Problemen gegenübergestellt. Die meisten Probleme im Archiv haben damit zu tun, Bilder zu einem bestimmten Thema zu finden – Im Endeffekt endet das damit, sich durch tausende von Aufnahmen zu wühlen. Das klingt noch immer einfach, wird aber noch anstrengender, wenn man nach dem dazugehörigen Negativ (oder Scan) suchen muss: Was war der Name/die Nummer des Originalumschlages mit dem Negativ? Und wenn du endlich die ersehnte Box gefunden hast, stellt sich die letzte Frage: Warum fehlt genau das Negativ, nach dem du gerade suchst?

Boxen über Boxen

Das ist natürlich ein Extremfall und passiert nicht wirklich oft, kann aber zu diversen Niesattacken durch riesige Staubwolken führen. Und es gibt jedes mal einen Grund dafür, dass etwas fehlt. Eine kleine Geschichte für sich…

Negativ-Beispiel…. “Fotos ohne Nummern” darin kann alles sein

Das wichtigste an einem Archiv ist nicht nur die Aufbewahrung, sondern auch der schnelle Zugriff auf Information. Bei niedergeschriebener Information weitaus einfacher als bei Bildern, die nicht nur bibliographische Informationen (wer/wann/wo), sondern auch Bildinhalt tragen. Du kennst das Sprichwort “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”. Man kann immer noch “Tags” für die Bilder verwenden, trotzdem werden sie nie annähernd vermitteln können, wie das Bild wirklich aussieht. Das Archiv-Team muss also oft nach einem Weg suchen, Gefühle und Stimmungen zu formulieren, anstatt nur Schlüsselwörter.

Boxen voll mit Prints, ~1500 pro Box, viele von ihnen haben handschriftliche Nummern auf der Rückseite

Aber wie ist es möglich, diese Bilder zu finden?

Niemand hatte jemals geahnt, wie groß das lomographische Archiv werden würde. Mit der Zeit wuchs es wie eine Pflanze, formte Äste und Abzweigungen, je nachdem, wer sich gerade darum kümmerte. Es ist ein organisches Archiv, dass so viele Informationen speichert, die kein Kopf auf dieser Welt bewahren kann. Nachdem man sich die Aufnahmen immer und immer wieder angesehen hat, entwickelt man irgendwann ein Gefühl dafür, wer welche Art von Bildern gemacht hat.

Die wichtigsten Archiv-Werkzeuge – Tasse Kaffee und Maus

Und was wird jetzt im LWA gespeichert?

Bilder der Mitarbeiter. Die Leute im Archiv und Labor wissen, was die Kollegen an ihren Wochenenden machen, wo sie abends abhängen usw. (die Hälfte der Zeit wird wahrscheinlich gemeinsam verbracht, denn wir verbringen auch viel Zeit außerhalb der Arbeit miteinander). Die LWA-Betreuung ist eine große Verantwortung, eine Bürde, die man mit Respekt und zumindest etwas Verschwiegenheit tragen muss, wenn man Bilder für einen bestimmten Zweck auswählt. Es ist außerordentlich wichtig keine peinlichen oder in irgendeiner Weise bloßstellende Aufnahmen zu verwenden.

Jede Filmrolle, die hier entwickelt (ja, wir haben einen Entwicklungsservice und ja, wir tun es in unserem hauseigenen Minilab) und nicht als vertraulich vermerkt wird, wird auf unseren Servern gelagert. Es gab eine Zeit, in der alle Negative im Archiv gelagert wurden, zum größten Teil aus einem bestimmtem Grund: In den alten Tagen machte man Abzüge direkt von Negativen, was einen großen Arbeitsaufwand bedeutete, wenn man an einer LomoWall arbeitete. Aber durch die Verwandlung von analogen Negativen in digitale Bilder hat sich einiges getan. Heutzutage ist es ein Leichtes, hunderte Daten zu einem Labor zu senden und sich Prints machen zu lassen. Vor 10 Jahren war eine LomoWall mit 10.000 Bildern groß – heute machen wir größere mit bis zu 150.000 Fotos.

LomoWall in Arbeit

Um mal über Zahlen zu reden: Gerade sind es 340 GB, 612.000 Bilder auf unserem Server, plus einige hundert GB durch Projekte, Rumbles etc…

Darstellung von Teilen der Bilder auf dem internen Server

Und das Offline-Archiv, naja.. es ist voll von Boxen, Abzügen, Negativen, CDs, Ordnern, Ausdrucken, Kopien, Büchern, Kameras, Staub, Gimmicks, Notizen usw.

Box voll mit Abzügen

Die Entwicklung vom analogen zum digitalen Speichern hatte auch eine großen Einfluss auf die Art, wie Dinge gelagert werden. Anfangs waren nur Basisinformationen auf den Umschlägen, so etwas wie Jahr/Monat, Lomograph, manchmal die Location oder ein spezielles Event. Vor vielen Jahren wurden Bilder aus diesem System selektiert und in separaten Boxen gelagert. Manchmal nicht so richtig sorgfältig, darum haben wir jetzt nette Beispiele dafür, wie man es nicht tun sollte: Boxen mit dem Namen “various envelopes without numbers, without year”, “1994 – photos without numbers”, “various negatives + photos”. Glücklicherweise ist dies die Ausnahme. Die meisten Boxen sind so benannt, wie sie es sein sollten.

HH Ordner (HH steht für Holy-Holy, was “Best Of” bedeutet)

Später, nachdem wir einen Farbfotokopierer bekamen, wurden Auswahlen kopiert und in Ordnern aufbewahrt. Wenn man nach Bildern suchte, konnte man sie durchstöbern und die, die man benötigt markieren. Offensichtlich eine bessere Möglichkeit als mit den Originalboxen rumzuhantieren. Heute ist es ähnlich, nur dass alles auf einem Bildschirm passiert. Der große Fortschritt ist das einfache Handling mit den Bildern – Du kannst sie kopieren, Dateinamen und Tags vergeben, um die Suche zu vereinfachen und sie nach Kriterien filtern. Aber vor einer Sache haben wir immer Angst: es braucht nicht viel, um all das zu verlieren. Ein einfacher Stromausfall macht es ziemlich schwer, mit digitalen Kopien zu arbeiten. Es ist also immer gut zu wissen, wo sich das dazugehörige Negativ befindet.

Der Archiv Wachhund

geschrieben von mandi am 2011-04-22 in #Lifestyle

Ein Kommentar

  1. cyan-shine
    cyan-shine ·

    Wow, sehr interessant!!

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