Hidden Humanity: Ein Interview mit Alberto Ros

2017-05-06

Alberto Ros ist ein spanischer Fotograf, der mit der Fotografie aufgewachsen ist. Er wurde schon früh Teil der fotografischen Welt und ist seitdem fasziniert. Sein Projekt Hidden Humanity wird dir den Atem rauben und viele Fragen in Bezug auf die Gesellschaft, in der wir leben, aufwerfen.

Dunkelheit und Licht liegen in jedem von uns. Alberto wollte das durch diese atemberaubende Serie betonen. In diesem Interview teilt er seine Geschichte hinter diesen Fotos mit uns und spricht mehr über den Wet-Plate-Collodion-Prozess, den er verwendete, um diese atemberaubenden Fotos zu machen.

Hey Alberto! Willkommen in unserem Magazin! Wann hast du deine fotografische Reise begonnen? Wie hast du dich in die Fotografie verliebt?

Hallo, Lomography! Es ist mir ein Vergnügen, Gast in eurem fantastischen Magazin zu sein. Ich begann, als ich ein Kind war. Mein Vater war Inhaber eines industriellen Fotolabors namens Ros Fotocolor. Somit war ich immer von der Fotografie umgeben. Eine Ausstellung, die Blanca Berlin, meine Kunstgaleristin mit drei Generationen meiner Familie organisiert hatte, endete in dieser Woche. Die Ausstellung heißt "Ros, a photographic name”.

Sie zeigt Fotos von meinem Großvater, meinem Onkel und von mir, aus den Jahren von 1917 bis heute. Es ist eine ganz besondere Ausstellung für mich. Ich erinnere mich, als mein Vater mir im Heimlabor zeigte, wie man Abzüge macht. Er hat mir immer gesagt, dass die Fotografie Magie sei. Man legt ein weißes Papier in Chemikalien und man kann sehen, wie das Bild erschien. Es ist ein einzigartiges Gefühl! So habe ich mich in die Fotografie verliebt.

Was war deine Kamera? Hast du sie noch in deinem Besitz?

Meine erste Kamera war die gebrauchte Olympus OM1 mit Zuiko Objektiv meines Vaters. Und Ja! Ich habe sie immer noch, zusätzlich benutze ich auch noch seine Rolleiflex und Graflex Speedmaster.

Wie würdest du deinen eigenen fotografischen Stil beschreiben?

Ich suche einen persönlichen Stil, um mich als Künstler zu definieren. Ich versuche, mich nicht nur auf das zu konzentrieren, was ich sehe, sondern auf das was ich fühle. Meine Fotografie ist expressionistisch, weil sie auf Gefühlen basiert.

Wie sieht dein kreativer Prozess aus? Wo findest du die Inspiration, so einmalige Fotos zu machen?

All meine Bilder werden zunächst von mir gezeichnet, das ist wichtig für mich. Ich weiß wirklich nicht, wie ich diese Bilder in mein Gehirn bekomme, aber wenn sie da plötzlich auftauchen, zeichne ich in mein Notizbuch und versuche sie dann in meiner Fotografie zu replizieren.

Ich muss das auch deshalb so machen, weil das Schießen von 20x20 Zoll Ferrotypen schwierig und teuer ist. Deshalb kann ich immer nur ein, zwei Aufnahmen machen. Wenn ich das Bild nach der zweiten Aufnahme nicht mag, vergesse ich es. In diesem Prozess braucht man viel Licht, um diese szenische Spannung zu schaffen. Ich mag aber auch die Dunkelheit, welche in die Fotos eindringt und mit Lichtern kontrastiert und so bestimmte Details hervorhebt.

Du hast seit deiner Kindheit eine besondere Verbindung mit der Fotografie. Wie hat die Fotografie dein Leben und dich als Künstler beeinflusst?

Von Fotografie umgeben aufzuwachsen kann ein wenig überwältigend sein und manchmal verliert man auch das Interesse. Dies passierte mir, als ich ein Teenager war. Was einmal etwas Besonderes war, wird zu etwas Alltäglichem. Bei meiner Karriere geht es mehr um die audiovisuelle Welt. Ich bin ein Regisseur ein Produzent, aber ich habe nie aufgehört, Fotos zu machen. Meine künstlerische Leidenschaft kam vor ein paar Jahren zurück, als ich den Spaß an meiner Arbeit verlor. Das Business ist fast so komplex wie ein Mensch, kapriziös, kompliziert und leidenschaftlich.

Kannst du uns mehr über die Fotoserie erzählen, die du "Hidden Humanity" genannt hast? Was ist die Geschichte dahinter?

Vor ein paar Jahren entdeckte ich den Nassplatten-Kollodium-Prozess und das ist, was meine Arbeit bei Hidden Humanity wirklich ausmacht. Dies ist eine Serie persönlicher Ferrotypen, über die dunkle Seite in uns allen und die sozialen Standards unserer Gesellschaft. Wir sind eine komplexe Spezies, die aus Emotionen und konfrontierten Gefühlen besteht.

Was mich am meisten interessiert, ist der Aspekt des Gewissens, den wir nicht kontrollieren können, Doch auch Traurigkeit, Liebe und Depression kann in vielen Situationen das Beste in uns hervorbringen. Ich glaube, unser Gewissen definiert uns als Spezies, aber es macht uns einander auch fremd. In meinem Fall gibt es Aspekte, die ich nicht weiter beachten möchte.

Es gibt eine gewisse Dunkelheit, die alle Fotos durchdringt, aber es gibt auch immer einen Lichtblick. Ist das deine Art zu sagen, dass alle Menschen auch ein bisschen davon in sich selbst tragen?

Das ist es. Wir sind Schatten und Lichter, wir sind Liebe und Hass, Glück und Traurigkeit. Aber wir werden gesteuert von dem, was uns umgibt, durch die politische Macht. Wer will eine homogene Gesellschaft an Menschen mit unterschiedlichen Ideen? Aus sozialer Sicht ist es sinnvoll: Wir suchen diesen einzigartigen Gedanken, die Debatte des Absurden.

Man sagt, dass man die Reflexion der Seele in den Augen der Menschen sehen kann, aber in dieser Serie versuche ich, sie weg zu lassen,, um die Spannung der Szene zu erhöhen. Eine Hand über deine Augen ist ein effektiver Weg, um unseren kostbarsten Sinn zu blockieren. Dies ist eine Symbol dessen, was die Gesellschaft mit uns tut: Schau nicht, denk nicht, glaube nicht, sei glücklich. Es ist aber auch ein Weg, uns vor der Grausamkeit zu schützen, die uns umgibt.

Welche Technik hast du benutzt, um deine Fotos so aussehen zu lassen?

Ich arbeite mit dem Nassplatten-Kollodium-Prozess. Das ist ein erstaunlicher Prozess voller Probleme, aber das Bild, das man bekommt, ist unverwechselbar. Ich wollte große Ferrotypien machen, also bestellte ich meine 20x20 Zoll Kamera, ich löste 2 Kilogramm Silber auf, um mein eigenes Silbernitrat zu machen und Schritt für Schritt kaufte ich Vintage-Objektive, Entwicklungsschalen und alle Arten von Chemikalien. Ich bin fast pleite gegangen, aber es hat sich gelohnt.

Wie sieht ein Tag im Leben von Alberto Ros aus?

Arbeit, Arbeit, Arbeit und Familie. Ich liebe meine Routine und definitiv liebe ich meine Familie. Was ich mir wirklich wünsche ist, von meiner künstlerischen Fotografie leben zu können, aber das ist wirklich schwer, vor allem, weil der Kunstmarkt so kompliziert ist. Im Moment bin ich zufrieden, wenn ich meinem Foto-Laster nachgehen kann.

Hast du noch kommende Projekte, die du mit uns teilen möchtest?

Im Moment arbeite ich an einer Reihe von Fotografien, die in einem erstaunlichen, 100% natürlichen Prozess auf Blättern gemacht werden. Ich nenne sie Chlorophyllotypien. Das ganze basiert auf Kalotypien. Die Serie dreht sich um Tao, eine Lebensweise, die man in den Büchern von Lao Tse lernen kann. Ich beginne auch eine Serie von Porträts im Pigmentdruckverfahren, die erstaunlich sein werden. Das wird eine große technische und kreative Herausforderung.


Alle Bilder in diesem Artikel wurden mit der Genehmigung von Alberto Ros genutzt. Wenn du noch weitere seiner beeindruckenden Werke sehen willst, sieh dir Albertos Website an.

geschrieben von Ivana Džamić am 2017-05-06 in #people
übersetzt von dopa

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