Lomo-Report: Henri Cartier-Bressons Bilder von Indien im Rubin Museum of Art

Im Kontrast zu dem, was normalerweise im Rubin Museum of Art in Chelsea ausgestellt wird, zeigt diese Heimstätte vieler alter Himalaja-Kunstwerke seit einiger Zeit auch Werke von Henri Cartier-Bresson aus seiner Zeit in den Ländern rings um das Gebirge, vor allem Indien.

Eine sehr emotionale und fesselnde Fotoausstellung, die die enorme Transformation Indiens in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts darstellt. Henri Cartier-Bronson zeigt wirklich das ganze soziale und politische Chaos, das Indien während des 20. Jahrhunderts ertragen musste.

Wir haben die Kuratorin gebeten, uns ein paar ihrer Gedanken zur Ausstellung zu offenbaren und hier ist, was sie zu sagen hatte:

Können Sie uns etwas über die Werke erzählen, die Sie für die Ausstellung ausgesucht haben?

Die ausgestellten Werke sind eine Hommage an Henri Cartier-Bressons fünf ausgedehnte Reisen nach Indien, auf denen er sich darauf konzentrierte, soziale und politische Kämpfe sowie den Alltag zu zeigen. Eine der wichtigsten Geschichten in der Ausstellung handelt von dem großen indischen Führer Mahatma Gandhi. Cartier-Bresson reiste im Januar 1948 nach Delhi, um Gandhi zu treffen und ihr Austausch war eine von Gandhis letzten Treffen vor seiner Ermordung durch einen hinduistischen Nationalisten. Die daraus resultierenden Bilder von Gandhis letztem Lebenstag und die Ereignisse rund um sein Begräbnis haben Cartier-Bresson als Fotojournalist international bekannt gemacht. Sie werden in dieser Ausstellung neben Bildern von wichtigen politischen Ereignissen und alltäglichen Momenten in Indiens Mitte des letzten Jahrhunderts gezeigt. Cartier-Bresson ist vor allem für seine humanistische Straßenfotografie bekannt, die eine präzise, ​​aber sensible Geometrie um einen entscheidenden Moment herum zeigt, den er als "Decisive Moment" bezeichnete.

Was hat Sie dazu inspiriert, sich für seine Arbeit zu entscheiden und insbesondere für ein Foto-Ausstellung, wo doch die meisten Arbeiten, die gezeigt im Rubin Museum of Art gezeigt werden, uralt sind und aus einem Zeitalter weit vor dieser Technologie sind? Möchten Sie uns mehr über die Arbeit von Henri Cartier-Bresson erzählen?
 
Es stimmt, dass einige der anderen Ausstellungen im Rubin mit älteren Kunstwerken ausgestattet sind. Das Museum hat seit seiner Eröffnung im Jahr 2004 ein Fotografie-Programm entwickelt, das Arbeiten von Fotografen aus der Himalaja-Region mit denen interpoliert, die viel Zeit dort verbracht haben und einen speziellen Blickwinkel ausdrücken. Vor Henri Cartier-Bresson: India in Full Frame zeigte das Rubin Fotoausstellungen von Indiens ersten weiblichen Fotojournalistin Homai Vyrawalla (die zur gleichen Zeit aktiv war wie HCB) und dem französischen Fotografen Marc Riboud, der von 1955-58 durch Asien reiste und von Henri Cartier-Bressons Arbeit inspiriert war.
 
Viele der Themen in Cartier-Bressons Indien-Fotos reflektieren aktuelle Probleme in unserer Welt, einschließlich politischer Unruhen, Flüchtlingskrisen und umstrittenen Grenzen. Sie heute wieder ausstellt zeigt die Zeitlosigkeit und Aktualität dieser Themen.

Es gibt eine bestimmte Reihenfolge, in der Sie die Fotos organisiert haben. Gibt es einen bestimmten Grund, warum in dieser Spirale einige Abschnitte vor anderen kommen?

Die Ausstellung umfasst thematische und ästhetische Anordnungen. In Bezug auf thematische Gruppierungen gibt es Cluster von Werken rund um wichtige historische Ereignisse einschließlich Indiens Übergang zur Unabhängigkeit, Gandhi Ermordung und Beerdigung und das Erbe des königlichen Indien nach der Unabhängigkeit. Diese sind ungefähr in chronologischer Reihenfolge, wenn Sie durch die Ausstellung gehen. Darüber hinaus und zwischen diesen Gruppen sind Fotos von alltäglichen Ereignissen paarweise und in Gruppen in ästhetischen oder thematischen Gruppen angeordnet.

Wollten Sie den Betrachtern auch das Kastensystem zeigen, damit er versteht, wie die Menschen in Indien behandelt werden? Und könnten Sie das Kastensystem für diejenigen erklären, die die Ausstellung noch nicht gesehen haben?

Henri Cartier-Bresson fotografierte während seines Indienaufenthaltes Motive und Orte aus allen Lebensbereichen. Da Kaste jedoch nicht explizit ein Hauptthema der Ausstellung ist, möchte ich hier nicht näher darauf eingehen.

Wollten Sie durch die Anordnung der Bilder zeigen, wie Frauen in dieser Gesellschaft behandelt wurden? Und würden Sie uns beschreiben, mit welchen Schwierigkeiten sie in dieser Zeit des sozialen und politischen Chaos konfrontiert wurden?

Während einige von Cartier-Bressons Fotos zeigen, wie Frauen im unabhängigen Indien diskriminiert wurden (besonders in dem Foto von muslimischen Frauen, die außerhalb einer Moschee stehen, weil sie nicht hineingehen durften), zeigt er in anderen Bildern die Privilegien, die es mit sich brachten, eine Maharani zu sein (zum Beispiel auf einem Foto, auf dem die Maharani von Baroda Juwelen trägt, die früher Napoleon gehörten). In seinem Werk zeigt er seine gesammelten Erfahrungen und Lebensbedingungen in ganz Indien.

Ich glaube, dass seine Frau Ratna Mohini maßgeblich daran beteiligt war, dass er sich so schnell eingelebt hatte. Durch sie konnte er Gandhi kennen lernen und ihr Hintergrund als Tänzerin weckte sein Interesse am Kathakali-Tanz, über den er um 1950 eine bekannte Bilderreihe machte.

Was glauben Sie, wollte Henri, dass die Leute aus seiner Arbeit mitnehmen?

In dieser Serie kann Cartier-Bresson eine emotionale Intensität vermitteln, indem er seine Motive in unmittelbarer Nähe fotografiert. Seine Fotos des täglichen Lebens sind vielschichtig, symbolisch und autonom und zeigen die außerordentliche Fähigkeit des Fotografen, eine ganze Weltanschauung in einem einzigen Bild darzustellen.

geschrieben von katphip am 2018-01-25 in
übersetzt von dopa

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