Zorki 1: Nah an der Leica

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Schwer, manuell, russisch: Die Zorki 1 ist ein Klassiker! Eine Kamera in der besten Tradition russischer Leica Kopien.

Ich möchte hier keine technischen Daten aufzählen oder lange über die Geschichte der Zorki referieren, seit ich denken kann und auch schon vorher, gab es in meiner Familie Kameras.
Vielmehr möchte ich euch etwas über alte Kameras erzählen.
Die Zorki 1 ist eine alte Kamera, zweifellos. Nichts ist hier leicht, automatisch oder uniform.
Alles ist alt, schwer und manuell.
Ich habe mich schon immer gefragt, wo meine Affinität zu alten Kameras herkommt, die Vorliebe für die Ästhetik alten Materials, alter Schwarzweiß-Bilder.
Mein Großvater hatte schon vor dem Krieg seine erste Leica, meine Mutter fotografierte schon als Kind mit ihrer ersten Box.
Und eben diese Erzählungen meines Großvaters pflanzten den Wunsch nach einer Leica in mir.
Ich wollte die Kamera besitzen, mit der das Fotografieren in meiner Familie anfing. Aber eine Leica ist schlichtweg unbezahlbar. Eine Zorki allerdings nicht und die Zorki 1 kommt einer Leica so nahe wie nur irgendwie möglich.
Das Fotografieren mit dieser Art von Kameras ist verglichen mit heutigen (oder auch gestrigen) automatischen oder halbautomatischen Kameras gelinde gesagt umständlich und langwierig.
Allein das Zuschneiden des Filmanfangs erfordert genaue Vorbereitung.
Messsucher und Bildausschnitt-Sucher sind getrennt, man hat viel Zeit genau über das Motiv nachzudenken.
Aber gerade das alles macht für mich den Reiz aus. Das Abwägen von Bildausschnitt, Blende, Belichtung und Licht, die Schwere in meinen Händen, die vollmechanischen Geräusche. Ich bin aktiv an allen fotografischen Prozessen beteiligt. Das genaue Gegenteil von „Don’t think, just shoot!“. Aber dazu gibt es ganz andere Kameras, es behält alles seine Daseinsberechtigung.

Die Zorki ist für mich keine Kamera wie die LC-A, die ich ständig bei mir habe, sie ist eine Kamera für das Besondere, auch wenn das Besondere hier alltäglich ist und nur durch die Kamera für mich besonders wird. Sie ist für mich Meditation und inne halten im hektischen Alltag. Sie ist die Triebfeder zum Filme selbst entwickeln.
Die Zorki ist für mich ein Stück fotografische Geschichte, meiner eigene im Speziellen und als Nachbau einer der ersten Kleinbildkameras im Allgemeinen.
Wer wirklich erleben möchte, wie sich das Fotografieren mit den ersten Kleinbildkameras anfühlte, sollte sich eine Zorki zulegen. Das sie durch die guten Objektive brillant scharfe Bilder produziert, ist ein willkommener Nebeneffekt.

geschrieben von zark am 2010-05-31 in #Reviews

3 Kommentare

  1. somapic
    somapic ·

    Wenn das Film einlegen nur nicht so lange dauern würde wär die bei mir sicher öfter im einsatz!

  2. d_i_d
    d_i_d ·

    formschön und solide, aber irgendwie werd ich nicht warm mit diesen zorkis...

  3. mariorei
    mariorei ·

    Schöner Beitrag, aber warum zeigst du uns nicht deine eigene Zorki? Hierbei handelt es sich um meine erste Zorki 1c mit Jupiter-3 50mm f/1.5 ... die Geschichte dazu kann man auf meiner Homepage nachlesen:
    www.seeing1.de/3f_Zorki1.html
    Ich habe generell nichts dagegen, wenn meine Bilder verwendet werden, aber ich freue mich auch, wenn man sie fairerweise dann mit Quellenangabe zeigt.
    Danke

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