Inspirierende Worte von Laura Zalenga

2017-06-11

Laura Zalenga ist eine Fotografin aus Deutschland. Durch ihre klare visuelle Ausdrucksweise gibt sie jedem Bild eine treffende Geschichte und ehrliche Gefühle. Hierdurch hebt sich ihre Fotografie von der Menge ab. Sie ist davon überzeugt, dass Fotografie eine Art Therapie für den Menschen ist. Im Interview werfen wir einen Blick in das Leben der berühmten Fotografin.

(c) Laura Zalenga

Liebe Laura. Dein Abenteuer in der Fotografie hat 2009 begonnen, heute bist du eine der bekanntesten Fotografinnen Deutschlands. Auch international hast du dir einen Namen gemacht. Wie fühlt sich das an, wenn du zurück denkst an den Anfang deiner Reise?

Erst einmal ist es völlig verrückt das so zu lesen. Frage mich spontan, um wen es in der Frage geht. Es muss da eine Verwechslung geben. Ich bin doch immer noch die kleine Laura, die so vor sich hin probiert.
Klar hat sich in den letzten 8 Jahren einiges verändert. Seit 2015 ist die Fotografie mein Beruf und aus etwas, das ich nur gern gemacht habe, ist noch mehr Liebe, aber auch viel Druck geworden. Am Anfang ist man unerfahren, hat keine Profi-Ausrüstung und ist manchmal frustriert, dass man einfach noch nicht weiß, wie man Dinge, die man im Kopf hat, umsetzen kann.
Heute ist es andersherum, alles andere klappt, aber auf Knopfdruck immer tolle Ideen im Kopf haben...
Manchmal vermisse ich die Anfänge an denen ich völlig frei war. Es ist einfach aus mir herausgebrochen.
Wie immer hat wohl jede Entwicklungsstufe ihre Herausforderungen.

(c) Laura Zalenga

Deine Portraits – nicht nur deine Selbstportraits – erzählen von einer sensiblen Persönlichkeit. Du lässt auch eigentlich lieber deine Fotografien für dich sprechen, ohne viele Worte zu verlieren. Nun ist dein Name aber in aller Munde, wie gehst du als selbsternannte „Eigenbrötlerin“ mit all der Aufmerksamkeit um?

Im echten Leben kann ich tatsächlich auch eine kleine, quirlige, (viel zu schnell redende) Quasselstrippe sein :) Jeder der mich bei meinen Workshops, Vorträgen oder einfach auf der Straße getroffen hat, wird das wahrscheinlich lachend bestätigen. Immer wieder lustig, wie Menschen, die nur meine Bilder kennen, überrascht sind, dass ich klein und fröhlich bin, und keine Märchenkleider trage, sondern eher schlichte Schnitte.

Das mit der Aufmerksamkeit ist ja hauptsächlich online. Ab und zu spricht mich jemand in München auf der Straße oder bei einem Festival an, aber mein Alltag ist eigentlich wie immer. Online sieht man auch täglich gefühlt nur andere Fotografen, die noch viel größere Zahlen neben ihren Namen sammeln, nur reisen und mit allen Stars zusammenarbeiten. Da kommt man sich ganz schnell noch immer sehr klein und unbekannt und so vor.

(c) Laura Zalenga

Deine Selbstportraits sind keine Portraits deiner Selbst, sondern vielmehr Portraits von Charakteren, die du verkörperst. Was sind das für Charaktere, die du zeigen möchtest?

Ich glaube, es sind Charaktere, die von den Facetten erzählen, die man sonst nicht so viel zeigt oder zeigen kann. Wir leben doch so sehr in einer Gesellschaft, in der man nur noch zur Schau stellt, wie toll es uns geht und wie gut alles ist. Wenn man sich auf den Netzwerken umsieht, gibt es eigentlich nur Bilder von lachenden Bikinimädchen mit perfektem Körper, Reisen zu Paradiesstränden im Abendlicht oder der Kombination aus beidem.
Diese Bilder bekommen die meisten Likes, aber wen berühren sie?
Genau. Und ich will Bilder sehen, die mich berühren können. Ich bin für mehr Ryan Muirhead und mehr Lauren Withrow. Mehr Melancholie und mehr Ehrlichkeit (darüber, dass keiner nur gute Tage hat). (Und ich bin auch für mehr Kreativität. Mehr Ben Zank wäre so schön. Jeder kann die Schönheit eines tollen Strandes erkennen, aber wie großartig sind Menschen, die die Schönheit einer gelben Rutsche oder eines Stückchen Straßenbelags erkennen/umsetzen?)
Zurück zum Thema: Ich liebe was man in Menschen und Gesichtern sieht, wenn sie nicht lächeln. Man sieht ihre Geschichten. Lächeln sind großartig, aber sie überdecken alles, was sonst zu sehen wäre. Dieses 'sonst' will ich einfangen, es fasziniert mich.
Und zumindest von meinen Selbstportraits kann ich das erzählen: es tut gut nachdenklich zu sein und zu akzeptieren, dass nicht jeder Moment zum Lächeln bringt. Melancholie ist so ein großes Geschenk. Sie erinnert uns, wie dankbar wir für die wirklich tollen Momente sein dürfen.

(c) Laura Zalenga

Du hast dich als junges Mädchen von den Fotografien deines Vaters inspirieren lassen, Jahre später hast du selbst zur Kamera gegriffen. Spielt dein Vater auch heute noch eine besondere Rolle in deiner Arbeit?

Auf jeden Fall, er ist mein größter Kritiker, was in einer Welt in der man oft nicht einmal auf Nachfrage konstruktive Kritik bekommt, sehr hilfreich ist. Er ist aber auch derjenige, der mir immer wieder vor Augen hält, was ich schon erreicht habe, wenn ich mal wieder an allem zweifle.

Du kommst aus der Architektur, eine Disziplin, die oftmals stark mit grafischen, strukturierten Ästhetiken einhergeht. Deine Fotografien hingegen beschäftigen sich mit träumerischen Märchenwelten. Hat die Architektur dennoch einen Einfluss auf deine Arbeit?

Interessanterweise höre ich ganz oft, dass die klare Bildsprache und der ruhige Bildaufbau viele erkennen lässt, dass ich Architektur liebe und studiert habe. Ich denke, dass ich zumindest viel über Komposition aus der Architektur mitgenommen habe. Ich arbeite gern mit 'negativ space' - was für mich etwas ziemlich Architektonisches ist.

Und auch heute noch bin ich verliebt in schöne Gebäude. In der Therme Vals oder der Pinakothek der Moderne könnte ich Tage verbringen und über die Kraft der Reduziertheit staunen.

Was bewegt dich außerhalb der Fotografie?

Jede Menge kleine und große Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft. Dass wir Menschen immer noch nicht nach ihrem Charakter beurteilen, sondern nach Geschlecht, Glauben, Aussehen, Herkunft etc; dass wir Menschen uns erlauben andere fühlende Wesen auszubeuten, zu quälen, zu ermorden und zu essen, für nichts als unseren Genuss; dass wir Menschen unser Zuhause behandeln, als wäre es eines von vielen; dass die eine Hälfte der Menschheit ihre Nippel bedecken muss und die andere nicht; dass wir über Krebs reden können, aber nicht über Depressionen; dass wir in der Schule die Ableitungen einer Logarithmus-Funktionen lernen, aber nicht wie man etwas Gesundes kocht oder wie wichtig Achtsamkeit ist; und so vieles mehr.
Verbessere im Moment noch vor meiner eigenen Tür, und kann dann hoffentlich andere anstoßen, das auch zu tun.

(c) Laura Zalenga

Dein Instagram Account, auf welchem du deine Arbeiten präsentierst, hat ein sehr gewähltes Layout, das sich von üblichen Feeds abhebt: du präsentierst Bilder in dreiteiligen Panoramen. Was steckt hinter dieser stilistischen Entscheidung? Wie sticht man heute als Fotograf aus der Menge heraus, auf einer Plattform, die nicht nur der professionellen Fotografie gewidmet ist?

Ich bin einfach ein Fan von seit länglichen Formaten und zeige auch sonst meist alles in 16:9. Auf Instagram wäre das dann im Feed aber winzig. Deshalb habe ich mich irgendwann zu dem jetzigen Layout entschieden. Es ist Segen und Fluch zugleich. Es sticht heraus und sieht auf dem Stream selbst toll aus, ich bekomme viele Nachrichten, dass es gut ankommt. Aber der neue Algorithmus ist nicht unbedingt von Vorteil. Die Randbilder ziehen jede Statistik in den Keller. Wäre ich Hobbyfotograf könnte mir das natürlich total egal sein. Aber wenn man unter anderem von Instagram lebt, denkt man sich mehrmals täglich, ob man sich selbst treu bleibt, oder dem Druck der Plattformmacher nachgibt...
Ich merke immer mehr, dass Herausstechen gar nicht mehr das Ziel ist. Instagram zeigt, dass immer wieder die gleichen Themen oder sogar fast identische Bilder, die meisten Likes bekommen (und somit auch von Firmen wahrgenommen und angefragt werden). Wohingegen, die die wirklich kreativ sind, meist nur eine Hand voll Follower haben. Die breite Masse hat die Macht und will wie immer viel nackte Haut und den Grand Canyon sehen.
Ich denke, herauszustechen ist gar nicht so schwer, wenn man experimentiert und frei bleibt, aber, ob es einem etwas bringt - außer der persönlichen Befriedigung - bleibt eine andere Frage.

Du hast dir die Fotografie selbst beigebracht und bist online mit deinen Arbeiten groß geworden – wieder ein Beispiel dafür, dass wir heute mehr als je zuvor alles erreichen können, was wir uns erträumen. Möchtest du angehenden Fotografen etwas auf ihrem Weg mitgeben, das du in all den Jahren gelernt hast?

Stop being the print of someone else's painting - wie Ongoing Concept so unglaublich gut sagt. Schaut euch viel an, aber kommt immer wieder zu euch zurück und hört in euch hinein und setzt die Ideen um, die in euch selbst brennen.
Und: ich lerne gerade erst wie unglaublich wichtig es ist, von denen zu lernen die schon 20 Jahre Berufserfahrung haben. Immer alles alleine herausfinden zu wollen ist unglaublich mühsam und manchmal einfach fast unmöglich - Pricing zum Beispiel. Wenn man da nicht von der Fotoschule kommt, steht man ganz schön dumm da. Fotografisch stehe ich voll dahinter sich so viel wie möglich selbst beizubringen, aber die organisatorischen Dinge, Marketing, wirtschaftliche Aspekte... Fragt lieber gleich nach. Und oft kann man ja auch etwas zurückgeben, dadurch dass man die nächste Generation ist und sich vielleicht mit Social Media besser auskennt.

Digitale Nachbearbeitung ist ein wichtiger Teil deines fotografischen Schaffens. Hast du dabei schon beim Shooting im Kopf, was später im Zuge der Nachbearbeitung aus dem Bild entstehen soll, oder lässt du dich einfach von den Zwischenergebnissen der Manipulationen leiten?

In den allermeisten Fällen sehe ich schon beim Shooting genau, was ich nachher noch anpasse - habe das fertige Bild vor Augen.
Aber allgemein bin ich ein großer Fan davon spontanen Idee nachzugeben und einfach auszuprobieren - sowohl beim Shooting als auch bei der Bearbeitung.

(c) Laura Zalenga

Immer mehr lässt dich deine Arbeit als Fotografin auch auf Reisen gehen. Was waren die schönsten Momente, die du dabei erlebt hast, und welches Abenteuer würdest du gern als nächstes wagen?

Am Ende sind es egal an welchem Ort die Begegnungen, die in Erinnerung bleiben. Mein schönster Moment auf den Färöer Inseln zum Beispiel, war ein langes Gespräch mit einem gleichaltrigen jungen Mann, der dort in einem Dorf mit 25 Einwohnern lebt. Am Ende durfte ich noch ein Entenbaby streicheln... Ich wäre fast dort geblieben.
Und ich werde natürlich für immer von Oregons nebeliger Küste träumen.
Aber es ist einfach eine Tatsache: mit den Lieblingsmenschen ist selbst ein begrünter Hinterhof schon ziemlich nah am Paradies.

Hat man es als Frau – insbesondere als schöne und junge Frau – in der Fotografie manchmal schwerer, als das andere Geschlecht?

Online merke ich da eigentlich keine Nachteile, da werden ja auch mehr die Bilder gesehen, als man selbst. Im echten Leben hingegen spürt man öfter, dass die Menschen einem Mädchen, dass aussieht, als wäre es erst 20, nicht besonders viel zutrauen. Da wird man schon mal für die Freundin, das Fangirl, das Hobbymodel oder - wenn es gut läuft - die Fotoassistentin gehalten.
Wenn sie dann mein Portfolio sehen und mit wem ich schon gearbeitet habe, sind sie erstaunt und viel interessierter. Als ob das plötzlich ändern würde, wer ich bin.
Aber man muss es wohl positiv sehen und sich freuen, dass man diesen Menschen zeigt, dass ihr Vorurteil falsch war.

(c) Laura Zalenga

Du hast für uns mit der Lomo’Instant Wide fotografiert. Was bedeutet die Sofortbildfotografie für dich als Digital Native?

Es fühlt sich wie Urlaub an. Oder wie wieder Kind sein. Ausprobieren, frei sein, die kleinen Dinge unter die Lupe nehmen. Und natürlich das Abwarten, wenn das Bild langsam entsteht. Besser als je ein Überraschungsei hätte sein können.
Es fühlt sich gut an jedem Bild so eine große Wertschätzung entgegen zu bringen. Vor dem Auslösen drei mal prüfen, ob auch alles richtig eingestellt ist.
Aber auch nachher zu lernen optische Fehler zu akzeptieren und sogar schön zu finden..
Und na klar, ich liebe Querformate. Einfach immer ein kleines Stückchen mehr das Gefühl einer Geschichte.

(c) Laura Zalenga

Auf was dürfen wir als nächstes bei dir gespannt sein?

Will das seit Jahren machen und tue es nun hoffentlich bald: Die Schönheit des Alters portraitieren.


Werfe einen Blick auf Laura's Instagram oder auf ihre Website und lass dich von ihrer Kreativität und Ausdrucksweise inspirieren!

(c) Laura Zalenga

geschrieben von helmadee am 2017-06-11 in #culture #people

Erwähntes Produkt

Lomo'Instant Wide

Lomo'Instant Wide

Ganz aufgeregt sind wir, denn wir stellen euch die Lomo'Instant Wide vor — die weltweit kreativste Sofortbildkamera mit Objektivsystem für das Fujifilm Instax Wide Format. Sie vereint qualitative Handwerkskunst mit vielseitigen kreativen Einstellungsmöglichkeiten, die Lomo'Instant Wide ist die richtige Sofortbildkamera für jeden, der die schönsten, verrücktesten und abenteuerlichsten Momente unseres Alltags in originellen, weitwinkligen, außerordentlich scharfen und perfekt belichteten Bildern festhalten will.

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