Liebe auf den 2. Blick: Das Jupiter-3 50/1.5

2017-10-19

Analoge Messsucherkameras haben Spiegelreflexkameras gegenüber einen konstruktionsbedingten Nachteil. Man sieht eben nicht exakt, was das Objektiv sieht und damit auch nicht, ob das Motiv nun wirklich scharf ist. Man muss sich da einfach auf die Genauigkeit der Kameratechnik verlassen. Natürlich könnte man fast alles an spiegellose Digitalkameras adaptieren und einfach auf Nummer sicher gehen, aber wo bleibt da der Spaß?

Credits: @dopa

Jedenfalls war die ungenaue Technik meiner FED- und ZORKI- Kameras schuld daran, dass ich das Jupiter-3 nicht schon früher zu schätzen wusste. Ob die Kameras einfach zu lang in feuchten Kellern lagen, oder Vorbesitzer sie Fallstudien unterzogen, kann ich nicht beurteilen, doch bei allen war der Fokus insbesondere im Nahbereich immer etwas daneben. Es hilft etwas abzublenden und die Kameras ab f/4 zu nutzen, um die Schärfentiefe zu erhöhen. Aber dafür braucht man nun wirklich kein Objektiv mit f/1.5. Vor allem nicht, wenn man sowieso schon etliche Objektive mit etwa 50mm im Regal liegen hat.

Credits: @dopa

Mein Eindruck hat sich jedoch drastisch geändert, als ich das Jupiter-3 mit der Voigtländer Bessa R nutzte, die ich von @darryl1208 bekommen habe. Plötzlich war der Fokus da wo er sein sollte und das Objektiv konnte seine volle Magie entfalten. Das Юпитер-3 (Jupiter-3) aus sowjetischer Produktion ist eine ab 1949 produzierte Kopie des Biogon von Zeiss (7 Elemente in 3 Gruppen), die mit M39-Gewinde und Kiev/Contax-Bajonett produziert wurde. Die große Blende von f/1.5 erzeugt eine besonders flache Tiefenschärfe und ermöglicht so eine eindrucksvolle optische Freistellung des Motivs. Dazu kommt, dass durch die hohe Lichtstärke auch Aufnahmen bei relativ geringer Beleuchtung ohne Blitz möglich werden. Für größere Tiefenschärfe und Belichtung bei stärkerer Belichtung kann stufenlos bis f/22 abgeblendet werden. Die optimale Schärfe scheint man übrigens bei etwa f/5.6 zu erhalten.

Credits: @dopa

Das fehlen der „Klicks“ an der Blende kann sich jedoch auch negativ auswirken, wenn die Kamera selbst keinen Belichtungsmesser hat. Der Blendeneinstellring ist so leichtgängig, dass bereits die kleinste Berührung die Einstellung verändern kann, zum Beispiel beim Fokussieren. Die Naheinstellgrenze von etwa 0,8 Meter ist sicher nicht grandios, am besten geeignet ist das Objektiv aber ohnehin für Street- und Ausflug-Fotos.

Credits: @dopa

Wie bei vielen anderen sowjetischen Objektiven jener Zeit, findet man auch beim Jupiter-3 typische Eigenschaften. Dazu gehören u.a. eine relativ scharfe Mitte mit deutlichem Schärfeabfall zu den Rändern hin, eine beeindruckende Farbwiedergabe und hoher Mikrokontrast, der die Bilder noch lebendiger werden lässt. Ein Scan kann das nicht wirklich wiedergeben und projizierte Dias und Handabzüge sind im Fall vom Jupiter-3 noch beeindruckender sonst.

Da das Jupiter-3 überhaupt nicht vergütet ist, sollte man bei der Aufnahme genau darauf achten, wie gerade die Sonne steht. Fällt aus einem hohen Winkel Licht auf die Frontlinse, entstehen fast garantiert Lens Flares. Eine Streulichtblende mit 40.5mm Gewinde leistest aber schnell Abhilfe.

Credits: @dopa

Mit der entsprechenden Kamera, also einer deren Messsucher richtig funktioniert, kann sicher jeder Spaß mit diesem Objektiv haben. Die weitaus häufigere Version mit M39-Gewinde lässt sich, wie bereits erwähnt, problemlos an eine Vielzahl an spiegelloser Digitalkameras adaptieren. Jedoch geht der Randeffekt bei offener Blende verloren, wenn man keine „Vollformat“-Kamera nutzt. Aber sicher ist das Jupiter-3 sehr interessant, um damit digital zu filmen.

Übrigens gibt es mit dem New Jupiter-3+ eine überarbeitete Neuauflage mit M39-Gewinde. Das war um ehrlich zu sein auch der Grund, warum ich das Original mal ausprobieren wollte. Hergestellt wird das New Jupiter-3+ von Zenit, die damals noch als KMZ schon das Original bauten. Es bietet die gleiche Bildqualität, jedoch in optimierter Form. Doch egal ob alt oder neu, das Jupiter-3 ist ein Objektiv, das jeder Besitzer einer entsprechenden Kamera mal ausprobieren sollte.


Bist du genauso begeistert von dem Jupiter-3? Dann besuche doch einmal die New Jupiter 3+ Microsite. Dort findest du Fotografie-Tipps, technische Details und vor allem jede Menge inspirierende Fotos.

geschrieben von dopa am 2017-10-19 in #gear #jupiter #sowjetunion #objektiv #m39 #jupiter-3 #russland-udssr

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