Let me introduce you: Christi & Hunter

2017-07-06

"Let me introduce you" ist ein Format, in dem wir euch jede Woche einen neuen Lomographen aus unserer Community vorstellen. Diese Woche sind es sogar zwei! Denn wir haben uns mit dem amerikanischen Ehepaar Christi und Hunter vom LomoHome @intheheartofthecountry unterhalten.

©intheheartofthecountry

Christi und Hunter kennen sich schon seit Kindertagen. Sie sind beide in Vegas aufgewachsen, später nach LA gezogen und dann immer mehr Richtung Norden gewandert, bis sie schließlich in Süd-Oregon gelandet sind. Sie leben in einem 1967 Greyhound Bus, haben einen zweijährigen Sohn und erwarten gerade ihr zweites Kind. Sie haben sich bewusst dazu entschieden die Stadt zu verlassen und ein einfacheres Leben zu führen.

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Christi und Hunter haben sich beide schon immer als Künstler gesehen. Sie haben sich beim Theatherspielen kennengelernt, beide spielen Instrumente, schreiben Musik und singen gerne. Christi hat einen Bachelor in Musical Theater und Hunter hat sich in der Schule und im Studium auf Fotografie spezialisiert. Dieses Jahr haben die beiden nach zwanzig Jahren Bekanntschaft und zehn Jahren Beziehung geheiratet.

Erfahrt im folgenden Interview mehr über ihre innige Zusammenarbeit und ihr außerordentliches Gespür für gefühlvolle Momente:

Wie geht ihr an die Fotografie heran? Wollt ihr mit euren Bildern etwas Bestimmtes ausdrücken?

Christi: Ich mag ungestellte Fotos am liebsten. Ich liebe es Menschen in Momenten zu erwischen, in denen sie es nicht erwarten fotografiert zu werden oder zumindest nicht in die Kamera schauen. Wenn ich mal ein gestelltes Foto schieße, versuche ich es möglichst ungezwungen aussehen zu lassen. Ich möchte Augenblicke so festhalten, wie ich sie mit meinen eigenen Augen wahrnehme und dabei soll das Motiv so natürlich wie möglich wirken. Am liebsten fotografiere ich Menschen umgeben von Natur.

Hunter: Ich versuche mit meinen Fotos weniger etwas Bestimmtes auszudrücken, als echte Momente auf eine dramatische Art einzufangen, sodass ich sie später durch ein Foto wie eine Erinnerung wiedererleben kann. Wenn ich fotografiere, mache ich das auf sehr instinktive Weise. Dabei möchte ich das Bild mit all meinen Sinnen wieder und wieder erleben. Ich bin im Sternzeichen Krebs, deshalb führt für mich immer alles zur Emotion des Moments zurück und genau das möchte ich dann auch auf meinen Fotos ausdrücken. Ich möchte vergängliche Momente greifbar machen, wobei mich in meiner Fotografie Surrealismus mehr interessiert als Realismus.

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Ihr teilt euch ja euer LomoHome. Arbeitet ihr wirklich bei all euren Fotografieprojekten zusammen? Wie funktioniert das? Habt ihr manchmal Meinungsverschiedenheiten, wenn es um Kunst geht?

Christi: Wir sind oft das Motiv des jeweils anderen, besonders, weil wir jetzt auf dem Land wohnen und nicht mehr mit so vielen Menschen in Berührung kommen. Keiner von uns hat ein Problem damit fotografiert zu werden. Im Gegenteil: Wir mögen es sogar Fotos von uns zu haben! Generell haben wir ähnliche Interessen - wie zum Beispiel unsere Liebe für alles Alte und Nostalgische - aber in manchen Dingen unterscheiden wir uns doch. Die größte Meinungsverschiedenheit, an die ich mich erinnern kann, hatten wir über das Thema Verschwendung. Hunter zieht es nämlich vor mehrere Bilder vom exakt gleichen Motiv zu machen, was meiner Meinung nach ziemlich verschwenderisch ist, wenn man die Preise für Film und Entwicklung bedenkt. Er braucht manchmal auch wirklich lange, während ich einfach schnell knipse und zum nächsten Motiv übergehe. :)

Hunter: Die meiste Zeit arbeiten wir - wie auch in der Musik - zusammen...sehr gut, wenn ich das so sagen darf. Manchmal wird Christi ungeduldig, wenn wir gemeinsam arbeiten, aber im Großen und Ganzen funktioniert da alles ziemlich reibungslos. Wir lieben es gemeinsam neue Filmrollen auszuprobieren. Ich weiß mehr technische Details über Fotografie, während sie mehr ihrer unvergleichlichen künstlerischen Inutuition folgt. Oft wenden wir uns an den anderen, um zu fragen "Wie würdest du das machen?" und geben einander Vor- und Ratschläge. Ich muss sagen, dass ich immer schon ein Analog-Fan bin, aber Christi hat mich mit Lomography bekannt gemacht und "Felix", meine LC-A+ und absolute Lieblingskamera aller Zeiten, für mich gekauft; dafür werde ich ihr für immer dankbar sein.

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Wie würdet ihr einem Fotografie-Anfänger Analogfotografie erklären? Welche Kamera würdet ihr ihm oder ihr empfehlen und was sind die wichtigsten Dinge, die man beachten muss, wenn man analoge Bilder macht?

Christi: Ich habe mir alles komplett selbst beigebracht und vieles durch praktisches Herumprobieren und durch Fehler machen gelernt. Also ich würde raten einfach loszulegen und dann so herauszufinden, was am besten funktioniert. Ich würde mit einer Wegwerfkamera beginnen - da kann man einfach zielen und abdrücken und die Ergebnisse sind für gewöhnlich gut. Danach würde ich vielleicht eine günstigere Sofortbildkamera ausprobieren, um zu sehen, wie es so ist das Foto direkt in Händen zu halten und trotzdem Neues über Einstellungen zu lernen. Das sollte genug sein, um sich von da an an schwierigere Kameras heranzuwagen. Meiner Meinung nach ist es das Wichtigste im Kopf zu behalten, dass es keine schlechten Fotos gibt! Einen Tipp, den ich einem Neuling auf den Weg geben würde, ist stets auf seine Brennweite zu achten - das vergesse ich bis heute noch oft.

Hunter: Ich schätze, ich würde analoge Fotografie als die auf künstlerische Weise eingefangene Impression eines echten Bildes mittels gemessener Belichtung auf eine Rolle Film beschreiben. Wenn die silbernen Bromiden im Film Licht ausgesetzt werden, wird das Bild praktisch darauf eingebrannt. In einfachen Worten: Die Zeit, die der Film dem Licht ausgesetzt wird (Belichtungszeit) und die Größe der Öffnung, durch die das Licht hineingelassen wird (Blende), bestimmen die Auflösung und die generelle Qualität des Bildes. Ich würde sagen, dass die Holga oder die Diana die besten Einstiegskameras für analoge Fotografie sind. Aber ich würde auch empfehlen eine Vintage-Spiegelreflexkamera zu kaufen, sodass jeder Schuss vom ISO aufgebaut werden muss. Wie meine Frau schon gesagt hat, kann man durch praktisches Herumprobieren viele unglaubliche Arten Fotos zu machen entdecken und so herausfinden, was am Besten für einen funktioniert.

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Alle eure Fotos wirken sehr intim, wie schafft ihr es dieses Gefühl beim Betrachter auszulösen?

Christi: Danke! Das ist so ein schönes Kompliment! Ich glaube, dass unsere Fotos dieses intime Gefühl vermitteln, weil wir unser echtes alltägliches Leben fotografieren, statt nur spezielle Tage oder Veranstaltungen. Nimm deine Kamera überall hin mit und sei immer bereit sie zu zücken! Das stimmt besonders, wenn es darum geht Kinder zu fotografieren. Es ist eine Kunst für sich gute Bilder von einem Zweijährigen zu machen, den Fokus dabei richtig zu setzen ist nahezu unmöglich!

Hunter: Ich glaube das Gefühl von Intimität wird - wie wahrscheinlich die meisten Formen künstlerischen Ausdrucks - hauptsächlich durch eine emtionale Verbindung mit dem Publikum ausgelöst. Stelle ein Gefühl von Verlust oder Reue dar, eines der Einsamkeit oder Sehnsucht, oder bringe jemanden dazu sich an etwas Persönliches aus seiner Vergangenheit zu erinnern - und schon hast du Intimität kreiert. Als Menschen erleben wir alle die gleichen Emotionen, nur auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Genau in diesen Gefühlen liegen unsere größten Gemeinsamkeiten und dadurch geben sie uns die Möglichkeit, eine tiefe und intime Verbindung zu einander aufzubauen. Ich schätze meine persönliche Herangehensweise das zu erreichen ist es, mich für jedes Bild mit meiner eigenen Gefühlslage auseinanderzusetzen.

©intheheartofthecountry links: Christys Lieblingsbild, rechts: Hunters Lieblingsbild

Ihr habt ja schon viel fotografiert, gibt es ein Lieblingsbild unter euren eigenen Werken?

Christi: Oh, das ist ganz schwer zu entscheiden! Aber, wenn ich nur eines aussuchen kann, dann ist es dieses (siehe oben links). Das Motiv hier ist meine Freundin Morgan an meinem Geburtstag. Es war das erste Mal, dass sie mit ihrer gerade erst geborenen Tochter das Haus verließ. Die kleine Zion war gerade einen Monat alt. Morgan hasst es, wenn Fotos von ihr gemacht werden und deshalb ist es sehr schwer sie zu fotografieren, ohne dass sie sich duckt oder eine Grimasse zieht. Aber gerade auf diesem Bild ist das nicht der Fall. Für mich fängt es diese besondere Beziehung zwischen einer neuen Mutter und ihrem ersten Kind ein, mit einem Blick, der mehr sagt als tausend Worte.

Hunter: Wer kann schon ein Lieblingsbild aussuchen? Ganz sicher nicht ich. Ich habe doch so viele. Ich entscheide mich trotzdem für dieses, weil es die unfassbare Schönheit und die komplexte Persönlichkeit meines lieben Freundes Carter ausdrückt. Außerdem beschreibt es meine pesönliche Herangehensweise an die Fotografie ganz gut. Carter ist ein extrem brillianter Künstler und Fotograf und meine Frau und ich sind wahrscheinlich die einzigen beiden Menschen auf der Welt, die das Glück haben ihn fotografieren zu dürfen, wann immer wir wollen. Wenn man eine Person als Motiv wählt, sollte diese lieber interessant sein, sonst ist es das Bild ja auch nicht. Und Carter gehört zu den interessantesten Menschen, die ich kenne. Ich bin schon immer fasziniert von Mehrfachbelichtungen und versuche ständig mich darin weiterzuentwickeln. Für mich ist dieses Bild eines der besten, die mir je gelungen sind (siehe oben rechts).

Und weil wir so große Schwierigkeiten bei der Entscheidung hatten, kommt hier noch unser gemeinsamer Favorit:

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Ihr wollt mehr von Christi und Hunter sehen? Dann schaut auf ihrem Lomohome @intheheartofthecountry vorbei!

geschrieben von hannagerstacker am 2017-07-06 in #people

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