Von Magie, Mysterien und Mehrfachbelichtungen - Ein Interview mit Kimberly Seabury

2017-06-15

Eine Künstlerin durch und durch kreiert Kimberly Seabury fesselnde Mehrfachbelichtungen, die verschiedene Ästhetiken und Stimmungen kombinieren. Wir haben uns mit ihr zusammen gesetzt, um mit ihr über ihre Werke, Musen und den kreativen Prozess zu sprechen.

© Kimberly Seabury

Hallo, Kimberly! Willkommen im Lomography-Magazin. Bitte stell dich uns unseren Lesern vor!

Hallo, Lomo! Ich bin Kimberly Seabury, eine Kunstfotografin, die auf Film fotografiert. Ich bin 29 Jahre alt und lebe derzeit in Salem, Oregon (USA); ursprünglich komme ich aber aus Santa Maria, Kalifornien (USA). Außerdem arbeite ich als Fototechnikerin bei Photovison, ich entwickel und scanne also auch dann Film, wenn ich nicht selbst fotografiere.

Wer ist Kimberly, wenn sie nicht fotografiert?

Ich bin eine Whiskey trinkende, "Frasier" guckende Frau, die immer auf dem Sprung ist. Wenn ich keine Fotos mache, oder arbeite, bin ich entweder auf langen Spaziergängen und grüble über die Existenz allen Lebens, oder ich verbringe die Zeit mit meinen Freunden.

© Kimberly Seabury

Erzähl uns davon, wie du die Fotografie entdeckt hat.

Das erste Mal, dass ich mich als Fotograf sah, war als ich acht war. Ich war auf einer langen Autofahrt mit meinem Vater und meine Geschwister, von Idaho zurück nach Oregon. Mein Vater fing an zu erzählen, dass irgendwann die Technik so weit wäre, dass man nur spezielle Kontaktlinsen tragen müsste um Fotos zu machen. Man müsse nur zwinkern und schon hätte man ein Foto gemacht. Von diesem Tag an tat ich so, als hätte ich solche Kontaktlinsen und jedes Mal, wenn ich etwas Schönes oder Besonderes sah, zwinkerte ich und machte ein imaginäres Bild.

Spulen wir etwas vor: Die 16-jährigen Kimberly stibitzte die digitale Kompaktkamera ihres Vaters, als er nicht darauf geachtet hat. Aufgewachsen mit Depressionen, war sie mein Ventil, um meine eigene Version von Schönheit zu schaffen, die ich nicht in mir selbst finden konnte. Ich habe mir selbst beigebracht, wie man fotografiert, aber in meinen frühen Zwanzigern habe ich angefangen, mich für die Filmfotografie zu interessieren. Ich belegte einen Kurs an der Volkshochschule und habe mich in die Möglichkeiten von Film verliebt. Seit dem hab ich meine Digitalkamera nicht mehr vermisst. In diesem Jahr hat der Dozent des Kurses, der mich zu der Fotografin gemacht hat, die ich heute bin, mich gebeten ihm zu assistieren.

© Kimberly Seabury

Wie definierst du Fotografie?

Ich mag das Wort "definieren" nicht, weil es mir ein bisschen zu permanent ist und sich meine Meinung mit den Jahren noch ändern könnte. Würde ich versuchen, zusammen zu fassen, was Fotografie für mich bedeutet, wäre es wohl der Versuches, die wertvollsten Momente einzufangen, bevor sie vergehen; die Emotionen einzuschließen, für immer in ein Negativ gebrannt einzuschließen, so dass sie für immer da sind, um sie anzusehen und sich an den Ort und die Zeit zu erinnern.

Wie unterscheiden sich deine professionelle und private Arbeiten?

Ich bin mir nicht mal sicher, dass sie sich überhaupt so stark unterscheiden. Ich genieße beides. Ich glaube, das eine ist kreativ kontrollierter als meine persönlichen Projekte. Von der Garderobe über Haare, Make-Up, Location, Thema und Modell, kann ich alles selbst entscheiden. Manchmal ist es aber auch schön, einfach nur Motive aufzuspüren und zu fotografieren.

© Kimberly Seabury

Auf welchem Gebiet fühlst du dich am wohlsten?

Natur. Film. Frauen. Magie.

Was ist dein Lieblingsmotiv? Woher beziehst du deine Inspiration? Was treibt deine Kreativität an?

Mein Lieblingsmotiv ist wohl die Natur. Sie sieht einfach gut aus. Meine Inspiration beziehe ich aus Filmen, Träumen, Musik und meiner eigenen Vorstellungskraft. Meine Kreativität wird üblicher Weise von der Hoffnung angetrieben, eines Tages besser zu werden, als ich es heute bin. Ich versuche mich immer, mein vorheriges selbst zu übertreffen und das hilft mir, neue Energie in meine Shootings und neue Ideen zu investieren.

© Kimberly Seabury

Deine Doppelbelichtungen sind erstaunlich. Wie und wann hast du erkannt, dass dies das passende Medium für deine Konzepte und Ideen sein würde?

Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht, ob das Medium passt. Ich liebe es einfach zu experimentieren, wie man auf neue Art auf Film fotografieren kann. Ich wurde ziemlich gut darin und machte einfach weiter, weil es mir so leicht fiel. Es ist einfach etwas, was ich für meine Aufnahmen mal ausprobieren wollte, um ihnen eine künstlerische und kreativere Perspektive zu geben.

Was macht deiner Meinung nach Mehrfachbelichtungen so besonders?

Ich persönlich liebe es, wenn man es schafft, ein bisschen die Seele des Models einzufangen, während man noch einen Hauch mysteriöses bewahrt. Ich versuche meine Doppelbelichtungen eher geisterhaft als hübsch zu machen.

© Kimberly Seabury

Gibt es eine Formel, der du in deinem kreativen Prozess folgst?

Nicht wirklich. Ich lerne das Model gerne ein bisschen kennen, bevor ich mit ihnen ins Shooting gehe. So kann ich besser erfassen, wer sie wirklich sind und kann so ihre Stärken nutzen. Es gibt nichts schlimmeres als jemand zu etwas machen zu wollen, was sie nicht sind. Solche Shootings sind nichts für mich, weil man das Unbehagen immer in den Augen der Models erkennen kann.

Wie schaffst du es, dass sich deine Models während des Shootings wohl fühlen?

Ich versuche sie zum lachen zu bringen und versichere ihnen, dass ich niemals ein schlechtes Bild von ihnen im Netz posten würde (ha). Das beruhigt sie. Außerdem lasse ich entspannende Musik, die zum Thema des Shootings passt, laufen um sie in die richtige Stimmung zu bringen.

Was wäre deine Traum-Location für ein Shooting?

Jeder Ort, der magisch aussieht, oder so, als stamme er aus einem Märchen. Island wäre toll, aber ich glaube jeder Ort hat großes Potential, wenn man nur gründlich genug danach sucht. Verschiedene Themen und verschiedene Leute machen es auch irgendwie einfacher, in die richtige Stimmung zu kommen und einen Ort zu finden, an den man mit ihnen gehen kann.

© Kimberly Seabury

Wie würdest du mit fünf Worten deinen Stil beschreiben?

Wunderlich, geheimnisvoll, kühn, launisch und magisch

Was sind deiner Meinung nach die Eigenschaften eines guten Fotos?

Für mich fesselt ein gutes Foto den Blick des Betrachters und lässt die Fantasie durchdrehen. Es provoziert in dir eine Emotion, die du nicht erklären kannst, und dennoch erhälst du so ein Gefühl der Verbundenheit mit dem Fotografen und der Story, die in dem Bild eingefangen wurde.Wenn es im Einklang mit deiner Seele ist, dann hat man ein gutes Foto.

© Kimberly Seabury

Welches ist dein Lieblingsbild und warum?

Ich glaube mein Lieblingsbild, das ich selbst gemacht habe, ist “Afterglow”. Es wird gerade in der High Street Gallery in Salem, Oregon (USA) ausgestellt, zusammen mit ein paar anderen meiner Doppelbelichtungen. Man findet es aber auch auf meiner Website unter "Prints". Es ist eine echte Doppelbelichtung, in meinem Schlafzimmer.mit einer alten Kamera aufgenommen. Ich war mir nicht einmal sicher, ob dieses Bild etwas werden würde, weil es so dunkel in dem Zimmer war, weil es im Kerzenschein gemacht wurde. Außerdem nutze ich meinen Körper und den Boden als Stativ, als ich das Bild gemacht habe. Im Hinterkopf hatte ich noch den Gedanken, das Bild würde sicher verwackeln, doch ich war so begeistert von der Atmosphäre um mich herum, dass ich es trotzdem versuchen wollte. Was ich nicht erwartet hatte, war, dass der Film perfekt belichtet war, als ich ihn aus dem Labor zurück erhielt. Und die scharfen Doppelbelichtungen erstreckten sich von einfachen Bildern bis hin zu einem ganz anderen Medium, fast schon wie Gemälde.

© Kimberly Seabury

Was würdest du sagen, war für dich als Künstlerin die größte Herausforderung? Wie hast du sie bewältigt?

Die größte Herausforderung ist, sich die Freiheit und Zeit zu nehmen, die es braucht, die Fotos zu machen, die man machen will. Wenn man so viel arbeitet, dass man weniger Fotos macht, die interessant sind, weil die Arbeit die ganze Konzentration aufbraucht. Sich Zeit zu nehmen, um Ideen und Konzepte zu kultivieren ist für die Konzentration viel wichtiger, als meine Zeit und Energie anders zu vergeuden.

Welche Kameras/Filme/Zubehör nutzt du für deine professionelle und private Arbeit?

Ich habe keine wirkliche Präferenz, was den Filmtyp, den ich nutze, angeht. Ich weiß, welchen Film ich bei bestimmtem Wetter, Locations und Farben nutzen muss, also variiere ich entsprechend. Die meiste Zeit habe ich Kodak 400, 160 und Fuji 400 dabei. Ich fotografiere derzeit mit einer Mamiya 645 Pro TL, Canon 1V und einigen Vintage-Kameras.

© Kimberly Seabury

Gibt es einen Fotografen/Künstler, den du besonders verehrst?

Ich versuche mich nicht zu sehr auf die Sachen anderer zu konzentrieren, doch ein lieber Freund von mir, zu dem ich als Fotograf aufschaue, wäre Dmitri Von Klein (auch bekannt als Monovita). Er und ich haben die gleiche Einstellung, was ein tolles Foto ausmacht. Unsere Freundschaft hilft mir, seine Persönlichkeit in seinen Fotografien zu sehen, und deshalb kann ich mich auf sie beziehen.

Mit wen würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Mit einem Raben, einem Wolf und einem Einhorn.

Gibt es irgendwelche anstehende Projekte? Bitte erzähl uns davon.

Ich habe derzeit eine Menge anstehender Projekte, aber sie schwirren alle noch in meinem Kopf und ich habe mich noch nicht festgelegt. Ich weiß nur, dass ich irgendwann fotografieren muss und wenn ich die richtige Person treffe, kann ich in eines der Themen nutzen, die ich mir vorher überlegt habe.

© Kimberly Seabury

Wenn du kein Fotograf wärst, was wärst du dann?

Ich wäre wahrscheinlich ein Akupunkteur, weil ich die alternative Medizin wirklich liebe. Ich genieße Spiritualität und alles, was dein Gehirn für anderen Möglichkeiten öffnet und dein Bewusstseins-Niveau erhöht.

Was soll dein Publikum mit nach Hause nehmen, nachdem es deine Bilder gesehen hat?

Ich möchte, dass sie in der Lage sind, meine Bilder zu betrachten und sich von den Reichen inspirieren zu lassen, die sie in ihrer eigenen Vorstellungskraft schaffen können. Ich fände es toll, wenn sie das Gefühl für Fantasie und Geheimnis in meinen Fotos spüren. Ich möchte, dass meine Bilder sie in eine andere Welt bringen und sie sich gut fühlen, wenn auch nur für eine Minute.

Irgendwelche letzten Worte für unsere Leser?

Macht Fotos, die eure Seele genießen wird, nicht irgendjemand anderes.


Wir danken Kimberly für die Möglichkeit, sie und ihre Werke zeigen zu können und mehr über ihren kreativen Prozess zu erfahren. Ihr findet noch weitere Werke von ihr auf ihrer Website und auf Instagram.

geschrieben von cheeo am 2017-06-15 in #News #people
übersetzt von dopa

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