“Still, for a While”: Eine Serie intimer Selbstportraits von Phoebe Barrett

2017-07-17

"Es scheint als würde ich Werke schaffen, die super hell sind. Andere hingegen sind extrem dunkel. Ich glaube, üblicherweise sind die dunkleren meine Selbstportraits. Ich weiß nicht, was dies zu bedeuten hat. Vielleicht ist es, wie ich mich selbst sehe und in meinen Selbstportraits fällt es einfach mehr auf. Es macht mir nichts aus, die dunkleren Aspekte meiner selbst zu erforschen, aber in Anderen sehe ich etwas ganz anderes.", erklärt die 21-jähriger Fotografin Phoebe Barrett.

Im Interview für unser Magazin zeigt Phoebe, was ihren fotografischen Stil am meisten beeinflusst und was die Filmfotografie für sie bedeutet.

Hey Phoebe! Schön dich hier zu haben! Wie bist du zur Fotografie gekommen? Wann hast du gemerkt, dass sie etwas für dich ist?

Hallo! Danke für die Einladung. Ich habe mich zum ersten Mal mit der Fotografie beschäftigt, als ich mit 16 meine erste Polaroidkamera geschenkt bekam. Sie hat irgendwie mein Interesse geweckt. Also habe ich auch im College Fotokurse belegt. Aber ich habe mich nie ernsthaft damit beschäftigt und es eher als Hobby angesehen, bis ich mich vor ein paar Jahren in meine Polaroid SX-70 verliebt habe.

Was inspiriert dich dazu, jeden Tag so tolle Sachen zu erschaffen?

Liebe, Neigung, Melancholie, Nostalgie, Einsamkeit, die kleinen Momente, wenn Licht die Haut berührt, Mimik oder Gesten.

Neben der fotografischen Arbeit, studierst du Kunstgeschichte. Wie bringst du das alles unter einen Hut? Worauf freust du dich nach deinem Abschluss am meisten?

Ich bin mir tatsächlich nicht ganz sicher. Ich habe buchstäblich gerade erst meine ganze Arbeit für die Abschlussarbeit beendet, was eine wirkliche Erleichterung ist. Ich ziehe Ende des Monats nach Berlin, daher bin ich natürlich schon ganz aufgeregt. Ich interessiere mich derzeit für neue Projekte und suche nach Leuten, mit denen ich zusammenarbeiten kann, um die Insel meiner Selbstportrait-Phase überwinden zu können. Außerdem bin ich gespannt, was aus Hylas wird, da liegt im Moment mein Hauptfokus.

Du bist Herausgeberin von Hylas, einem Analog-Magazin, dass Filmfotografen auf der ganzen Welt inspirieren soll. Was hat dich dazu bewegt, ein solches Magazin herauszubringen? Welche Bedeutung hat die Filmfotografie heute noch für dich?

Ich war inspiriert, diese Plattform ins Leben zu rufen, wegen all der schöne Bilder anderer Instant-Fotografen. Ich wollte wirklich eine Plattform schaffen, die diese Werke angemessen präsentiert. Für mich ist die Filmfotografie eine Möglichkeit, unserem Zeitalter der sofortigen Ergebnisse zu widerstehen. Ich denke, deshalb ist sie so wichtig für mich, sie hat etwas von Romantik und Nostalgie, eine besondere Qualität, die sie unnachahmlich macht.

Deine Werke wirken beinahe schon surreal und nostalgisch zugleich, mit einem Hauch von Romantik. Wie hast du deinen persönlichen fotografischen Stil entwickelt?

Es war nicht unbedingt ein bewusster Prozess. Ich denke, mein fotografischer Stil repräsentiert, wie ich mich im Inneren, in Bezug auf mich selbst, andere und die Welt im Allgemeinen fühle. Ich bin ein Widerspruch, ich bin ein idealistischer Träumer, während eine Schicht von Zynismus und Pessimismus darunter liegt. Es kann verwirrend sein. Oft schieße ich ganz helle Bilder und am Tag darauf habe ich wieder Lust auf etwas ganz Düsteres, das dann aussieht als käme es von einer ganz anderen Person.

Du machst bevorzugt auch Selbstportraits. Fühlst du dich vor oder hinter der Kamera wohler?

Grundsätzlich mag ich es nicht, von anderen fotografiert zu werden, aber wenn ich mich selbst fotografiere fühle ich mich viel freier, mich in einer Weise auszudrücken, die ich selbst wähle. Ich liebe es, andere zu fotografieren, besonders diejenigen, die mir nahe stehen. Darin liegt immer Intimität und Verwundbarkeit.

Du hast eine Serie intimer Selbstporträts namens “Still, for a While” gemacht. Wie kamst du auf die Idee, diese schönen, zarten Selbstporträts zu machen? Gibt es einen Grund dafür, dass du sie in Schwarz-/Weiß aufgenommen hast?

Der Titel bezieht sich auf meinen Prozess bei der Schaffung von Selbstporträts, der fast schon meditativ ist. Ich entschleunige total und existiere völlig im Moment, was für mich unglaublich selten ist. Wie ich bereits erwähnte, scheint es als würde ich Werke schaffen, die super hell sind und andere hingegen sind total dunkel. Ich glaube, üblicherweise sind die dunkleren meine Selbstportraits. Ich weiß nicht, was dies zu bedeuten hat. Vielleicht ist es, wie ich mich selbst sehe und in meinen Selbstportraits fällt es einfach mehr auf. Es macht mir nichts aus, die dunkleren Aspekte meiner selbst zu erforschen, aber in Anderen sehe ich etwas ganz anderes.


Alle Fotos in diesem Artikel werden mit freundlicher Genehmigung von Phoebe Jane Barrett genutzt. Wenn du noch mehr ihrer Werke sehen willst, dann folge ihr auf Instagram.

geschrieben von Ivana Džamić am 2017-07-17 in #people
übersetzt von dopa

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