Geschichten aus dem Quarter Life: Brendan Carroll

2017-10-15

Die Jugend ist ein Geschenk, das oft verschwendet wird. Brendan Carroll muss sich das nicht sagen lassen! Der junge Fotograf teilt mit uns seine Ratschläge und Erfahrungen als aufstrebender Künstler. Er ist einer der 25 jungen Fotografen, deren Talent Lomography zur 25-Jahr-Feier aufgespürt hat. Erfahre hier mehr über seine Arbeit.

Name: Brendan Carroll
Website: www.brendanxcarroll.com

© Brendan Carroll

Was ist die erste Erinnerung, die du an deine Kindheit hast?

Als Kind verbrachte ich viel Zeit an einem kleinen See in Michigan, ungefähr 3,5 Stunden außerhalb von Chicago. Eine meiner ersten Erinnerungen ist an einen Sommer. Ich muss um die drei Jahre alt gewesen sein. Ich weiß noch, dass ich gerade neben meiner Mom auf der Couch zu einer Folge von Geschichten aus der Gruft eingeschlafen bin. Plötzlich riss mich ein unglaublicher Knall aus dem Schlaf und der ganze Himmel leuchtete in rotem Licht auf.
Ich lief nach draußen und blickte auf den See, um zu sehen was los war. In allen Häusern rundherum lief der Fernseher und der See war belebt! Die Leute sprangen ins Wasser, feierten am Pier und zündeten Feuerwerke. Alles spielte verrückt, weil die Chicago Bulls gerade dabei waren ihren dritten Championship zu gewinnen. Das Gefühl dieser Feier und Gemeinschaft unter allen Leuten am See fühlte sich magisch an! Ich wollte dazu gehören. Meine Mom und ich gingen also wieder rein, schalteten zum Spiel um und sahen den Bulls dabei zu, wie sie sich den Titel holten.

© Brendan Carroll

Wann hast du die Fotografie für dich entdeckt und weshalb hast du dich in das Medium verliebt?

Mein älterer Bruder hatte eine Kamera in der High School. Er ging damit auf Konzerte und machte Bilder von sich und seinen Freunden. Mich inspirierte die Kultur, seine Fotos und Fotobücher über 70er und 80er Jahre Musikfotografie. Instagram und die Langeweile in der Uni trieben mich schließlich hinaus zum Fotografieren. Ich wohnte in einer Wohnung mit einem riesigen Fenster auf eine der geschäftigsten Straßen Chicagos hinaus. Ich hatte auch kein Kabelfernsehen, also saß ich eben am Fenster und beobachtete die Leute. Auf der Straße war immer was los und ich hatte den Logenplatz.

Ich mochte es, Geschichten darüber zu erzählen, was ich auf den Straßen beobachtete. Aber irgendetwas fehlte mir. Ich musste einen Weg finden, das alles zu dokumentieren, damit mir die Leute glauben würden. Die Straßenfotografie fühlte sich einfach richtig an. Wo auch immer ich hingehe, ich habe meine Kamera ständig dabei. Sie hält mich neugierig und hilft mir dabei im Alltag zu entschleunigen.

© Brendan Carroll

Kannst du eine frühe Erinnerung an die Analogfotografie oder -Kameras aus den 90ern mit uns teilen?

Als ich ein Kind war, hatte meine Familie immer eine Einwegkamera dabei. Vielleicht hatten wir sogar auch noch eine Polaroid aber meine Erinnerungen sind voll mit Aufziehen der Einwegkamera. Ich habe das Gefühl, als ob in jedem großen Moment oder besonderem Ereignis eine Einwegkamera bereit stand. Ich erinnere mich an das aufregende Gefühl, wenn ich irgendwo im Haus eine alte Einwegkamera fand und feststellte, dass sie noch nicht voll war. Die Tatsache, dass die damals relativ günstig und einfach zu bedienen waren, gab mir als Kind die Freiheit damit zu spielen und mit der Fotografie erstmals zu experimentieren. Das Abholen der Prints war ein weiteres ganz eigenes, besonderes Erlebnis. Ich bin immer noch genauso ungeduldig, wie damals, aber diese Zeit zwischen dem Auslösen des Fotos und dem tatsächlichen Sehen des Resultats war magisch. Du erlebst deine Erinnerung in deinem Kopf wieder und wieder und stellst dir vor, wie das Bild aussehen wird. Diese Aufregung ist einer der Gründe, weshalb ich auch heute noch auf Film fotografiere.

© Brendan Carroll

Viele behaupten heutzutage, dass unsere Generation mit Mitte 20 erwachsen ist. Als junger Fotograf, der professionell arbeitet, womit hattest du oder hast du noch immer zu kämpfen?"

Eine große Schwierigkeit, ist nicht meine ganze Zeit und Kraft in persönliche Projekte zu investieren, die für mich eine Leidenschaft sind. In denen kann man sich leider leicht verlieren und damit in dieser Industrie schnell vom Bildschirm verschwinden. Wenn du als junger Künstler starke Arbeiten lieferst, werden dir Türen geöffnet, durch die du einfach gehen musst. Das sind diese Aufträge, die sich einfach gut auf dem Papier machen und zu mehr Sicherheit verhelfen, sie fordern aber im Gegenzug das Opfer der Kreativität und Zeit. Sie halten dich davon ab, deine eigenen Dinge zu machen, die dir ursprünglich erst den Auftrag gebracht haben - trotzdem sind sie wichtig! Jede Situation ist natürlich ein bisschen anders, aber wenn sich deine Zwanziger langsam dem Ende neigen, musst du anfangen strategisch zu denken. Ich habe immer noch einen weiten Weg vor mir aber ich habe verstanden, dass Zeit das wertvollste Gut ist, wenn man jung ist. Man muss sich ständig selbst motivieren, und die meiste Zeit darin investieren, genau das zu verfolgen, was sich richtig anfühlt. Den Rest kannst du ignorieren. Es klingt abgedroschen, aber man muss sich selbst fragen: Will ich lieber auf meinen Füßen stehen und leben oder auf Knien sterben?

© Brendan Carroll

Es gibt immer Vor- und Nachteile. Was sind deiner Erfahrung nach die Vorteile sich schon als junger Kreativer in der Fotografie-Branche herum zu treiben?

Ein großer Vorteil ist es im Internet-Zeitalter jung zu sein. Die Online Fotografie-Communities sind für mich etwas sehr Besonderes. Von den Apps wie VSCO und Instagram, über Tumblr, Pinterest, und Flickr, bis hin zu Webseiten, wie Lomography. Ich fühle mich manchen online Fotografen-Freunden, denen ich noch nie in meinem Leben begegnet bin, näher, als so einigen Familienmitgliedern. Es hilft sehr, auf so einfache Weise mit Leuten zu kommunizieren, die die Welt so sehen, wie ich. Ich glaube daran, dass man selbst ein Produkt der Menschen um sich herum ist. Diese Community-Leute sind ernsthaft aneinander interessiert, wollen Geschichten austauschen, sich gegenseitig helfen und kollaborieren. Dadurch blüht eine Community auf und pusht jeden Einzelnen, neue Dinge zu versuchen und weiter zu machen.

© Brendan Carroll

Hast du einen Fotografie-Meister oder Künstler, zu dem du auf schaust?

Moni Haworth hat mich sehr inspiriert. Früher habe ich ihren Blog Johnny's Bird fast tagtäglich besucht um zu sehen, ob sie etwas Neues gepostet hat. Als ich mit dem Fotografieren angefangen habe, hab ich ich geschrieben, wobei ich natürlich keine Antwort erwartete. Ich habe ihr Digitalisierungen von meiner ersten Filmrolle geschickt, ihr erzählt, was mir ihre Arbeit bedeutet, und gestanden, dass sie mich inspiriert hat selbst zu fotografieren. Ein oder zwei Tage später schrieb sie mir zurück, teilte ihre Gedanken zu meiner Arbeit, bedankte sich und gab mir noch ein paar weise Worte mit auf den Weg. Das hat mich damals sehr motiviert und auch heute denke ich noch oft daran zurück. Außerdem bewundere ich einige der ganz Großen, wie Art Shay, Martin Parr, Joel Meyerowitz, Helmut Newton, Michael Wolf und Vivian Sessen. Und ich bewundere auch meine Partnerin und beste Freundin Audrey Brown (@imakegirls). Ihre Arbeit und Kreativität lässt mich tiefer über meine eigenen Arbeiten nachdenken. Ihr Geschmack in Sachen Fotografie und Kunst im Allgemeinen ist unglaublich. Deshalb glaube ich, wenn es um Kritik zu meiner Arbeit geht, ihr mehr als jedem anderen.

© Brendan Carroll

Wie sieht die Zukunft für Brendan Carroll in den nächsten 10 Jahren aus?

Mit 13 habe ich mir selbst einen Brief geschickt, in dem ich beschrieb wer ich einmal sein will. Den Brief habe ich mit 18 bekommen. Fast alles, das ich damals tun oder werden wollte, hatte sich in der Zwischenzeit verändert. Das einzige, das gleich blieb, war die schreckliche Handschrift. Meine zukünftige Vorstellung von mir selbst ist, dass ich zufrieden mit all den Projekten bin, die ich auf die Beine gestellt habe. Ich hoffe dass mich meine Rückschläge motivieren weiter den Visionen zu folgen, die sich gut anfühlen. Ich sehe mich in zehn Jahren immer noch jeden Tag fotografieren und Risiken eingehen. Ich hoffe, dass ich Kollaborationen mit Künstlern eingehe, die ich bewundere und mich auf neue Pläne freue.

Wenn ihr euch für Brendans Arbeit interessiert, schaut auf seiner Website und Instagram vorbei.


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geschrieben von lomographymagazine am 2017-10-15 in #people

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