Chlorophyll Prints von Binh Danh: Ein Interview

Die Arbeit von Binh Danh gibt dem Unaussprechlichem Raum, wahrgenommen zu werden. Wenn es sich dabei noch dazu um das Thema Krieg handelt, zählt jedes Detail. Wie kann sich eine Person an so ein gewaltiges Thema wagen, in dem es um den Tod und den Wert des Lebens geht? Ein Einmann-Job betrifft auf einmal viele Menschen. Also machte Binh Danh für seine Serie “Immortality: The Remnants of the Vietnam and American War” Chlorophyll-Prints, um die unvermeidlichen Spuren des Kriegs in der Landschaft zu zeigen. Soldaten und Zivilisten, deren Gesichter archiviert wurden, wird die Chance gegeben, in Erinnerung zu bleiben.

Chlorophyll-Prints von Binh Danh, aus der Serie Immortality: The Remnants of the Vietnam and American War

Wo hast du diese Bilder gefunden?

Die meisten der Bilder entnahm ich Geschichtsbüchern über den Vietnamkrieg. Manche dem Life Magazin.

Wie unterscheidet sich das Arbeiten mit fremden Fotos bezüglich Autorenschaft und künstlerischer Kontrolle vom selber fotografieren?

Ja, da gibt es einen Unterschied: Fotos zu machen ist ein Akt der Fotografie. Du hältst deine Kamera — eine Erweiterung deiner Hände, Augen und deiner Gedanken, um das was du siehst festzuhalten. Der Akt des “nehmens” und “findens” ist ziemlich ähnlich zum “machen” eines Fotos oder Kunstwerks. In diesem Fall betrachte ich meine Chlorophyll-Prints (sowie jeden gewöhnlichen Foto-Print) als Kunstwerke. Ich “nehme” Fotos, die schon verfügbar sind. Daher sind diese Bilder Teil meiner “Medienlandschaft”. Wenn wir “ich mache ein Foto”, sagen nehmen wir an, dass dieses Foto schon irgendwo in dieser Welt existiert und nur noch darauf wartet, aufgenommen zu werden. Mit existierenden Fotos zu arbeiten kann man daher sehr gut damit vergleichen, da man auch Bilder nimmt, die schon existieren.

Was von dem Konzept der ‘Unsterblichkeit’ kann man auf deine Arbeit anwenden?

‘Unsterblichkeit’ ist die Fähigkeit für immer zu leben. Der Krieg lebt für immer in unserer Landschaft weiter. Er wird Teil der Landschaft und die Natur erinnert an das Trauma durch die verschiedenen Elemente aus denen sie sich zusammensetzt. Wir lernen in der Schule, dass alles aus Atomen der verschiedenen Elemente besteht. Atome ordnen sich nach den Gesetzen der Natur. All diese Atome aus denen wir bestehen, tragen Erinnerungen mit sich die bis an die Anfänge der Zeit zurückreichen. Sie haben also schon viel mehr als den Vietnamkrieg erlebt.

Chlorophyll-Prints von Binh Danh, aus der Serie Immortality: The Remnants of the Vietnam and American War

Was kann ein Chlorophyll-Print besser ausdrücken als ein gewöhnlicher Papier-Print? Warum hast du dich für dieses Medium entschieden?

In diesem Fall drückt der Chlorophyll-Print die Verbindung zur Natur aus. Das Blatt als Printmedium kommt aus der Natur. Es wurde nicht viel verändert. Ein gewöhnlicher Papier-Print entstammt auch der Natur aber wenn ich ihn ansehe erkenne ich nicht sofort die Verbindung, da das Papier mehr verarbeitet wurde.

In Tim O’Brien’s Buch “Was Sie Trugen” wurde versucht den Krieg in Worten zu beschreiben. Und trotzdem gibt der Erzähler gleich zu, dass immer eine Barriere zwischen Ausdruck und Wahrheit existiert. Was sind deine eigenen Ansichten zum Krieg und die Art damit umzugehen?

Ich denke nicht, dass Krieg etwas Gutes ist. Es ist immer schlimm. Alle Nationen sollten immer versuchen, Konflikte friedlich zu lösen. Die einzigen, die letztendlich verletzt werden sind die Zivilisten und Soldaten, nie die Führer, die sie in den Krieg schicken. Als Bürger sollten wir immer die Schritte unserer Regierungen kritisieren bevor es zu spät ist. Die Details zu kennen und sich den Handlungen der Vergangenheit, bewusst sein, die zum Krieg führten kann oft Leben retten.

Welche Rolle spielen die Fotografie und andere bildende Künste wenn es darum geht, solch komplexe Phänomene wie den Krieg zu verstehen?

Als Künstler sehe ich die Welt durch mein Medium. Ich drücke meine Sorgen in meiner Kunst aus. Kunst kann ein Mittel sein, meiner Gesellschaft helfen zu verstehen was gerade passiert. Ich nehme die Bilder des Kriegs und mache daraus Kunst. So können die Betrachter darüber reflektieren und sowohl über Vergangenheit und Gegenwart diskutieren.

Chlorophyll-Print von Binh Danh, aus der Serie Immortality: The Remnants of the Vietnam and American War

Wie beeinflusst die fühlbare Erfahrung durch Kunst das endgültige Bild?

Das ist ein sehr wichtiger Faktor. Kunst kann man fühlen. Sie ist im Jetzt. Kunst sind Erfahrungen des Moments. Wenn ich auf ein Kunstwerk blicke und darüber nachdenke was es bedeutet bin ich im hier und jetzt. Es gibt kein “endgültiges Bild”. Das Bild passt sich stets dem an, was in der Welt geschieht.

Wie wurdest du zum Künstler?

Ich begann schon als Kind Kunst zu machen — wie viele von uns. Aber ich gab nie auf. Es wurde zunehmend komplexer als ich erwachsen wurde bis sich herausstellte, dass ich davon leben kann.

Chlorophyll-Prints von Binh Danh, aus der Serie Immortality: The Remnants of the Vietnam and American War

Wie ist es heute ein Künstler zu sein mit all den technologischen und kulturellen Veränderungen?

Aufregend! Heute kann jeder entweder eine Daguerreotypie oder einen digitalen Print machen. Jeder Prozess ist kostbar. Dabei zu wissen, was du mit den verschiedenen Prozess-Arten erreichen willst macht es dann zu Kunst.

Wie haben Faktoren wie Identität und Herkunft deine Arbeit beeinflusst?

Es ist sehr wichtig zu wissen, von wo man ist und wohin man geht um herauszufinden was für ein Künstler man ist. Die Geschichte hilft einem dabei, sich darüber klar zu werden, wer man als Person und Künstler sein will.

Was war dein aufregendstes Projekt bis jetzt?

Das ist immer das Projekt, an dem ich gerade arbeite. In diesem Fall mache ich gerade Daguerreotypien von Nationalparks in der USA.


Erfahrt mehr über Binh Danh hier

geschrieben von lomographymagazine am 2016-02-08 in #people #chlorophyll-prints #lifestyle

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