Zur Hölle mit Perfektion — Freiheit für die Fotografie

LomoWomen: Lauren Woods über den Aufstieg kreativer Fotografinnen

Heute ist Internationaler Tag der Frau und wir wollen uns deshalb einmal die inspirierenden Arbeiten aufstrebender Fotografinnen genauer ansehen. Mit Projekten wie Curated By Girls oder Girlgaze Project werden mehr und mehr Plattformen erschaffen um den weiblichen Blick auf die Welt zu liefern. Aber wie sieht der denn genau aus und auf welche Art und Weise beeinflusst unser Geschlecht die Kunst? Wie empfinden die Künstlerinnen selbst die Arbeit in der von Männern dominierten Welt der Fotografie?

Die 25-jährige Fotografin Lauren Woods feiert Frauen jeder Art und Form vor ihrer Kamera und hat es sich zur Mission gemacht, nicht nur den Models vor ihrer Linse, sondern auch den Betrachterinnen ihrer Fotos zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen. Wir haben mit ihr über ihren Eindruck von Frauen vor und hinter der Kamera gesprochen.

Lauren Woods

Hi Lauren, Willkommen im Lomography Magazin, bitte stell dich kurz unserer Community vor.
Vielen Dank für die Einladung! Es ist mir eine wahre Ehre. Ich bin Lauren Woods, 25 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in North Carolina, USA und lebe jetzt auf Hawaii. Ich bin eine Afroamerikanische Fotografin und spezialisiere mich auf 35mm Film.

Was liebst du an der analogen Fotografie ganz besonders?
So verrückt es auch klingen mag, die Spannung! Ich liebe den Kick, meine 35mm Fotos nicht sehen zu können, bis sie entwickelt sind. Jede Rolle Film ist wie ein Mini-Weihnachtsgeschenk, für das man ein paar Stunden braucht, um es auszupacken. Aber es ist die Geduld fast jedes Mal wert. Außerdem liebe ich es, eine limitierte Anzahl von Fotos zu haben. Als ich noch digital fotografierte, verschoss ich locker 500 Fotos, die alle gleich aussahen, nur um sie danach stundenlang vor dem Bildschirm zu vergleichen und zu reduzieren. Das war erbärmlich. Die analoge Fotografie hat mich gelehrt, vorsichtiger mit dem Auslöser umzugehen und mehr über die Belichtung nachzudenken, sowie darauf zu achten, dass meine Arbeit insgesamt abwechslungsreicher ist. Man hat eben nur eine gewisse Anzahl an Versuchen um es hin zu bekommen und das sehe ich als einzigartige Herausforderung.

Lauren Woods

Die Foto, die du hier mit uns teilst zeigen ausschließlich Frauen. Ist das Zufall?
Das ist absolut kein Zufall! Obwohl ich Menschen jeglichen Geschlechts und Herkunft dazu ermutigen will mit mir zu arbeiten, liebe ich es sehr, die weibliche Form und ihre strahlenden und verletzlichen Qualitäten zu feiern! Die schroffen Töne von Werbungen und Social Media verkaufen das Frauenbild, wie wir wissen, oft in über-sexueller und degradierender Art und Weise und geben farbigen oder Plus-Size Frauen das Gefühl nicht schön zu sein. Deshalb habe ich es zu meiner Mission gemacht, dieses Stigma zu brechen und die Liebe für alle Typen von Frauen zu pushen und ihnen dadurch mehr Selbstbewusstsein zu geben.

Lauren Woods

Seit Jahren diskutieren wir die Rolle der Frau vor der Kamera. Aber was ist mit dem Blick auf sie... Glaubst du es gibt so etwas wie den weiblichen Blick in der Fotografie?
Absolut! Ich bin überglücklich Teil der Generation zu sein, in der weibliche Kreative am Aufstreben sind! Ich fühle mich auch geehrt, immer wieder im GirlGaze Project erwähnt zu werden, was mich mit vielen weiblichen Kreativen auf der ganzen Welt verbunden hat und von denen ich vieles lernen kann. Menschen, wie Natalie Allgyer, Daria Ritch, Ashley Armitage, Sabrina Santiago und Erika Lust waren mit ihrer mutigen, ehrlichen und inspirierenden Arbeiten wichtige Einflüsse für mich als Fotografin. Ich kann definitv sehen, wie Frauen als Ganzes ihre Stimmen erheben und ich bin Stolz ein Teil dieser Zeit zu sein... und könnte nicht glücklicher darüber sein.

Lauren Woods

Mal abgesehen, von den Fotografien selbst, welche Erfahrung hast du als Frau in dem Business der Fotografie gemacht? Hast du das Gefühl, dass dein Geschlecht in irgendeiner Weise einen Unterschied macht? Hast du positive oder negative Erfahrungen, die du mit uns teilen willst?
Das ist eine gute Frage. Ja und nein. Ich habe sowohl positive, als auch negative Erfahrungen mit meinem Geschlecht in der Kunst-Branche gemacht. Ich hatte auch Situationen, in denen Models, Stylisten, Prduzenten etc. sich gar nicht darum gekümmert haben. Ein positives Beispiel ist, dass die meisten meiner Models, weiblich und auch männlich, sagen, dass sie sich "sicherer" mit mir als Frau fühlen. Besonders, wenn es um Nackt- oder Erotik-Shoots geht. Da hört man oft, dass sie Fotografinnen eher vertrauen, die Dinge nicht "komisch oder unangenehm" zu machen, wie es häufiger mit Fotografen der Fall ist. Dieses Vertrauen ist wertvoll und es bedeutet mir viel, dass sie sich vor meiner Linse sicher fühlen.

Was wäre für dich eines der größten Komplimente, die du für deine Arbeit bekommen könntest?
Es erfüllt mir immer mein Herz, wenn mir Menschen Briefe schreiben, dass meine Arbeit ihre oder ihr Leben als Ganzes inspiriert. Ich will, dass mein Hervorheben von menschlichen Unterschieden, Geschlechtergleichheit und sexueller Freiheit die Menschen so viel wie möglich beeinflusst. Wenn Menschen erst einmal die Schönheit aller Ethnien, und Körperformen erkennen, können wir in der Welt der Kunst in eine positivere Realität einziehen. Hoffentlich beeinflusst das am Ende auch Werbung und Social Media.

Lauren Woods

Was ist dein größtes Ziel für dich und deine Arbeit?
Irgendwann als Fotografin für Erika Lust zu arbeiten und meine eigenen nationalen und internationalen Filmfotografie-Klassen zu halten.

Hast du irgendwelche Tipps für junge aufstrebende Fotografinnen?
So Klischee das auch klingen mag, ich bin selbst noch immer auf der Suche nach der richtigen Künstlerin in mir. Deshalb fällt es mir schwer guten Rat zu liefern. Aber ich kann Folgendes sagen: Wenn du in der Branche arbeitest, wirst du viele Neins hören, bevor du ein einziges Ja zu hören bekommst. Lass dich davon nicht unterkriegen. In meiner Anfangszeit als Fotografin hatte ich viele Kollegen in meiner Umgebung, die versuchten, mich hinaus zu ekeln. Das ging fast ein ganzes Jahr lang so. Heute kann ich voller Stolz sagen, dass ich in mehr als 20 Magazinen veröffentlicht habe, in Kunstausstellungen von North Carolina bis nach Los Angeles und Hawaii ausgestellt habe und bald ein Feature in der Vogue Paris bekomme. Man darf einfach nicht aufgeben! Wenn du die negativen Energien Anderer nicht ignorieren kannst, dann verwende sie als Treibstoff für deine Energie. Viele der erfolgreichsten Songs, Gemälden und Fotografien entstanden aus dem Herzschmerz ihrer Erschaffer. Glaub weiter an deine Visionen, finde Tag ein und Tag aus Wege dich selbst zu motivieren und aufzubauen, und es wird irgendwie gehen. Das beste an dieser Branche ist, dass die Möglichkeiten unendlich sind. Man muss sie nur verfolgen.


Sieh dir noch mehr von Laurens Arbeit auf ihrem Instagram an.

geschrieben von birgitbuchart am 2018-03-08 in #people

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