Floating on the Dead Sea: Eine Reiseanekdote von Maya Beano

2016-11-03

Wasser ist gleichbedeutend mit Leben, doch jeder weiß, dass dies nicht für die Weiten und Tiefen des Toten Meeres gilt. Die englische Fotografin und Reiselustige Maya Beano erinnert sich an die Zeit, in der sie dem salzigsten Gewässer der Welt trotzte und in ihm schwamm.

Durch diesen Auszug eines ihrer Texte teilt Beano diese Erfahrung mit Lomography.

Fotos: “Surreal Waters” © Maya Beano

20. Dezember 2014

Ich kann mich nicht erinnern, mich schon einmal so friedvoll gefühlt zu haben. Als ich jünger war, war ich einfach nur planschen, doch heute fühlte es sich an, also würde ich in alle Richtungen weg treiben. Wir fuhren heute nachmittag ans Tote Meer, nur eine 45-Minuten-Reise von dem Ort entfernt, den ich 15 Jahre lang meine Heimat nannte. Wir nahmen eine etwas längere Route, die sich den Bergen entlang zum tiefsten Punkt der Erde herunter wand. Emily, wie sie nun mal so ist, hielt die ganze Zeit mit einer App auf ihrem Telefon die Höhe fest.

Fotos: “Surreal Waters” © Maya Beano

“Wir sind in etwa einer halben Stunde von 1.100 Meter auf -400 Meter runter!", erklärte sie.

Ich nickte stumm — Ich war an meinem liebsten Ort. Es fühlte sich so surreal an, bekanntes Land mit meinen Freunden zu entdecken. Diese Orte mit den Augen meiner Freunde zu sehen, fühlte sich so an, als wäre ich auch das erste mal dort. Es brachte die Magie zurück — ich fühlte mich zu Tränen gerührt. Wir waren erst gestern in Petra und ich habe mehr davon gesehen als je zuvor. Ich war so dankbar, Liz dabei zu haben. Sie bestand darauf, die tausend Stufen bis zur Spitze zu erklimmen, wo uns ein handgeschriebenes Schild erwartete. “Welcome to the Grand Canyon View of Jordan”. Natürlich mussten wir uns von der Höhenkrankheit erholen, bevor wir wieder unter den Meeresspiegel hinabsteigen konnten.

Fotos: “Surreal Waters” © Maya Beano

Hinter der gewundenen Wüstenstraße, sah ich den Horizont. Ich glaube, es war nur Nebel über dem Meer, doch von uns aus sahen die Berge von Jericho immer so aus, als seien sie von einem diesigen Sturm umgeben. Sie sahen so schön aus wie immer, doch etwas fiel mir sofort ins Auge, als ich mir die Küste ansah. Das Meer war soviel größer als ich es das letzte mal sah.

Fotos: “Surreal Waters” © Maya Beano

Ich erinnerte mich, wie mein Vater mal erwähnte, dass die Küstenlinie so dramatisch zurück geht, dass das Tote Meer in weniger als 50 Jahren verschwinden könnten. Als er dort aufwuchs, wurde zur Erhaltung darüber diskutiert, einen Tunnel zum 150 Meilen entfernten Roten Meer zu bauen, aber diese Pläne wurde nie verwirklicht. Der Fluss, der das Tote Meer speiste, führt kein Wasser mehr und das Meer liegt jetzt ganz allein in einer heißen Wüste.

Fotos: “Surreal Waters” © Maya Beano

Es fiel mir ein, dass ich diesen Ort noch nie zuvor im Winter besucht habe. Die Luft war schwer, als wir aus dem Auto stiegen, aber ich hatte das Gefühl, dass es nach Sonnenuntergang sehr kalt werden würde. Liz fühlte sich nach dem gestrigen Hitzschlag in Petra immer noch krank. Wir verbrachten die ganze letzte Nacht damit, mit
einem in Eiswasser getränkten Tuch ihre Stirn zu kühlen und ich war so besorgt, als ihre Körpertemperatur 40 °C erreichte. Es wird nie zu heiß oder zu sonnigen in England, so ein Hitzschlag im Dezember war für sie etwas vollkommen neues. Ich bin unter der Wüstensonne aufgewachsen, aber ich habe die Hitze nie gemocht. Ich erinnere mich daran, jeden Tag Sonnencreme auftragen zu müssen, bevor ich das Haus verließ, um zur Schule zu gehen.

Fotos: “Surreal Waters” © Maya Beano

Liz entschied sich, für ein paar Stunden zu ruhen und uns bei Sonnenuntergang am Meer zu treffen, aber Emily konnte nicht warten, in’s Wasser zu kommen. Ich sah sie, wie sie in der Ferne Handtuch und Taucherbrille aus ihrem Rucksack zog.

“Emily! Was machst du mit der Taucherbrille? Du kannst im Toten Meer nicht tauchen! Das Wasser ist zu salzig und zu dicht, erinnerst du dich?"

Sie blickte mich ungläubig an und bevor ich sie stoppen konnte, tauchte sie unter und zwei Sekunden später mit einer Grimasse im Gesicht wieder auf. Ihre Lippen, Nase und jeder einzelne Kratzer an ihrem Körper muss gebrannt haben, wie nie zuvor. Ich war beruhigt als sie endlich anfing zu lachen.

Fotos: “Surreal Waters” © Maya Beano

“Emilyyyy! Was hast du dir dabei gedacht?” fragte ich.

“Ich habe dir nicht geglaubt! Du machst doch immer solche Witze!" sagte sie.

Wir kicherten. Ich könnte eine Brise in der Luft spüren und erkannte, dass die Sonne unterging. Es war Zeit, Liz zu wecken. Wir verbrachten den Rest des Abends damit, im Meer zu schwimmen und unter dem malerischen Himmel sanft unsere Wunden zu salzen.

Fotos: “Surreal Waters” © Maya Beano

Bilder und Text von Maya Beano. Für mehr zu Mayas Arbeiten, besuche ihre Website und folge ihr auf Instagram und Flickr.

geschrieben von lomographymagazine am 2016-11-03 in #people #places
übersetzt von dopa

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