52 Films or: My First Garden - Manfred Schwabas Lomo-Film bei der Viennale

2017-11-03

Manfred Schwaba ist Landschaftsplaner und Filmemacher aus Wien. Auf der diesjährigen Viennale wurde sein Kurzfilm 52 Films or: My First Garden gezeigt. Ein Kurzfilm, der auf eine ganz besonders schöne technische Art und Weise entstanden ist, weshalb wir uns freuten, das Projekt unterstützen zu können und die benötigten Filme dafür beizusteuern. Bei der Viennale Projektion konnten wir diese Woche dann endlich das spannende Ergebnis sehen und haben uns im Anschluss noch einmal mit Manfred darüber unterhalten, wie es zustande gekommen ist.

Credits: Manfred Schwaba

Hallo Manfred, willkommen im Lomography Magazin. Bitte stell dich zu Beginn kurz bei unseren Lesern vor.

Nun, mich gibt's seit 1973 hier in Wien. Seit einigen Jahren bin ich mehrgleisig unterwegs - als Filmkünstler und Landschaftsplaner.

Vor ein paar Tagen wurde dein Kurzfilm 52 Films or: My first garden bei der Viennale im Metro Kino mit einer Reihe anderer österreichischer Kurzfilme
vorgestellt. Wie war das für dich? Stolz, Nervosität, Angst?

Sehr erfreulich und aufregend. Aber auch ein wenig routiniert, denn es ist ja Ziel, den Film anderen zu zeigen und Reaktionen zu erzeugen.

Credits: Manfred Schwaba

Wie bist du zum Kurzfilm gekommen? Was fasziniert oder interessiert dich daran?

Film war immer schon jenes Medium, das mich am meisten fasziniert - zusammen mit dem handschriftlichen Notieren. Beides hat mit dem Festhalten von Zeit zu tun. Erinnerung zu erleichtern. Doch eigentlich geht es darum, Bewegtbilder zu erzeugen, die nicht verständlich sein müssen.
Ich belichte Filme, um selbst immer wieder Neues zu denken. Dazu eignet sich der Kurzfilm hervorragend. Keine eindeutigen Geschichten erzählen, sondern die Phantasie anregen. Dazu gekommen bin ich durch das Bahnfahren auf immer der selben Strecke. Irgendwann wird alles ganz abstrakt, weil man es auswendig kennt - und da beginnen sich dann die Gedanken zu drehen. Langfilm ist ja auch eher kommerziell - sonst lässt er sich schwer herstellen. Für das Belichten von Kurzfilmen ist oft nicht so viel finanzieller Aufwand nötig.

Wenn man einen Landschaftsplaner vor sich hat, der einen Film über den Garten dreht, kommt man nicht um die Frage herum: Wieso der Garten? Welche Bedeutung hat dieser Ort für dich, dass du ihm einen ganzen Film widmest?

Es ging in diesem Film um die Zerrissenheit zwischen dem Geldverdienen als Landschafts- und Freiraumplaner und dem Filmemachen als Lebensaufgabe. Das war der Hauptinhalt (neben meiner Familie mit den drei Töchtern natürlich). Der Garten wurde durch diesen Film erschaffen, es gibt ihn in Wirklichkeit nicht. Also: Für mich war dieser Ort ein Garten während des Bilderbelichtens. Denn meine Leidenschaft gilt dem Film, beim Gartenplanen ist das (derzeit) nicht so ganz der Fall. Aber vielleicht ändert sich das noch...

Credits: Manfred Schwaba

Ich hatte das Gefühl, dein Film hat das seltene Talent, auf ein und dieselbe Person in unterschiedlichen Situationen ganz unterschiedlich zu wirken. Er findet die Balance zwischen so vielen Gegensätzen: Idylle und Chaos, Statik und Dynamik, Ruhe und Unruhe etc. Hattest du denn eine spezielle Wirkung im Kopf, als du gedreht hast?

Nein, hatte ich nicht. Ausser ein Experiment. Aber so wie du die Wirkung beschreibst, ist das Ziel geglückt, nämlich individuelle Assoziationen zu ermöglichen!

Credits: Manfred Schwaba

Erzähle uns bitte von der Filmtechnik, die du für “52 Films” gewählt hast und weshalb.

Meine Idee war, den Film mit einer Fotokamera zu drehen. Dies deshalb, weil das Bildfenster einer Kleinbildkamera ja 2 Filmkadern entspricht. Oder, anders gesagt: Ein Kleinbildnegativ (oder Positiv, wie in diesem Film) ist 24mm x 36mm, der Filmkader die Hälfte: 24mm x 18mm. Wenn man die Fotos nun mit der Kleinbildkamera im Hochformat belichtet, wird jedes Bild im 35mm Kinoprojektor zweigeteilt, also zuerst wird die obere, dann die untere Bildhälfte gezeigt. Dies ist die Umsetzung der Zerrissenheit, die ich oben angesprochen habe. Fotografiert hab ich mit einer Leica I (1930) und einer Leica M3 (1960er). Meine zweite Idee war, Diafilm, also einen Farbumkehrfilm, der mit dem E6 Prozess zu entwickeln ist, zu verwenden. Denn damit erspare ich mir ein Negativ in einem Kopierwerk kopieren zu lassen. Leider gibt es nämlich keines mehr in Österreich. Der 35mm Kinoprojektor kann den Film ja zeigen - die Perforation ist die selbe wie beim Bewegtbild.
Ihr habt mir ja dann die Filme gesponsert - nochmals vielen Dank, außerdem wurde der Film durch das Bundeskanzleramt Österreich, Sektion Film, sowie der ERSTE Bank Mehrwert Sponsoring unterstützt.

Hattest du ein klares Bild vor Augen, wie der fertige Film am Ende auszusehen hat oder hast du dich eher auf ein Experiment eingelassen?

Der Film ist ein Experiment. Ich wusste vorher nicht, wie er auf der Leinwand aussehen wird. Ich finde ja, mit analogem Material lässt sich (je mehr es vom digitalen abgelöst wird) immer mehr experimentieren...

Credits: Manfred Schwaba

Hast du schon zukünftige Pläne oder Projekte, von denen du erzählen kannst?

Ja, habe ich und es sind schon zwei gedreht. Da sie aber noch nicht fertig sind (Ich muss sie noch entwickeln - 16mm und 35mm schwarzweiss mach ich selbst) kann ich darüber noch nichts verraten...

Zum Abschluss: Hast du Tipps oder einen Ratschlag für junge Kreative, die sich vielleicht selbst dem Medium Kurzfilm annähern wollen?

Ich denke es ist wichtig sich zu fragen, mit welchem Medium man arbeiten möchte. Wer analog arbeitet, hat es gut, denn Film ist limitiert. Eine Kleinbildfilmrolle ist nach 3 Sekunden (ca. 1,7m) zu Ende, bei 16mm sind's immerhin knapp 3 Minuten. Und diese Limitation eröffnet unendlich viele Wege - so unglaublich das klingt. Aber wie auch immer: Kurzfilm ist so faszinierend, weil er aus der/dem Filmenden so direkt und schnell herauskommt. Einfach drehen!


Verfolge alle weiteren Filmprojekte von Manfred Schwaba auf seiner Homepage!

geschrieben von birgitbuchart am 2017-11-03 in

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