Träumereien auf 35 mm - Ein Interview mit Chase Hart

Wir sind immer auf der Suche nach Fotografen und Fotografinnen, von denen wir euch berichten können, und von den Arbeiten von Chase Hart sind wir wirklich begeistert. Wer wird uns das schon vorwerfen? Chase verfolgt einen ganz eigenen Weg mit Farben und Konzepten und ab dem Moment, in dem wir seinen Feed gesehen haben, wussten wir, dass wir ihn einfach für ein Interview kontaktieren mussten. Er ist ein 35-mm-Fotograf aus Portland (Oregon, USA) und wirklich sehr talentiert mit der Kamera. Lies weiter, um in diesem kurzen Interview zu erfahren, was ihn antreibt.

© Chase Hart

Hallo Chase! Willkommen im Online-Magazin von Lomography! Wie hast du mit der Fotografie angefangen?

Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wo und wann die Fotografie für mich begann. Ich bin in einer ziemlich coolen Kunstszene aufgewachsen und kann mich nicht mehr an eine Zeit erinnern, in der ich noch keine Kamera in der Hand hatte. Meinen ersten Zugang zu einer Dunkelkammer hatte ich, als ich ungefähr 14 Jahre alt war und von da an wurde es ziemlich ernst für mich. Ich verbrachte Tag für Tag bis zu 12 Stunden im Labor. Ich machte mir nie beim Spielen draußen die Hände dreckig, nicht, dass ich es darauf angelegt hätte.

Wie würdest du Fotografie definieren?

Fotografie ist Fotografie, wenn ein paar Silberhalogenidkristalle dabei draufgehen.

© Chase Hart

Was magst du daran am liebsten?

Mein Lieblingsaspekt an der Fotografie ist wahrscheinlich, wie sie mich motiviert, meine Tage zu verbringen, zu reisen und neue Orte zu entdecken. Vielleicht ist das ein bisschen klischeehaft, aber auch wenn die Fotografie das Endergebnis sein mag, sind eigentlich die Reise zu den Orten, die Farben, die man sieht, und die Menschen, die man trifft, das, was mich glücklich macht.

© Chase Hart

Wir sind Fans deiner 35-mm-Arbeiten. Warum verwendest du dieses Format?

Ich persönlich habe mit 35 mm am meisten Kontrolle. Dieses Format macht für mich am meisten Sinn. Außerdem ist es wirtschaftlich sinnvoller, Filme mit 36 Aufnahmen zu verschießen, statt Mittelformat-Rollen zu nehmen. Sie sind billiger und man hat hinterher mehr Fotos. Ich bin nicht daran interessiert, die beste Ausrüstung zu haben. Die erste Kamera, in die ich mich damals verliebt habe, war eine Nikon N80, die auch heute noch nicht mehr als 40$ kostet. 35 mm zu nutzen ist einfach simpel und da steh ich drauf.

© Chase Hart

Warum bleibst du bei der Analogfotografie?

Wegen dem Feeling, der minimale Bearbeitung, den Doppelbelichtungen und den präparieren Film-Rollen. Filmaufnahmen fühlen sich authentischer an, aber nicht nur das, ich habe so viele Möglichkeiten, ohne das Foto bearbeiten zu müssen. Digitale Aufnahmen haben diesen Look und vermitteln dieses Feeling erst nachdem man sie so bearbeitet hat, dass sie wie analoge Aufnahmen aussehen. Der Entwicklungsprozess ist ein wichtiger Teil des Spaßes. Die Vorfreude auf die Entwicklung des Films und der erste Blick auf den entwickelten Film sind Aspekte, die es in der digitalen Welt niemals geben wird. Physische Medien, die man anfassen kann, werden mich immer etwas glücklicher machen.

© Chase Hart

Deine Aufnahmen sind ein wahrer Augenschmaus. Wir haben bemerkt, dass du mit vielen kräftigen Farben spielst. Ist das der Stil, den du anstrebst?

Ich fühle mich einfach von Farben angezogen und versuche, Schwarz und Weiß zu vermeiden. Außerdem mag ich die Farbe Grün auf Fotos nicht wirklich, ich vermeide es fast vollständig. Ich mag auch den Kodacolor-Film sehr. Vor allem die Kodak-Farbfilme der 60/70'er, die eine besonders warme Farbwiedergabe hatten, und allem dieses Vintage-Feeling gaben, wenn man sie richtig belichtete. (Wenn du zuhörst, Kodak, kannst du mir gerne ein paar Kisten schicken, wenn du noch welche hast.) Ich ziele nicht auf einen bestimmten Stil ab, sondern fotografiere einfach und dieser Stil ist einfach mein Ding geworden.

© Chase Hart

Wie kommst du auf deine Konzepte?

Für mich hier in Portland sind meine fotografischen Konzepte die Produkte der Jahreszeiten. Im Winter fotografiere ich viel mehr Studio-Sachen. Wenn dann der Frühling kommt, nutze ich gerne Blumenfelder und Rosen. Sommer bedeutet mehr Reisen - z.B. ans Meer und in die Wüste. Sicher sieht man, dass ich wirklich auf Farben stehe. Ich baue viele meiner Looks um Farben herum, ich finde einfach ein Stück oder einen Ort, den ich mag, dann baue ich darauf auf.

© Chase Hart

Wer würdest du sagen, ist dein Lieblingsmodel und warum?

Das ist natürlich Abigail Vansteenberghe. Sie regt mich sehr dazu an, häufiger zu fotografieren und meine eigene Blase zu verlassen. Wegen ihr habe ich angefangen, mehr Mode orientierte Looks aufzugreifen und ich glaube, das ist es, woran ich gerade am meisten Interesse habe. Außerdem kann sie einfach jeden Stil annehmen. Sie ist einfach das vielseitigste Model, mit dem ich je gearbeitet habe. Ich würde sagen, dass Abby wahrscheinlich in 9 von 10 meiner Lieblingsfotos ist, die ich je gemacht habe. Danke, für die Gelegenheit, von ihr zu schwärmen.

© Chase Hart

Was inspiriert dich?

Farben.

Die Arbeit welcher Künstler verfolgst du regelmäßig?

Im Moment begeistern mich ein paar Fotografen und Fotografinnen. Beispielsweise Zoey Grossman wegen ihrer Ästhetik. Davis Ayer wegen seiner Prozesse und seinem meisterhaften Umgang mit Packfilm. Oder auch Dana Trippe, weil ihre Vintage Sci-Fi-Looks so inspirierend sind. Wenn ihr selbst nach Inspiration sucht, empfehle ich dringend, sich ihre Sachen mal anzusehen.

© Chase Hart

Wenn du mit einem lebenden oder toten Künstler zusammenarbeiten könntest, wer wäre das und warum?

Wenn ich Zugang zu einer Zeitmaschine hätte, würde ich gerne ein paar Mode-Sachen aus den 60'ern fotografieren. Farben, Muster, Schriften. All das Interior-Design dieser Ära ist so inspirierend. Wenn ich in den 60'ern mit Jane Birkin arbeiten könnte, wäre das genau mein Ding und hoffentlich hat die Zeitmaschine auch Platz für Abby.

© Chase Hart

Was steht für Chase Hart als nächstes an?

Ich denke, diesen Sommer werde ich mich sehr auf Mode konzentrieren, mehr Agenturarbeit und mehr Mode-Editorials. Ich mag es, mir selbst die Herausforderung zu stellen, in mehr Modemagazine zu kommen, also werde ich viele Projekte annehmen. Ich habe auch noch eine Super 8-Kamera und ich kann es kaum erwarten, da wieder rein zu kommen. Was kommt als nächstes? So viel Film verbraten, wie ich in die Finger bekomme.


Wir danken Chase, dass er uns seine Bilder im Magazin gezeigt hat. Wenn du dich für seine Arbeit interessierst, findest du sie in seinem LomoHome, auf seiner Website und auf Instagram.

2018-05-11 #people
übersetzt von dopa

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