C-41 Entwicklung zu Hause für Anfänger – Viel einfacher, als du denkst! (Teil 1 von 2)

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Leute sind oft überrascht, dass ich meine Negative zu Hause selbst entwickle und sogar crossentwickle, besonders nachdem sie meine Fotos gesehen haben. Und ich bin oft überrascht, dass sie überrascht sind, wenn man bedenkt, wie einfach es ist.

Und glaube mir, es ist einfach. Einfacher als Andere dich glauben lassen wollen. Einfacher als der Mann bei Freestyle Photo Supplies implizierte, als er mich warnte, ich solle zuerst mit Schwarzweiß-Entwicklung anfangen. Und jeder, auch jemand ohne jegliches Hintergrundwissen in Filmentwicklung (wie ich), kann es tun!

Natürlich recherchierte ich viel zu dem Thema im Internet, bevor ich mein hart verdientes Geld für Chemikalien und Dunkelkammer-Equipment ausgab. Ich las eine Menge Artikel über C-41 Filmentwicklung und schaute einige YouTube-Videos. Und sobald ich das Gefühl hatte, bereit zu sein, kaufte ich mir die benötigten Materialien.

Ich werde ganz ehrlich sein. Die ersten paar Anläufe erwiesen sich als knifflig. Ich brauchte einen Spickzettel in Griffweite, um die wichtigen Dinge nicht zu vergessen – die Zeit, die die Lösungen im Behälter verbringen sollten, die Reihenfolge der Chemikalien, etc. – und es fühlte sich an, als bräuchte ich ein Extrapaar Hände, da man beim Entwickeln oft zwei Aufgaben fast gleichzeitig erledigen muss.

Es war trickreich, aber nicht wirklich schwer. Tatsächlich sah der erste Film, den ich entwickelte überhaupt nicht so aus, als wurde sie von einer entwickelt, die nicht wusste, was sie tat! Und zum dritten Anlauf hatte ich bereits eine Methode gefunden, die für mich funktionierte und alles war einfach.

Nun behaupte ich in keiner Weise, ein Experte für Filmentwicklung zu sein. Hier sind wohl etwa 100 Leute, wie stouf und ck_berlin auf dieser Seite, die ein fortgeschritteneres Wissen haben als ich. Aber weil die Leute oft überrascht sind zu hören, dass ich meine eigenen Farbnegative entwickle (und das schon seit über einem Jahr!), wollte ich in diesem Tutorial mit euch teilen, was ich weiß und wie ich es tue (seht euch meine Startrail-Aufnahmen an), sodass jene, die von der Filmentwicklung eingeschüchtert sind, realisieren wie einfach es ist und inspiriert werden, es selbst zu probieren.

Soviel dazu, fangen wir gleich an.

Da dies eher ein Tutorial als ein Tipster ist, wird es etwas lang werden. Ich werde es also in zwei Teilen veröffentlichen. Die erste Hälfte, diese Hälfte, wird die soeben gelesene Einleitung sowie die zum C-41 Entwickeln benötigten Materialien abdecken, während die Zweite, die ich bald veröffentliche, den eigentlichen Entwicklungsprozess behandeln wird.

Materialien

Du brauchst natürlich einen belichteten Film bevor du anfängst, selbst zu entwickeln. Dies ist unser erstes und wichtigstes Utensil – eine belichteter Film. (Ich weiß, was du denkst. Was du nicht sagst! Aber es musst halt gesagt werden.)

Das restliche Zeug wirst du von einem Foto-Fachgeschäft in deiner Nähe oder online besorgen müssen.

Du brauchst die folgenden Dinge:

01. Wechselsack – Wechselsäcke sind günstig, einfach zu nutzen und es gibt sie in verschiedenen Größen. Sie sind tragbare Dunkelkammern. Du kannst sie nutzen, um die Negative in die Spule einzufädeln und diese in die Entwicklungsdose zu setzen, ohne dass du dir über Lichteinfall Gedanken machen musst. Sie sind auch recht nützlich, falls es mal zu Shooting-Notfällen kommt!

02. Entwicklungsdose mit Agitator – Entwicklungsdosen gibt es aus Plastik und rostfreiem Stahl. Ich nutze Plastikdosen, da sie günstig sind und man sie gebraucht und noch günstiger über eBay bekommt. Beide Arten sind einfach zu benutzen. Es gibt sie auch in verschiedenen Größen. Während manche Dosen drei Mittelformatfilme gleichzeitig verarbeiten können, fassen andere nur einen Kleinbildfilm. Anfängern empfehle ich eine mit zwei Spulen, für zwei Kleinbild- oder einen Mittelformatfilm.

03. Spule/n – Spulen werden meist mit den Dosen geliefert, können aber auch separat gekauft werden. Auch hier gibt es Plastik- und Stahlvarianten. Obwohl beide einfach zu nutzen sind, müssen Plastikspulen vor der Nutzung wirklich trocken sein, sonst wird der Film klebrig und schwer zu verarbeiten. Spulen folgen einer Bauweise, die es erlaubt, sie auf Kleinbild- oder Mittelformatfilme einzustellen.

04. Plastikmessbehälter, der 1 Liter Flüssigkeit fasst (unten links) – Dieser ist wichtig für das Mischen der Lösungen.

05. Thermometer (auf dem Geschirrtuch, unten rechts) – Ein genaues und möglichst schnelles Thermometer ist unglaublich wichtig, um die Temperaturen der Chemikalien zu messen, da dies deine Resultate stark beinflussen wird. Auf dem Bild habe ich ein normales Thermometer und eines mit rundem Kopf. Ich ziehe das mit dem runden Kopf vor, da es schnell misst und ich es in den Chemikalienbehältern hängen lassen kann.

06. Trichter (obere mitte) – Da du deine Chemikalien mindestens 16x recyclen wirst, wirst du einen Trichter brauchen, um die Chemikalien zurück in ihre jeweiligen Kanister zu schütten. Hier wird jeder Trichter dienen, da die Chemikalien nicht zur brennt-sich-durch-Plastik-Sorte gehören.

07. Filmabstreifer (untere mitte) – Wenn du das Negativ aus der Entwicklungsdose nimmst, wird viel überschüssiges Wasser daran sein. Es ist wichtig, dieses loszuwerden, da die Negative sonst langsam trocknen und Wasserflecken entstehen. Du brauchst einen Abzieher – nicht deine Finger, auch keinen Küchenschwamm – um das Wasser loszuwerden..

08. Geschirrtuch (unten rechts) – Filmentwicklung ist eine chaotische, feuchte Beschäftigung, und obwohl ein Geschirrtuch nicht zwingend ist, wirst du eines in der Nähe haben wollen, wenn du wie ich ein Ordnungsliebhaber bist.

09. Wäscheklammern und Hängeleine – Du brauchst normale Wäscheklammern, wie im Bild, und eine Leine, die wenigstens 13cm von der Wand entfernt hängt. Diese sind dazu da, die Negative zum Trocknen aufzuhängen

10. Chemikalien – Die wichtigsten Materialien abseits des Films sind die Chemikalien. Dies ist ein Anfängerkurs, also werde ich ein Kit verwenden, um dich nicht mit Chemietechnik zu verwirren. Wenn du etwas geübt im Farbentwickeln bist, kannst du vielleicht individuelle Chemikalien kaufen und Fortgeschritteneres damit erledigen. Für den Anfang empfehle ich ein Chemikalienkit. Diese sind großartige Starterpacks und erzielen dennoch tolle Resultate. Eigentlich benutze ich sie für alle meine Negative. Weiterhin sind sie extrem günstig – ein 1L Unicolor C-41Powder Kit kostet weniger als 20$ und kann mindestens 15 Filme entwickeln. Das macht 1€ pro Film! Ich kann meine sogar auf bis zu 25 Negative ausdehnen und die Fotos sehen dennoch großartig aus!

11. Chemikalienbehälter – Zu guter Letzt brauchst du Behälter. Für das Chemikalienkit brauchst du drei – einen für den Entwickler, einen für den Blix, und einen dritten für den Stabilisator (Deren Zwecke erkläre ich im zweiten Teil!). Ich empfehle, dem Drang zu widerstehen, einfach die erstbesten Behältnisse zu Hause zu nehmen. Die Behälter sind dickwandig und dunkel, um die Chemikalien haltbar zu machen. Und diese Behälter sind aus stabilerem Stoff, damit sie nicht schmelzen, wenn du die Chemikalien erhitzt, was du auch tun musst. Beschrifte diese Behälter “Entwickler”, “Blix”, und “Stabilisator” mit einem Permanentmarker, bevor du die Chemikalien benutzt. Du willst es nicht riskieren, die falsche Chemikalie zu nutzen, oder sie gar zu vermischen.

Das ist deine C-41-Ausrüstung. Bist du jetzt, da du sie kennengelernt hast, bereit, um zum Entwickeln vorzustoßen? Nur keine Aufregung. Wie gesagt, es ist einfacher als du denkst!

Bleib dran für die zweite Hälfte des Anfängerguides für C-41 Entwicklung zu Hause.

geschrieben von blueskyandhardrock am 2013-04-24 in #Gear #Tipster #c-41 #labor #ausruestung #film #entwickeln #chemikalien #diy #entwicklung #anleitung #equipment #crossen #tutorial #lab-rat

2 Kommentare

  1. jw77
    jw77 ·

    Mhmmmm vielleicht sollte ich das auch mal wagen; SW mache ich schon immer selbst, aber vor farbigem bin ich bisher irgendwie auch immer zurückgeschreckt.

    (achja und meiner Meinung nach kann man sich so einen Abstreifer schenken, mach es seit jeher mit den Finger, hatte nie iwelche Probleme und mehr Gefühl hat man damit wohl auch...)

  2. pearlgirl77
    pearlgirl77 ·

    ich entwickle auch seit kurzem daheim.. auch Farbe.. aber mit Tetenal.. klappt super! Kann ich nur jedem empfehlen es zu machen :)

    Seit ich am Schluss eine Spülung mit destiliertem / deionisiertes Wasser mache brauche ich weder Finger noch Abstreifer

    @jw77 ja mach das! macht spaß und klappt ganz gut :)

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