Meine Lieblingsorte in Buenos Aires: Der Friedhof La Recoleta

2017-05-19

Als langjähriger Fan von Plastikkameras, hat die argentinische Autorin & Fotografin Lorraine Healy Tricks With A Plastic Wonder, eine Anleitung für bessere Resultate mit Holga-Kameras, herausgebracht. In diesem Artikeln erfüllt Healy ein Versprechen, das sie letztes Jahr dem Lomographen @sirio174 gab und schreibt von Argentiniens berühmtesten Friedhof und zeigt uns ihre neuesten Bilder.

La Recoleta-Friedhof im Zentrum von Buenos Aires. Pentax K1000.

Letzten August habe ich einen Artikel über den größten Friedhof Buenos Aires’, dem La Chacarita, im Lomography-Magazin veröffentlicht, da dies ein toller Ort zum fotografieren ist.

Lomograph und Magazin-Mitarbeiter @sirio174 fragte mich danach: “Was ist denn mit dem berühmtesten Friedhof Buenos Aires’, dem La Recoleta in Barrio Norte, dem Nobelviertel im Norden der Stadt?” Er ist sicher der, den jeder Tourist sehen will, vor allem um die Familiengruft der berühmtesten argentinischen Berühmtheit auf dem La Recoleta zu besuchen: Eva Duarte de Perón, Evita.

Recoleta-Engel, links mit der Holga S, die zu einer Pinhole-Kamera umgebaut wurde, rechts mit der LC-A 120.

Davide hatte natürlich vollkommen Recht zu fragen,aber ich musste gestehen, dass ich kein einziges Bild von La Recoleta finden konnte. Ich war seit den Tagen in denen ich die Grundlagen der Fotografie erlernt habe nicht wieder dort gewesen. Also versprach ich, dass ich auf meiner nächsten Reise eine Pilgerfahrt machen und den Ort mit allen Kameras, die ich dabei hätte, fotografieren würde. Im vergangenen Februar habe ich, begleitet von meiner unerschrockenen Nichte und ihren vielen Kameras, den wahnsinnig heißen Temperaturen des südlichen Sommers getrotzt, um mein Versprechen zu erfüllen. Weil ich mich nicht nicht wirklich auf mich selbst verlassen kann, dachte ich mir, ich könne ein kleines, unwissenschaftliches Experiment durchführen und die gleichen Bilder mit verschiedenen Kameras und Filmen zu knipsen. Man muss sich nicht wundern, woher meine Nichte das hat. ... Stunden später, saßen wir unter dem riesigen Ombú-Baum, der mitten auf dem Friedhofs steht und nahmen im Café La Biela ein paar dringend benötigte Erfrischungen zu uns. Da hat Fía mit ihrem Telefon ein Bild von unseren Tisch und den Kameras gemacht und erkläre sofort: "Die sind alle nötig."

Handybild ©Fía Fernández Crespo. "Die sind alle nötig." Man kann mich an der Ecke sehen, wie ich eine Holga in der Hand halte.

Aber lasst uns kurz die Geschichte von La Recoleta rekapitulieren, auch wenn ich in meinem früheren Artikel schon etwas erzählt hatte.

Der Friedhof ist auf dem Land gebaut worden, das ursprünglich von den Franziskanermönchen des Recoleto-Ordens und der Kirche “Unsere Liebe Frau von Pilar” (Iglesia de Nuestra Señora del Pilar), die 1732 entstand, genutzt wurde.

Der Orden wurde 1822 aufgelöst und das Kloster samt Garten wurde, nach Entwurf des französischen Städteplaners Próspero Catelin, in den ersten öffentlichen Friedhof in Buenos Aires umgewandelt. Die Gegend war 1822 noch ziemlich unbewohnt, aber Cholera- und Gelbfieber-Epidemien trafen Buenos Aires hart in den 1870er. Wohlhabende Porteños zogen von dem südlichen Zentrum der Stadt in die Gegend des Recoleta, die höher gelegen war, deswegen besser belüftet wurde und somit als gesünder galt. Bis heute zieren schöne alte Bäume, Villen und andere prächtige Wohngebäude, die in den 1930ern und 1940ern entstande, die Straßen um den Friedhof. Diese Gebäude und die Kirche sind so reichhaltig, dass man Engel auf den Gruften sehen kann, und direkt hinter der Friedhofsmauer modernere Gebäude zu sehen sind, die den Friedhof komplett umgeben.

Holga 135BC (links) und Pentax K 1000.

In manchen Fällen ist der Kontrast zwischen der moderneren Umgebung und den klassischen Statuen ziemlich überraschend.

LC-A 120 und Earl Grey 100

Gegründet keine sechs Jahre nach der Unabhängigkeit Argentiniens, wurde der La Recoleta-Friedhof zur Ruhestätte vieler berühmter Soldaten und Patrioten sowie der frühen Millionäre des jungen Landes. Wenn einige der Gruften so aussehen als seien sie schon seit fast 200 Jahren da, dann, weil sie es sind.Hier ist eine von ihnen,fotografiert mit drei meiner Kameras, der Holga Pinhole, LC-A 120 und Holga 135BC (mit etwas Bildzuschnitt). Im letzten kann man - ganz nah und in Farbe - sehen, wie viel Verfall die Gebäude zeigen.

Eine der ältesten Gewölbe auf dem Friedhof, aufgenommen mit der Holga Pinhole, LC-A 120 und Holga 135BC.

Bekannt für seine schönen Statue, ist La Recoleta ein Schaukasten für klassische, religiöse Kunst - nicht nur an der Außenseite der Gruften, sondern auch von innen, in Form von Glasmalerei, religiöse Schnitzereien, und sogar einige der schmiedeeisernen Gitter, die als Tore dienen. Wie ich schon beim Chacarita-Friedhof erwähnt habe, sind viele dieser Gewölbe aufgegeben worden. Wenn keiner die Instandhaltungskosten zahlt, führt dies zu zerbrochenen Fenstern und für Fotografen bedeutet das eine Chance, hinein zu gucken, oder sogar die Kameras durch das Fenster und Gitter zu schieben, um die abblätternde Farbe und die verfallenden religiösen Artefakte aufzunehmen.

LC-A 120 mit unbeabsichtigten Light-Leaks, wegen einer “fetten” Rolle. In einem Gewölbe auf dem La Recoleta.
Ein Glasfenster einer Gruft mit schmiedeeisernem Gitter, der Messing-Griff eines Sargs in einer Recoleta-Gruft. Holga 135BC.

So einen alten Friedhof gibt es natürlich nicht ohne Geister und Gespenster und ich glaube, mein Pinhole hat an diesem Montag einen eingefangen.

Holga S Pinhole-Mod von Holgamod-Magier, Randy Smith. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, was hier passiert ist!

Trotz der Hitze und dem Feiertag (es war Karneval-Montag), gab es Massen von Touristen, die an diesem Tag durch die engen Gassen des Recoleta liefen. Fía und ich haben den Überblick verloren, wie oft wir nach Evitas Grab gefragt wurden. Wir schickten sie in den richtigen Quadranten (es ist die Unmöglichkeit, auf einem Friedhof genaue Wegbeschreibungen zu geben... "An dem weißen Engel scharf rechts”?) und schlugen vor, dass sie sich dem Rest der Leute in dem Bereich anschließen. Und dann sind wir so gelaufen, dass wir ein paar Bilder für diesen Artikel schießen konnten. Das Familiengewölbe der Duartes ist ein Beispiel für eine schwarze Marmorgruft aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Wenn nicht wegen seiner berühmten Besitzern und den Blumen und Kerzen der vielen, die Evita geliebt haben, wäre es unmöglich, die Gruft zu erkennen herauszufinden.

Familiengruft on Eva Duarte de Perons auf dem La Recoleta-Friedhof , Holga 135BC (links) und LC-A 120 (rechts). Dies sind die Besten, die wir machen konnten, wegen der Massen von Menschen, die versuchen, Fotos von La Recoletas berühmtesten Gewölbe zu machen.

In gewisser Weise verdanke ich meine Existenz dem Recoleta-Friedhof. Meine Großeltern mütterlicherseits trafen sich hier das erste Mal, als sie 1924 ihren verstorbenen Verwandten am Tag der Toten Respekt zollten. Mein Großvater war noch in der medizinischen Fakultät, also mussten sie noch ein paar Jahre warten, bis sie nebenan (in der Kirche “Unsere Liebe Frau von Pilar”, die die Recoletos-Mönche gebaut hatten) heiraten konnten.

Unsere Liebe Frau von Pilar,neben dem Recoleta-Friedhof. Pentax K 1000, leicht beschnitten. Meine Großeltern mütterlicherseits haben hier im April 1928 geheiratet.

Lorraine Healy (@lorrainehealy) ist an argentinische Autorin und Fotografin, die im pazifischen Nordwesten lebt. Sie ist langjähriger Fan von Plastikkameras und Autorin von Tricks With A Plastic Wonder, eine Anleitung für bessere Resultate mit Holga-Kameras, das als eBook auf Amazon erhältlich ist.

geschrieben von Lorraine Healy am 2017-05-19 in #places
übersetzt von dopa

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