Let me introduce you: Ruth Nitkiewicz

2017-06-12

Jede Woche stellen wir einen neuen Lomographen aus unserer Community vor. Diese Woche haben wir mit der Engländerin Ruth Nitkiewicz vom LomoHome @LITHIUM-PEARS gesprochen.

Wie würdest du deinen eigenen fotografischen Stil beschreiben? Wie viel hat er sich über die Jahre verändert?

Ich versuche meinen Portraits eine traumhafte Qualität zu geben und lasse mich dabei gerne von imaginären Filmen inspirieren. Als ich mit der Fotografie anfing, experimentierte ich mit vielen verschiedenen Techniken, zum Beispiel habe ich Chemikalien und Säure benutzt, um den Film wie eine Leinwand zu bearbeiten. Über die Zeit habe ich dann mehr mit Mittelformatfilm gearbeitet und drucke mittlerweile auch gerne meine eigenen Schwarz-Weiß-Fotografien in der Dunkelkammer, welche ich per Hand mit Farben und Ölen einfärbe. Obwohl mein Arbeitsprozess sich in den letzten Jahren verändert hat, versuche ich immer noch meinen Anfängen treu zu bleiben und meine Motive surrealistisch und fantastisch zu halten.

Auf deinem LomoHome erwähnst du, dass du eine Literaturliebhaberin bist. Hast du irgendwelche Buchvorschläge zum Thema Fotografie für uns?

Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Roman gelesen zu haben, der sich mit dem Thema Fotografie auseinandersetzt und den ich euch auch empfehlen würde. Für mich ist Literatur eine Inspiration, und eine Wissensquelle. Im Bezug auf Fotografie informiere ich mich in Büchern besonders gerne über Settings, Locations, Kostüme und Requisiten. Besonders Julia Margaret Cameron ist für mich eine große Inspiration. Sie ist eine viktorianische Fotografin, die vor allem mystische und romantische Themen in ihrer Kunst behandelt. Ihre Portraits zeigen oft Freunde oder Familienmitglieder, die in Rollen arturischer Legenden und griechischer Mythologie schlüpfen. Ich liebe diesen spielerischen Charakter ihrer Arbeiten. Sie baut mit ihren Bildern Fantasiewelten auf und das hat ja viele Parallelen zum Geschichtenerzählen in der Literatur. Ich habe Literatur studiert und bin hauptberuflich Bibliothekarin, deshalb habe ich dieses besondere Interesse für viktorianische Literatur und Kunst.

Du machst viele Portraits. Kennst du die Models auf deinen Fotos persönlich?

Ja, alle meiner Models sind meine Freunde. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich eine Gruppe von Leuten kenne, die bereit sind mir als Motiv zu dienen. Ich finde es leichter mit Freunden zu arbeiten, weil da schon eine natürlche Beziehung besteht und ein gewisses Maß an Familiarität und Vertrauen vorhanden ist. Ich schließe es nicht aus in Zukunft mit professionellen Models zu arbeiten, aber im Moment ist Fotografie mehr ein Hobby für mich.

Neben der Fotografie scheinst du ja auch eine Leidenschaft für Musik zu haben. Wie passen die beiden Kunstformen für dich zusammen?

Neben meinem Tagesjob als Bibliothekarin, bin ich auch Musikerin und spiele in zwei Bands. Es ist ein bisschen stressig, aber ich liebe es Musik zu machen, weil es mir die Möglichkeit gibt kreativ zu sein, durch fremde Städte zu touren und neue Menschen kennzulernen. Ich denke die beiden Künste sind komplementär zu einander - Musik spricht für sich selbst und Fotografie erlaubt es einem eine andere Seite des musikalischen Prozesses einzufangen. Ich liebe es Fotos zu machen, wenn ich mit meiner Band auf Tour gehe oder Studioaufnahmen mache. Es ist für mich ein Weg, den Moment zu bewahren.

Du fotografiert ja vor allem analog. Warum gefällt dir analoge Fotografie so gut? Hat sie Vorteile gegenüber der digitalen?

Mir macht Analogfotografie so viel Spaß, weil sie mir so viel experimentelle Freiheit gibt. Natürlich hat digitale Fotografie ihre Vorteile, aber der Unterschied zwischen digitaler und analoger Fotografie ist wie der Unterschied zwischen Öl- und Acrylfarbe - beide sind gleichwertige künstlerische Medien, aber manche Leute haben eine Präferenz für das eine, und manche für das andere. Mich fasziniert der chemische Prozess, der es Film erlaubt Licht einzufangen und wie diese Reaktion manipuliert werden kann, um ungewöhnliche Resultate zu erzeugen. Ich glaube nicht, dass Analogfotografie immer noch so die breite Masse begeistert wie früher, weil die meisten Leute mit ihrer IPhone-Kamera zufrieden sind. Aber für mich hat sie eine ganz eigene Qualität, die es mir erlaubt mich künstlerisch auf ganz besondere Weise auszudrücken.


Du willst mehr von Ruth sehen? Schau auf ihrem LomoHome vorbei!

geschrieben von hannagerstacker am 2017-06-12 in #people

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