Von Reisen inspiriert: LomoAmigo Daniel Zvereff

2016-11-02

Der Fotograf Daniel Zvereff arbeitet auf der ganzen Welt und folgt dabei poetischen Inspirationen wie der Literatur, Geschichte, oder der verführerischen Verlockung unbekannter Orte auf seiner wohlbekannten Weltkarte.

Er ist Amerikaner der ersten Generation, seine russische Familie emigrierte 1951 in die USA, nachdem sie jahrzehntelang als Staatenlose im chinesischen Exil verbrachten und drei Jahre als Flüchtlinge auf den Philippinen lebte, nachdem sie 1948 von der kommunistischen Partei Chinas ausgewiesen wurden.

Gegen Ende seiner Erziehung, entschied Zvereff die epische Reise seiner Familie durch Russland, die Mongolei und China zurückzuverfolgen, die Sprache und Kultur seiner Ahnen kennen zu lernen. Die Menschen, die er traf wurden zu Co-Autoren der Aufzeichnungen seiner Erfahrungen und so untrennbare Elemente seines kreativen Schaffens. Dies prägte seinen Stil, den er seither nicht mehr aufgegeben hat. Zvereff wohnt derzeit in Brooklyn, New York (USA), wo er als freier Fotograf, Illustrator und Animator arbeitet. Aus der Biografie des Fotografen.

Reisen und die Suche nach Wissen, bei der man zu weit entfernten Orten reist, ist ein wesentlicher Teil deiner Fotografie. Wie entscheidest du, zu welcher Location du für deine Projekte reist und welche Art von Wissen hoffst du durch das Fotografieren auf deiner Reise zu erlangen?

Die Wahl der Location hängt vollkommen von dem ab, was ich zu erreichen hoffe. Meine Reisen sind oft von Literatur oder historischen Ereignissen inspiriert. Manchmal ist es nur, jemanden zu treffen, der an einem bestimmten Ort war und es fühlt sich dann immer so mysteriös an, wenn ich auf die Karte schaue. Für mich liegt die Verlockung im Unbekannten.

Ein guter Teil deiner Reiseprojekte kombiniert drei verschiedenen Medien: Schreiben, Zeichnen und Fotografie. Wie würdest du das Zusammenspiel dieser drei Medien in deiner Arbeit beschreiben? Glaubst du, dass die Kombination dieser Medien zu einer besseren Verbindung deiner Reisen und dem gewonnen Wissen über die Menschheit führt, als es die Medien jeweils einzeln könnten? Warum dokumentierst du deine Reisen auf diese Weise?

Der Prozess ist für mich Teil der Schöpfung, sie alle sind ausdrucksvolle Medien, aber jedes bedient unterschiedliche Emotionen. Bei der Fotografie geht es um Geschwindigkeit und Bewegung, sie ist spannend und oft erschreckend. Das Schreiben fügt Kontext zu diesen Emotionen und den Bildern, die ich gemacht habe. Wohingegen mich des Zeichnen verlangsamt, so dass ich meine Erfahrungen verdauen kann. Letztendlich ist meine Entscheidung, so zu arbeiten, nicht wohlüberlegt, sondern kam im Laufe der Zeit von ganz allein.

Das Jupiter-Objektiv ist bekannt für seine Schärfe, natürliche Farben und sein traumhaftes Bokeh. Wie sind deine Erfahrungen mit diesem Objektiv? Fandest du, dass es gut zu deinen Locations und dem Genre der Street-Fotografie passte? Wie hat es deine Sicht auf die kolumbianische Straßen-Szenerie beeinflusst?

Ich glaube, das Jupiter-Objektiv glänzt am ehesten weit offen in der Portrait-Fotografie, wenn es darum geht, das Motiv freizustellen. Meiner Meinung nach haben viele ältere Objektiv-Designs eine schönere Farbwiedergabe, die dem menschlichen Auge mehr zusagt, auch wenn sie im technischen Vergleich unterliegen. Fotografie ist Emotion und was früher als Werkzeug galt, gilt heute oft nur als Schielerei. Ich glaube als Gemeinschaft verlieren wir uns zu sehr in Zahlen und nicht in Bildern.

Insbesondere zwei Aufnahmen dieser Serie — das eine mit dem Mann, der auf der Bank ein Rätsel in der Zeitung löst und das eine von dem Mann, der seine Brille senkt, während er eine Elektrogerät auseinander nimmt — werfen die allgemeine Frage auf, wie du es schaffst, so nahe und intime Fotos von Fremden zu machen. Welch eine Aufgabe, insbesondere, wenn man einen unverfälschten Look und eine natürliche Aufnahme anstrebt, scheint dies ziemlich schwierig. Hast du diese beiden für die Aufnahmen um Erlaubnis gefragt und die beiden haben möglichst natürlich posiert? Hast du die Aufnahmen unbemerkt gemacht und dann gefragt, ob es ihnen recht ist, wenn du die Bilder behältst und veröffentlichst? Oder hast du eine Methode, unbemerkt Fotos von Fremden zu machen, ohne dass sie es bemerken?

Ich frage um Erlaubnis, wenn ich eine bestimmte Art von Portrait machen möchte, meist sehr intime Nahaufnahmen, bei denen mein Motiv meine Gegenwart bemerkt. Bei den Bildern, die so unverfälscht natürlich wirken, warte ich auf einen ehrlichen Moment, doch da kann ich nicht um Erlaubnis fragen. Beide Bilder wurden mit Hilfe von Zonen-Fokusierung und einem bisschen Glück entstanden.

Freundest du dich manchmal mit den Leuten an, die du auf deinen Reisen fotografierst? Falls ja, tragen diese Beziehungen dazu bei, dass sich deine Motive wohler fühlen, wenn sie fotografiert werden, was es dir ermöglicht, unverfälscht Fotos von ihnen zu machen, ohne Gefahr zu laufen, dass sie sauer werden, weil sie einen Fremden dabei erwischen, wie er einfach Bilder von ihnen macht?

Beziehungen sind der Schlüssel, wenn es darum geht, tiefer zu gehen als nur einen Moment auf der Straße einzufangen. Freundschaften zu entwickeln und Vertrauen aufzubauen erlauben es einem manchmal echte Geschichten mit Bedeutung fest zu halten. Persönliches Wachstum und die Bereitschaft, sich selbst einer Erfahrung gegenüber zu öffnen, die man sonst vermeiden würde, sind nur zwei der Geschenke, die uns die Fotografie uns gibt.


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geschrieben von katphip am 2016-11-02 in #gear #culture #people #places
übersetzt von dopa

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