Let me introduce you: Manoruo

2017-10-20

"Let me introduce you" ist ein Format, in dem wir euch jede Woche einen neuen Lomographen aus unserer Community vorstellen. Dieses Mal haben wir uns mit @manoruo aus Tarragona unterhalten. Seine schwarz-weiß Fotografien von Spaniens Straßen haben uns auf Anhieb verzaubert.

Von: manoruo

Hi Manoruo! Willkommen im Lomography Magazin. Stell dich doch bitte kurz bei unseren Lesern vor

Ich bin Manoruo, Ehemann, Vater und Amateurfotograf -- oft gleichzeitig, aber nicht unbedingt in derselben Reihenfolge. Ich bin in Barcelona geboren und aufgewachsen und habe mich aufgrund meines "echten Jobs" in Tarragona niedergelassen. Ich würde mich als ziemlich sensiblen und leidenschaftlichen Menschen bezeichnen, gleichzeitig bin ich eher introvertiert und vielleicht ein bisschen zu nachdenklich.

Wie hast du deine Leidenschaft zur Fotografie entdeckt? Und wann wurde dir bewusst, dass du ein Talent dafür hast?

Ich war schon immer an Kunst und Grafik interessiert, allerdings immer eher als Betrachter anstatt Macher. 2003 habe ich dann mit der Fotografie begonnen, um einen Weg zu finden, Gefühle auszudrücken, die ich irgendwie los werden musste. Dann habe ich gemerkt, wie mächtig dieses Medium tatsächlich sein kann. Aber als ich es geschafft hatte, all diese Gefühle auszudrücken, fotografierte ich einfach weiter, um Erinnerungen festzuhalten. Vorwiegen Schnappschüsse, ohne künstlerischen Gedanken.

2007 kam dann mein Sohn zur Welt und die Zahl der Momente, die es galt festzuhalten, vervielfältigte sich damit. Wieder hatte ich das Bedürfnis auch Gefühle über die Fotografie auszudrücken. Anstatt sie aber anhand von Fotos loszuwerden, wollte ich sie vielmehr in ihnen reflektieren. Ich merkte schnell, dass ich mehr als nur eine Schnappschuss-Kamera brauchte und begann mich mehr mit den technischen Aspekten des Mediums auseinander zu setzen.

Einige Jahre später, wurde mir klar, dass die stärksten Bilder, die, die mir im Gedächtnis bleiben, auf Film geschossen wurden und meistens in schwarz-weiß. Diese Erkenntnis öffnete mir die Tür zur chemischen Fotografie und fühlte sich an, als würde man einem 7-Jährigen, der bisher nur in seinem Garten spielte, den Schlüssel zu einem Vergnügungspark überreichen. Ich war überrascht wie limitiert die Kunst der Fotografie in der digitalen Welt plötzlich im Vergleich erschien. Plötzlich entdeckte ich diese Fotografiekunst, die auf einmal so viel mehr Ebenen hatte und mir erlaubte über jede einzelne Kontrolle zu haben.
Ich bin noch immer dabei diesen Vergnügungspark zu entdecken und ich glaube es wird ein nicht endendes Abenteuer!

Ich weiß nie, ob meine Fotos für andere gut oder schlecht sind, aber ich selbst weiß, dass ich sie immer verbessern kann. Ich betrachte mich ja noch als Lehrling im Feld der Fotografie und sehe alle meine Bilder als Übung. Wenn sich das eines Tages ändern sollte, werde ich mir wahrscheinlich ein neues Hobby suchen.

Von: manoruo

Welche Kamera/Film verwendest du?

Für 35mm verwende ich gerne die Nikon FM (ich habe sie "Genara" getauft), mit einem 28 oder 50mm Objektiv. Ich benutze auch die FM2 oder F4, sowie alle möglichen Kameras, die ich einfach einmal ausprobieren will. In letzter Zeit versuche ich mich mit der Nikon L35AF, die mich mit ihrer tollen Linse völlig überrascht hat. Sie wird wahrscheinlich die Kamera werden, die ich immer und überall mitnehme. Für das Mittelformat verwende ich eine YASHICA MAT EM, wenn ich ein Stativ verwende, oder die KIEV 60, wenn es ein bisschen handlicher sein soll. In Zukunft möchte ich gerne noch größere Formate ausprobieren.

Wir sind sehr beeindruckt von deiner Straßenfotografie, sie wirkt oft sehr spontan. Wie wählst du deine Motive aus und ist es für dich schwierig fremde Menschen auf den Straßen zu fotografieren?

Ich befolge eine Regel, die, wie ich glaube, ein ungeschriebenes Gesetz für die meisten Fotografen ist: Sie besagt ganz einfach mit Respekt zu fotografieren. Die Bilder, die ich gerne schieße, erlauben leider meistens kein vorheriges Fragen. Es würde die Magie des Moments zerstören. Ich frage also niemanden um Erlaubnis, außer mir selbst. Ich fotografiere lediglich Situationen, die auch für mich als Model okay wären. Kein Foto ist es wert, einen anderen Menschen respektlos gegenüber zu treten und wenn ein Fotograf das nicht versteht, hat er das Foto gar nicht verdient. Auf der anderen Seite ist natürlich mit einem Lächeln und Ehrlichkeit alles einfacher. Und falls doch einmal ein Missverständnis aufkommt, muss man eben die ehrliche Erklärung parat haben!
Neben zufälligen Models fotografiere ich aber auch gerne Menschen, die mir nicht fremd sind: Meine Frau, meinen Sohn und unseren Hund. Alle drei mögen es nicht besonders für mich zu posen, deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als die Momente eben so festzuhalten, wie sie kommen. Die Tatsache, dass sie alle sehr fotogen sind und mein Sohn zudem besonders spontan, neugierig und ruhelos (manchmal sogar zu sehr) ist, macht es für mich einfach, gute Situationen geliefert zu bekommen. Ich gehe meistens nicht mit einer bestimmten Idee hinaus, sondern sehe mich nach Momenten um, die eine bestimmte Atmosphäre schaffen. Manchmal ist es auch nur ein kleines Detail, das meine Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Von: manoruo

Willst du mit deinen Bildern einen Kommentar darstellen oder sollen sie ganz einfach die Realität und das Leben wiederspiegeln?

Beides gleichzeitig und meistens wird letzteres zum ersten. Ich versuche eine bestimmte Message mit meinen Fotos zu vermitteln, aber manchmal ist die nur für mich persönlich sichtbar oder wertvoll. Manchmal entdecke ich eine bestimmte Bedeutung in einem Foto, die ich im Moment des Auslösens noch gar nicht bemerkte. Natürlich gibt es auch Fotos, die ich lediglich aufgrund ihrer Ästhetik mache, wie die Schönheit von bestimmten Lichtsituationen zum Beispiel.

Welches ist dein persönliches Lieblingsbild und weshalb?

Ich habe nicht ein einziges, spezielles Bild, sondern eher ein paar mit sentimentalem Wert. Die drei wichtigsten wären diese:

Von: manoruo

Das erste entstand am Strand, als meine Frau unserem Sohn dabei zusah, wie er in der Ferne auf das Meer zu rennt. Für mich bringt es irgendwie das Thema Vaterschaft ganz gut auf den Punkt. Als Vater siehst du oft deinen Sohn, der noch ein Kind ist, an und realisierst ganz plötzlich, dass er irgendwann erwachsen sein wird. Dass er sich allein dem Leben stellen muss, und es an dir liegt ihn darauf vorzubereiten. Am Ende kann man nur hoffen, dass man ihm das Schwimmen gut genug beigebracht hat, damit er sich über Wasser halten kann.

Das zweite Bild ist eine Portraitserie von meinem Großvater. Wir lebten 900km auseinander, weshalb ich ihn nur einmal im Jahr sah. Ich mochte ihn immer schon sehr, hatte aber auch viel Respekt vor ihm. Eines Tages unterhielten wir uns angeregt und ich begann ihn nebenbei zu fotografieren. Irgendwie kamen wir auf Politik zu sprechen und obwohl ich immer glaubte, mein Großvater hatte komplett gegensätzliche Meinungen zu meinen, stellte ich an diesem Tag fest (nach 40 Jahren), dass das nicht stimmte. Er teilte eine Menge Erfahrungen und Geschichten mit mir, an jenem Nachmittag und er wurde immer entspannter, wodurch ich Ausdrücke in seinem Gesicht festhalten konnte, die ich zuvor noch nie an ihm gesehen hatte. Er verstarb ganz unerwartet drei Monate später. Wenn ich heute an meinen Großvater zurückdenke, sehe ich diese Bilder.

Das letzte entstand in einer warmen Sommernacht, es hatte über 30°C. Ich ging mit meiner YASHICA MAT hinaus um die Nacht in den Straßen Tarragonas festzuhalten. Ich wollte eine schwarze Katze fotografieren, also stellte ich mein Stativ in einer Gegend auf, von der ich wusste, dass sich dort viele Katzen umher trieben. Direkt über mir war eine riesige Pflanze, die nach oben hin über einen Balkon wuchs. Nach ein paar Minuten spritzte mir plötzlich Wasser ins Gesicht und ich entdeckte eine Frau auf dem Balkon stehen, die die Pflanze mit Wasser besprühte. Als sie mich entdeckte, entschuldigte sie sich und ich antwortete ihr, dass sie sich keine Sorgen um meine Kamera machen sollte. Sie verschwand wieder im Haus und Sekunden später ertönte wunderschöne Piano-Musik und die Frau sang dazu. Im selben Moment tauchte eine schwarze Katze vor mir auf und setzte sich genau an jene Stelle, in der ich sie haben wollte. Ich habe dreimal ausgelöst.

Von: manoruo

Weißt du immer schon ganz genau, wie deine Fotos am Ende aussehen oder erlebst du immer noch Überraschungen (gute oder böse)?

Natürlich erlebe ich noch Überraschungen. Wenn es nicht so wäre, würde die Analogfotografie Teile ihres Charmes verlieren. Die guten, wie auch die bösen sind gleichermaßen wichtig. Meistens entstehen die bösen Überraschungen durch technische Fehler, die einem nur noch mehr das Medium lehren. Die guten Überraschungen haben oft mit dem Equipment zu tun, das man vielleicht unterschätzt hatte. Trotzdem mag ich es, grundsätzlich alles unter Kontrolle zu haben. Die schönste Überraschung ist allerdings, wenn man alte Negative findet und darauf Fotos entdeckt, die man zuvor übersehen hatte. Ich denke, je mehr man sich als Fotograf weiterentwickelt, desto mehr verändert man sich auch als Betrachter.

Was ist für dich besonders wichtig in einem guten Bild?

Mehrere Dinge. Die richtige Komposition und eine gewisse Emotion, die enthalten sein sollte. Außerdem sollte ein Bild irgendeine Geschichte erzählen, oder besser noch, es soll dir dabei helfen eine Gesichte vorzustellen. Und wenn möglich sollte es auch noch einen Funken Originalität haben.

Was magst du so besonders an der Schwarz-Weiß-Fotografie?

In gewisser Weise hilft sie mir eine Balance in meiner Komposition zu finden, ohne dabei an die hierarchischen Beziehungen von Farben zu denken. Irgendwie werden meine Farbbilder einfach nicht so gut, sie wirken nicht stark genug. Vielleicht sollte ich mich in Zukunft mehr damit beschäftigen und die Farbfotografie lernen und vielleicht mache ich das auch noch. Aber im Moment fühle ich mich mit der Schwarz-Weiß-Fotografie sehr wohl.

Von: manoruo

An welchem Ort würdest du gerne einmal fotografieren?

Jeder Ort, an dem ich mit meiner Frau sein kann, ist ein guter Ort. Ich finde, jegliche Abwechslung vom Alltag kurbelt die Kreativität an. Wenn ich mich für einen bestimmten Ort entscheiden musste, würde ich Paris wählen. Ich würde diese Stadt unglaublich gerne bei Nacht entdecken, und mit meiner Kamera den Fußstapfen von Brassaï folgen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich hätte gerne meine eigene Dunkelkammer. Im Moment haben wir in unserer Wohnung nicht genügend Platz, ich muss sie also immer auf- und abbauen. Davon abgesehen, will ich mit der Fotografie einfach so weiter machen, in meinem eigenen Rhythmus. Ich will gerne den Umgang mit künstlicher Beleuchtung besser lernen um sie für meine Portraits anzuwenden. Außerdem will ich gerne mit größeren Formaten experimentieren. Dieser Vergnügungspark ist so groß, dass ich noch nicht genau weiß, wo ich als nächstes spielen werde.

geschrieben von birgitbuchart am 2017-10-20 in

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