OTAMP: Susanna Hofer über das Foto-Projekt, das mehr bringt als Insta-Herzen

One Thousand And More Pictures - unter dem Motto haben sich in Wien Fotografen zusammengeschlossen um gemeinsam mit einem spannenden Projekt ihre Liebe zur Analogfotografie zu teilen – und ihre Bilder mit der Welt.

What you see is what you get klingt nicht nur super albern, sondern ist auch schon lange nicht mehr spannend. Das Schöne an der Analogfotografie ist eben genau die Tatsache, dass man es erst einmal nicht so genau weiß, wie das Resultat am Ende aussehen wird. Ein Gruppe von Fotografen hat sich vor einer Weile in Wien zusammengeschlossen und mit One Thousand And More Pictures, kurz OTAMP, ein Projekt ins Leben gerufen, dass genau diese Besonderheit der Analogfotografie zu feiern scheint. Ähnlich wie bei Crowd Funding Projekten, zählt die Idee als Kunst, in die zu investieren gilt. Von dem gesammelten Geld wurden die Filme der Fotografen schließlich entwickelt und jeder Unterstützer durfte sich am Ende aus dem Pool der Resultate sein Lieblings-Print aussuchen.

Wir haben mit den teilnehmenden Fotografen gesprochen und nachgefragt, wie sie das Projekt erlebt haben.

Heute im Interview: Susanna Hofer

Credit: Susanna Hofer

Hallo Susanna, willkommen im Lomography Online Magazin! Wie bist du zur Fotografie gekommen und weshalb wählst du die analoge Variante?

Meine Mutter war Tagesmutter, die Eltern der anderen Kindern haben mir irgendwann eine Kamera geschenkt, die nur für mich allein war. Da war ich ca 10 Jahre und seitdem ist das Fotografieren etwas, das mich mal mehr, mal weniger, aber ständig begleitet. Die Fotografie war auch das einzige Hobby meines sonst recht kauzigen Großvaters. Die stundenlangen Dia-Abende (fast ausschließlich hochalpine Schnappschüsse oder private Aufnahmen von Wohnungen und Gärten von Freunden) langweilten mich irgendwie nicht, sondern ich war fasziniert von den Physiognomien der Häuser und Menschen dieser fotografischen Erinnerung, die teilweise schon Jahrzehnte alt waren. Diese alten Bilder, die Menschen und ihre Kleider, und die Räume in denen sie sich aufhielten, und auch das, was sie dort aufbewahrten, begeisterten mich und das ist bis heute so. Fotografie ist für mich einfach ein riesiges Archiv, und sein eigenes, ganz persönliches zu gestallten, gefällt mir.

Eigentlich wähle ich gar nicht die analoge Variante. Ich bin Zwilling, wenn ich etwas gut finde, kann es sein, dass ich es in der nächste Sekunde schon wieder vollkommen verwerfe. Genau so geht es mir bei der Frage nach dem Digitalen oder Analogen. Analoge Fotografie hat für mich nach wie vor etwas Magisches, digitale Fotografie geht aber einfach besser mit dem Zwilling-Sein, vor allem bei Jobs ist sie für mich die stressfreiere und sichere Wahl.

Credit: Susanna Hofer

Wie bist du auf das Projekt OTAMP gekommen und was hat dich daran gereizt?

Mit Paul Pibernig und Peter Jaunig habe ich vor einigen Jahren das Fotokollektiv You have your Family I have mine gegründet, so hat sich das auch quasi als Family-Erweiterung mit OTAMP ergeben.

Hattest du den Film zuhause herumliegen oder speziell für das Projekt Fotos geschossen?

Ich hatte die Filme tatsächlich schon lange zu Hause und vergessen, was wohl drauf sein konnte.

Gab es nach der Entwicklung für dich Überraschungen in deiner Serie?

Wenn ich analoge Bilder vom Entwickeln bekomme, gibt es immer einen Aha-Moment. Einfach weil die Abstände der Bilder oft weit auseinander liegen.

Credit: Susanna Hofer

Rückblickend auf das OTAMP Projekt: Welchen Mehrwert konntest du als Künstlerin daraus ziehen, bis auf die Tatsache, dass die Kosten der Filmentwicklung wegfielen ;-)

Es ist ganz lustig zu sehen, welche Bilder sich besser oder schlechter verkaufen lassen. Das hat sich überhaupt nicht mit meiner Vorstellung gedeckt. Abgesehen davon ist es natürlich immer gut, wenn man mit Leuten zusammenkommt, die Ähnliches tun. Im Austausch entwickeln sich wieder neue Ideen und das Feedback ist unmittelbarer als ein paar Insta-Herzen.

Welche Kamera/Film hast du verwendet?

Kameras verwende ich sehr unterschiedliche, den Portra Film mag ich aber sehr gern.

Manche deiner Bilder sehen nach zufälligen Impulsen aus und andere wirken konstruierter, nach Studiofotografie. Vielleicht kannst du uns ein bisschen erklären, wie du grundsätzlich an deine Fotos heran gehst.

Die Frage fasst schon ganz gut zusammen, wie ich arbeite. Meine analogen Bilder bilden ein oft etwas aufgeschobenes ungesichertes Archiv, oft liegen die Filme unentwickelt Monate lange herum. Sind sie dann entwickelt, verwende die die Bilder eigentlich so gut wie nie in der Art, wie sie abgebildet werden. Vielmehr stellen die Bilder einen Fundus dar, den ich im Gegensatz zu meiner restlichen, eher chaotischen Herangehensweise, recht strickt kategorisiere, um bei Gelegenheit darauf zurück greifen zu können oder Fragmente daraus zu verwenden. Da findet sich dann schon mal eine analog fotografierte Knoblauchblüte aus dem Urlaub von vor 10 Jahren im Framing oder Hintergrund eines Studio-Portraits. Ganz grundsätzlich arbeite ich gern mit Versatzstücken.

Credit: Susanna Hofer

Was inspiriert dich?

Schieflagen, Traumata... alles, was nicht auf Biegen und Brechen versucht irgendeinem Zeitgeist treu zu sein, oder was einem irgendwelche Algorithmen in die Bubble werfen. In der Fotografie, so kommt es mir vor, jagen viele denselben Markenidentitäten oder Bildsprachen hinterher, siehe Vetements-Socken :-) Ich habe neben Fotografie auch einen Abschluss in Literaturwissenschaft, ich glaube das ist die Basis vieler meiner Bilder. In alten Handbüchern (z.B. das zum deutschen Aberglauben), Herbarien oder Bild(Tafel)archive wie das der New York Library finde ich immer Inspiration.

Wodurch entwickelst du dich als Fotografin weiter?

Im konstanten Scheitern und anschließendem Aufgefangen werden von Freundinnen und Kolleginnen, also auch durch OTAMP

Kannst du uns zum Abschluss noch dein Lieblingsbild aus einer oder deiner eigenen Serie für OTAMP auswählen und erzählen weshalb?

Ich würde Paul Pibernigs Bild vom blassen Einfamilienhaus mit dem weißen, losen Zaunelement wählen. Das Bild subsumiert für mich auf vielen Ebenen eine für mich bekannte Narration. Die biedere Beklemmtheit, wie ich es aus der Gegend kenne, in der ich aufgewachsen bin.

Credit: Paul Pibernig

Von meinen eigenen Bildern würde ich das Bild mit den beiden Teppichen wählen. Sie bringen quasi zwei Frauenfiguren zusammen, die vermutlich nicht unterschiedlicher sein könnten. Zum einen meine Großmutter, eine Frau die mehr für andere lebt, als für sich,und zum anderen eine mir unbekannte Dame aus Wien, die unlängst im hohen Alter in Wien gestorben ist und deren komplettes Leben Freunde und ich in einer Müllschütte mitten in Wien fanden. Scheidungspapiere, Briefe, Reiseaufzeichnungen, Kleider, Porzellanfiguren und eben auch dieser Teppich.

Credit: Susanna Hofer

Sieh dir mehr Arbeiten von Susanna Hofer auf ihrer Webseite oder folge ihr auf Instagram.

Das OTAMP Projekt ist bereits in die nächste Runde gestartet.

geschrieben von birgitbuchart am 2017-12-22 in #analog #wien #analoge-fotografie #otamp #susanna-hofer #one-thousand-and-more-pictures #paul-pibernig

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