Das hübsche Schottland

Als langjähriger Fan von Plastikkameras, hat die argentinische Autorin & Fotografin Lorraine Healy “Tricks With A Plastic Wonder”, einer Anleitung für bessere Resultate mit Holga-Kameras, herausgebracht. Inspiriert von dem Bildern und dem jüngsten Artikel von Tristan Aitchison, teilt Healy ihre Bilder von einem Workshop in den West-Highlands von Schottland.

Loch Corran, Kyle of Lochalsh. Holga N.

Tristan Aitchisons wundervollen Artikel, wie er mitten im Winter eine Woche lang die North Cost 500 entlang den schottischen Highlands gefahren ist, zu lesen, hat mich dazu inspiriert, die Bilder aus meiner Zeit in den schottischen Highlands und der Isle of Skye, die ich bei einem Workshop des englischen Fotografen Lee Frost und dem schotten Duncan McEwan gemacht habe, heraus zu suchen. Es war Anfang Herbst, mit tollen Temperaturen - aber immer noch mit Unmengen an Mücken!

Corran (links) and Torrin (rechts). Kyle of Lochalsh, Scottish Highlands. Holga N.

Der Workshop fand an zwei Orten statt: Die ersten drei Tage waren wir in der Gegend um Kyle of Lochalsh, nur einen schmalen Streifen Wasser von der Isle of Skye entfernt und die letzten vier Tage waren wir dann in Skye selbst. Es ist schwer, die Schönheit dieses Ortes zu beschreiben, also versuche ich es gar nicht erst. Ich hoffe die Bilder sprechen für sich. Als normaler Besuche, der knapp eine Woche hier wäre, wäre es unmöglich gewesen, an so vielen Orten pünktlich für das perfekten Licht zu sein. Lee und Duncan haben dort die gesamte Saison damit verbracht Fotos zu machen, aber es war Duncans intuitiver, unheimlicher Sinn für das Wetter in den Highlands, die es uns ermöglichte, auf der Stelle unsere Pläne zu ändern und den Bus mit 15 Fotografen zu dem Ort mit dem spektakulärsten Licht, das man sich vorstellen kann, zu buchsieren.

Neist Point von zwei Seiten. Leica Mini Zoom und Holga N.

Lange hat mich “ernsthafte Landschaftsfotografie” abgeschreckt - also die Art, die man in all den Magazinen sieht. Ich wollte außerdem mehr von Schottland sehen, nicht nur Edinburgh, in das ich mich vor 16 Jahren verliebte. Ich wusste also, dass ich meine Erfahrungen vom Vorjahr in Irland ergänzen müsste, indem ich mal versuchen würde, auf der anderen Straßenseite zu fahren - auch wenn ich meinen Leihwagen hinterher verbeult und verkratzt am Flughafen von Dublin zurückgeben würde. Dieser Trip, der auf Landschaftsfotografen zugeschnitten war, schien mir perfekt dafür.

Oben: Loch Corran, Holga-Panorama (so mit der Kamera aufgenommen). Unten: Felsen am Strand von Elgol (links) und (rechts) der Fährhafen von Úig, Isle of Skye. Alle Bilder aufgenommen mit der Holga N.

Abgesehen davon, dass es naja… irgendwie nicht so aussah, als würde ich dazu gehören. Da ich mich primär auf meine Toy-Kameras, mein iPhone und eine spiegellose Digitalkamera mit 35mm-Festbrennweite verließ, war ich etwas unter schlechter ausgerüstet, wenn man die Ausrüstung der anderen berücksichtigt. Aber alle kein Problem! Meine Holga und ich waren herzlich willkommen. Die Leute ließen mich einfach ihr Equipment ausprobieren, so dass ich ein Gefühl dafür bekommen konnte und da jeder, der dabei war, noch in den Tagen der analogen Fotografie angefangen hatte, verstanden auch alle, was ich vorhatte. Als langjährige Landschaftsfoto-Profis hatten aber alle eine übernatürliche Geduld und einer Gleichgültigkeit gegenüber den Wetterverhältnissen, die mich wirklich überrascht hat. Sie konnten stundenlang auf den perfekten Lichtstrahl warten, dass er durch die Barriere der dunklen schottischen Wolken kommt. Und wenn Duncan sagte, dass der Lichtstrahl kommen würde, dann kam er tatsächlich!

Einer der Wege nach Corran, Holga N (links) und in der Nähe von Glendale, Leica Mini Zoom(rechts).

Heißt das, dass ich gelernt habe, im strömenden Regen auf die magische Aufnahme zu warten, während ich von Mücken aufgefressen werde? Hmmm… die beiden Bilder oben zeigen zwei Beispiele, wo ich nicht auf den magischen Augenblick gewartet und diese Sonnenstrahlen, die durch Nebel und Wolken brachen, verpasst habe. Aber ich habe gelernt, geduldiger zu sein! Und das Ganze ohne einen nennenswerten Zoom? Der mickrige Zoom an meiner Leica-Kompaktkamera, war eher kümmerlich. Ich zoomte also mit meinen Füßen, auf die gute alte Weise.

Die berühmte Ruine vom Eilean Donan Castle, Kyle of Lochalsh. Leica Mini Zoom.

Der Gedanke, einfach aus der Hüfte zu schießen, wäre für meine Mitfotografen unverständlich gewesen. Sie schätzten Präzision, sorgfältig Komponieren und sie produzierten Fotos von atemberaubender Schönheit. Die Tatsache, dass ich mit analogen Kameras fotografiere, ist egal. Die Tatsache, dass ich mir nicht immer genug Zeit nahm, um einer Landschaft gerecht zu werden, war eine wichtige Lektion, die ich erst zu lernen hatte.

Der Artikel von Tristan Aitchison berichtet ausführlich über die vielen verlassenen Crofts in den schottischen Highlands, über die traurigen historischen Hintergründe dieser Strukturen, die in ganz Nordschottland und den schottischen Inseln langsam zerbröckeln. Sie waren meine Lieblingsplätze und ich fand sie unglaublich bewegend.

Wir hatten die Möglichkeit, zu Fuß das Dorf Struan zu erkunden und in einer Ruine fanden wir eine aufgeschlagene Bibel, die noch die Seite zeigte, auf der irgendwann mal jemand aufgehört hat, in ihr zu lesen. Ganz eindeutig war dieser Ort bis vor ein paar Jahren noch bewohnt gewesen, aber trotzdem fühlte es sich so trostlos an, als wäre er seit dem 19. Jahrundert leer geblieben.

Zurückgelassene Bibel in einem leerstehenden Bauernhof, Struan, Isle of Skye. Leica Mini Zoom.
Wohnhaus eines kleinen Bauernhofs, Skye. Holga N, Farbnegativ-Scan, in Sepia umgewandelt.

Eine Woche in den schottischen Highlands kratzte gerade einmal an der Oberfläche. Viele meiner Mitfotografen (die Hälfte der Gruppe war englisch und die Hälfte war schottisch) hatten schon in den Shetlands, den Hebriden, den östlichen Highlands und der Isle of Eigg Fotos gemacht. Sie konnten ein Leben lang nur den Norden Schottlands fotografieren, ohne irgendwo anders zu gehen. Nun, vielleicht noch nach Edinburgh, um im August während des Fringe-Festivals Street-Fotos machen zu können.

Fischerboot, Struan, Isle of Skye. Holga N.
Links: Sheenah, Inhaber des Tea Hut in Corran und ihre Hochland-Rinder rechts. Beide Bilder Holga N.

Lorraine Healy (@lorrainehealy) ist an argentinische Autorin und Fotografin, die im pazifischen Nordwesten lebt. Sie ist langjähriger Fan von Plastikkameras und Autorin von Tricks With A Plastic Wonder, eine Anleitung für bessere Resultate mit Holga-Kameras, das als eBook auf Amazon erhältlich ist.

geschrieben von Lorraine Healy am 2017-05-25 in #places

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