Interview mit dem Skydiving Fotograf Niklas Daniel

2011-04-08

Der in Arizona wohnende Niklas Daniel ist ein etwas anderer Skydiving-Lehrer. Er entwickelte auch die spezielle Fähigkeit, Fotos währende dem Sprung zu schießen! Wir trafen uns mit ihm, um über den Nervenkitzel und die Gefahren des Skydivings zu sprechen und etwas darüber zu erfahren, wie er so atemberaubende Fotos macht, während er durch den Himmel fliegt!

Könntest du den Lomographen ein wenig über dich erzählen?

Mein Name ist Niklas Daniel und ich bin professineller Skydiver in Arizona. Ich versuche mich in einer Menge Disziplinen, im Sport mit Fotografie, Einleitungen für Anfänger und Tandemflüge, internationalen Wettbewerben und Body-Flights im Windtunnel. Ich bin auch Mitbegründer der Axis Flight School, ein spezielles Trainingszentrum, in dem bereits lizensierte Skydiver ihre Fähigkeiten ausbauen können, um sich beispielsweise für Wettbewerbe vorzubereiten.

Wann hast du dich entschieden, Skydiver zu werden und was trieb dich dazu?

Seit ich denken kann, liebe ich es, in der Luft zu sein. Als Kind suchte ich mir immer Bäume oder Gebäude, nur um herunterzuspringen, wenn ich die Spitze erreicht hatte. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich das erste mal erfuhr, dass es möglich ist, aus einem Flugzeug zu springen, aber dass Skydiving existiert, habe ich irgendwie schon immer gewusst. Ich musste nur darauf warten, alt genug zu sein um es zu probieren.
Als ich einmal angefangen habe, war ich süchtig. Selbst als ich studierte, wusste ich, dass das das ist, was ich tun möchte um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Als ich endlich meine Lizenz hatte, verbrachte ich eine Menge Zeit in einem Windtunnel (ein Simulator für den freien Fall) um schneller zu lernen. Viele etablierte Springer gaben mir ihre Ratschläge und so fand ich mich schon bald als Videofilmer in einer vierköpfigen Skydiving-Formation wieder.

Kannst du das erste Mal beschreiben, als du aus einem Flugzeug sprangst? Deine Gefühle, Befürchtungen, Emotionen usw.

Ich glaube, jeder Springer, egal wie lange er den Sport schon ausübt, erinnert sich an seinen ersten Sprung. Eine Erfahrung, die du niemals vergisst. Da sind viele gemischte Gefühle, wenn du das erste Mal an der Kante einer geöffneten Flugzeugtür stehst und 3 Kilometer hinunterschaust. Da ist ein Gefühl der Unsicherheit, die Angst vor dem Unbekannten. Dennoch, wenn du deinen Trainingserfahrungen und deinem Equipment vertraust, verwandelt sich die Angst in pure Glückseeligkeit.

Wenn du in die Leere trittst, lernst du eine Menge über dich selbst. Nicht nur über deinen Körper, während du den Wind um dich herum beeinflusst, sondern auch über deinen Geist. Man lernt sich selbst und die Art, mit anderen zu interagieren kennen. Je öfter du springst und je mehr du deine Ängste und Beklemmungen realisierst, desto stärker stellst du fest, dass diese in deinem Kopf entstehen. Du spürst immer mehr, was in diesem Moment wichtig ist und beginnst, Verantwortung für deine eigenen Taten zu übernehmen.

Wenn man erstmal eine gewisse Anzahl an Sprüngen hinter sich hat, ist der Sprung selbst einfach nicht mehr genug. Du willst mit Freunden springen und dich neuen Herausforderungen stellen. Seine Fähigkeiten in einer Gruppe zeigen zu müssen, kann ähnliche Gefühle wie der erste Sprung erzeugen. Ich glaube, das ist der Grund, warum so viele Leute auch in diesem Sport den Wettbewerb suchen.

Foto von Niklas Daniel

Kannst du den Vorgang des Fotografierens beim Skydiving beschreiben? Wie schwierig ist es?

Im freien Fall Fotos zu machen ist eine recht spezielle Fähgkeit. Man muss nicht nur ziemlich ausgeprägte Fähigkeiten im Fliegen an sich haben, sondern auch ein gutes Verständnis für Kameraequipment. Wegen all dem Zusatzgewicht, dass man beim Springen mit sich tragen muss, gibt es ein erhöhtes Gefahrenpotential. Verwicklungen mit dem Fallschirm, verstärkte Kräfte, die auf dich beim Ziehen der Reissleine durch all das Equipment einwirken, welches du dabei hast. Man sollte sich nicht vor seinem 250. Sprung daran versuchen.

Am Anfang werden es die meisten mit einer kleinen, am Helm befestigten Videokamera versuchen, um ein Auge für Distanz und Bildinhalt zu erlangen. Aufgrund der Tatsache, dass deine Hände frei sein müssen, um den Luftzug um dich herum zu beeinflussen und um mit dem Fallschirm zu hantieren, ist es nicht möglich, die Kamera in der Hand zu halten und durch den Sucher zu schauen. Der Auslöser wird von einem Knopf, mit dem Mund aktiviert (durch beissen oder das pusten in eine Röhre) gesteuert. Einige hilfreiche Tools können mittlerweile in spezialisierten Läden erstanden werden, aber wenn die Ansprüche an deine Fotos höher werden, wirst du dir das Eine oder Andere selbst ausdenken und improvisieren. Je nachdem, in welcher Disziplin man fotografieren will, braucht man unterschiedliches Equipment, wie spezielle Anzüge oder Fallschirme, welche alle ihre Eigenheiten haben.

Was macht dir am Skydiving am meisten Spaß?

Skydiving ist eine atemberaubende Tätigkeit, die jedem etwas zu bieten hat. Es gibt in dieser vielfältigen Sportart immer noch neues zu erlernen und zu erfahren. Ich denke, meine schönste Erfahrung ist all diese Leute kennenzulernen, die dabei sind. Da ist eine starke Verbrüderung under Skydivern. Leute aus allen erdenklichen Lebenswegen kommen zusammen und teilen eine absolut aussergewöhnliche Erfahrung. Wenn du Skydiver bist, bist du Mitglied einer weltumspannenden Familie.

Eine meiner Lieblingserfahrungen war das Springen bei Nacht, was das Ganze auf ein komplett neues Niveau bringt.
Etwas anderes, das ich im Moment sehr auskoste, ist eine neue Disziplin namens XRW. Die Abkürzung steht für “Extreme Relative Work”. Diese Disziplin gibt es noch nicht so lange. Ein Fallschirmspringer surft auf dem Rücken eines Wingsuit Skydiver, der sich im freien Fall befindet.

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geschrieben von devoncaulfield am 2011-04-08 in #lifestyle #analog #photos #fliegen #fotos #luft #fotograf #skydiving #niklas-daniel
übersetzt von hippiekacke

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