Mamiya C330f Professional - Die TLR mit dem gewissen Extra

2016-07-26 3

1928 erfanden Franke & Heidecke mit der Rolleiflex die zweiäugige Spiegelreflexkamera (engl. Twin Lens Reflex; TLR). Das Konzept bestand darin, eine Mittelformatkamera zu produzieren, die ein hervorragendes Obkjektiv hat und deren Sucher relativ genau ist, das ganze verpackt in einem relativ kompakten Gehäuse. Das Design war so revolutionär, dass es sehr bald viele Nachahmer fand. Doch die Rolleiflex und ihre Kopien hatten alle ein Problem: Das fest verbaute Objektiv der Kamera konnte nicht gewechselt werden.

Erst 1957 trat Mamiya an, um Abhilfe zu schaffen. Mit der Mamiya Flex C Professional, Urahnin der C330f Professional, war man nämlich in der Lage, das Objektiv einfach zu wechseln. Fokussiert wird, indem man das Auflagenmaßes des Balgen ändert. Damit wurden auch relativ gute Nahaufnahmen möglich. Die Modellreihe der Mamiya Flex C spaltete sich in die Reihen C2, gefolgt von der C22 und der C220 für den Amateurmarkt (vgl. Rolleicord) und der Professional-Reihe C3, an deren Ende, nach C33 und C330, die C330f steht.

Die Mamiya C330f Professional ist eine TLR, die 12 Bilder im Format 6×6 auf 120er, oder 24 Bilder im Format 6×6 auf 220er Rollfilm macht. Wie auch ihre Vorgänger, verfügt die C330f über die Möglichkeit, das Objektiv zu wechseln. Neben der Normalbrennweite von 75mm gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Objektive mit Brennweiten von 55 bis 250 mm. Bemerkenswert ist auch, dass alle Objektive der C2/C3 kompatibel sind, auch wenn bei den Objektiven ab einer Brennweite von 180mm die Spannung des Verschlusses nicht mehr mit dem Filmtransport gekoppelt ist. Die Wechselobjektive sind jeweils Zwillingsobjektive, bei denen jeweils das untere mit einem Seiko-Zentralverschluss mit maximaler Verschlussgeschwindigkeit von 1/500s und Blendenlamellen versehen ist. Der Umstand, dass sich der Verschluss in den Objektiven befindet, sorgt zwar dafür, dass diese relativ teuer sind, an der Kamera selbst jedoch kein Teil kaputt gehen kann, der nicht einfach auszutauschen ist.

Fokussieren wird mit einem Balgen, der einen deutlich weiteren Auszug zulässt, als es für eine TLR typisch ist. Damit ist auch das Fokussieren im Nahbereich möglich und abhängig vom Objektiv, etwa mit dem 55mm-Weitwinkel, kann man ohne weiteres Zubehör Makroaufnahmen machen. Der Balgenauszug muss jedoch bei der Bestimmung der korrekten Belichtungszeit berücksichtigt werden. Damit man den Verlängerungsfaktor nicht für jede Aufnahme umständlich ausrechnen muss, befindet sich an der Seite eine kleine Tafel, an der, abhängig vom Balgenauszug, der entsprechende Faktor abgelesen werden kann. Auch im Sucher ist ein Hinweis darauf zu sehen.

Der für TLRs typische Parallaxenfehler wird bei der C330f zwar nicht aktiv ausgeglichen, im Sucher zeigt eine Nadel jedoch an, wie sich die Oberkante der Aufnahme abhängig von der Fokusdistanz verschiebt. Damit dies für jede Brennweite korrekt angezeigt wird, wird nach Wechsel des Objektivs ein Drehrad an der Seite der Kamera entsprechend eingestellt.

Der Auslöser der Kamera befindet sich zum Einen an der Vorderseite der Kamera, kann aber auch per Hebel an der rechten Seite der Kamera betätigt werden. Eine Sperre kann unbeabsichtigtes Auslösen verhindern, zudem verfügt die Kamera über einen Doppelbelichtungsschutz, der den Auslöser blockiert, bis man den Film weitergespult hat. Mit Betätigen des Transporthebels wird zudem der Verschluss des Objektivs gespannt, nur bei den Brennweiten 180mm und 250mm muss die in jedem Fall manuell erfolgen.

Das Objektiv ist mit einem einfach zu lösenden Mechanismus an der Kamerafront befestigt, ein versehentliches Ablösen ist jedoch ausgeschlossen. Damit der Film beim Wechsel nicht belichtet wird, kann im Inneren der Kamera eine klappe vor den Film geklappt werden. Ein sattes ‘Klonk’ und man weiß, dass der Wechsel unproblematisch erfolgen kann. Dies wird übrigens auch noch einmal im Sucher angezeigt und der Auslöser wird gesperrt.

Neben den Wechelobjektiven gehört noch weiteres Zubehör zu den Vorzügen der C330f. Dazu gehören vor allem alternative Sucher, etwa ein Prismensucher, der die Darstellung des Sucherbildes korrigiert, oder ein Lupensucher mit Belichtungsmesser, aber auch L- und Pistolengriffe und sogar ein Rückteil für Aufnahmen auf 6,5×9cm-Planfilm.

Da natürlich die Bildqualität vor allem von dem genutzen Objektiv abhängt, sind die folgenden Bilder, die ich mit den 135mm und dem 180mm-Objektiv gemacht habe, nicht vollkommen repräsentativ, ich wünsche euch trotzdem viel Spaß damit:

Von: dopa

geschrieben von dopa am 2016-07-26 in #gear #tutorials #review #mamiya #tlr #c330

3 Kommentare

  1. yago56
    yago56 ·

    Das ist immer noch eine tolle Kamera.

  2. clownshoes
    clownshoes ·

    Nice accessories. But you haven't turned the cold shoe around yet.

  3. fotohelmut
    fotohelmut ·

    Das ist ein schöner und vor allem sehr informativer Beitrag. Ich liebe meine 330 auch sehr und finde die Wechselmöglichkeit der Objektive super. Leider benutze ich sie zu selten, da mir die japanische Dame etwas zu gewichtig ist. Wenn ich Mittelformat benutze, kommt meist meine modifizierte Weltaflex (ohne Doppelbelichtungssperre) zum Einsatz. Aber die C 330 muss ich auch einmal wieder nehmen!

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