Luca Font: Doppelbelichtungen von Körpern, Formen und Farben (NSFW)

2017-06-12

Luca Font ist ein Künstler mit einem starken Wiedererkennungswert: Es ist einfach unmöglich, seine Werke zu vergessen nachdem man sie einmal gesehen hat. Primärfarben, definierte Linien und Geometrie vermischen sich in der Umsetzung seiner interessanten Werke, die uns an kubistische und futuristische Kunst erinnern.

Wir haben Luca eine La Sardina DIY geschickt, damit er sie personalisieren und ein paar Aufnahmen mit ihr machen konnte. Schauen wir doch mal, was dabei heraus gekommen ist und lernen ihn in diesem Interview etwas besser kennen.

Kannst du uns etwas von dir, deinem Hintergrund und deiner Kunst erzählen?

Ich wuchs mit Videospielen, Skateboarding und Graffitti auf - und als ob das nicht genug wäre, um ein Leben weit ab der Normalität zu führen, fing ich vor neun Jahren an hauptberuflich zu tätowieren. Ich reise viel und langweile mich nur selten, weil ich immer etwas Neues zu tun habe.

Dein Stil hat einen hohen Wiedererkennungsfaktor. Wie wurde dein Stil geboren und wie hat er sich entwickelt?

Ich hatte immer schon eine Schwäche für Grafikdesign und Typographie, sogar mehr als für bildlichere Kunstformen. Ich finde visuelle Synthesen und Abstraktion viel verführerischer als die simple Beschreibung der Realität und ich versuche einfach mit meiner Arbeit diesem Konzept zu folgen.

Wie ist der künstlerische Prozess bei der Erschaffung deiner Kunst? Was ist deine größte Inspirationsquelle?

Ich versuche zu illustrieren, was mir widerfährt, also lass ich oft meine Umwelt ein eine Idee vorschlagen, mir ein Bild oder eine Richtung zu zeigen und meine geistigen Assoziationen erledigen den Rest. Manchmal ist das Ende weit vom Anfang entfernt, was es noch interessanter macht, vor einer weißen Leinwand zu sitzen.

Worauf konzentrierst du dich im Moment?

Mit der Zeit erkannte ich die Ideen der Zeitgenossenschaft und der Kunst als Erzählprozesse. Für mich sind sie nicht nur als ästhetisch, sondern von grundlegender Bedeutung: Wenn man eine Beziehung mit dem Betrachter herstellen möchte, sollte sich jedes Werk wie ein Foto verhalten, das einen Moment belegt und die Empfindungen übermittelt, mit der es Aufgenommen wurde. Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass ich mich mehr und mehr auf meine direkten Erfahrungen und meinen kulturellen Hintergrund konzentriere, weil ich denke, dass dies die einzige Möglichkeit ist, eine Geschichte aufrichtig und interessant zu erzählen.

Wie ist deine Beziehung zu deinen Klienten?

Ich muss oft von einer Idee oder einem Konzept, nicht mit einem klar definierten Thema, beginnen, also besteht ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit darin, meinen Klienten zu zu hören und zu versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen, um die richtige Interpretation zu finden.

Erzähle uns bitte von deiner Beziehung zur Fotografie, insbesondere der analogen Fotografie.

Ich wuchs mit einer Spiegelreflexkamera auf, also war ich immer mit der Fotografie vertraut. Ich bin fasziniert von der Idee, sie für die Herstellung eines greifbaren Objekts zu verwenden. Auch wenn ich nur zum Spaß fotografierte, fotografierte ich weiterhin analog, auch noch nachdem ich mit der Digitalfotografie, die ich oft für die Arbeit nutze, angefangen hatte. Ich besitze Dutzende von Kameras für fast alle Formate und zahllose Boxen voller Negative, Kontaktabzügen und Fotos.

Was bedeutet dir die Lomography?

Eine anarchische Reaktion auf die Idee, dass ein Bild es nur verdient hat, so genannt zu werden, wenn es von einem professionellen Fotografen mit drei Assistenten und teurem Equipment gemacht wurde. Technik bedeutet nicht zwingend Aussagekraft!

Erzähle uns bitte von deiner personalisierten La Sadina DIY. Woher kam die Inspiration?

In diesem Jahr feiern wir den hundertsten Jahrestag der russischen Revolution, es schien mir also angemessen, bei der Gestaltung einem suprematistischen Ansatz zu folgen, der auf essentiellen geometrischen Formen und Primärfarben basiert. Die starren Formen waren dafür ebenfalls perfekt.

Erzähl uns von deinen Aufnahmen

Die Idee war, die zeitgenössische Erotik durch eine Abstraktion zu erzählen, die auf der Überlappung einer weiblichen Figur, geometrischen Formen und Farben basiert. Die La Sardina, die sich dadurch auszeichnet, wie leicht es mit ihr ist, Mehrfachbelichtungen zu machen, erlaubte es mir, auf jedem Frame zwei oder drei Belichtungen zu machen und so verschiedene Elemente und Posen zu fotografieren. Emilia, das Model, repräsentiert perfekt das Aufschwingen von weiblichen Stereotypen auf der Grundlage der Pinup-Ästhetik mit einem Hang zu einer stärkeren und natürlichen Herangehensweise, die so leicht an Androgynie erinnert, ohne an Sinnlichkeit zu verlieren.

Welches ist dein Lieblingsbild?

Tatsächlich war es schwierig, eine Aufnahmen auszuwählen, weil ich sie fast alle mochte, was ein tolles Ergebnis ist, wenn man von analoger Fotografie redet!


Wir danken Luca für die wunderschöne La Sardina, die er gestaltet hat und dass er seine Bilder mit uns teilt. Sie dir auf seiner Website und auf Instagram noch mehr seiner außergewöhnlichen Werke an.

geschrieben von lomogiu am 2017-06-12 in #people
übersetzt von dopa

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