Was noch vor uns liegt - Ein Interview mit Randy P. Martin

2017-11-25

Randy Martin jagt Abenteuern hinterher und hält die wunderbaren Momente dazwischen fest. Der eigenen Leidenschaft folgen und in Gesellschaft toller Leute wunderschöne Szenerien einfangen - was könnte schöner sein? Vor sprachen wir mit Randy über seine Werke, Reisen und andere Dinge. Spoiler-Alert: Wir sind überglücklich, ihn im Magazin dabei zu haben.

© Randy P. Martin

Hi, Randy! Willkommen im Lomography Online Magazine. Bitte stell dich kurz vor.

Zur Zeit bin ich unterwegs ins afrikanischen Gabun, zu Hause bin ich in Reno, Nevada (USA). Ich dokumentiere meine Reisen mit einer Yashica T5, abgelaufenem Film und einer Fujifilm X-Pro1.

Wie begann damals deine Fotokarriere?

Ich bin in Chicago aufgewachsen und in meiner Jugend hat sich alles um das Skateboarden gedreht. Meine Freunde und ich wechselten uns dabei ab, uns mit irgendwelchen Videokameras, die wir von unseren Eltern stibitzten, aufzunehmen. Eines Tages habe ich mir aber den Knöchel so schwer verletzt, dass ich einige Monate überhaupt nicht skaten konnte. Ich übernahm von da an Vollzeit das Filmen und begann schließlich mich sehr dafür zu interessieren. Ich filmte und schnitt mehrere Videos für ein paar Shops in der Stadt.

Im letzten Jahr der Highschool musste ich einen weiteren Kurs wählen, um meinen Abschluss machen zu können und der Schwaz-Weiß-Fotokurs fiel mir direkt ins Auge. Der Moment, als ich in das Rotlicht der Dunkelkammer trat und in den Schalen sah, wie sich meine Bilder langsam entwickelten, war für mich einfach großartig. Es klingt zwar wie ein Klischee, aber es war magisch. Für mich war es echte Magie. Es war ein großer Spaß und dabei so aufregend und völlig neu für mich. Nach all den Jahren hinter einer Videokamera, fühlte es sich aber auch irgendwie vertraut an. Ich war begeistert und bin es noch immer noch.

© Randy P. Martin

Wie würdest du Fotografie definieren?

Ich glaube nicht, dass meine Ansicht dazu, was Fotografie ist oder nicht ist, besonders interessant ist. Ich würde wohl einfach die Definition aus dem Merriam Weblexikon kopieren, wenn ich nicht auf einem Flug nach Afrika wäre, auf dem ich keinen Empfang habe.

Was macht deiner Meinung nach ein gutes Foto aus?

Ich glaube die Komposition und das Licht. Diese beiden Dinge sind es, die meine Aufmerksamkeit am ehesten wecken. Wenn ich ein Bild sehe und mir denke verdammt, das ist ein gutes Bild, sind diese Elemente für gewöhnlich sehr akzentuiert. Gelingt dies, sind Motiv, Klarheit, Korn uns so weiter zweitrangig. All dies kann völlig daneben sein und bei mir trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Was gefällt dir an der Fotografie besonders gut?

Die Möglichkeit der Dokumentation war schon immer die Hauptquelle meines Interesses an der Fotografie. Wenn ich mir meine ganzen alten Bilder ansehe und mich daran erinnere, wieviel Spaß ich mit meinen Freunden auf der ganzen Welt hatte, wird mir immer wieder klar, warum das meine Lieblingsbeschäftigung ist.

© Randy P. Martin

Was sind deine Lieblingsmotive?

Meine Freunde. Natur. Weite Landschaften und die Einsamkeit.

Was lässt ein Foto deiner Meinung nach besonders hervorstechen?

Bilder, die mit Film gemacht wurden, fühlen sich irgendwie konkreter an. Digitale Fotos sind oft ein bisschen zu perfekt, wohingegen analoge Fotos wahrscheinlich immer auf die eine oder andere Weise misslingen. Das mag ich darn. Es fühlt sich irgendwie mehr nach dem echten Leben an.

Was beeinflusst und inspiriert dich zu deinen Bildern bzw. deinem Stil?

Der Großteil meiner Bilder entsteht auf spontanen Road-Trips mit Freunden. Daher haben Fragen danach, wer ein Auto hat, sich frei nehmen kann, oder auch einfach Geld übrig hat, um etwas Lustiges zu unternehmen, den größten Einfluss auf meine Arbeit. Davon abgesehen begeistert mich jeder Ort fernab von Menschenmengen dazu, meine Kamera zu zücken und Fotos zu machen.

© Randy P. Martin

Welcher Künstler (ob Fotograf oder auch nicht) hat den größten Effekt auf deinen Stil und deine Fotografie?

Ich habe mich nie mit der Geschichte der Fotografie oder Kunstgeschichte befasst. Als ich mit dem Fotografieren anfing, habe ich mir also vor allem online die Bilder anderer Leute, die auf Film fotografieren, angesehen. In meine frühen Tagen waren
Jackie Lee Young @jackieleeyoung, Keith Davis Young @keithdavisyoung, Beth Borwell @bobbybeebop, Luke Byrne @coooolhandluke, Marlon Geller @theunspeakablethings besonders inspirierend.

Wenn du mit einem beliebigen Künstler / Fotografen / Maler usw. zusammenarbeiten könntest, wer wäre das?

Vor ungefähr zehn Jahren begann ich ein Projekt mit einem engen Freund namens Kim Giannone. Es war ziemlich herausfordernd, aber wir waren in unseren frühen Zwanzigern und dachten uns, was soll's?. Wir waren beide aufgeregt, fingen an, ständig daran zu arbeiten, und nannten es "50 States in 52 Weeks". Das war noch vor dem Interviewprojekt von David Lynch, aber es war mehr oder weniger dieselbe Idee: In einem Jahr wollten wir durch die USA reisen, alle 50 Staaten besuchen und unterwegs alltägliche Menschen zu treffen. Wir haben sie interviewt und mit einer Hasselblad Portraits im Mittelformat gemacht. Wir fingen in Texas an, aber das ganze Projekt löste sich auf, weil wir die Chance auf andere Reisen bekamen und wir so eine Weile unserer eigenen Wege gegangen sind. Ich würde diese Reise gerne trotzdem irgendwann verwirklichen. Lass es uns tun, Kim!

© Randy P. Martin

Wie bleibst du kreativ?

Das Reisen hilft. Es ist einfach, sich zu begeistern, wenn neue Leute und Orte konstanter Bestandteil deines Lebens sind. Aber auch die Arbeit für aufstrebende Unternehmen und einen guten Job zu machen, der zu einem passt, macht Spaß. Es ist ein bisschen anders als einfach nur loszuziehen und für sich selbst zu fotografieren. So bleiben die Dinge immer frisch und interessant.

Deine Reisefotografien sind sehr inspirierend. Was ist das beste daran, einfach aufzubrechen und interessante Leute und Orte zu fotografieren?

Es fällt mir nicht besonders leicht, für eine Weile ruhig sitzen zu bleiben. Ich wünschte, das wäre anders, doch es fällt wir schwer, mich einfach hinzusetzen, mich zu entspannen und das Hirn anzuschalten. Wenn ich unterwegs bin, neue Orte besuche, und Leute kennen lerne, hilft mir das ungemein. Das beruhigt mich und fühlt sich gut für mich an. Manche Leute meditieren, ich fahre mit dem Motorrad von Los Angeles zum Polarkreis und habe dabei eine Kamera an meinem Tank befestigt.

Was war dein denkwürdigstes Erlebnis oder Ort, dem du auf Reisen begegnet bist?

Zu viele für dieses Interview. Ein Abenteuer, das ich nie vergessen werde, liegt ein paar Jahre zurück und ich erlebte es auf der großen Insel Hawaiis mit zwei meiner besten Kumpel. Wir fuhren alle auf der Insel herum, schwammen mit Meeresschildkröten, zelteten am Strand und schlichen uns in schicke Resorts, um in ihren Pools zu schwimmen. Wir tranken zu viel Bud Lite und fuhren mit offenen Fenstern die Küstenstraßen entlang. Eines Tages erkundeten wir dann den Hawaii-Volcanoes-Nationalpark. Er war ganz okay, nicht der aufregendste Park, in dem ich je war, aber auch nicht unbedingt langweilig. Nachdem wir das Lager für die Nacht errichtet hatten, liefen wir auf rosa und violetten Lavafeldern, während die Sonne in der Ferne über schwelenden Hügeln unterging. Dann entschlossen wir uns, den Hauptkrater zu besuchen, von dem uns gesagt wurde, man könnte manchmal Rauch in der Nachthimmel aufsteigen sehen. Es war stockdunkel, als wir los fuhren. A$AP Rocky dröhnte aus den Boxen und alles, was wir sehen konnten, war die schmale schwarze Straße vor uns.

© Randy P. Martin

Je näher wir kamen, umso lebendiger wurde der Himmel - bis zu dem Punkt, an dem wir die Silhouetten der Bäume vor uns sehen konnten, die von dem leuchtend orangen Glühen angeleuchtet wurden. Wir parkten und wanderten zu einem Aussichtspunkt ein paar hundert Meter vom Krater entfernt. Die gesamte Landschaft wurde erleuchtet. Gezackt erstarrte Magma-Felder, so weit man sehen konnte, umschlossen ein riesiges Loch im Boden, das mit flüssiger Lava gefüllt war. Wir setzten uns und ließen einen Flachmann mit Whiskey herumgehen, während wir in dieses lebendige, atmende Ding starrten, wie wir es so oft an einem Lagerfeuer gemacht hatten. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich so etwas noch nie zuvor gesehen hatte, oder vielleicht war es auch das hörbare Blubbern, die riesigen Rauchfahnen, die in den schwarzen Himmel wehten, die Gesellschaft meiner Lieblingsmenschen, oder einfach nur die schiere Größe der Szenerie, aber es war einer dieser seltenen Momente, in denen mir die Natur eine Träne abgerungen hat. Das war eine verdammt gute Nacht!

Was darf für dich auf einer Reise nicht fehlen?

Jede Menge Socken. Die Yashica T5, Filme, ein Zelt, Schlafsack und gute Musik auf meinem iPhone.

Was ist dein Traumreiseziel?

Island im Sommer. Ich hatte letzten Frühling das Glück, das Land ein paar Wochen zu bereisen und ich kann es kaum erwarten, nächstes Jahr, wenn alles aufgetaut und mit grünem Gras bedeckt ist, zurückzukehren. Während ich dort war, war ein Großteil des Landes für jede Art von Fahrzeug unzugänglich, deshalb kann ich es kaum erwarten kann, das Innere des Landes zu erkunden und in einer Million weiterer heißer Quellen zu schwimmen.

© Randy P. Martin

Was glaubst du ist wichtiger - Leidenschaft oder Beruf? Talent oder Fähigkeit?

Ich glaube, eine Kombination aus aus alldem ist ideal, egal, was man versucht zu tun. Die Leidenschaft lässt einen weiter machen. Fähigkeiten müssen gepflegt und weiterentwickelt werden. Natürliches Talent hilft, solange man das Handwerk noch lernt und daran arbeitet, es sich zu eigenen zu machen. Wenn man das alles mit einander verbinden und einen Beruf daraus machen kann, warum nicht? Für mich ist das jedenfalls der Weg, der am besten funktioniert.

Wie sollen andere deine Arbeiten sehen? Was sollen sie fühlen oder erleben, wenn sie sich deine Bilder ansehen?

Darüber denke ich gar nicht groß nach, um ehrlich zu sein. Die Fotos, die ich mache, sind vor allem für mich. Der Grund dafür, dass ich angefangen habe zu fotografieren und es auch weiterhin tun werde, ist, einige der besten Momente meines Lebens, die ich mit geliebten Menschen erlebt habe, festhalten zu können. Aber ich bin auch glücklich und fühle mich geehrt, dass meine Bilder Leute inspirieren.

© Randy P. Martin

Ich glaube, wenn man auf meine Arbeit zurückblickt, dann ist es so, dass sich viele der Orte, die ich fotografiert habe, bereits stark verändert haben. Dass die Welt ein massiver und abwechslungsreicher, aber auch zerbrechlicher Ort ist. Er stirbt und das hauptsächlich wegen mir und den anderen 7 Milliarden Menschen auf dem Planeten. Das ist eine Sache, die man im Alltag leicht übersieht, doch wir sollten uns ein wenig mehr unserer Auswirkungen bewusst sein und eine Verantwortung für unsere Zeit hier übernehmen und diesen Ort schön halten, weil er der einzige Ort ist, den wir haben.

Wenn du die Fotografie durch eine andere Sache ersetzen könnten, was wäre das?

Ich würde es lieben, jede Sprache, die es gibt zu erlernen. In einem Land zu sein, in dem man mit den Einheimischen kommunizieren kann, verändert einfach alles in Bezug auf Authentizität und Reichhaltigkeit des Erlebnisses. Mit Spanisch komme ich inzwischen mehr oder weniger klar, doch ohne die Fotografie würde ich gerne meine ganze Zeit, die ich investiere um zu fotografieren, Bilder zu bearbeiten und Interview-Fragen zu beantworten, nutzen, um Mandarin, Französisch, Hindi, Isländisch, Arabisch, Deutsch und die billionen anderen Sprachen da draußen zu lernen.

Wie sieht für Randy P. Martin ein perfekter Tag aus?

Nach einem langen Schlaf früh aufstehen, Musik und Eiskaffee in der Küche während ich ein großes Frühstück mache. Dann eine Stunde in den Garten meine Pflanzen pflegen und den Rest des Tages draußen wandern, um in Seen zu schwimmen und unter freiem Himmel zu schlafen, oder mit Freunden ein paar Bier am Lagerfeuer zu trinken.

© Randy P. Martin

Was würdest du machen, wenn du kein Fotograf wärst?

Vielleicht ein Wanderführer. Vielleicht ein Koch. Ich bin ziemlich flexibel, solange ich das Wesentliche habe und genug Geld verdiene, um etwas für meine Reise beiseite zu legen.

Was magst du lieber - Tag oder Nacht?

Vor einem Jahr hätte ich die Nacht gesagt. Hauptsächlich, weil ich unter Schlaflosigkeit leide und die meiste Zeit sowieso wach bin. Doch in letzter Zeit liebe ich es, meinen Tag mit dem Sonnenaufgang zu beginnen und am frühen Morgen produktiv zu sein. Ich schaue gern nach meinen Projekten rund ums Haus: Wie geht es meinem Kombucha heute? Wie sehen mein Rucola und die Kürbisse nach einer schönen, kühlen Nacht aus, bevor die intensiven Sonne Nevada herauskommt? Ich gehe meine To-Do-Liste durch, schreibe einige E-Mails, poste in sozialen Netzwerken und erstelle eine Aufgabenliste für den restlichen Tag.

© Randy P. Martin

Wie sollten Menschen deiner Meinung nach mit Erfolg und Misserfolg umgehen?

Im Laufe der Jahre bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass jeder in seinem Leben sein eigenes Ding machen muss. Ich bin an einen Punkt gelangt, an dem ich nicht versuche, jemandem zu sagen, was er tun oder lassen soll, oder wie er sich zu verhalten hat. Wir alle tun nur unser Bestes und hoffentlich finden wir heraus, wie wir die Dinge auf unserem Weg verbessern können.

Hast du irgendwelche letzten Worte an unsere Leser?

Wie schafft ihr es heute noch auf Film zu fotografieren ohne dabei pleite zu gehen? Film, Entwicklung, Abzüge, das alles ist unglaublich teuer geworden, oder? Wenn jemand da draußen einen heißen Tipp hat, soll er mich gerne kontaktieren!


Wir danken Randy P. Martin für dieses interessante Interview. Wenn du Interesse an seiner Arbeit hast, besuche doch einmal seine Website, Flickr-Seite, seinen Tumblr-Blog, oder sein Instagram-Profil account.

geschrieben von Marc Ocampo am 2017-11-25 in #people #places
übersetzt von dopa

Dir gefällt diese Seite? Klicke hier für noch mehr Inspiration in festlichen Beiträgen auf unserer Happy Holidays Seite. In einem Fotowettbewerb kannst du ein tolles Lomography Geschenkpaket gewinnen, ein Quiz klärt dich über deinen Fotografiestil auf, und tägliche Adventsangebote machen das Weihnachtsshopping zu einem Kinderspiel!

Mehr interessante Artikel