Joseph Wolfgang Ohlert: Sinnieren über maskuline Formen

2017-11-27 2

Begleite uns beim exklusiven Interview von Lomography mit dem witzigen deutschen Porträtfotografen Joseph Wolfgang Ohlert darüber, wie er die Stereotypen der Porträtfotografie im Kontext von Geschlechtsnormen und traditioneller Männlichkeit zerbricht.

© Joseph Wolfgang Ohlert

Hi Joseph, willkommen im Magazin von Lomography! Welchen Aspekt deines kreativen Prozesses liebst du am meisten, wenn du Portraits machst?

Hey, vielen Dank! Ich bin froh dabei sein zu dürfen.

Ich mag es, mich jedes Mal selbst herauszufordern, wenn ich ein Shooting habe. Als Künstler ist man selbst sein strengster Kritiker. Ich versuche auch weiterhin, meinem perfekten Bild immer näher zu kommen. Nichts tötet Kreativität besser als Langeweile und ich versuche die Zeit beim Shooting für mich und mein Motiv zu einer tollen Erfahrung zu machen.

© Joseph Wolfgang Ohlert

Die meisten Fotografen fotografieren Frauen für ihre intimen Bildern, es ist also erfrischend, Portraits von Männern in ihrer intimsten und verletzlichsten Form zu sehen. Was ist dir bei der Aufnahme männlicher Portraits besonders wichtig?

Ich finde nicht, dass es einen Unterschied macht, ob man Männer oder Frauen fotografiert. Ich will einfach die Person kennen lernen und zusammen mit ihr etwas kreieren. Beim fotografieren sind mir viele Dinge wichtig: Farben, Posen, Komposition, der Hintergrund und am wichtigsten das Licht! Mir ist egal, ob die Person männlich oder weiblich ist, oder was auch immer. Das Wichtigste ist, dass die Leute sich selbst wiedererkennen, wenn sie sich meine Fotos ansehen. Es geht darum, sich selbst in Frage zu stellen und herauszufinden, wer wir sind, was uns unterscheidet und was wir gemeinsam haben. Wenn ich Modefotos mache, setze ich immer das Portrait in den Fokus. Ich mag “Sexiness” nicht all zu sehr in meinen Fotos. Natürlich gibt es sie, aber das sind nicht meine Lieblingsbilder. Es geht mir in den Portraits, die mich interessieren, mehr um klare Authentizität.

© Joseph Wolfgang Ohlert

Heutzutage, so scheint es, macht jeder Ständig Portraits von sich selbst. Was ist deiner Meinung nach der Zweck von Portraits in einer so von Selfies geprägten Kultur?

Jeder hat zuhause eine Küche, aber das allein macht einen noch nicht zu einem Koch! Und selbst, wenn man kochen kann, geht man trotzdem gerne in ein Restaurant, wenn man die Kochkunst anderer genießen möchte. Wenn mich Leute um Portraits bitten, tun sie es, weil sie sich selbst aus einer anderen Perspektive sehen wollen.

Verrate uns ein Geheimnis. Glaubst du Männer werden genauso stereotypisiert wie Frauen? Was ist das häufigste Missverständnis Männern gegenüber, dass in den Medien, der Gesellschaft und den Leute vorherrscht?

Ich schätze, es ist der Stereotyp, dass Männer dumm sind. Natürlich stimmt das auch für viele, aber oft sind sie auch nur faul und versuchen dumm zu wirken, um so mit allem durch zu kommen. Doch tatsächlich wissen sie genau, was los ist.

Woher beziehst du deine Inspiration? Wer sind deine Musen?

Mein Bett ist meine Muse. Ich liebe mein Bett. Es ist ein altes französisches Bett aus Eichenholz aus dem 19. Jahrhundert. Ich fühle mich jedes Mal wie König Ludwig XIV, wenn ich darin schlafe. Wie könnte einen das nicht inspirieren?

Wenn du mit einem beliebigen Fotografen zusammenarbeiten könntest, wer wäre das?

Vielleicht könnte mir Kim Kardashian ein paar Selfie-Tricks zeigen.

© Joseph Wolfgang Ohlert

Was machst du üblicherweise in deiner Freizeit? Gibt es fortlaufende Projekte, oder hast du irgendwelche Pläne, an denen du fleißig arbeitest?

Ja! Im Mai habe ich meine eigene Galerie auf der Prenzlauer Allee 7 in Berlin eröffnet. Sie heißt P7. Außerdem ist "DARLINGS!“, mein zweites Buch, unterwegs. Seid also gespannt!


Ließ auch unseren Artikel über Joseph oder besuche seine Website und seine Seite auf Instagram und Facebook um weitere seiner Bilder zu sehen. Alle Bilder werden mit freundlicher Genehmigung von Joseph Wolfgang Ohlert genutzt.

geschrieben von Ciel Hernandez am 2017-11-27 in #people #portraitfotografie
übersetzt von dopa

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2 Kommentare

  1. pasadena85
    pasadena85 ·

    der eine junge Mann sieht aus wie Will Jardell aus ANTM Staffel 21!

  2. rafaelcabral
    rafaelcabral ·

    "Mein Bett ist meine Muse. Ich liebe mein Bett."

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