Empfindliche Unschuld: Folurs analoge Projekte

2017-06-26

Die Herausforderung der Fotografie ist es, Emotionen zu erfassen und für immer festzuhalten. Chiara, auch bekannt als Folur, ist eine junge Studentin, die dank ihrer Empathie in der Lage ist, Geschichten voller Zartheit zu erzählen. Die analoge Fotografie ist für sie das beste Medium, um das möglichst realistisch zu tun.

Im folgenden Interview erzählt sie uns etwas mehr über ihre Arbeiten.

Hallo Chiara. Würdest du uns bitte etwas von dir und deiner Leidenschaft für Fotografie erzählen?

Hallo! Mein Name ist Chiara, ich bin 20 Jahre alt und lebe in Bologna, obwohl ich in Agropoli, einem kleinen Dorf an der süditalienischen Küste, geboren wurde. Meine Leidenschaft zur Fotografie begann, als ich meine erste Digitalkamera zur Kommunion geschenkt bekam. Ich war immer schüchtern, insbesondere als ich noch jünger war, aber ich konnte mich immer mit meinen Bildern ausdrücken; das hat mir wirklich sehr geholfen. Von da an habe ich mir alles selbst beigebracht.

Auf Film zu fotografieren ist für jemanden in deinem Alter alles andere als üblich. Wie bist du auf die analoge Welt gestoßen?

Zu Weihnachten bekam ich von meinen Eltern meine erste analoge Kamera: Ich war schon eine Weile von der Fotografie auf Film fasziniert und wollte mich selbst auf die Probe stellen. Schon nach den ersten Versuchen merkte ich, dass die Analogfotografie die Technik ist, die ich bevorzugen würde und heute fotografiere ich fast ausschließlich auf Film.

Welche Eigenarten der analogen Fotografie sind besonders attraktiv für dich?

Das Unperfekte und die Tatsache, dass ich auf die Ergebnisse warten muss. Das ist ein Risiko, erlaubt mir aber eine gewisse Reflexion. Das gibt mir stärkere Emotionen.

Wie hast du Lomography gefunden und was bedeutet es für dich?

Ich kenne (und bewundere) Lomography-Produkte schon seit einer ganzen Weile, als ich mit der analogen Fotografie angefangen habe, entschloss ich mich, die Filme auszuprobieren: Das war eine fantastische Überraschung. Die Resultate waren viel besser als erwartet. Ich nutzte sowohl den Lady Grey 400 ISO als auch den Color Negative 400 ISO für ein Projekt, das mir wirklich wichtig war. Ich glaube mit anderen Filmen, hätte ich nicht so großartige Ergebnisse erzielt.

Erzähl uns bitte von dem Projekt, das du uns hier präsentierst.

Before the Dawn ist ein Projekt, mit dem ich jetzt seit fast einem Jahr beschäftigt bin und es beinhaltet bislang drei Städte. Alles begann letzten Juli in Bologna, als ich mit meiner hinreißenden Freundin Lorenza entschied, die Nacht draußen auf der Straße zu verbringen, um unseren Abschluss zu feiern. Wir sind sehr spät ausgegangen, gingen spazieren, haben gequatscht und Musik gehört. Wir genossen einfach unsere Zeit in Bologna, in der (fast) alle anderen schliefen und wir blieben bis zum Sonnenaufgang. Die ersten Busse fuhren wieder und Cafés öffneten schon. Für mich war das Morgengrauen schon immer eine magische Zeit. Nach dieser wundervollen Erfahrung begeisterte ich noch weitere Freunde dazu mitzumachen und wir wiederholten das ganze in Mailand und Agropoli.

Sleep when you’re dead entstand spontan: Ich verbrachte den Sommer in Agropoli und wir entschlossen uns, den Vergnügungspark zu besuchen und noch einmal Kinder zu sein. Mit den Fotos habe ich versucht zu dokumentieren, wie genial diese Nacht war. Alle Emotionen sind so echt... Die Freude, das Lachen, die Gelassenheit. Besonders bei diesem Projekt und den Bildern aus Mailand fiel mir auf, wie farbecht der Lomography-Film ist, obwohl die Bilder nachts, ohne Blitz und Stativ gemacht wurden.

Für Shades of Berlin habe ich den Lady Grey 400 ISO-Film genutzt. Auf diesen Trip habe ich zwei Kameras mitgenommen: Eine Minolta und meine treue Abenteuergefährtin, die Canon EOS 500. Ich wollte mich selbst testen und das erste Mal schwarz/weiß fotografieren. Ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte, doch auch dieses Mal war ich sehr zufrieden. Ich hatte befürchtet, durch das Fehlen von Farbe würde auch meinen Bildern etwas fehlen. Aber ich glaube man erzielt einen anderen interessanten Look, wegen der hohen Kontraste und der Art, wie die Farben umgewandelt werden.

Was sind deine Lieblingsbilder dieser Serien?

Shades of Berlin: Da war diese U-Bahn-Station in der Nähe des Hotels, in dem ich untergekommen bin. Es ist mein Lieblingsbild, weil es mich an eben diese Nachbarschaft in Berlin erinnert, die jetzt einen Platz in meinem Herzen hat. Außerdem steht sie für eine Stimmung, in der ich häufig bin: Das Gefühl fehl am Platz, aber auf dem richtigen Weg zu sein.

Sleep: Dieses ist mein Favorit, weil es die Freude des Moments wiedergibt. Ich mag besonders die zarten Farben, die ich auf "natürlichem Wege" einfangen konnte, ohne wirklich danach gesucht zu haben.

Before: Bei diesem Projekt fühle ich mich so vielen Bildern unglaublich nah, weil sie mich an die wundervolle Zeit mit meinen Freunden erinnern. Aber dieses ist wohl das, mit dem ich mich am meisten verbunden fühle. Die Farben, die so akkurat vom Film wiedergegeben werden, transportieren die magische und lebendige Atmosphäre. Zwei Adjektive, die ausdrücken, was dieses Projekt für mich bedeutet.

Mir ist aufgefallen, dass in vielen deiner Bilder die Gesichter deiner Modelle verborgen sind. Ist dies eine ästhetische oder eher eine konzeptionelle Entscheidung?

Für mich ist der Zweck der Fotografie, und der auch der Kunst im Allgemeinen, Empathie zwischen Werk und Betrachter zu schaffen: Vielleicht porträtiere ich deshalb oft Leute von hinten, weil ich hoffe, der Betrachter fühle sich dann mehr eingebunden.

Du hast vor Kurzem einen Bildband namens “Presente, un’odissea” (Geschenke, eine Odyssee) herausgebracht. Um was geht es da?

Das ist mein erstes Buch und es erschien im März. Ich wollte ein Buch veröffentlichen, um meiner Arbeit eine konkrete Form zu geben. Deshalb habe ich letzten Sommer meine Projekte an einen Verlag geschickt... Sie mochten meine Bilder sehr und stimmten zu, sie zu publizieren. Ich hatte bei der Planung völlig freie Hand und bin wirklich stolz auf das Ergebnis und die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben haben. Ich habe dank der Ausstellung in einigen italienischen Städten viele Leute treffen können.

An was für Projekten arbeitest du im Moment? Und was wünscht du dir für deine fotografische Zukunft?

Ich habe einige Projekte am laufen, aber viele davon sind spontan, also versuche ich mich in meiner Arbeit nicht zu sehr einzuschränken. Ich organisiere weitere Ausstellungen, eine sogar in Mailand, wenn der Sommer vorbei ist.

Für meine Zukunft wünsche ich mir, mich auf technischer und persönlicher Ebene weiter zu verbessern!


Erfahre mehr zu Folurs Projekten auf ihrer Website, in ihrem LomoHome und auf Facebook page.

geschrieben von lomogiu am 2017-06-26 in #people
übersetzt von dopa

Mehr interessante Artikel