Ein Interview mit Diana-Experte Tony Lim

Als Vollblut-Sammler und Nutzer der Diana-Kameras kennt Tony Lim die Kult-Kamera in- und auswendig. Seine persönliche Sammlung umfasst mehr als 100 Diana-Kameras und Klone und er organisiert eine eigene Ausstellung von Diana-Kameras und Fotos mit dem Titel "Hong Kong Toy Camera Photography".

Vielleicht kennt ihr ihn aber auch als wichtigen Organisator des heute weltberühmten "Pinhole Photography Day". Als Graphik- und Produktdesigner - aber auch als Universitätsdozent - ist er so gut qualifiziert wie kein anderer, uns etwas über das ursprüngliche Konzept und die heutige Bedeutung der Diana zu erzählen. Erfahrt in diesem Interview, was der Experte zu berichten hat:

Hi Tony! Wir sind gespannt darauf, so viel wie möglich über die Diana-Kamera zu erfahren. Könntest du uns zuerst einmal sagen, wie lange die Kameras produziert und wo sie verkauft wurden?

Laut einem Registerauszug aus Hongkong wurde die Diana ab den frühen 1960ern von der Great Wall Plastics Co. herausgebracht. Die Fabrik befand sich in der Stadt Kowloon in Hongkong. Diese Zeit war eine Art "goldenes Zeitalter" für die Kunststoffindustrie des Landes. Die Great Wall war eine dieser Fabriken in Familienbesitz und es war keine Fabrik für präzise oder hochtechnologische optische Geräte. Neben der Fabrik von Great Wall gab es mindestens noch eine weitere Firma in Macau, die Dianas und Diana-Klone produzierte. Es könnte auch noch mehr gegeben haben, aber es ist schwer zu sagen, wie viele.

Der Hauptmarkt waren definitiv die Vereinigten Staaten. Daher wurden die Kameras mit englischer Beschriftung hergestellt und die Entfernungsskala wurde in Fuß, nicht in Metern, aufgedruckt. Es ist schwierig, das genaue Jahr zu bestimmen, in dem die Diana-Produktion aufgehört hat, aber das war höchstwahrscheinlich Mitte bis Ende der 1970er.

Von: gauthierdumonde & wahiba

Was war die Idee und das Konzept hinter der Diana? War sie stark von der Fujipet oder von anderen einfachen 120er-Kameras ihrer Zeit inspiriert?

Nein, ich glaube nicht, dass die Diana eine besondere Beziehung zur Fujipet hatte. Insgesamt waren diese einfachen 120er-Filmkameras in den 1960ern sehr verbreitet. Ich glaube aber, dass die Diana stark von der Agfa Isoly beeinflusst wurde. Beide Kameras nutzen das Format von 4 x 4 cm. Und alle Griffe, Hebel und Bedienelemente sind in einer sehr ähnlichen Position. Der Hauptunterschied besteht aber darin, dass die Isoly zwei Verschlusszeiten hat: 1/30 und 1/100s.

Idee und Konzept der Dianas ist ganz einfach: Sie waren ein Spielzeug oder ein Werbegeschenk. Aber eins war sie sicherlich nicht, nämlich präzise. Es scheint, als ob es für die meisten Diana-Optiken kaum oder gar keine Qualitätskontrolle gab. Das macht sie so brillant und unvorhersehbar!

Von: erina

Wie sieht es mit Marketing und Werbung aus? Wie wurde die Kamera allgemeinen ihren Käufern präsentiert? Gab es irgendwelche verrückten Geschichten, Kollaborationen oder ähnliches bei der Promotion der Diana?

Soweit ich weiß, lag der Verkaufspreis für die Diana in den 60ern bei $0,99. Sie wurde als Spielzeug oder einfaches Werbegeschenk präsentiert. Die Verpackung war sehr einfach, üblicherweise eine einfache Pappschachtel oder Blisterverpackung aus Plastik. Es ist gut möglich, dass die meisten Diana-Besitzer niemals auch nur eine Rolle Film in ihre Kamera eingelegt haben.

Die Diana war ein beliebtes OEM-Produkt [Original Equipment Manufacturer]. Das heißt, dass externe Firmen mit der Great Wall Fabrik Verträge schlossen, um Kameras mit ihren Markennamen herzustellen. Daher gibt es so viele Dianas, auf denen Reader's Digest, Shell usw. steht.

Von: efealacamli & linuxbcn

Wie groß war der Umfang der Produktion an Dianas? Kannst du in etwa abschätzen, wie viele Kameras produziert wurden? Wie sieht es mit der Anzahl an Mitarbeiter der Great Wall Company aus?

Great Wall war eine sehr kleine Fabrik. Nur einige wenige Arbeiter waren nötig, um eine Tonne Dianas zu produzieren. Die meisten Plastikfabriken in Hongkong waren zu jener Zeit klein und in Familienbesitz. Die Gesamtmenge der produzierten Dianas ist nicht abschätzbar. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie viele gemacht wurden! Für eine so billige Kamera, die vor 40 Jahren hergestellt wurde, kann man heute immer noch leichte Exemplare finden, die original verpackt sind und nie benutzt wurden. Das Produktionsvolumen muss riesig gewesen sein! Wir wissen zum Beispiel auch, dass sehr viele Converse Chuck Taylors hergestellt wurden, aber man findet Chucks von damals nicht so einfach wie Dianas.

Es gibt so viele Diana-Varianten und Kopien. Wir wissen, dass du etliche von ihnen besitzt. Kannst du abschätzen, wie viele Varianten es gibt?

Es gab sicher mehr als 100 Varianten. Ich persönlich habe etwa 80 bis 100 Diana-Klone mit oft nur wenigen Unterschieden. Zumindest das Verpackungsdesign und die Grafiken sind unterschiedlich. Hinsichtlich der Herstellung und den eigentlichen Kamerafunktionen gab es aber nur wenige Basisvarianten der originalen Diana. Mein persönlicher Favorit ist die Original-Diana. Aber ich wünsche mir eine jener Dianas, die in Macau hergestellt wurden. Die sind super selten!

Von: systemdevice & fruchtzwerg_hh

Als die Kamera erstmals erschien, was haben die Leute von den Bildern gehalten? Wie haben sie die Effekte der Diana eingeschätzt?

Ich bezweifle, dass die meisten Dianas jemals als ernsthafte Kameras verwendet wurden. Ich habe so viele von ihnen ausprobiert und fast jede hat ein Fokusproblem, Light-Leaks oder andere Qualitätsprobleme. Es ist fast unmöglich, zwei von ihnen mit gleichen Bild-Eigenschaften zu finden. Jede Diana ist einzigartig und auf ihre eigene Art etwas unzuverlässig. Wenn sie eine echte Kamera wäre, hätten sie wahrscheinlich nicht so viele von ihnen so billig produziert. Ich glaube, dass die meisten von ihnen Kindern gegeben wurden, um damit zu spielen, ohne dass wirklich Film eingelegt wurde.

In den 1970ern, zum Ende der Produktion, gab es eine Zeitschrift, die über "Diana-Fotografie" schrieb. Der Artikel erzählte von einem Professor, der eine Diana nutzte, um seinen Schülern die grundlegenden Prinzipien der Fotografie beizubringen. Mit der Diana, behauptete er, sei es den Schülern möglich, die Funktion der Kamera zu vergessen und sich nur auf den Akt des Fotografierens, das Bild und sein Konzept konzentrieren zu könnten. Auf diese Weise kam die Einfachheit der Diana voll zur Geltung.

Von: picardrulez

Die Diana wurde unter künstlerisch ambitionierten Fotografen schließlich zu einem äußerst begehrenswerten Kultobjekt, aber wer war ihre ursprünglichen Zielgruppe?

Mit einem Einkaufspreis von $0.25 und einem Verkaufspreis von $ 0.99 war sie definitiv als Spielzeug angedacht. Und angesichts des enormen Volumens der unverkauften Bestände war sie wahrscheinlich nicht allzu erfolgreich. Es gibt große Lagerbestände, die nicht an Endkunden verkauft wurden!

Da die Kosten für Plastik jedoch so niedrig waren und der OEM-Markt so stabil war, ist es dennoch möglich, dass dieser Artikel profitabel war. Die Fabrik behandelte sie nie wie eine echte Kamera oder führte eine ernsthafte Qualitätskontrolle durch. Eine qualitativ hochwertige, in Deutschland hergestellte Agfa-Faltkamera wurde damals für nur $2,99 verkauft, also nur dreimal so viel wie diese Spielzeug-Diana. Wenn die Leute eine echte Kamera wollten, gaben sie wahrscheinlich etwas mehr aus und kauften sich so etwas in der Art.

Von: yulia_adamova & nowthisislivinme

Mit deinen Diana-Kameras hast du eine Menge toller Bilder gemacht. Was sind ihre besten Eigenschaften?

Da gibt es zwei sehr wichtige Dinge. Zum einen hat die Kamera viele unerwartete Mängel. Dies gibt einem viele Möglichkeiten für interessante Resultate. Diana-Bilder passen zu den Bildern des Piktorialismus, in dessen Fotos, die wie Gemälde aussehen, das Gefühl oft wichtiger ist, als das Motiv und mit Weichzeichnung und verträumte Farben ausgedrückt wird. Aufnahmen mit der Diana haben dieselbe visuell starke Wirkung.

Zum anderen bietet die Diana eine "Befreiung" für Geist und Seele. Sie ist einfach zu bedienen und ermöglicht es, sich vom fotografischen Prozess zu lösen. Selbst wenn die Aufnahme nicht scharf ist, dein Verstand ist es!

Von: neneohcs & neufotomacher

Vintage-Dianas verkaufen sich auf dem Gebrauchtmarkt derzeit für rund $100. Was glaubst du, würden die ursprünglichen Designer und Produzenten der Great Wall Fabrik davon halten?

Sie würden es niemals glauben! Aber es stimmt, dass Designartikel ein Eigenleben haben. Die Macher können die Zukunft eben nicht 40 Jahren im Voraus sehen.

Von: dermanu & needle76

Findest du, dass die Diana in der heutigen Welt der digitalen Fotografie immer noch relevant ist? Wenn ja, warum?

Sowohl die digitale als auch die analoge Fotografie haben einen großen Markt und Relevanz und sind sehr miteinander verbunden. Wenn die digitale Fotografie stark wird, wächst auch der Bedarf an neuen analogen Fototechniken. Viele Menschen verlieben sich in diese neuen Wahrnehmung der Fotografie, sobald sie sie selbst erfahren.
Mit dem Angebot an Foto-Equipment und den wachsenden Möglichkeiten steigt auch die Nachfrage nach neuen Erlebnissen wie etwa der Fotografie mit der Diana.

geschrieben von genevievedoyle931 am 2018-07-11 in
übersetzt von dopa

Thanks, Danke, Gracias

Thanks

Ohne Euch hätten wir es nicht geschafft! Ein großes Dankeschön an alle 2000+ Unterstützer die unserer neunten Kickstarter-Kampagne zum Erfolg verholfen und die Diana Instant Square möglich gemacht haben! Wir sind schon gespannt, was für erstaunliche Foto-Stunts ihr damit anstellen werdet. Ihr habt die Gelegenheit uns auf Kickstarter zu unterstützen verpasst? Keine Sorge – die Diana Instant Square gibt es jetzt zum Vorbestellen in unserem Online Shop und einen gratis Light Painter legen wir auch dazu.

Mehr interessante Artikel