Doppelter Spaß: Mehrfachbelichtungen mit Farbe und Schatten

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Viele Leute mögen Mehrfachbelichtungen, sind aber meist nicht zufrieden genug mit den Ergebnissen, um sich ihnen öfter zu widmen. Ich möchte euch hiermit zeigen, wie Mehrfachbelichtungen funktionieren und worauf man achten sollte.

Die Vögel des Schreckens

Ich kann euch einige Gründe nennen, warum ich Mehrfachbelichtungen so sehr liebe:

  • Es ist unvorhersehbar.
  • Es ist wie eine Spielsucht. Wie Weihnachten/Hanukkah/Kwanzaa. Wie ein Blind Date.
  • Du weißt nicht was dich erwartet, bis du deine Fotos aus dem Labor zurückbekommen hast. Doppelbelichtungen haben einen Überraschungseffekt, den es sonst nirgendwo in der Fotografie gibt.

Noch wichtiger:

Ich will etwas fotografieren, das nicht existiert. Nur in meinen Gedanken. Verschmolzene Szenen wie in den Bildern unserer Erinnerungen. Nicht klar, scharf und berechnet, aber ineinander überfließende Gedanken und Gefühle. Wenn du dich an eine Party erinnerst, dann hast du nicht ein einzelnes Bild im Kopf, wie alle im Wohnzimmer tanzen. Du erinnerst dich an die weiche, schmutzige Couch, auf der du gesessen hast. An den hässlichen Kronleuchter, der den Raum erhellt hat und den Baum, auf den du während einer Zigarette draußen gestarrt hast. Das witzige Mädchen, dass du in der Warteschlange vorm Badezimmer kennengelernt hast und der Flur dorthin, den du viel zu oft hoch und runtergelaufen bist, eine schräge Fussmatte und das Tattoo auf dem Rücken dieses Mädchens, von dem du deine Blicke einfach nicht lassen konntest. All das verschmilzt zu einem großen Eindruck.

Das ist was Mehrfachbelichtungen können und einzelne Fotos eben nicht. Das Leben so einfangen, wie du dich daran erinnerst und nicht so, wie es passiert ist.

Power Slide

Ich hatte vor einiger Zeit eine Unterhaltung mit ein paar Freunden im Lomo Collective of Austin – Sie wollten wissen, was das Geheimnis hinter besseren Mehrfachbelichtungen ist. Bis dahin hatte ich überhaupt nicht gemerkt, dass ich dort einiges an Erfahrung gesammelt hatte, die anderen fehlten. Ich fotografierte erst seit 2 Jahren mit Film und 80% meiner Bilder waren Mehrfachbelichtungen. Das ist einfach mein Lieblingsmedium. Im Gespräch mit den Kollegen fing ich erst an zu verstehen, was ich bei meiner Trial & Error – Lernmethode alles lernte und verstand, was bei Mehrfachbelichtungen funktioniert und was nicht.

Nochmal: ich bin kein Experte. Ich habe weder Fotokurse besucht noch einen netten Mentor gehabt, der mir alles beibrachte. Ich fände das toll, es ist bisher aber noch nicht passiert. Ich schätze ich habe was das angeht einfach eine gute Auffassungsgabe. Einige Erkenntnisse erschlossen sich mir einfach logisch, andere kamen einfach durch ständiges ausprobieren und dem schauen, was dabei herauskommt. Ich weiß einfach, wie man Fehler macht.

Carnival John

Hier sind ein paar der Dinge, über die wir sprachen und was ich dazu sagen kann.

Film braucht Licht

Was? Natürlich braucht Film Licht. Aber was ich sagen will: Wenn die erste Aufnahme einen starken Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit hat, gibt es einige Punkte auf dem Negativ, die noch keine Liebe abbekamen. Sie sind leer. Also, was passiert bei der nächsten Auslösung? Du hast den Platz zu füllen, den dir die erste Aufnahme übrig ließ!

The Taste of Failure

Hier können wir in den Mund schauen. Durch die roten Lippen und die dunklen Stellen an den Wangen. Wir können nicht durch das Gesicht sehen, denn es ist weiß.

Wenn es um Doubles geht, sind Schatten und dunkle Farben dein Freund. Zwei helle Bilder mit viel weiß, strahlendem gelb oder grün zu schießen endet in einem Kampf beider um die Überlegenheit. Und beide verlieren.

Dunkle Farben sind dein Freund!

Wenn du doublest musst du dich entscheiden, worauf du dein Hauptaugenmerk legst. Du kannst zwei Bilder zusammenwirken lassen oder eins als Textur verwenden. Wenn du helles gelb, weiß blau oder Pastelltöne ablichtest, werden diese Farben am stärksten erscheinen. Dunkelblau, grün, rot, braun und grau werden eher dezent und sind eine gute, solide Basis.

Der Himmel auf Erden

Ein gutes Beispiel und Lieblingsmotiv von mir ist Asphalt. Straßen und Parkplätze mit einem schön dunklen Belag sind die Basis für großartige Doubles. Du kannst Parkstreifen ablichten und hast damit eine nette, dunkle Textur. Jetzt hängt es davon ab, wieviel Licht du beim zweiten Auslösen hineinlässt. Das Foto hier oben knipste ich mit Fuji Provia 100 und schoss beide Auslösungen mit Iso 200. Hätte ich mehr von der Asphalttextur gewollt, hätte ich den Sonnenuntergang bei Iso 800 belassen. Der Asphalt reflektiert nur sehr wenig Licht und die hellen Parkstreifen kommen besonders stark zum Vorschein.

Gelb vs Rot

Der große Bär

Bei der Aufnahme oben kann man den Bär klar durch die roten Farben erkennen. Die Anteile, die durch die gelben Flächen fallen sind viel schwerer zu erkennen. Gelb reflektiert Licht deutlich stärker als Rot. Als ich also einen gelben Blitz auf die Wand mit dem Pfeil richtete, reflektierte das Weiß das Gelb, während das Rot nicht besonders viel zurückgab. Wenn also der Bär bei der zweiten Auslösung fotografiert wird, sieht man ihn durch das Rot gut, während das Gelb schon den anderen Teil des Negatives für sich beansprucht hat.

Schwarz vs rote Punkte

Erica lach doch mal

Das hier ist ein gutes Beispiel dafür, wie Schwarz das Licht aufsaugt. Ich knipste diese Mauer während eines bewölkten Tages. Sie war matt schwarz und mit roten Punkten bemalt. Ich verschoss den ganzen Film aus verschiedenen Winkeln und Entfernungen. Es war ein Iso 400 Film und ich stellte die Kamera auf 800. Dann in der Nacht lichtete ich Erica auf 400 ab und benutzte meinen Colorflash Blitz. Die roten Punkte blieben, während das Schwarz vollkommen die neue Farbe in sich aufsaugt. Rot ist eine freundliche Farbe und lässt Erica wunderbar durchscheinen.

Gebäude vs Straße

Holy guacamole – What a building?

Dies ist ein gutes Beispiel, bei dem der Asphalt eine Textur aber keine intensive Färbung gibt. Das Gebäude war gut belichtet und der Parkstreifen ist das einzig Farbige, das vom ersten Auslösen übrig blieb.

Marode Vorhängeschlosstür vs Indianerstatue

Eine indianische Prophezeiung

Eine Silhouette kann dir einen großen Gefallen tun. Ins Licht abzudrücken, um einen Schatten oder eine Silhouette einzufangen wird dir eine Menge freien Negativplatz geben, den es zu füllen gilt! Die Pforte und das Vorhängeschloss zeigen sich im Schatten des Indianers mehr als im Himmel. Das weiße Schild zeigt sich gut, denn es reflektierte eine Menge Licht.

Platz für Doubles schaffen

In meinem Studio schaffe ich eine gute Basis für meine Negative. Ich habe eine ganze Ecke meines Raumes mit schwarz ausgekleidet, um das Licht von meinem Blitz daran zu hindern, zu reflektieren. Am Ende habe ich eine Filmrolle mit einem Freund oder Model, umgeben von leerem Platz. Ich kann den Film ein zweites mal einsetzen und alle Arten von Texturen darum herumlegen. Hier sind einige Beispiele meiner Studioarbeit mit der schwarzen Wand.

Die richtige Belichtung

Mancher hat schon darüber geschrieben. Man wandelt immer an der Grenze zwischen einer schönen Mehrfachbelichtung und einer totalen Überbelichtung. Die meisten meiner Doubles sind mit einer Kamera mit Belichtungskontrolle gemacht. Normalerweise benutze ich die LC-A+ oder meine Petri Color 35. Wenn du Doubles machst, solltest du mit einer Isostufe höher schießen. Mindestens! Mit meiner LC-A+ fotografiere ich mit einer Isostufe und meine Texturen mit zwei Isostufen höher. Bei einem Provia 100 würde ich also meine Objekte mit Iso 200 und die Texturen mit Iso 400 ablichten. Ich benutze Diafilm, welcher recht empfindlich gegenüber Überbelichtung ist. Farbnegativfilm wird dir da mehr verzeihen und etwas Spielraum geben. Wenn du also gerade erst angefangen hast zu üben, verwende C-41 Film, um dich an Mehrfachbelichtungen zu gewöhnen. Wenn du dir ein Auge für Farben und Lichtquellen angeeignet hast, wage dich an die traumhaften Farben eines Diafilms.

Aufnahmen mit folgenden Einstellungen:

C-41 – Mitsubishi MX-iii 400

Sixty Burst

E6 – Kodak Elite Chrome 100

Repubrick

Aufnahmen mit einer oder zwei Isostufen über der Filmempfindlichkeit::

C-41 – Agfacolor Portrait XPS 160 Aufnahme bei 320 für die Stadthalle und 640 für die Steine

Die steinerne Stadthalle

E6 – Fuji Sensia 200 Aufnahme bei 400 für das Gebäude und 800 für die Straße

Walk of Fame

Ein paar Empfehlungen zum Abschluss:

Ignoriere alles, was ich gesagt habe! Alles was ich gelernt habe, resultieret aus der Trial & Error – Methode. Manches davon war richtig, manches war Rätselarbeit. Wenn es bei dir genauso funktioniert: nur zu! Hier gibt’s keine Gesetze, achte nicht auf Grenzen oder das, was andere dir raten. Nur durch Experimente können wir die Möglichkeiten der analogen Fotografie austesten. Nutze, was für dich funktioniert und ignoriere den Rest. Jetzt geh raus und fotografiere. Und wenn du da draußen bist, probier doch mal eine Doppelbelichtung.

Mehr Fotos und weitere Artikel von Cameron gibt’s in seinem Lomohome, auf seiner Website und seinem Blog.

Du willst mehr über die analoge Zukunft erfahren? Geh zu unserer Microsite, mach mit bei unserem Shoot Your Prophecy Wettbewerb oder lade dir Future is Analogue Poster herunter!

geschrieben von lomo-camkage am 2011-03-30 in #gear #tutorials #analog #color #shadow #look #exposure #future #tipster #multiple #double #lomography #pleasure #doppelbelichtung #twice #mehrfachbelichtung #prophecies #prophezeiung
übersetzt von hippiekacke

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5 Kommentare

  1. mefias
    mefias ·

    Herrvoragender Artikel, ich stehe tief in deiner Schuld -schlichtweg ausgezeichnet.

  2. mefias
    mefias ·

    Herrvoragender Artikel, ich stehe tief in deiner Schuld -schlichtweg ausgezeichnet.

  3. ap0k
    ap0k ·

    Der Artikel ist wirlich super! Danke

  4. chaotic4life
    chaotic4life ·

    Das sind wirklich tolle Hinweise. Vielen Dank.

  5. electricday
    electricday ·

    Super! Vielen Dank!

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