Ratschläge eines Experten: Brian Sweeney's Erste Eindrücke von der New Jupiter 3+

2016-02-18

An wen wendet man sich für die umfassendsten Details über die New Jupiter 3+? Zum Meister der Jupiter natürlich! Techniker und Messsucher-Liebhaber Brian Sweeney ist bekennender Jupiter 3 und vintage Zeiss Sonnar-Experte. Wir hatten die Möglichkeit, mehr über seine Erfahrungen mit unserer jüngsten Art Lens zu erfahren.

Auf unsere Nachricht hin, dass die New Jupiter 3+ veröffentlicht wird, bestellte sich Brian das jüngste Mitglied unserer Lomography Art Lens Family und verwendete sie neben den original Jupiter 3 Linsen aus den 1950-ern sowie mit maßgefertigten Zeiss Sonnar-Objektiven, die bis ins Jahr 1934 zurückgehen. Und was hält er davon? “Also im 21. Jahrhundert gibt es leider noch keine fliegenden Autos — aber man kann eine brandneue Jupiter 3 kaufen, die so gut wie noch nie ist. Ich denke das gleicht sich aus.” Hier gibt es den ausführlichen Erfahrungsbericht:

Von Links nach Rechts: New Jupiter 3+, f 4; New Jupiter 3+, f 1.5. Fotos von Brian Sweeney

BRIAN SWEENEY’S ART ZU FOTOGRAFIEREN

Ich bin ein Messsucher-Liebhaber und fotografiere damit schon seit 1969, als ich 11 Jahre alt war. Als Ingenieur und habe an ein paar der ersten digitalen Foto-Sensoren in den 1980-ern mitgearbeitet. Fotografie ist mein Ventil; an Messsucher-Kameras und Linsen zu arbeiten ist ein Ausgleich. Messsucher-Kameras erlauben einen gewissen Grad an Freiheit für einen optischen Techniker, den es bei SLR-Kameras nicht gibt. Die Linse kann kann nahe an der Bildfläche sitzen und braucht nicht unbedingt einen Spiegel. Digitale Sensoren machen uns zudem das Leben schwer aber das aus einem anderen Grund. Bei ihnen muss das Licht direkt auf die Fläche einfallen, um es möglichst effizient einzufangen. Die Techniker von Leica lösten dieses Problem, indem sie Sensoren konstruierten, mit speziellen Mikrolinsen und dünnen Filtereinsätzen und übertrugen diese Technik auf Generationen von analogen Objektiven. Ich verwende eine Leica M9 und M Monochrom für den Großteil meiner digitalen Fotografie und analog eine Nikon SP und Leica M3.

Vor ein paar Jahren wollte ich wissen: Was macht eine Linse zu einer SONNAR? Ich zerlegte einige Objektive, teilte sie in Vorder- und Hinterteil ein und maß all ihre Brennweiten. Das vordere Element ist ein positives, in der Mitte ist die Gruppe negativ. Zusammen ergibt diese vordere Partie ein Teleobjektiv mit einer 2,5-fachen Brennweite der gesamten Linse. Der hintere Teil formt das Bild und hat eine Brennweite wie etwa das gesamte Objektiv. Diese zwei Teile werden nach einer bestimmten Linsen-Formel zusammengefügt — die Asymmetrie geht darauf zurück, dass sie eng beieinander sitzen im Gegensatz zu einer doppelten Gauss. Diese Struktur gibt der Sonnar ihre Kompaktheit und die optischen Eigenschaften. Technisch gesehen “leidet” die Sonnar-Formel von einer räumlichen Abbildungsfehlern und Bildfeldwölbungen. In der Praxis schaffen diese Makel einen angenehmen und unverwechselbaren Charakter.

New Jupiter 3+, f 1.5. Foto von Brian Sweeney

GESCHICHTE DER JUPITER

Ich verwende schon seit langer Zeit Nikon und Contax Messucher-Kameras. Bekannterweise haben diese Linsen zwei mechanisch kompatible Bajonette, die ausgetauscht werden können, denn Nikon konstruierte die Objektive zu einem 51,6mm Standard und Zeiss zu 52,4mm. Das bedeutet, dass deine Zeiss-Linse auf einer Nikon Kamera funktioniert. Ich zog die Wiedergabe der Zeiss der der etwas harten Nikon vor, schätzte aber den lebensgroßen Messsucher der Nikon. Um Zeiss Objektive damit verwenden zu können passte ich die Nikon Kamera daran an, indem ich eine dickere Unterlegscheibe in das Bajonett gab und den Messsucher darauf einstellte. Dann kaufte ich eine Leica M3 und brauchte auf einmal ein Objektiv mit Leica Bajonett, das ähnlich zu meinen Zeiss Sonnar war. Das bekannte Nikkor 5cm f 1.4 hat ein eher hartes Bokeh im Gegensatz zur Zeiss-Linse. Das Canon 50/1.5 ist eher ungewöhlich — viele davon haben verätzte Gläser aufgrund von Öl, das auf die Oberfläche gelangte und sie sind optimiert für f 2.8. Eine originale Zeiss Sonnar mit einem Leica-Mount zu finden ist nicht einfach und sie sind sehr teuer. Die Bajonette selber sind auch extrem zerbrechlich.

Ich erfuhr über die Jupiter 3 um 2002 herum; zu dieser zeit hatte sie einen eher schlechten Ruf unter Leica-Usern. Dante Stella schrieb einen Artikel, in dem gesagt wurde, dass Jupiter Objektive zu einem Zeiss-Standard gefertigt wurden. Das stellte jede Aussage über die “schwache Leistung” auf der Leica in Frage. Ich kaufte fünf Jupiter 3 Objektive auf Ebay und passte sie an die Leica an, wie ich auch schon die Nikon S2 an die Zeiss Linsen angepasst habe. Ich behielt eine und verkaufte die anderen vier an Mitglieder des Messsucher-Forums. Sie begannen Bilder mit den Jupiter 3 zu machen und hochzuladen und ich bekam immer mehr Anfragen, neue Linsen anzupassen. Ich schrieb Anleitungen, wie man die Jupiter 3 an die Leica anpasst und bekam mehr als 200 Objektive von der ganzen Welt gesendet. Ich habe auch rund 50 Zeiss Sonnar an den Leica-Mount angepasst, indem ich Jupiter Fokus-Bajonette von J-3ern und J-8ern mit kaputten Gläsern nahm. Ich pickte mir die besten von den besten heraus und nahm sie in meine eigene Sammlung auf. Ich sah auch schon ein paar umgebaute Sonnars, die für mehr als die New Jupiter 3+ verkauft wurden.

ERSTE EINDRÜCKE VON DER NEW JUPITER 3+

Das ist die beste Jupiter 3, die ich bis jetzt gesehen habe. Der Fokus funktioniert auf meiner Leica M9 perfekt in allen Entfernungen. Das liegt daran, dass die New Jupiter 3+ genau auf die Brennweite der Leica eingestellt ist und die Toleranz für die Unterlegscheibe beträgt weniger als 0,01mm. Die Wahl der Materialien — Chrom statt Messing — ist besser als beim vintage Leica Bajonett der Jupiter und Zeiss Linsen. Der Fokus erlaubt nun 0,7m als minimale Brennweite. Der Fokus bewegt sich geschmeidig, gleichmäßig und ohne jegliches Spiel. Die Qualität der Konstruktion ist so gut wie bei den alten Nikkor Linsen.


“Das ist ein Fall von ‘Sie machen [sie] nicht, wie sie war; sie machen sie besser, als sie war.’”


NEW JUPITER 3+: — DIE ERFAHRUNG

Viele wollen wissen, wie diese neue Linse im Vergleich zu den alten und zum Zeiss C-Sonnar ist. Das erste Objektiv, mit dem ich die New Jupiter 3+ verglich, war meine KMZ Jupiter 3 mit Zeiss Glas aus dem Jahre 1950:

Diese Linse ist die einzige 1-3-3 50mm f 1.5, die Sonnar im 21. Jahrhundert produzierte. Es ist zugleich die beste Jupiter 3, die ich je gesehen habe. Ich habe gerade diese Tatsache wieder für mich bewiesen indem ich sie mit meinem liebsten Jupiter 3 mit Zeiss Gläsern verglich. Ein Jupiter 3 Zylinder mit der Anordnung nach Leica Standard, einem butterweichen KMZ-Fokus-Mount, modifiziert, um bis zu 0,75m zu fokussieren. Ich habe ungefähr 40 Stunden in diese Linse investiert. Um die Abstände zwischen den zwei Gruppen so hinzubekommen, damit man die ganze Messlatte fokussieren kann, nahm viele Versuche in Anspruch. – Leicaplace.com

Links nach Rechts: New Jupiter 3+, f 1.5; New Jupiter 3+, f 1.5. Fotos von Brian Sweeney

ÜBER DIE NEW JUPITER 3+ FOTOS

Von all meinen Sonnar-Linsen ist die Carl Zeiss Jena 5cm f 1.5, angepasst an das Leica Bajonett, mein Favorit. Die Wiedergabe ist einfach am besten Diese Linse ist eine der ältesten Sonnar, die je auf einer Leica verwendet wurde. Ich nahm sie, die New Jupiter 3+ und meine voll-gläserne KMZ Jupiter 3 mit zur Gunston Hall, die Heimat von George Mason. Die besten Jupiter 3 wurden von KMZ in Krasnorgorsk gefertigt und diese 1956-er Linse war eine ihrer letzten Die New Jupiter 3+ hat eine Wiedergabe wie die Sonnar und aufgrund moderner Beschichtungen eine schwächere Vignettierung. Die 1956-er Linse erzielt ein wärmeres Bild als das Sonnar oder die Jupiter 3+ aufgrund der einfachen Beschichtung. Für wärmere Bilder mit der New Jupiter 3+ kannst du aber einfach einen Skylight 1a-Filter verwenden.

Ich machte eine Menge an Vergleichs-Bildern dieser drei Linsen auf dem Stativ. Mehr davon findest du auf meinem Flickr Account und auf Leica Place.

Links nach Rechts: New Jupiter 3+, wide open; 1934 Sonnar, wide open; 1956 KMZ Jupiter 3, wide open. Fotos von Brian Sweeney
Lins nach Rechts: New Jupiter 3+, f 4; 1934 Sonnar, f 4; 1956 KMZ Jupiter 3, f 4. Fotos von Brian Sweeney

DEINE LIEBLINGS-EIGENSCHAFTEN DER NEW JUPITER 3+

Der nahe Fokus von 0,7m ist ein großer Vorteil gegenüber den alten Linsen. Dieses Feature zusammen mit dem Leica Bajonett ist sehr ungewöhnlich. Die vintage Nikkor und Tanack Linsen hatten diese Eigenschaften aber die Messucher-Koppelung funktionierte nicht mehr ab 0,9m. Diese Eigenschaft ist besonders gut für jene, die M-Mount- und Systemkameras verwenden. Aber ich habe herausgefunden, dass die Canon P (LTM) ebenfalls unter das gewöhnliche Limit von 0,9m gehen kann.

New Jupiter 3+, f 1.5. Fotos von Brian Sweeney

DIE PERFEKTE GELEGENHEIT ZUM FOTOGRAFIEREN MIT DER NEW JUPITER 3+

Bei f 4 schafft die New Jupiter 3+ scharfe Bilder, ohne Abbildungsfehlern und kann wie eine gewöhnliche Linse verwendet werden. Die kompakte Größe macht sie besonders geeignet für kleinere Kameras. Bei offener Blende hebt sie das Motiv vom Hintergrund ab, wie es normalerweise nur Sonnars machen. Manche werden das nur für Portraits nutzen, aber hier ist mein Rat: lasst es einfach eingestellt und staunt über die Ergebnisse.

RATSCHLÄGE FÜR JENE, DIE DIE LINSE ZUM ERSTEN MAL VERWENDEN

Die New Jupiter 3+ und alle Sonnar Formula Linsen schaffen einen Fokus-Wechsel beim Abblenden und wenn Farbkontrast-Filter verwendet werden. Diese Probleme tauchen nur bei Messucher-Kameras auf. Durch das Abblenden wechselt der Fokus zurück auf das, was der Messucher angibt. Das ist kein Problem bei einer spiegellosen Kamera, da du durch das Objektiv fokussierst. Bei analoger Schwarz-Weiß Fotografie und der Leica M Monochrom verursachen gelbe, orange und rote Filter, dass der Fokus zurückwechselt. Der einfachste Weg, um das zu kompensieren: Fokussiere mit dem Messucher und “schubse” dann den Fokus etwas näher. Dazu brauchst du etwas Übung — ich rede von ca. 3cm bei 1m Entfernung.

ZUKÜNFTIGE PROJEKTE

Ich würde gerne den Release einer Lomography Jupiter 9+ sehen: das Äquivalent der 58mm F2 Sonnar Formula Linse. Auch wieder hier ist die Jupiter 9 nach Zeiss Standard gefertigt und es ist fast unmöglich damit die ganze Brennweite auf einer Leica auszunutzen. Die Wiedergabe aber ist wunderschön.

Ich habe selbst ein 8,4cm F2, um über diesen Bereich hinaus zu fokussieren. Zenit hätte bestimmt keine Probleme damit, diese Linse auf Leica Standard anzupassen.

1937 CZJ 8.5cm F2 Sonnar, f 2. Fotos von Brian Sweeney

Für mein nächstes Projekt habe ich ein 1945-er Zeiss Sonnar 5cm F1.5, das mir jemand gerade sendete. Der Fokus ist von 1,5m bis 5m und es ist zusammengeklebt. Nichts was ein bisschen Glas hervorholen und Einlösen in Alkohol lösen lösen könnte…


“Ich möchte dem New Jupiter 3+-Team zu dieser Linse gratulieren. Sie haben Ludwig Bertele’s Meisterstück ins 21. Jahrhundert transportiert und originalgetreu in eine Form gebracht, mit der es sehr viel Freude macht, sie zu benutzen. Danke.”


Danke Brian, für dieses Interview über die New Jupiter 3+ Art Lens. Mehr von Brian Sweeney’ Fotos gibt es auf Flickr page.

geschrieben von azinteimoori am 2016-02-18 in #people #lomoamigo

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