LomoWomen: Kate Sweeney über das Ausreizen von Grenzen: "Her mit der Inspiration, Haters!"

Im Women's History Monat März wollen wir uns Arbeiten von aufstrebenden Fotografinnen genauer ansehen. Mit Projekten wie Curated By Girls oder Girlgaze Project werden mehr und mehr Plattformen erschaffen um den weiblichen Blick auf die Welt zu liefern. Aber wie sieht der denn genau aus und auf welche Art und Weise beeinflusst unser Geschlecht die Kunst? Wie empfinden die Künstlerinnen selbst die Arbeit in der von Männern dominierten Welt der Fotografie?

Fotografin Kate Sweeney aus Ohio hat im vergangenen Dezember ihr erstes Fotobuch She tastes like earth im Eigenverlag herausgebracht. Mit knallenden Farben, wunderschön unterschiedlichen Frauen und offensichtlich einem Obstkorb-Abo, hat sie ihren fotografischen Stil gefunden, der allerdings nicht bei jedem so gut ankommt. Aber das hält Kate keineswegs auf. Vielmehr motivieren sie Hasskommentare, das nächste Mal noch ein Stückchen weiter zu gehen.

© Kate Sweeney

Willkommen im Lomography Magazin, Kate, bitte stell dich doch kurz bei unserer Community vor.
Vielen Dank, dass ich hier sein darf! Ich bin Kate Sweeney aus Columbus, Ohio und habe mir das Fotografieren selbst beigebracht. Ich habe mich als Teenager in die Fotografie verliebt und meine Arbeit verändert sich und wächst seitdem immer weiter. Während ich es liebe Portraits von unterschiedlichsten Menschen zu machen, konzentriere ich mich gerade auf die weibliche Form und ihre Verbindung zur Natur. Ich liebe die Farben von Pflanzen, Obst und Gemüse.

© Kate Sweeney

Nachdem wir nur schon seit Jahren über die Darstellung der Frau in der Fotografie diskutieren, wollen wir uns zur Abwechslung einmal auf das weibliche Auge hinter der Kamera konzentrieren. Glaubst du es gibt so etwas wie den weiblichen Blick?
Ich denke absolut, dass der weibliche Blick existiert. Ich glaube auch, dass dieser weibliche Blick so komplex und abstrakt ist, dass wir immer noch dabei sind ihn zu definieren. Bedenkt man aber die Kraft von Bildern und ihrer Fähigkeit den Weg sozialer Normen zu verändern, gibt es keinen besseren Zeitpunkt, um den weiblichen Blick auf die Welt zu kultivieren. Die Fotografie war so lange männlichen Blicken dominiert, dass es wirklich schön ist, die weibliche Perspektive wachsen zu sehen.
Es gibt einem Kraft, vor allem, wenn man sieht wie Frauen andere Frauen abbilden und ihre Femininität zurückfordern und neu darstellen. Damit schreiben wir die Existenz der Frau in dieser Welt ganz einfach neu.

© Kate Sweeney

Findest du, dass dein Geschlecht deine Arbeit wesentlich beeinflusst?
Ich denke auf jeden Fall, dass die Tatsache, dass ich eine Frau bin, meine Arbeit beeinflusst. Die Fotografie hat mich auf jeden Fall schon einige Male geheilt und beeinflusst wie ich Dinge heute sehe und was mich inspiriert. Ich liebe es mit meiner Arbeit Frauen, ihre rohe Schönheit und Wildheit zu feiern und bin unglaublich stolz darauf, eine weibliche Künstlerin zu sein. Da ich eine Frau bin und selbst unzählige Male erlebt habe, dass mein eigener Körper sexualisiert wurde, hoffe ich mit meiner Fotografie und Perspektive helfen zu können weibliche Formen zu entsexualisieren. Frauen sind Göttinen.

© Kate Sweeney

Hast du je positive oder negative Erfahrungen aufgrund deines Geschlechts gemacht?
Ich glaube ich habe beides erlebt, ja. In einer von Männern dominierten Welt, macht jegliche Darstellung weiblicher Rebellion gegen die Norm, oder wenn Frauen zu ihren Körpern und Sexualität stehen, viele Menschen nervös. Ich habe erlebt, dass Männer meine Arbeit fetischisiert haben und bekam online eine menge negativer Kommentare zu hören. Aber sorry Dude, ich werde mich nie dafür entschuldigen, eine Frau mit Achsel-, Intim- oder Beinbehaarung zu zeigen. Wir sind in allen Stadien wundervoll. Davon abgesehen, sind unsere Körper sowieso nicht dafür da, von dir kommentiert zu werden. Sie existieren nicht für dich. Ich wurde natürlich auch schon zensiert, mir wurde von Männern gesagt, ich sollte "zurückschrauben". Aber alles, was das bei mir auslöst, ist lediglich, dass es mich noch weiter in die Richtung drängt, die sie als "zu viel" betrachten. Also, denke ich, ist das sogar eher ein Vorteil als ein Nachteil. Nur her mit der Inspiration, Haters!

Trotzdem gibt es eine einige tatsächliche Vorteile, aufgrund meines Geschlechts. Die Frauen, die mir ihre Zeit und Verlätzlichkeit schenken und mir vertrauen sind der Grund, dass meine Arbeit überhaupt existiert. Die Bilder, die aus der Zeit mit meinen Models entstanden sind, bedeuten alles für mich - dieses tiefe Gefühl von Intimität und Respekt. Wäre ich ein Mann, der die selben Menschen ablichtet, glaube ich, würden die Resultate komplett anders aussehen, oder gar nicht erst existieren. Der größte Vorteil aber ist Teil dieser tollen Community von weiblichen Künstlern zu sein, die Grenzen einreißen und sich gegenseitig inspirieren.

© Kate Sweeney

Wie würdest du deine Arbeit beschreiben? Was ist für dich das Wichtigste in deinen Bildern?
Die Farbgebung auf jeden Fall. Und Ehrlichkeit. Ich will, dass meine Bilder die Normen der Femininität herausfordern und gleichzeitig einladend und keck sind. Ich versuche festzuhalten, wer diese Menschen sind und ich glaube, das kann man in meiner Arbeit sehen. Ich glaube, man kann die Verbindung spüren. Ich will Frauen helfen, sich schön zu fühlen, sie zu stärken und ihnen zeigen, dass sie gesehen werden. Frauen in meiner Arbeit zu feiern hat in mir selbst und meinem eigenen Körperbild viel geholfen. Ich hoffe, ich kann weiterhin mit meiner Arbeit Frauen helfen sich von dem falschen Ideal befreit zu fühlen, dass wir schon viel zu lange einfach ertragen haben.

© Kate Sweeney

Wer oder was inspiriert dich besonders in deiner Arbeit?
Alles inspiriert mich. Ich halte meine Augen immer offen. Ich liebe die Farben von Obst und Gemüse und kann kaum fassen, dass diese Farben einfach so in der Natur existieren. Ich bin inspiriert, wann immer mich ein Bild beim Anblick erstarren lässt. Dieses gewisse Etwas. Eine Stimmung, ein Gefühl. Frauen inspirieren mich ungemein. Lebendig zu sein. Mensch zu sein. Etwas aus dem Nichts zu kreieren. Natürlich inspirieren mich auch andere KünstlerInnen: Petra Collins, Ren Hang, Ryan McGinley, Cindy Sherman, Frida Kahlo. Und viele andere. Inspiration ist überall und in uns selbst, wenn unsere Augen offen sind.

© Kate Sweeney

Hast du irgendwelche Tipps für die jungen aufstrebenden Fotografinnen dieser Welt?
Lasst euch nicht zensieren. Strebt nach immer Größerem. Hört niemals auf zu fotografieren. Vergleicht eure Arbeiten nicht mit anderen. Fokussiert auf eure Vision und arbeitet an Projekten, die euch begeistern. Wenn ihr etwas seht, dokumentiert es. Feiert die Dinge, die ihr seht und sonst niemand wahr nimmt. Deine Stimme zählt, hör niemals auf.


Sieh mehr von Kate's Arbeit auf ihrer Website und folge ihrem wunderschönen, bunten Instagram Account

geschrieben von birgitbuchart am 2018-03-10 in #people #female-photographers

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