OTAMP: Simon Riegler über das Fotoprojekt seit Stunde 0

2017-12-05

One Thousand And More Pictures - unter dem Motto haben sich in Wien Fotografen zusammengeschlossen um gemeinsam mit einem spannenden Projekt ihre Liebe zur Analogfotografie zu teilen – und ihre Bilder mit der Welt.

Credit: Simon Riegler

What you see is what you get klingt nicht nur super albern, sondern ist auch schon lange nicht mehr spannend. Das Schöne an der Analogfotografie ist eben genau die Tatsache, dass man es erst einmal nicht so genau weiß, wie das Resultat am Ende aussehen wird. Ein Gruppe von Fotografen hat sich vor einer Weile in Wien zusammengeschlossen und mit One Thousand And More Pictures, kurz OTAMP, ein Projekt ins Leben gerufen, dass genau diese Besonderheit der Analogfotografie zu feiern scheint. Ähnlich wie bei Crowd Funding Projekten, zählt die Idee als Kunst, in die zu investieren gilt. Von dem gesammelten Geld wurden die Filme der Fotografen schließlich entwickelt und jeder Unterstützer durfte sich am Ende aus dem Pool der Resultate sein Lieblings-Print aussuchen.

Wir haben mit den teilnehmenden Fotografen gesprochen und nachgefragt, wie sie das Projekt erlebt haben.

Diese Woche im Interview: Simon Riegler

Hallo Simon, willkommen im Lomography Online Magazin. Erzähl uns bitte kurz ein bisschen von dir und deiner Arbeit.
Ich wohne in Wien mit Paul Pibernig in einer kleinen Wohnung im Alsergrund. Ich bin mittlerweile Wirt und führe mit meinem Vater zusammen unseren Familienbetrieb die Redlingerhütte in Klosterneuburg, wo auch einmal im Jahr das Walden Festival stattfindet. Fotografie würde ich als meinen Begleiter beschreiben. Ich bin nicht ansatzweise professionell.

Credits: Simon Riegler

Wann hast du mit der Fotografie angefangen und weshalb wählst du die analoge Variante?
Angefangen habe ich vor ca 12 Jahren. Die Nikkormat von meiner Mutter habe ich damals entdeckt. Ich habe ganz einfach drauf los geschossen und bin dabei geblieben. Freunde um mich herum haben mich dazu gebracht die analoge Variante zu verwenden. Die Dynamik eines analogen Bildes schätze ich noch immer sehr.

Wie bist du auf das Projekt OTAMP gekommen und was hat dich daran gereizt?
Bei OTAMP war ich von Stunde 0 dabei. Paul und ich hatten ganz einfach zuviel Rollen im Kühlschrank und wir wussten nicht wie wir das Geld dafür zusammenbekommen konnten. Paul hatte die Idee das OTAMP Projekt zu starten. Damals hatte Daniel Gebahrt noch sein Atelier im 2. Bezirk und ich hatte davor eine kleine Ausstellung mit meinen zu vielen Bildern gemacht. Ich hatte alle Bilder als Slideshow und projizierte Sie auf die Decke mit 2 Beamern. Es gab quasi zwei Screening mit Musik dazu. Die Leute sind alle am Boden gelegen. Wir hatten schon einen Raum wo wir die Bilder zeigen konnten. Geld war eher Mangelware. Also haben wir angefangen Leute anzuschreiben uns Printe abzukaufen wo sie nicht mal wussten was sie bekommen.

Credits: Simon Riegler

Hast du die Serie speziell für OTAMP geknipst oder zuhause unentwickelten Filme aus längst vergangenen Zeiten hervorgekramt?
Ich hatte mehrere Filme zu Hause liegen. Speziell habe ich nicht für OTAMP Fotos geschossen.

Gab es nach der Entwicklung für dich Überraschungen in deiner Serie?
Überrascht war ich, wie gut alle unterschiedlichen Bilder zusammenpassen. Diese grainy und dunkle Serie war nicht beabsichtigt. Ich liebe so eine holprige Herangehensweise. Das sagt einiges über meinen Charakter aus und dadurch konnte ich mich selbst wieder ein bisschen besser kennen lernen.

Credits: Simon Riegler

Rückblickend auf das OTAMP Projekt: Welchen Mehrwert konntest du als Künstler daraus ziehen, bis auf die Tatsache, dass die Kosten der Filmentwicklung wegfielen?
Bei OTAMP geht um Gemeinschaft. Fotos kommen zum Vorschein, die normalerweise aussortiert werden.

Weißt du noch welche Kamera/Film du für diese Strecke verwendet hattest?
Miniolta Tc1 Portra 400/HP5

Wo sind die Bilder entstanden?
Im Urlaub, beim Spazieren oder Arbeiten. Möglichst immer dort, wo ich mir selbst keine Kamera vorstellen konnte.

Credits: Simon Riegler

Jetzt mal ganz grundsätzlich: Was inspiriert dich?
Arbeit, Wut, Freunde, komisches Zeug. Etwas, was ich nicht verstehe. Fotografie verstehe ich bis heute eigentlich nicht, ich glaube deswegen mach ich es.

Credit: Simon Riegler

Das ist unser Lieblingsbild deiner Serie, weil es aussieht, wie aus einem Sci-Fi Weltuntergangsfilm. Kannst du uns ein bisschen zum Hintergrund erzählen? Wie ist diese Stimmung entstanden?
Das war am Arlberg beim Snowboarden. Es war gerade der ärgste Schneesturm und saukalt. Ich konnte nicht mal die Kamera halten weil es so windig und kalt war. Genau deswegen wollte ich unbedingt das Foto machen, weil es eigentlich keinen Sinn macht. Ich glaube in diesem Moment den Monolithen aus 2001 gesehen zu haben.

Wodurch entwickelst du dich als Fotograf weiter?
Eigentlich durch OTAMP, durch meine Arbeit als Wirt komme ich wenig zum Fotografieren. Zeit ist meine grösste Herausforderung als Fotograf. Fotobücher, Freunde und komisches Zeug welches ich nicht verstehe.

Credits: Simon Riegler

Kannst du uns zum Abschluss noch dein Lieblingsbild aus deiner Serie für OTAMP auswählen und erzählen weshalb?
Der oben genannte Monolith. Der ist komisch, macht keinen Sinn und die Szene im Kubrick Film checke ich bis heute nicht.

Hast du Tipps für junge kreative, die vielleicht erst mit der Fotografie beginnen wollen?
Die Geschichte erzählen, die noch nicht erzählt wurde.


OTAMP startet bereits in die nächste Runde! Verfolgt das Projekt One Thousand and More Pictures auf ihrer Website, Facebook oder Instagram.

Folge Simon Rieglers Arbeiten auf Instagram

geschrieben von birgitbuchart am 2017-12-05 in #people

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