Weitere Abenteuer auf dem Gebiet der Pinhole-Kameras

Als langjähriger Fan von Plastikkameras, hat die argentinische Autorin und Fotografin Lorraine Healy “Tricks With A Plastic Wonder”, eine Anleitung für bessere Resultate mit Holga-Kameras, herausgebracht. In diesem Artikel geht Healy auf Suche nach der Antwort, wie man Lochkamera am besten benutzt, und spielt dabei mit interessanten, neuen Mittelformatkameras.

Ein Sumpf in der Nähe meines Hauses, TerraPin OSKAR 6x9 , Velvia 100, 56 Sekunden belichtet.

Vor ein paar Monaten schrieb ich von meiner neuen Leidenschaft (man könnte es schon fast "Obsession" nennen!) zu Pinhole-Kameras. Seit dem habe ich meinem wachsenden Arsenal ein paar weitere Kameras hinzugefügt, habe jeden Film ausprobiert, den ich mit einer Lochkamera nutzen konnte, bin einer wunderbaren Gruppe von Pinhole-Fotografen beigetreten und habe mindestens einmal im Monat Pinhole-Aufnahmen gemacht. Ich habe ein paar Bilder in Räumen gemacht und ein wenig experimentiert. Ich habe versucht, die Flyer 6x6 Lochkamera mit Kleinbildfilm zu nutzten und dachte viel über die ganze Faszination dieser Art der Fotografie nach, die über mich gekommen zu sein scheint.

Zwei wässrige Szenen aus Whidbey, RealitySoSubtle 6x6, Ilford FP4+ mit 0.6 ND-Filter, 8 Sekunden (oben) und 10 Sekunden Belichtung (unten).

Eine der größten Herausforderungen bei der Benutzung von Lochkameras ist das Verständnis der extrem weiten Aufnahmewinkel , mit denen man zutun hat. Von den Kameras, mit denen ich jetzt fotografiere, ist die RSS 6x6 wahrscheinlich die mit dem weitesten Winkel (äquivalent zu etwa 7-10mm für Kleinbildkameras). In dem Bild oben ist das Blatt buchstäblich nur einen Zoll (etwa 2,5cm) von der Kamera entfernt gewesen. In den beiden folgenden, fast identische Aufnahmen mit der RSS 6x6 und der TerraPin Oskar 6x9, waren diese Holzreste der Konstruktion höchstens zwei Zoll (etwa 5cm) von den Kameras entfernt.

Im nächsten Diptychon wurden beide Kameras neben Baumstammgelegt. Ich benutzte den gleichen Film (Fuji Velvia 50) und die RSS 6x6 und TerraPin 6x9 haben die gleiche Brennweite und Blende von f/165. Die Belichtungen waren exakt gleich. Die Bilder sind ähnlich, aber jedes ist durch die unterschiedlichen Formate der Kameras geprägt.

Eine weitere Herausforderung ist, bei "schnellen" Aufnahmen die Finger aus dem Bild zu nehmen! Wenn es draußen sonnig und hell ist, führt die Verwendung von ISO 25, ISO 50 oder ISO 100 zu "kurzen Belichtungen" von unter einer Sekunde. Es ist schwer, einen Verschluss so schnell zu öffnen und zu schließen, ohne dass man einen oder zwei Finger mit aufs Bild bekommt.

TerraPin Prime 6x6, Provia 100, unter 1 Sekunde, TerraPin Oskar 6x9, Lomography Color Negative 100, 0.8 Sekunden

Beim Meetup der Camera Obscura Photography Enthusiast Society in Seattle habe ich nicht nur eine großartige Gruppe von Fotografen kennen gelernt, mit denen ich einmal im Monat Pinhole-Ausflüge machen kann, sondern auch Todd Schemmer, alias The Schlemm, den Schöpfer der TerraPin Lochkamera-Reihe. Todd ist ein echter Mann der Renaissance: ein Feuerwehrmann; ein Rettungssanitäter; ein Mann, der mit verschiedenen Möglichkeiten experimentiert, sich seine Brötchen zu verdienen; ein wahrer Pinhole-Zauberer, der seine eigenen Kameras entwirft, sie im 3D-Druck erstellt und die Pläne für alle verfügbar macht. Er ist auch der Organisator des Seattle Pinhole Meetup. Seine TerraPin-Kameras sind fantastisch: gut gestaltet, leicht, kompakt, spaßig. Ihr könnt euch Todds Kreationen hier ansehen.

Ich habe zwei von Todds TerraPin-Kameras gekauft, zuerst eine 6x9 und dann kam einen Monat später noch eine 6x6 hinzu. Hier sind ein paar Bilder, die ich mit ihnen gemacht habe:

Die TerraPin OSKAR 6x9, Velvia 100, aufgenommen vertikal und horizontal, je 19 Sekunden. Die “Dominion”, Bremerton Marina, Washington (USA).
TerraPin Prime 6x6, f/135, aufgenommen auf Fuji Acros 100 in Bremerton und Seabeck, Washington (USA).

Ich beendete den vorherigen Pinhole-Artikel mit dem Wunsch, dass die Schöpfer dieser wunderbaren Kameras eine Kleinbild-Version machen würden (es gibt ja schon einige). Und auch wenn manche glauben, 35mm-Film sei einfach zu klein für Lochkameras, gefällt mir die Idee einfach mehr Aufnahmen auf einen Film zu bekommen. Ich experimentierte mit 35mm-Film in der Pinhole Flyer 6x6, sowohl in Farbe als auch in Schwarzweiß. Ich "schätzte", dass 1 ½ volle Umdrehungen des Filmdrehknopfs sicherstellen würde, dass die Bilder sich nicht zu sehr überlappen. Und natürlich hieße dies auch, die Filmperforation zu belichten. Das ist ein Look, den ich liebe.

Kleinbildfilm, der mit der Pinhole Flyer 6x6 belichtet wurde: GAF ISO 320 Schwarzweißfilm mit 100 ISO (oben) und Kodak Ektar 100 mit Box-Geschwindigkeit (unten). Es gab mehr als ein paar Blindgänger und verpasste Aufnahmen und bei den Farbfotos ist es offensichtlich, dass ich den Filmzähler an der Rückseite nicht richtig zugeklebt hatte.

Auf der anderen Seite habe ich gelernt, die Pinhole-Assist-App besser einzurichten, so dass die App durch Aktivieren der Timer-Funktion ein kleines Foto macht und meine Einstellungen und Informationen für jede Aufnahme speichert. Jetzt muss ich nur noch diese eine App für Pinholes benutzen, während ich immer noch die Light Meter App für meine anderen Kameras nutze.

"Fiktive" Messwerte einer Pinhole-Aufnahme, die ich nicht gemacht habe! Ich wollte nur zeigen, wie die Pinhole-Assist-App ein kleines Bild der Aufnahme mit den passenden Informationen speichert.

Ich denke immer wieder darüber nach, wie sehr ich von diesem Pinhole-Prozess begeistert bin. Eines der Dinge, die ich daran liebe, ist, dass ich meine gesamte Welt neu betrachte und darüber nachdenke, wie sie in einer Lochkamera-Aufnahme aussehen würde. Ich liebe die Tatsache, dass Lochkameras mich dazu gebracht haben, zu Hause in Whidbey und an anderen Orten in der Nähe jeden erreichbaren Kilometer Küste zu besuchen und zu fotografieren. Ich weiß, dass das alles nicht sehr originell ist, dass ich mich an die offensichtlichen Motive gewöhnt habe: bewegte Gewässer, Wolken am Himmel, Jahrmärkte, aber ich habe meine Motive schon ein wenig ausgedehnt und habe zu Hause und in einer Scheune einige Innenaufnahmen gemacht und mit verschiedenen Bewegungen gespielt, wie etwa den OSKAR mit in meine Spinning-Kurs zu nehmen.

RSS 6x6, Velvia 50, 4 Minuten für das Glas, 1 Minute 47 Sekunden für die Aufnahme der Scheune.
Mein Freund Mr. Skippy auf der Fähre. Er hielt für eine Drei-Sekunden-Belichtung still. Aufgenommen auf Ilford FP4+. Lomo Color Negative 100 und eine 85-minütige Belichtung meines Fußes im Spinning-Kurs. Beide Bilder wurden mit der TerraPin OSKAR 6x9 aufgenommen.

Wenn ich das nächste Mal für ein paar Tage nach Buenos Aires fahre, nehme ich die TerraPin-Kameras, reichlich Film und einige Ideen mit, um aus dem Trott der "offensichtlichen" Pinhole-Themen auszubrechen und mal etwas neues auszuprobieren. Die größte Herausforderung scheint mir im Moment zu sein, sich von der Horizontlinie zu lösen, die exakt durch die Mitte des Bildes geht!

Nicht vergessen, am Sonntag, den 29. April ist der "Worldwide Pinhole Day"! Besucht die Website dazu, um Pinhole-Events in deiner Nähe zu finden.


Lorraine Healy (@lorrainehealy) ist eine argentinische Autorin und Fotografin, die im pazifischen Nordwesten lebt. Sie ist langjähriger Fan von Plastikkameras und Autorin von Tricks With A Plastic Wonder, einer Anleitung für bessere Resultate mit Holga-Kameras, das als eBook auf Amazon erhältlich ist.

geschrieben von Lorraine Healy am 2018-04-27 in #gear
übersetzt von dopa

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