Im verzauberten Wald: Ein Interview mit Maxime Simoncelli

2017-04-27

Für den Fotografen ist in allem Magie. Inspiriert von Fantasy-Literatur und Kunst, besucht er das Dickicht der Wälder, um ihre übernatürliche Schönheit und ihre Geheimnisse einzufangen.

Lerne ihn und seine jenseitigen Bilder in diesem Interview mit dem Lomography-Magazin kennen.

© Maxime Simoncelli

Hallo Maxime, willkommen beim Lomography-Magazin! Wir möchten nur sagen, dass wir mit deinen Sets verblüfft sind. Du nennst dich nach dem Pseudonym "Sylfvr" , was "Schwefel" bedeutet. Wie wichtig ist dieses Element in deiner Arbeit?

Nun, es ist natürlich nicht so, dass ich seinen oder den chemischen Geruch im Allgemeinen besonders mag, es ist mehr wegen der Verbindung zur Alchemie, in die ich seit 5-6 Jahren verliebt bin. Ich habe vor einigen Jahren mal eine Serie «Suldr & Lamina» genannt. Während der Name Lamina von einer Figur aus der baskischen Mythologie stammt, kam ich nur auf den Begriff "Suldr", weil es nach einer mythologischen Figur kommt und so ähnlich wie "Sulfur" (dt. "Schwefel") klang. In meinem Kopf hat Schwefel jetzt diese mythologische Klangfülle, aber immer noch seine alchemistische Geschichte und ich hole mir eine Menge Inspiration aus beiden.

Mir gefiel es schon immer, wie die Mythologie dazu neigt, Dinge in einer poetischen Weise zu erklären. Das ist auch das, was ich in der Alchemie gefunden habe, die primitivste Chemie, die versucht, die Wissenschaft durch eine mit mythologischen Figuren angereicherte Linse zu erklären, die eine tiefe Bedeutung hat. Das ist was ich liebe. Ich hasse es, wenn die Dinge zu direkt sind, zu wörtlich und dass es keinen Platz mehr für die Fantasie gibt. Ich glaube, in dem Moment in dem mir der Namen einfiel, war es reiner Zufall, doch so, wie es sich in meinem Kopf entwickelte, wurde definitiv Liebe daraus.

© Maxime Simoncelli

Der Großteil deiner Fotos wurde im Wald aufgenommen. Was macht den Wald für die "Fantasy"-Fotografie so interessant?

Im Wald gibt es eine Dunkelheit, die der Mensch nie verstehen wird. Ich glaube, dass ich sie deshalb so sehr liebe. Wir haben vielleicht unglaublich moderne und produkt-orientierte Werkzeuge, um sie zu zähmen. Aber ich glaube nicht, dass wir das Innere jemals wirklich verstehen werden. Es gibt immer einen Teil im jedem Wals, den wir nicht bewandern können, nicht wortwörtlich, aber immer ich im Wald bin, dann habe ich das Gefühl, dass es dort etwas viel stärkeres als mich zu finden gibt. Ich glaube nicht, dass es eine Seele auf der Welt gibt, die nicht Angst davor hat, einen Weg mit dornigen Büschen und ständig wachsendem Efeu zu begehen. Mir ist zwar bekannt was für Pflanzen und Tiere dort leben, aber der Wind, die Dunkelheit der Dämmerung, das Knarren von Zweigen, das Unbekannte - all das sind Teile dieses Gefühls. Es gibt einen Wald in meiner Heimatstadt, in dem ich schon unzählige Fotos geschossen habe als ich ein bisschen jünger war. Ich kenne den Wald schon in und auswendig. Aber jedesmal wenn ich wieder dorthin gehe, weiß ich, dass es eine Teil gibt, den ich niemals zuvor besucht habe. Und ich habe gar kein Problem damit. Ich mag Orte, die noch immer ihre Mysterien haben.

© Maxime Simoncelli

Auf deiner Website hast du erwähnt, dass du gerne surrealistische und phantasmagorischen Szenen kreierst. Was ist für dich der Zweck der Fotografie?

© Maxime Simoncelli

Wenn du in einer Fantasy-Welt leben könntest, wie würde sie aussehen? Bitte beschreibe uns die Szenen!

Nun, ich glaube, ich könnte ein Buch darüber schreiben, aber ich bin nicht wirklich gut in der Literatur. Ich bin ein großer Fan der ganzen Fantasy, sei es in Büchern, Filmen oder Videospielen. Meine eigene Fantasy-Welt wäre wie Tolkiens «Herr der Ringe», eine etwas mittelalterliche Welt, in der es immer noch mächtige Wesen gibt. Ich liebe diese Geschichten von der Pracht der Vergangenheit, und ich finde immer Trost in ihnen, vor allem, in der traurigen Geschichte der Elben in dieser Welt. Aber weißt du, ich liebe auch den Kosmos und den Raum, so dass es schwer wäre, sich eine einheitliche Welt auszudenken. Ich glaube, sie würde mit Bergketten gefüllt werden, mit Kiefernwäldern, ein sternengefüllter Himmel, Nebel bedeckten Ebenen, Wiesen voll wilder, mit Tau bedeckten Blumen. Mythologische Figuren leben ein friedliches Leben (Ich interessiere mich nicht sonderlich für Eisen, Blut und Gold). Eine Welt, in der es noch Magie gibt, die Wälder sind dunkel und überfüllt mit wilden Geistern, die die Wanderer in die Irre führen. Was für eine schöne Welt das wäre.

© Maxime Simoncelli

Was nutzt du für gewöhnlich für deinen Arbeitsprozess (in der Fotografie)?

Es hängt meistens davon ab, was ich machen will. Ich benutze meistens eine Mischung aus Digital und Analog, die meisten meiner Bilder beinhalten ein bisschen von beiden. Ich mache normalerweise ein paar Bilder (sei es digital oder analog, aber meist digital), die zur Basis für das, was ich tue, werden. Dann füge ich viele verschiedene Schichten, andere Bilder oder Texturen, hinzu. Ich stelle mir gern vor, dass ich damit das Grundbild male, wenn auch nicht buchstäblich. Es ist alles in allem ein sehr zufälliger Prozess, in dem ich versuche, Fehler zu machen und dann versuche ich es noch einmal. Denn meist denke ich, es sei nicht gut genug. Ich lasse es ein paar Tage liegen und komme dann darauf zurück, wenn ich wieder Lust dazu habe. Ich bin keine gründliche Person, also habe ich keine Richtung, nur ein allgemeines Gefühl oder Emotionen, die mich dies und das machen lässt.
Was immer gilt, ist, dass ich Inspiration aus der Musik ziehe. In einer stillen Umgebung kann ich nicht kreativ sein. Ich muss immer etwas Musik aufsetzen. Meistens wirkt das Gefühl, das die Musik vermittelt, auf die eine oder andere Weise auf meine Arbeit. Es ist ein sehr organischer Prozess, der mir sehr hilft. Wenn es eine Sache gibt, von der ich hoffe, dass sie nie vergeht, ist es Musik.

© Maxime Simoncelli

Woher beziehst du deine Inspiration? Wer sind deine Musen? Wenn du mit jedem Fotografen zusammen arbeiten könntest, wer wäre das?

Wie ich schon in der vorherigen Frage gesagt habe, ist die Musik eine große Inspiration. Ein paar meiner Lieblingsbands sind Alcest, Agalloch, Porcupine Tree und Ulver. Immer, wenn ich etwas höre, bringt es mich in eine ganz besondere Stimmung, die mich inspiriert, etwas zu erschaffen. Wenn es um bildende Künste geht, bin ich fasziniert von Gustave Moreau, der mein absoluter Lieblingskünstler ist. Seine farbigen Malereien mythologischen oder biblischen Ereignisse sind wahre Schönheiten. Es gibt so viel Symbolik in jedem Gemälde und eine Sorgfalt, die in der Geschichte der Kunst für mich unvergleichlich ist. In Paris habe ich das Museum, das ihm gewidmet war, mit meiner Freundin, die ihn auch liebt, besucht und ich glaube, wir sind fast drei Stunden dort geblieben. Nie habe ich mich innerlich so ruhig und friedlich gefühlt, wie zu der Zeit, als wir dort waren. Ich kann sicher sagen, dass seine Arbeit meine größte Inspiration ist.

© Maxime Simoncelli

Es gibt natürlich eine Reihe anderer Malern, von denen ich inspiriert bin, einer von ihnen ist Odilon Redon, der vor allem für seine Kohlezeichnungen bekannt ist, aber seine symbolistischen Gemälde haben eine Qualität, die ich in keinem anderen Künstler gefunden habe, auch nicht bei Moreau. Ich weiß, er ließ sich für seine Werke ebenfalls von mythologischen Ereignissen inspirieren, aber sie sind in einer Weise gemalt, dass man denken könnte, sie seien einfach aus einer anderen Realität und das ist es, was ich am meisten an seiner Arbeit liebe. Zu guter Letzt nur noch ein anderer Maler, der japanische Künstler Yoshitaka Amano, dessen Werke (vor allem sein Beitrag zu den Final Fantasy Videospiele) hatten einen tiefen und nachhaltigen Einfluss auf mich, als ich ein Kind war, obwohl ich seinen Namen damals nicht einmal kannte. Es gibt ein melancholisches und nostalgisches Gefühl in seinen Werken, die ich liebe, und seine Technik ist eine der Besten, die ich je gesehen habe. Auf seinem Gebiet ist er einfach perfekt und seine Werke sind wunderschön.

© Maxime Simoncelli

Wenn es um Musen geht, habe ich nur eine, und das ist meine Freundin, die zufällig auch mein einziges Modell ist (abgesehen von mir). Ich fühle mich nicht sonderlich wohl, mit Fremden oder auch mit engen Freunden zu arbeiten. So ist es einfach und das ist für mich auch in Ordnung. Es ist einfach die beste Form der Zusammenarbeit, von der ich je hätte träumen können. Sie hat ein scharfes Auge für die Kunst, und das meiste, was ich tue, zeige ich zuerst ihr. Wir haben oft die gleiche Meinung zu Werken. Sie sagt mir: "Es ist zu dunkel.", oder "Es ist gut, aber ich bin mir sicher, dass es besser sein könnte." und das ist oft das, was ich mir selbst gedacht habe. Ihr kritisches Auge ist ein sehr wichtiger Teil des Prozesses.

Wenn es um Arbeit mit anderen geht, bin ich mir nicht sicher, ob ich ein perfekter Partner bin. Ich habe eine ganz besondere Art zu arbeiten und ich bin eine sehr schüchterne Person, also ist es schwer, natürlich zu sein.

© Maxime Simoncelli

Was machst du normalerweise in deiner Freizeit? Irgendein laufendes Projekt, oder andere Pläne, an denen du arbeiten möchtest?

Ich relaxe meistens und verbringe Zeit auf dem Lande, spiele Videospiele und höre Musik. Meine Arbeit beansprucht auch viel Zeit, also habe ich in letzter Zeit nicht viel Gelegenheit gehabt, meiner Kunst nachzukommen. Im Moment arbeite ich an einem Cover-Artwork für eine Band, aber es ist ein langsamer Prozess und ich lasse mir Zeit. Das ist eine Sache, die ich wirklich gerne mache und ich würde so etwas gerne öfter machen, aber ich nehme es, wie es kommt!


Wenn dir unser ausführliches Gespräch mit Maxime gefallen hat, ließ auch unser erstes Künstler-Feature von ihm und besuchen seine Website, seine Facebook-Seite und sein Instagram-Profil, um noch mehr seiner Werke zu sehen. Alle Bilder wurden mit Erlaubnis von Maxime Simoncelli genutzt.

geschrieben von Ciel Hernandez am 2017-04-27 in #people
übersetzt von dopa

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