Geschrieben mit Licht und Farben - Ein Interview mit Matthieu Bühler

Nachdem wir vor einer Weile die Arbeiten von Matthieu vorgestellt haben, konnten wir einfach nicht aufhören, neon- und bonbonfarbene Lichter zu sehen. Wir haben ihn kontaktiert und er ist unserer Einladung zu einem Interview gefolgt. Wir konnten mit ihm über seinen Aufenthalt in Japan sprechen, welche Szenen ihm ins Auge fallen und warum er nachts fotografiert. Ließ weiter und genieß es!

© Matthieu Bühler

Hallo, Matthieu! Willkommen zurück im Lomography-Magazin. Bitte erzähle uns etwas über dich.

Hallo. Mein Name ist Matthieu und ich bin ein deutsch-französischer Fotograf und Grafikdesigner, und lebe derzeit in Tokio lebt. Ich liebe es, bei Einbruch der Dunkelheit Stadtlandschaften und ihre Lichter zu fotografieren.

Wie würdest du Fotografie definieren?

Fotografie ist eine Möglichkeit, einen präzisen Moment einzufangen und ihn mit anderen zu teilen.

Was magst du am Fotografieren am liebsten?

Ich finde es sehr entspannend mich auf ein bestimmtes Motiv zu konzentrieren. Gleichzeitig ist es eine einfache, aber sehr kraftvolle und effektive Möglichkeit, anderen ein Gefühl, eine Idee oder eine Stimmung zu vermitteln. Es ist Kommunikation ohne das Geräusch von Worten.

© Matthieu Bühler

Lass uns ein bisschen über deine Arbeit sprechen - wie würdest du deinen fotografischen Stil / Ansatz beschreiben?

Ich fotografiere meistens nachts, weil ich davon fasziniert bin, wie künstliche Lichtquellen die ansonsten dunklen Straßen von Großstädten beleuchten. So wie ich nach Reflexionen und Lichtquellen suche, um Fotos zu machen, möchte ich über meine Fotos reflektieren, über das, was ich fühle, wenn ich durch den Großstadtdschungel schlendere.

Was ich oft von anderen höre, wenn ich in asiatischen Städten fotografiere, ist, dass mein Stil sie an den Film Blade Runner erinnert. Das ist ein großes Kompliment für mich, denn ich bin ein begeisterter Fan dieser dunklen, melancholischen Atmosphäre von Film Noir und Cyberpunk, die ich in meinen Fotografien projizieren will.

Wer oder was hatte den größte Einfluss in deiner Arbeit?

Um nur ein paar zu nennen: William Eggleston, Gregory Crewdson und Edward Hopper. Als Filmliebhaber kann ich nicht leugnen, dass das Kino auch einer der größten Einflüsse auf meine Arbeit ist. Die neueren Arbeiten von Nicolas Winding Refn, in denen er normalerweise die kräftige Farbpalette von Neonfarben für nächtliche Szenen verwendet, und Wong Kar-Wai, den ich für seine stimmungsvollen Aufnahmen in Hongkong (aufgenommen von Kameramann Christopher Doyle) bewundere.
Die Farben seiner Filme wie Fallen Angels und In the Mood for Love haben definitiv meinen fotografischen Stil beeinflusst.

© Matthieu Bühler

Neon Dreams ist definitiv ein Blickfang. Es hat diese lebhafte und romantische Stimmung. Was ist die Geschichte dahinter?

Tokio ist eine Stadt, die eine sehr verträumte Qualitäten hat. Als ich das erste Mal hierher kam, habe ich mich total in die Nachtlichter und die kleinen Gassen verliebt, die von leuchtenden Werbetafeln und Leuchtreklamen erhellt wurden. Die lebhaften Straßen in der Nacht kontrastierten das, was ich aus meiner Heimat gewohnt war. Zur gleichen Zeit fühlte ich mich besonders müde, in dieser riesigen Metropole mit Millionen von Menschen zu sein. Ich denke, die Neonröhren und leuchtenden Laternen symbolisieren den Drang, durch Licht getröstet zu werden, um sich mit der Stadt und ihren Menschen verbunden zu fühlen.

Wie hat sich die Veränderung der Umgebung auf deinen Shooting-Stil ausgewirkt?

Ich würde sagen, dass die Veränderung in der Umgebung mir geholfen hat, einen bestimmten Stil zu finden, an dem ich mich gerne noch eine Weile halten möchte. Vorher war ich schnell gelangweilt, wenn ich gleiche Motive und Landschaften fotografierte. In Tokio zu sein, hat mir geholfen, Abwechslung in ähnlichen fotografischen Themen zu finden.

© Matthieu Bühler

Was magst du an Japan in der Nacht?

Ich komme aus einer kleinen Stadt in Deutschland, die nach 20 Uhr meist ruhig ist, daher fasziniert mich immer wieder, wie die Nacht in den großen Städten Japans so voller Leben ist. Innerhalb eines Tages zeigt sich sich Tokio als zwei verschiedene Städte. Während des Tages dominieren beschäftigte Leute in ihren Anzügen und formeller Kleidung die Straßen, wenn sie zur Arbeit gehen, sich beeilen den Zug zu erwischen oder durch die laufen. In der Nacht ist es dann genau umgekehrt, da sich die Büroangestellten von ihrem stressigen Leben erholen.

Gibt es irgendein besonderer Ort in Japan, den du zum Fotografieren in Japan besuchst?

Ich tendiere dazu, touristische oder überfüllte Orte zu vermeiden. Ich genieße besonders die Ruhe der weniger beliebten Viertel von Tokio, wie Nakano oder Daikanyama mit ihren engen Gassen mit Boutiquen, Cafés und Vintage-Plattenläden. Selbst wenn ich in ungewohnten Wohngegenden fotografiere, die ich nicht kenne, kann ich das immer schätzen, denn man weiß nie, welches beleuchtete Schmuckstück um die nächste Ecke enthüllt werden kann.

© Matthieu Bühler

Was macht deiner Meinung nach ein "gutes Foto" aus?

Ein gutes Foto für mich ist eines, das mich dazu bringt, zweimal inne zu halten. Der Akt, es zweimal anzusehen, ist der Auslöser, mich zu fragen, was ich dabei empfinde.

Definiere deinen Stil in fünf Worten.

Bunt. Neon. Nacht. Städtisch. Launisch.

Wer sind die Künstler, denen du regelmäßig folgst?

Um nur ein paar zeitgenössische Fotografen zu nennen, denen ich auf Instagram folge: Louis Dazy , Liam Wong, Cody Ellingham, Benoit Paillé, Elsa Bleda, Neil Krug und Toby Harvard.

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Welchen Rat würdest du angehenden Fotografen und anderen Kreativen geben?

Hab keine Angst, in dem Stil zu fotografieren, den du magst, auch wenn du jemandem nacheiferst, zu dem du aufschaust. Es gibt so viele Dinge, die einen inspirieren können, dass es irgendwann zum eigener Stil wird, dein ganz eigenes Ding. Egal wie sehr du versuchst, Werke zu schaffen, die der von Menschen ähnlich ist, die dich inspirieren, es wird immer einen Teil von dir selbst sein.

© Matthieu Bühler

Was ist deiner Meinung nach wichtiger - Talent oder Können?

Ich bin kein großer Fan von Wörtern wie Talent und Können. Talent ist im Grunde, wie einfach es für die Leute ist, großartige Ideen zu entwickeln und Geschicklichkeit ist, wie leicht die Ausführung dieser Ideen ist, aber es hängt alles davon ab, dass man mag, was man tut. Wenn andere dich als jemanden betrachten, der talentiert ist, dann kann das definitiv befriedigend sein, aber es sollte niemals etwas sein, das dir zu sehr schmeichelt.

Was war der denkwürdigste Rat, den du in deiner Karriere als Fotografin erhalten hast?

Ich denke, der beste Ratschlag meiner besten Freunde, der auch Fotos macht, ist zu verstehen, dass man mit dem Ergebnis zufrieden sein kann, wenn man den Auslöser tausendmal herunterdrückt und ein gutes Foto daraus macht. Die Idee ist, viel Arbeit zu schaffen. Dann liegt es an dir, was du anderen zeigen willst.

Was war der denkwürdigste Rat, den du in deiner Karriere als Fotograf erhalten hast?

Ich glaube, der beste Ratschlag den ich von meinen Freunden erhalten habe, die selbst fotografieren, ist, zu verstehen, dass man auch glücklich mit dem Ergebnis sein kann, wenn man den Auslöser tausendmal drücken muss, um ein gutes Foto zu machen. Die Idee ist, eine Vielzahl an Werken zu schaffen. Dann liegt es an dir, was du anderen zeigen willst.

© Matthieu Bühler
  • Was sind Ihre anderen Interessen außerhalb der Fotografie?

Kino und Musik sind definitiv meine zwei größten Leidenschaften außerhalb der Fotografie. Ich kann keine Zeit alleine verbringen ohne Künstler zu hören, die ich mag. Es hält mich inspiriert, weil ich immer Bilder in meinem Kopf habe, wenn ich Musik höre. Abgesehen davon mag ich Reisen, besonders in andere Großstädte, während ich nachts ihren eigenen urbanen Dschungel erkunde.

© Matthieu Bühler

Wie sieht ein perfekter Tag für Matthieu Bühler aus?

Immer wenn ich eine unvergessliche Zeit mit den Menschen verbringen konnte, die mir wichtig sind, halte ich das für einen perfekten Tag. Und natürlich, wenn ich mindestens ein Foto habe, mit dem ich glücklich bin.

Was steht als nächstes für dich an?

Ich möchte versuchen, im selben Stil wie meine Fotos zu filmen. Ich habe ein paar Ideen für einige Kurzfilme, die ich in naher Zukunft zu Papier bringen möchte. Abgesehen davon möchte ich andere kreative Felder erforschen und weiter versuchen, in den Dingen, die ich liebe, besser zu werden.

Irgendwelche letzten Worte für unsere Leser?

So kitschig es klingen mag, aber ihr solltet definitiv nie aufhören zu lernen und mit anderen zu teilen, was ihr liebt. Das wird euch weit bringen.


Vielen Dank an Matthieu, dass wir seine Arbeiten zeigen durften. Wenn du weitere sehen möchtest, besuche seine Website.

2018-04-02 #people
übersetzt von dopa

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