Infrarot-Farbfilme für die Stadt- und Landschafts-Fotografie

2017-06-23

Die argentinische Fotografin und der langjähriger Fan von Plastikkameras Lorraine Healy ist Autorin von 'Tricks With A Plastic Wonder', einer Anleitung für bessere Resultate mit Holga-Kameras. In diesem Artikel zeigt uns Healy die Welt der Infrarot-Farbfilme und ihre steile Lernkurve.

Ein anderer Blick auf die Wirklichkeit mit 35mm-Infrarot-Farbfilmen. Das Ödland von South Dakota (links) Downtown Buenos Aires (mitig) und die Greenbank Farm auf Whidbey Island (rechts).

Nach dem grandiosen Artikel, den @lazybuddha im Oktober 2010 über seine fantastischen Aerochrome-Bilder schrieb, gibt es da überhaupt noch etwas, was man über das Fotografieren mit Infrarot-Farbfilm schreiben kann? @larslau schrieb 2009 ebenfalls einen Artikel zu diesem Thema und zeigte im Vergleich, wie der Infrarot-Farbfilm sich bei Entwicklung in C-41- bzw. E-6 Chemie verhält, falls du dich außerdem jemals gefragt haben solltest, wie ein Portrait mit Farb-IR-Film aussieht, wurden deine Gebete erhört.

Eine verlassene Hütte in der Nähe von Hayes Center, Nebraska. Pentax K 1000 +R25 filter.

Warum greife ich das Thema also wieder auf? Nun, diese Art von Film wurde irgendwann, nachdem die beiden Artikel veröffentlicht wurden, nicht mehr produziert. Vor ein paar Jahren hat aber "The Film Photography Project", eine Gruppe von Film-Idealisten, irgendwo noch eine ganze Menge von diesem Film gefunden und begann ihn von Hand zu konfektionieren und zu verkaufen. Der Preis pro Rolle variiert von Sonderangeboten zu 20,99$ (etwa 19€) bis zu den üblichen 28$ (etwa 25€) pro Rolle. Billig ist er also nicht! Außerdem gibt es eine steile Lernkurve, wenn man ihn benutzen möchte, man muss also damit rechnen, die ersten 2 bis 3 Rollen wegwerfen zu können.

Man braucht mindestens einen Filter vor der Kameralinse, entweder einen R25-Rotfilter, einen 12er Gelbfilter, einen 40er Orangefilter, oder einen so genannten Wratten 87B/89C - alle sind noch in allen Filtergrößen erhältlich.

Nebraska. Pentax K 1000 +R25-Filter.

Da Infrarot-Farbfilme so lichtempfindlich sind, kann man sie nur mit Kameras benutzen, die nicht dieses Fenster haben, mit dem man sehen kann, welchen Film man eingelegt hat. Also diese soliden SLRs und Messsucherkameras von früher - Minoltas, Pentax, Canon A & AE-1, Nikon F2, Olympus Pen und natürlich Leicas - sind Kameras, mit denen es am besten klappt. FPP stuft ihn als 400 ISO-Film ein und empfiehlt ihn bei hellem Sonnenschein bei f/16 zu belichten, wenn man einen der zuvor erwähnten Filter benutzt. Wenn es nicht so sonnig ist, sollte man ihn gar nicht benutzen! Es stimmt, was man auf spanisch sagt: “no se luce”, es wird sich nicht zeigen, sondern wirkt eher matschig.

Aufgenommen in Buenos Aires, leicht bewölkt, jedenfalls kein offenes Sonnenlicht. Matschig, uninteressant, keine gute Aufnahme. Pentax K 1000 +R25-Filter.

Sowohl die Schwarz-/Weiß- und Farb-Infrarot-Fotografie, oder auch IR-Fotografie genannt, war ursprünglich kein künstlerisches Medium, sondern wurde für den militärischen Zweck der Luftaufklärung, zur Dokumentation der Forst-Entwicklung und für die Kartographie genutzt. Der irische Fotograf Richard Mosse war der erste, der den Farb-Infrarot-Film für künstlerische Zwecke nutzte. (Schaut mal auf seiner Website vorbei). In unserer Lomo-Welt, begeisterten mich die Farb-IR-Bilder von @furn7973, der wahrscheinlich ebenfalls Ire ist, da er in Clifden, Irland lebt. Besucht schnell sein LomoHome, meine Freunde! Seine Farb-IR-Panoramen muss man einfach gesehen haben.

Jede Menge Licht, Laub und ein weißes Gebäude sehen dann so aus, wie in diesem Bild von La Boca, Buenos Aires. Der perfekte Farb-IR-Look: Das grüne Laub wird leuchtend rot, der Himmel wird dunkel (wie bei S/W-IR-Bildern auch), das ganze wirkt angenehm irreal!

Es gibt viele Webseiten und Bücher, die sich mit den technischen Aspekten von IR-Licht, der Infrarot-Fotografie und im speziellen mit der Farb-IR-Fotografie beschäftigen. Meine Idee, die dazu führte, dass ich diesen Artikel schreibe, ist, euch so viele praktische Tipps wie möglich zu geben, wie man Farb-Infrarotfilm nutzt, solange er noch erhältlich ist und meine Erfahrungen damit zu teilen, damit ihr nicht die ersten 2-3 Rollen wegwerfen müsst.

Admiralty Beach auf Whidbey Island, aufgenommen mit der FPP Holga K280 mit einem Gelbfilter.

Ich bekam meine ersten Rollen des IR-Films von FFP vor etwa einem Jahr und musste dann geduldig darauf warten, dass wir hier im pazifischen Nordwesten genug Sonne bekamen. Ende Juli fuhr ich in die Palouse-Region in Washington, einem Paradies voll hellem Licht, Weizenfeldern, verfallenen Scheunen. Und ich hatte hinterher GAR NICHTS. Kein bisschen. Ich hatte den Film in meine Pentax K1000 gelegt, ihn aber wohl nicht richtig geladen und als ich das Bild Nr. 29 (auf einem 24er Film) machte, bemerkte ich, dass ich ein Problem hatte. Die Leute vom Film Photography Project hatten gewarnt, über Bild 24 hinaus zu fotografieren. Da es sich um von Hand konfektionierte Filme handelt, muss man ihn etwas vorsichtiger behandeln als jene, die von Ilford, Fuji oder Kodak maschinell gefertigt werden. Hier ist also der erste Schritt der Lernkurve: Es handelt sich um einen von Hand konfektionierten Film, er muss im Dunkeln geladen und entladen werden (ich nutze dafür meinen Wechselsack) und man muss dabei sehr vorsichtig sein. Geh auf Nummer sicher, dass die Film Perforation ist, wo sie hingehört und sich alles problemlos bewegen kann!

Verklemmt! Zwei (bzw. vier, je nachdem, wie man es sehen möchte) Aufnahmen von der Rolle, die sich in meiner Pentax K 1000, die ich mit einem R25 Filter genutzt habe, verklemmt hat.

Als nächstes nahm ich im letzten Herbst vier Rollen des Farb-IR-Films von FFP mit auf meine dreiwöchige Reise durch 18 Staaten. Ich nutze einen R25-Rotfilter und hatte großen Spaß mit drei dieser Rollen - eine verklemmte sich und bis zum vierten Bild klappte der Filmtransport nur sporadisch. Ich entschloss mich, meine Verluste hin zu nehmen, spulte den Film zurück und machte immerhin vier wahnsinnige Aufnahmen mit ihm. Von den anderen drei Rollen war ich aber wirklich begeistert! Einige der Landschaften, die ich durchquerte, wie etwa das Ödland von South Dakota, das flache Land von Nebraska, die schimmernden Espen in den Bergen von Flagstaff, Arizona und die Wüste von New Mexico werden noch magischer, wenn man sie mit Farbe-IR-Film fotografiert.

Zwei Aufnahmen der "Stadtlandschaft" von Buenos Aires. Pentax K 1000 +R25-Filter.

Nachdem ich gesehen hatte, wie außerordentlich gut der Film bei Landschaftsaufnahmen war, fragte ich mich, wie wohl die Bilder aus einer urbanen Umgebung aussehen würden. Da ich wusste, dass man in Buenos Aires das allerbeste Licht dafür im Februar und März erhalten würde, nahm ich ein paar Rollen mit in den Süden. Ich machte diese Aufnahmen in meiner Nachbarschaft von La Boca und in der Innenstadt von Buenos Aires. Da ich die erste Rolle noch nicht beendet hatte, zog ich an einem anderen Tag noch einmal los, um in Coghlan Street-Art zu fotografieren. An dem Tag war es aber bewölkt und es gab wenig Sonnenlicht. Ich glaube die Ergebnisse zeigen genau, was Leslie Lazenby vom FPP empfohlen hat: Diesen Film nur in der prallen Sonne zu benutzen.

Ein sehr nichtssagendes Bild, aufgenommen in nicht idealen Bedingungen. Der Film ist sehr selten und daher ziemlich teuer. Daher sollte man auf ideale Bedingungen warten. Pentax K 1000 + R25.

Eine Sache, die ich bei den IR-Fotos anderer Fotografen bemerkt habe, ist, dass manche eine andere Tonalität hatten, mit richtigem Blau statt den Grüntönen, die meine Bilder haben. Ich begriff, dass die Farbe des Filters, den ich benutzt habe, etwas damit zu tun haben könnte. Vor Kurzem wurde ich darin bestätigt, als ich die neue Holga K280 - eine Kleinbild-Holga mit einem 28mm-Plastikobjektiv - von FFP kaufte. Michael Raso schneidet dafür sorgfältig kleine Gelbfilter aus, klebt sie an Ort und Stelle und voilà, schon hat man die perfekte Point-and-Shoot-Kamera für IR-Film, die auch prima für S/W-IR-Film geeignet ist. Hier sind ein paar Bilder, die ich mit dem gleichen Film und Gelbfilter gemacht habe:

FPPs Holga K280 mit Gelbfilter Admiralty Beach, Whidbey Island, Washington (USA)

Um ehrlich zu sein, kann ich gar nicht entscheiden, welchen Look ich lieber mag, den Film, den ich mit dem roten oder dem gelben Filter verschossen habe, den mit dem blauen oder dem grünen. Ich mag das starke Blau, die Rottöne und das Weiß der Bilder, die ich mit dem Gelbfilter gemacht habe, aber wenn ich mir die nachfolgenden Aufnahmen der Ödländer anschaue, sehe ich viel mehr Abstufungen und Feinheiten in der Farbpalette. Natürlich könnte der Unterschied auch am Objektiv liegen: ein ziemlich anständiges 28mm f/2 an der Pentax (unten) gegen das einer Plastik-Point-and-Shoot. Und dann gibt es auch noch den Orangefilter, den ich gekauft, aber noch nicht probiert habe. Bleibt also dran!

Ödland, South Dakota. Pentax K 1000 + R25.

P.S.: Ich versuche, absolut alles zu recherchieren, worüber ich schreibe, aber ich bin kein technischer Fotograf, so dass sich Fehler oder falsche Aussagen einschleichen können. Wenn du einen technischen Fehler bemerkst, schicke mir bitte eine Nachricht! Vielen Dank.


Lorraine Healy (@lorrainehealy) ist eine argentinische Autorin und Fotografin, die im pazifischen Nordwesten lebt. Sie ist langjähriger Fan von Plastikkameras und Autorin von Tricks With A Plastic Wonder, eine Anleitung für bessere Resultate mit Holga-Kameras, das als eBook auf Amazon erhältlich ist.

geschrieben von Lorraine Healy am 2017-06-23 in #gear
übersetzt von dopa

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